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Fernweh 2021: Ich will wieder nach … Griechenland

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Der Begriff Heimweh, das bedrückende Gefühl in der Fremde und die Sehnsucht, wieder zurück in der angestammten Umgebung zu sein, ist eine Schweizer Erfindung. Gleichzeitig sind Schweizer bestens vertraut mit dem Begriff des Fernwehs, der Sehnsucht nach der Ferne und dem Andersartigen. Die Schweizerinnen und Schweizer gehören zu den reisefreudigsten Nationen.

Das kommt nicht von ungefähr. Vielen, die in der Hochpreisinsel Schweiz leben, steht die Welt offen. Reisen, wohin ich will und wann ich will: Reisefreiheit und die nötigen finanziellen Mittel erlauben es mir. Das ist ein Privileg, dessen ich mir sehr wohl bewusst bin und wofür ich immer dankbar sein werde.

Reisefieber und Fernweh, zwei eher angenehme «Krankheiten» plagen mich nicht erst, seit ich in der Schweiz lebe. Die Sehnsucht war schon immer da, ich habe Hummeln im Hintern. Und ich vermisse das Reisen ständig, egal ob Corona uns in die Schranken gewiesen hat oder nicht. Immer schon wollte ich alles hautnah erleben, mitten im Geschehen sein, erfahren wie die Welt fernab der Heimat ist.

Willst du wissen, wie ich mit meinem Fernweh in Zeiten von Corona umgehe und nach welchem Land mein Fernweh am größten ist? Die Antwort auf den zweiten Teil der Frage kommt wie aus der Pistole geschossen. Der Rest ist etwas komplizierter.

Dieser Beitrag ist eine Premiere. Denn ich nehme damit gleich an zwei Blogparaden teil. Angela von «Unterwegs mit Kind» hat zur Blogparade gegen Fernweh aufgerufen und fragt welches unser Fernwehziel ist. Sabine von «Ferngeweht» will wissen, wie Fernweh 2021, also in reisesparsamen Zeiten, aussieht. Ich versuche beides unter einen Hut und in einen Artikel zu bringen.

Vom Fernweh in Zeiten der Corona

Ich bin jemand, der viel, oft und leidenschaftlich gerne reist. Und ja, ich war trotz Pandemie auch im vergangenen Jahr unterwegs. Das waren nicht die ganz großen Sprünge, aber eine ganze Reihe von Kurzreisen und Ausflügen in der Schweiz sowie Aufenthalte auf Texel und im Bregenzerwald (beide noch vor der Pandemie), eine abgebrochene Reise auf die Lofoten, ein Besuch in Österreich, Sifnos und Serifos, Sizilien und die Äolischen Inseln sowie Madeira. Meine letzte Fernreise nach Nicaragua und Costa Rica fand lange vor Corona statt.

Während ich diese Zeilen schreibe, bin ich gerade im Skiurlaub in Lenzerheide. Ich darf mich nicht beklagen. Dennoch würde ich gerne losziehen in die große, weite Welt oder Reisen planen, nach Hawaii, Lombok, in die Südsee oder nach Neuseeland. Ich vermisse Regionen, die so ganz anders sind als die Schweiz und das Unterwegssein generell. Ich vermisse die Vorfreude vor Abfahrt oder Abflug, das Schmieden von Plänen, ja sogar das Packen. Vor allem vermisse ich die neuen Eindrücke, Aussichten, Einsichten, Düfte und die Menschen, die Reisen zu etwas Besonderem machen. Da spüre ich jetzt zu Zeiten von Corona schon eine gewisse Melancholie.

Es gibt den – zumindest in der Pädagogik – ziemlich inflationär gebrauchten Begriff der Resilienz. Resilienz ist die Fähigkeit, Krisen gesund zu bewältigen und als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Menschen sind in der Lage, sich auf so viele schwierige Situationen einzustellen und sich anzupassen. Eine Corona-Pandemie mit Reiseeinschränkungen ist da verglichen mit anderen Schicksalen und Krisen lächerlich klein. Niemand wird wegen einer nicht gemachten Auslandsreise einen ernsthaften Schaden nehmen. Wenn Reiseabstinenz zu einer emotionalen Belastung wird, könnte es sein, dass dein Leben zu Hause nicht erfüllend ist. Dann wird auch das Reisen deine Sehnsüchte nicht stillen können.

