Athen in 24 Stunden: ein Tag von antik bis alternativ

Städtereisen

Athen ist eine der ältesten Städte der Welt und auch heute noch begegnet man der Geschichte auf Schritt und Tritt. Gleichzeitig ist Athen laut, chaotisch und heiß. Die Wirtschaftskrise ist nach wie vor allgegenwärtig. In wenigen anderen Metropolen sieht man so viele Obdachlose und Bettler. Das einzig Gute an der Situation ist, dass der Smog nicht mehr so schlimm ist wie früher, weil viele auf ein Auto verzichten müssen. Trotz aller Schwierigkeiten lassen sich die Griechen nicht unterkriegen, die Solidarität ist überall zu spüren und obwohl oder gerade weil der Verfall in der Stadt ersichtlich ist, hat sich Athen in den letzten Jahren zu einer hippen Großstadt mit einem ganz besonderen Ambiente entwickelt.

Ich muss allerdings auch zugeben, dass von meiner Seite hier kaum ein objektiven Urteil möglich ist. Zu sehr ist mir Griechenland ans Herz gewachsen. Am liebsten wäre ich ständig hier. 24 Stunden in Athen sind da sehr kurz. Mir ging es aber vor allem darum, nach vielen Jahren die Stadt wieder einmal zu spüren. Meist zieht es mich ja direkt auf die Inseln, wie z.B. nach Santorin, Mykonos oder Milos. Auch wenn Athen selbst riesig ist, die wichtigsten Attraktionen in der Innenstadt sind auf kurzen Weg zu Fuß und innerhalb eines Tages erreichbar. Über die U-Bahn-Stationen Monastiraki, Syntagma und Acropoli kommt man ebenfalls schnell zu den wichtigsten Punkten. An dieser Stelle, gebe ich einen kurzen Überblick, was man in 24 Stunden in Athen alles erleben kann.

07:00 Uhr: Aufwachen im COCO-MAT Hotel Athen

Im COCO-MAT-Hotel im stylishen Kolonaki-Viertel ist man zwar nicht auf Rosen gebettet, dafür schläft man auf einer ausschließlich aus Naturmaterialien gefertigten Matratze (einer COCO-MAT eben) und kann sein bevorzugtes Kissena aus einem Menü wählen. Das Hotel ist modern und mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Auch wer nur wenig Zeit in Athen hat, sollte sich das hausgemachte Frühstück im kleinen Innenhof nicht entgehen lassen. Von der Dachterrasse im sechsten Stock hat man einen direkten Blick auf die Akropolis, den Lycabettus und das schier endlose weiße Häusermeer Athens.

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08:00 Uhr: Besuch der Akropolis, dem Wahrzeichen der Stadt, dem geschichtsträchtigsten Ort in Athen überhaupt

Athen ohne Akropolis wäre wie Rom ohne Kolosseum, Wien ohne Stephansdom, London ohne Buckingham Palace oder Paris ohne Eiffelturm. Das Dumme ist nur, dass ein paar tausend andere Besucher ebenso denken. Die Akropolis ist das Erste, was man am Morgen ansteuern sollte. Oder man plant den Besuch am Abend ein. Nirgends sonst ist der Besucherandrang so groß. Deshalb sollte man eine Zeit wählen, wenn die unzähligen Kreuzfahrtstouristen noch oder wieder auf ihren Schiffen sind.

Zwar hat man die Akropolis nie ganz für sich alleine, aber dann sind die Treppen zur Propylaea noch nicht ganz so voll und man kann die Schönheiten des Tempelbezirks, den Partheon (der seit Jahren von Gerüsten umgeben oder durchzogen ist), den Erechtheion oder den Nike-Tempel besser auf sich wirken lassen. Insbesondere im Sommer wird es auch schnell unerträglich heiß, sodass man die Morgenstunden nutzen sollte. Mit 20 beziehungsweise 30 € für das Kombiticket ist der Eintritt geradezu exorbitant hoch. Er soll aber dazu beitragen, das Loch in der griechischen Staatskasse zu stopfen.

Beim Verlassen der Akropolis kann man noch auf den Marshügel klettern, von wo aus man noch einmal einen schönten Blick auf den Partheon und auf die Stadtteile Keramikos und Monastiraki hat.