Glücklicherweise sind wir Menschen auch Gewohnheitstiere. Ich habe mich in den letzten Wochen und seit den verschiedenen Corona bedingten Shut- und Lockdowns daran gewöhnt, vor allem in der näheren Umgebung unterwegs zu sein. Dabei habe ich Neues und Fremdes entdeckt und unvergessliche Dinge erlebt. Wenn das Fernweh größer wird, geht es einfach in die französisch- oder italienischsprachige Schweiz.

«Dream now, travel later.» Ja, ich werde wieder reisen, sobald das möglich und verantwortbar ist. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass ich auch ohne weite Reisen leben kann. Schon Aesop sagte, dass diejenigen, die unzufrieden sind an einem Ort, selten glücklicher werden an einem anderen Ort. Die Flucht aus dem Alltag oder die Suche nach Erholung waren nie die Intention meiner Reisen. Mein Fernweh hat andere Ursachen.

Nachdenklich stimmt mich, dass ich mittlerweile nicht mehr so mutig bin. Ich brauche länger, um meine Komfortzone zu verlassen. Möglicherweise habe ich das ein wenig verlernt. Herausforderungen anzunehmen und Schwierigkeiten zu überwinden, ist etwas ganz Entscheidendes beim Reisen. Daran wächst man. Manchmal brauche ich fremde Umgebungen, um neue und unbekannte Seiten in mir selbst zu entdecken. Es gab Reisen, auf denen ich mich tatsächlich verändert habe und mit anderen Augen zurückgekehrt bin. Man lernt beim Reisen, dass die Heimat nicht das Zentrum der Welt ist. Und diese Perspektive ist meines Erachtens enorm wichtig. Da halte ich es einmal mehr mit Goethe: «Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.»

Ich behaupte nicht, dass der Shoppingtrip nach London oder New York übers Wochenende etwas zur Horizonterweiterung beiträgt, das ist die Fortsetzung des alltäglichen Konsums. Sehenswürdigkeiten, Plätze, Seen, Berge und kulinarische Highlights werden abgeklappert, abgehakt und auf Social Media festgehalten. Was definitiv aktuell nicht zusammenpasst, sind Covid-19 und der typische Massentourismus und Strandurlaub. Alle Länder oder Regionen, die das bisher ermöglicht haben (Griechenland, Spanien, Seychellen, Dubai, Malediven, …) mussten danach mit einem starken Anstieg der Infektionszahlen kämpfen. Ohne Tourismus und Reisen hätten sich die neuen Virus-Mutationen nicht so schnell verbreitet.

Was mich in diesem Zusammenhang sehr beunruhigt, ist die Tatsache, dass mit Corona die Angst vor dem Fremden zunimmt. Das Brett vor dem Kopf rückt bei engstirnigen Menschen nochmals ein paar Zentimeter näher. Ich bemerke sogar in meinem eigenen Umfeld, wie eine vormals vorhandene Weltoffenheit sich ins Gegenteil verkehrt. Als Auslandsösterreicherin, die nach Monaten ihre Familie wiedersehen will, werde ich zur potenziellen Bedrohung und zum Sündenbock. Außerdem meinen plötzlich viele, sie müssten anderen vorschreiben, was sie zu tun oder zu lassen haben.

Ich bin der Meinung, dass es so wie im Alltag zu Hause beim Reisen in Zeiten von Corona auf das Individuum ankommt. Da uns dieses Virus wohl noch längere Zeit begleiten wird, können Reisebeschränkungen auf Dauer keine Lösung sein. Den vernünftigen Umgang mit den Gefahren und Risiken halte ich für wichtiger als den totalen Verzicht.

Leider habe ich wenig Hoffnung, dass Reisen nach Corona anders sein wird als vor der Pandemie. Die Billig-Airline Easyjet verzeichnet im Frühjahr 2021 ein Buchungs-Plus von mehr als 300 Prozent! Von Rückbesinnung und Entschleunigung ist da nicht viel zu spüren. Dabei würde ich mir wünschen, dass es nicht mehr wie in den letzten Jahren um ein Höher, Schneller, Weiter oder Öfter geht, sondern die Menschen wieder nachhaltiger und bewusster reisen – Stichwort Ethik im Reiseverhalten und Nachhaltigkeit.

Aber wie soll man eine solche Ethik entwickeln, wenn Reisen keine Wertigkeit mehr hat und zum Konsumgut verkommt? Als Jugendliche musste ich jeweils lange sparen, um reisen zu können. Dadurch entstand eine gewisse Demut. Ich reiste bewusster und bereitete mich länger auf ein Land vor. Mehrmals schon habe ich kritisiert, dass insbesondere das Fliegen viel zu billig ist. Dennoch darf Reisen nicht zu etwas Elitärem verkommen, das nur einer bestimmte Schicht vorbehalten bleibt. Aber für CHF 20.- in Europa herumzujetten, ist einfach nur krank. Ein Flug dürfte meines Erachtens nie billiger sein, als eine Reise mit der Bahn. Zahlen nenne ich keine, da würde ich mich gehörig in die Nesseln setzen.

Destinationen, die es nicht in diesen Artikel geschafft haben

Länder zu zählen oder alle Länder der Erde im Rekordtempo abzuklappern, ist in meinen Augen nicht erstrebenswert. Ganz im Gegenteil, das sendet ein völlig falschen Signal und hat nichts mit Reisen an sich oder mit Fernweh zu tun. Möglichst viel sehen von der Welt, das möchte ich schon. Alle Länder? Nein, das muss nicht sein. Da gibt es zum Glück eine ganze Reihe von Ländern, die mich überhaupt nicht reizen.

Jahrelang war ich getrieben davon, nur ja nicht an einen Ort zurückzukehren. Ein zweites Mal nach Rom, London oder Paris? Wie langweilig, ich wollte Neues kennenlernen! Viele meiner Reiseziele waren wunderschön, aber ich konnte oftmals nur einen Bruchteil davon entdecken. Trotzdem war die Neugier oder die Gier nach unbekannten Destinationen größer. Heute sehe ich das wesentlich entspannter. Fernweh lässt sich auch stillen, wenn man wiederkehrt.

Trotz dieser Einsicht gibt es Orte, die ich zwar schön fand, bei denen ich aber nicht das Bedürfnis habe, nochmals dorthin zu reisen. Dieses Gefühl habe ich zum Beispiel bei Mallorca, Armenien, Rajasthan oder Little Corn Island in Nicaragua. Und dann gibt es Orte, die ich definitiv nicht noch einmal besuchen möchte oder die als Reiseziele für mich nicht mehr infrage kommen.

Eine dieser Destinationen ist Dubai. Dubai ist für mich zu künstlich, zu übertrieben, zu protzig, kitschig und auch zu weitläufig. Bei Dubai kommt keinerlei Fernweh auf. Hätte ich die Wahl, würde ich eher zu Hause bleiben.

Peru hat wunderschöne Ecken, Puno am Titicacasee gehört mit Sicherheit nicht dazu. Irgendwie hat sich Puno als eine der hässlichsten Städte in meine Gedächtnis eingebrannt: halbfertige, unverputzte Häuser, staubige Straßen und chaotischer Verkehr. Dabei liegt Puno eigentlich an einem schönen Fleckchen Erde. Ähnlich enttäuschend wie Puno war dann auch der Besuch auf den schwimmenden Inseln der Uros-Indianer. Das war Touristennepp der Extraklasse. Die traditionelle Lebensweise, die man uns verkaufen wollte, war nur Kulisse. In den Hütten wurde weder gekocht, gelebt noch geschlafen – alles wie im Museum. Aber letztendlich ist mir so eine inszenierte Choregorafie dann noch lieber, als wenn Einheimischen-Inseln oder -Dörfer einem Zoo gleich vermarktet werden.

Ich will wieder nach … meine Fernwehdestinationen

Kürzlich hat mich jemand gefragt, welches meiner Reiseziele das schönste war. Was macht ein schönes Reiseziel aus? Sind es tropische Traumstrände, Bilderbuchstädte, pulsierende Metropolen oder unberührte Landschaften? «Schön» ist relativ. Und wenn wir von Reisen oder Reisezielen sprechen, spielen so viele Faktoren eine Rolle, ob wir etwas «schön» finden oder nicht. Es sind nicht nicht nur die Destinationen selbst, sondern die Begleitumstände der Reise. Das sind Menschen, Erlebnisse oder die persönliche Gefühlslage, die einen Ort zu etwas Besonderem machen.

Und so gibt es Städte, Regionen oder Länder, die sich ganz fest in mein Gedächtnis eingeprägt haben. An andere erinnere ich mich nur vage. Schön war es fast überall – irgendwie. Bei manchen Orten möchte ich sogar gerne zur Wiederholungstäterin werden. Ich habe Fernweh nach Destinationen, mit denen ich irgendwie noch nicht fertig bin oder die einen ganz intensiven Eindruck hinterlassen haben.