10:00 Uhr: Eintauchen in das geschäftige Treiben am Zentralmarkt

Der Varvakios Markt ist der größte Markt Athens und hat täglich außer Sonntag von 08:00 – 15:00 Uhr geöffnet. Wie auf jedem anderen Markt auch, ist es voller und lauter, wenn man möglichst früh am Morgen da ist. Meiner Ansicht nach am interessantesten sind der Fisch- und der Fleischmarkt. Für sensible Nasen und Vegetarier oder Veganer ist das allerdings eine ziemliche Herausforderung. Denn da gibt es alles, was einmal geschwommen, gelaufen oder geflogen ist. Die Fische liegen auf Eis und bekannte und weniger bekannte Teile von Tieren sind in Glasvitrinen ausgestellt: von Rinderhälften über Schafsköpfe bis zu Innereien. Witzig ist, dass die Verkäufer sogar versuchen, Touristen ihre Waren anzupreisen und ein Geschäft zu machen. Teilweise erinnert die Atmosphäre an einen orientalischen Basar.

Rund um den Markt findet man noch Geschäfte mit Gewürzen, Kräutern, Nüssen, Honig, Feta, Oliven und Wein. Der ideale Ort um das eine oder andere Mitbringsel zu erstehen.

11:00 Uhr: Streetart in Psiri

Wenn man von der Markthalle Richtung Monastiraki-Platz spaziert, kommt man durch das Psiri-Viertel. Das frühere Einwanderer-Viertel ist heute vor allem für seine Streetart bekannt. Es gibt nur wenige Häuserfassaden, die nicht mit mehr oder weniger kunstvollen Graffitis verziert oder eben verunstaltet sind. In Psiri liegen Alt und Neu, Verfall und Aufbruch ganz nah beieinander. Psiri ist auch heute noch, vor allem abends, ein pulsierendes Viertel mit vielen Restaurants, Cafés und Bars. Noch vor wenigen Jahren galt Psiri als das Szeneviertel schlechthin. Mittlerweile wurde es abgelöst von Gazi oder Exarchia.

12:00 Uhr: Trödeln, Bummeln, Feilschen und Shoppen zwischen Monastiraki und Ermou-Straße

Am Monastiraki-Platz und im gleichnamige Viertel spielte sich während der osmanischen Zeit das wirtschaftliche und politische Leben ab. Etwas von dieser orientalischen Atmosphäre ist auch heute noch zu spüren. Gleich am Monastiraki beginnt der «Flohmarkt», zumindest weist ein Schild über der Straße darauf hin. Mit einem Flohmarkt haben die vielen kleinen Geschäfte mit Kleidung, Lederwaren und sonstigem Touristen-Ramsch in der Ifestou-Straße wenig zu tun. Geld loswerden kann man hier vor allem, wenn man Kühlschrankmagnete, Römersandalen oder bedruckte T-Shirts sucht.

Sonntags findet am Monastiraki ein richtiger Trödelmarkt statt. Wer dann in der Stadt ist, sollte sich das nicht entgehen lassen. Zwischen Monastiraki- und Syntagma-Platz verläuft mit der Ermou die wichtigste Einkaufsstraße Athens. Zwischen nationalen und internationalen Modeketten gibt es nach wie vor leerstehende, mit Brettern vermachte Ladenlokale als stumme Zeugen der Wirtschaftskrise.

13:00 Uhr: eine kleine Stärkung zwischendurch

Wenn sich langsam der Hunger bemerkbar macht, findet man in dieser Gegend eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich zu stärken. Ich persönlich liebe die griechischen Pasteten. Die bekommt man beispielsweise bei Ariston in der Voulis 10. Ebenso eine Institution ist O Kostas in Pentelis 5. Hier stehen die Leute Schlange für Souflaki und Keftedes. Ein bisschen weiter weg in der Athanasiou Diakou 38 finden Veganer bei Zachari & Alati hervorragendes Streetfood.

Diese und viele andere Tipps für Athen habe ich in der App «Spotted by Locals» gefunden. Sie gehört zu meine liebsten Reiseapps.

14:00 Uhr: Wachablösung vor dem Parlament

Vor dem Parlamentsgebäude am Syntagma-Platz bewachen die Evzonen das Grab des unbekannten Soldaten. Mit ihrem kurzen weißen Faltenrock, der bestickten Weste, den dicken Wollstrümpfen und den hölzernen Schnabelschuhen können einem die jungen Soldaten fast etwas Leid tun. Wobei es für sie eine große Auszeichnung und Ehre darstellt zur Präsidialgarde zu gehören. Während einer Stunde, wenn sie Wache halten, dürfen sie sich trotz Hitze, allenfalls lästigen Insekten und aufdringlichen Touristen nicht bewegen. Ein Gehilfe sorgt dafür, dass die Kleidung immer richtig sitzt.