Lofoten

Im März 2020 musste ich meine Reise auf die Lofoten abbrechen. Seither bin ich getrieben von dem Gedanken, dorthin zurückzukehren. Es war eine Reise, auf die ich mich unendlich gefreut hatte. Nur schon die Anreise über Tromso und das Städtchen Svolvaer haben mich in den Bann gezogen. Die verschneiten Landschaften, die Buchten mit den Rorbuer, die einsamen Strände, all das weckt eine große Sehnsucht. Mein Fernweh nach den Lofoten muss aber mindestens noch bis März 2022 warten.

Südafrika

Kapstadt hat mich ebenfalls vom ersten Moment an begeistert. Die Region um das Kap und die Drakensberge habe ich auf meiner Reise durch Südafrika, Namibia und Botswana bis zu den Victoria Fällen erlebt. Die Gardenroute, die berühmten Nationalparks und die Weinbaugebiete stehen noch auf meiner Wunschliste. Somit verbinde ich Südafrika ebenfalls mit Fernweh und freue mich bereits jetzt auf eine Radtour entlang der Küste.

Japan

Japan wird nachgesagt, dass es kein Ziel für Individualreisende ist. Auch sonst kursieren eine Reihe von Klischees um das Land des Lächelns. Japan ist riesig und ich konnte auf meiner Reiseroute von Tokio nach Hiroshima nur einen Bruchteil davon erleben. Neben den landschaftlichen Schönheiten haben mich vor allem die Menschen und die Kultur beeindruckt. Die Japaner sind das höflichste Volk, das ich kenne. Japan ist anders und es ist faszinierend, wie ein reiches Industrieland so fremdartig sein kann. Deshalb habe ich Fernweh nach Japan.

Vietnam

Nicht Thailand war mein Südostasien-Einsteiger-Land, sondern Vietnam. Noch heute bleibt mir der Atem weg, wenn ich an Naturschönheiten wie Sapa, Halong Bay, Phú Quốc, den Wolkenpass oder Mũi Né zurückdenke. Obwohl ich auch Fernweh nach Thailand, Myanmar oder den Philippinen habe, möchte ich am liebsten nach Vietnam zurückkehren. Gleichzeitig habe ich Bedenken, ob ich nach so vielen Jahren nochmals alles so intensiv erleben könnte. Das Land hat sich verändert, ich habe mich verändert …

Kuba

Ähnlich geht es mir mit Kuba. Eigentlich möchte ich zurück. Vor fast zwanzig Jahren war ich auf der karibischen Insel unterwegs. Seither träume ich davon, wieder durch die Gassen von Havanna und Trinidad zu schlendern, die Schönheiten des Viñales Tals zu erkunden und auch den Osten der Insel zu entdecken. Gleichzeitig ist Kuba eine Destination, bei der ich Angst habe, dass sie sich zu stark verändert hat und ich dort nicht mehr das finde, was ich suche oder wonach ich Fernweh habe.

Städte: Tel Aviv, Singapur, Tiflis und Porto

Die Stadt am Mittelmeer zählt zu meinen Lieblingsmetropolen, noch vor New York. Es ist das Lebensgefühl in dieser Stadt. Tel Aviv ist ein Schmelztiegel, hat Strand und eine der besten Küchen überhaupt. Nach Tel Aviv würde ich jederzeit und immer wieder zurückkehren. An meinem ersten Abend in der Stadt bin ich von meinem Hotel in der Nähe des Carmel Markets hinunter zum Meer gelaufen. Dort wurde eine Hochzeit gefeiert. Und während über Jaffa die Sonne glutrot im Meer versank, erklang Machrozet Schirey Hina von Lehakat Sfataim aus den Lautsprechern. In dem Moment wusste ich, hier fühle ich und hier fühle ich mich wohl.

Singapur gilt als Stadt für Asien-Neulinge. Singapur polarisiert aber auch, man liebt oder hasst es. Ich mag an Singapur die Mischung aus Moderne und kolonialer Vergangenheit. Singapur ist grün, sauber und sicher. Gleichzeitig ist die Stadt multikulturell und lebendig. Singapur gehört seit jeher zu meinen liebsten asiatischen Metropolen und ich werde sicherlich wieder dorthin zurückkehren.