Zur vollen Stunde findet jeweils die Wachablöse statt – ein etwas seltsam anmutendes Schauspiel mit überzeichneten Gesten, das man sich aber nicht entgehen lassen sollte.

15:00 Uhr: Spaziergang durch den Nationalgarten

Gleich neben dem Parlament liegt mit dem Nationalgarten die grüne Lunge Athens. Während in den Morgen- und Abenstunden viele Athener im Park joggen, suchen Touristen im Schatten der Bäume und Palmen etwas Erholung nach einem anstrengenden Sightseeing-Tag. Ein Laubengang, Statuen, Spielplätze, Springbrunnen, ein Teich, das Kongress- und Ausstellungszentrum Zappion, ein Restaurant und vieles mehr findet man in diesem öffentlichen Park.

16:00 Uhr: olympische Geschichte im Panathinaiko-Stadion

Im Stadion der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 erfährt man viel über die Geschichte der Spiel und kann ein wenig nachvollziehen, wie sich Marathonläufer und andere Sportler in dieser großartigen Anlage früher gefühlt haben müssen.

17:00 Uhr: Einkehren in der Plaka

Die Plaka am Fuße der Akropolis ist eines der ältesten Viertel in Athen und hat – vor allem abseits der Hauptstraßen – einen sehr dörflichen Charakter. Sie ist aber auch ein typisches Touristenviertel mit allen negativen Auswüchsen. Ich mag es nicht, wenn man versucht mich in irgendwelche Restaurants zu lotsen. Meist lässt die Qualität dort auch zu wüschen übrig. Auch von Verkäufern will ich nicht ständig angesprochen werden. Dennoch kann man sich hier einfach treiben lassen und etwas abseits auch schöne Gassen und Treppen entdecken. Hier findet man sicherlich ein lauschiges Plätzchen für einen Kaffee, ein Glas Wein oder einen Ouzo. Griechenland hat mittlerweile übrigens wesentlich mehr zu bieten als Nescafé Frappé, es gibt hervorragenden Espresso und Cappuccino freddo.

19:00 Uhr: Sonnenuntergang am Lycabettus

Vom Athener Stadthügel aus hat man einen fantastischen – wenn nicht sogar den besten – Blick über die Stadt. Durch das Kolonaki-Viertel steigt man über Treppen hinauf bis zur Standseilbahn. Die Fahrt hinauf kostet 5 Euro, es führt aber auch ein sehr schöner Spazierweg hinauf zum Aussichtspunkt. Zum Sonnenuntergang wird es hier recht voll, weshalb man auch rechtzeitig aufbrechen soll. Dann kann man beobachten, wie sich über dem Teppich aus weißen Häusern der Himmel langsam verfärbt und über Piräus die Sonne untergeht. Wer dann noch genügend Geduld mitbringt, wartet, bis bei Einbruch der Dunkelheit die gegenüberliegende Akropolis wunderbar beleuchtet wird.

21:00 Uhr: Abendessen und Nightlife in Exarchia und Gazi

Exarchia, nördlich des Lycabettus, gilt als Zentrum der linksautonomen Szene, wo es immer wieder einmal zu Ausschreitungen und Kämpfen mit der Polizei kommt. Deshalb wird das Viertel manchmal auch als Anarchia bezeichnet. Auf der anderen Seite ist Exarchia ein cooler Szene-Stadtteil mit Graffitis soweit das Auge reicht sowie vielen kleinen Bars und Cafés. Gazi gehört heute zu den angesagtesten Vierteln der Stadt. Im einst vergessenen Winkel der Stadt mit seinem Gaswerk entstand ein Kulturviertel mit einer aktiven Kunstszene. In beiden Vierteln kann man sich problemlos treiben lassen und sich die Nacht um die Ohren schlagen, sofern man von diesem City-Marathon nicht bereits todmüde ist oder so wie ich am nächsten Tag wieder früh raus muss.

Athen ist eine pulsierende Stadt, wo sich das Leben auf der Straße abspielt, und auf dem Weg zu einer der coolsten oder hipsten Städten Europas. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich diese Entwicklung nur gut finde. Wie in anderen Städten auch, wo in sozial schwächeren Stadtvierteln ein Gentrifizierungsprozess einsetzt, wo den Künstlern die Immobilienunternehmer folgen und ein Medienhype ausgelöst wird, bleiben viele auf der Strecke. Auf alle Fälle habe ich mir vorgenommen bis zu meinem nächsten Besuch nicht mehr so viel Zeit verstreichen zu lassen.

Athen in 24 Stunden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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