Eine Stadt, die mich völlig überrascht hat und die ich unbedingt noch einmal erleben möchte, ist Tiflis. Als Paris des Ostens wird es bezeichnet, andere wollen in Tiflis das Berlin oder Prag nach der Wende sehen. Ich habe Tiflis nicht so modern und lebhaft erwartet. Die pulsierende Stadt hat mich mit ihren Gegensätzen geflasht. Tiflis liegt irgendwo zwischen Orient, Okzident und Sowjetgeschichte, zwischen Verfall und Schönheit sowie Tradition und Coolness.

Und dann ist da noch Porto. Nach der Stadt im Norden Portugals habe ich seit fast zehn Jahren Fernweh. Irgendwann werde ich wiederkommen, durch die Gassen mit den historischen Gebäuden flanieren, mit der alten Straßenbahn fahren, am Douro entlanglaufen, einen Port Tonic schlürfen und in Foz die Brise des Atlantiks schnuppern.

Griechenland und die Kykladen, das Land meines Herzens und die Sehnsuchtsdestination schlechthin

Wenn mich heute jemand fragt, wohin ich nach Ende der Pandemie reisen möchte, dann kann es nur eine Antwort geben: Ich habe Fernweh nach Griechenland, genau genommen nach den Kykladen. So einfach und so banal ist das. Mein Fernwehziel liegt nicht am anderen Ende der Welt, sondern ganz einfach «nur» in Südosteuropa.

Es gab Zeiten, da wollte ich das nicht wahrhaben. Ich musste wie oben geschildert die große, weite Welt entdecken. Dabei habe ich Griechenland und die Kykladen sehr stiefmütterlich behandelt. Heute tut mir das fast Leid. Seit etwa fünf Jahren kehre ich nun wieder regelmäßig zurück in mein Lieblingsland.

Griechenland, Land meines Herzens und Fernwehziel schlechthin

Fast alle von uns haben dieses eine Land oder die eine Region, die wir ganz fest im Herzen tragen, eine Sehnsuchtsort, der uns magisch anzieht. Warum das so ist, kann ich nicht einmal genau definieren. Meine erste Flugreise überhaupt führte mich nach Athen. Später war ich mit meinen Eltern auf Korfu, Rhodos, Patmos und Kreta. Gut dreißig weitere Inseln, die meisten davon auf den Kykladen, habe ich seither besucht.

Wenn ich in Griechenland aus dem Flugzeug steige, geht mir das Herz auf. Es ist ein Gefühl, das sich nur sehr schwer in Worte fassen lässt. Ein bisschen ist es wie nach Hause kommen. Ich fühle mich in keinem anderen Land so daheim wie in Griechenland, weder in Österreich, wo ich geboren wurde, noch in der Schweiz, wo ich seit zwanzig Jahren lebe. Das sind ganz besondere Wohlfühlmomente.

Griechenland und die Kykladen sind für mich ein blau-weißes Märchen. Bisher habe ich noch kein Land besucht, das dieses Flair ausstrahlt. Ich ertappe mich bei jeder Reise (zumindest in Europa) dabei, die Destination mit Griechenland zu vergleichen. Und damit ist jedes andere Reiseziel gleichzeitig chancenlos. Von den weißen Dörfern in Andalusien war ich regelrecht enttäuscht. Nichts kann Griechenland und den Kykladen das Wasser reichen. Einzig mit den Äolischen Inseln, Alicudi und Stromboli, habe ich einen Ort gefunden, der irgendwie mithalten kann. Und ich könnte mir vorstellen, dass auch die Ägadischen Inseln eine Wohlfühl-Desitnation werden.

Die griechischen Inseln, vor allem die Kykladen, sind architektonische Schmückstücke. Die Ästhetik des Gesamtbildes ist nahezu unerreichbar. Das Zusammenspiel aus türkisblauem Wasser, weißgetünchten Häusern, farbigen Bougainvilleas und der Detailverliebtheit in Sachen Dekoration ist einzigartig. Die Mentalität der Einheimischen entspricht mir, gelassen, unaufdringlich, nicht zu laut und ein Gefühl dafür, das Leben zu genießen.

Sogar die griechische Küche ist nicht so schlecht, wie ihr nachgesagt wird. Sie ist einfach in unseren Breitengraden durch lieblos angerichtete Appollon Teller in scheußlich dekorierten Lokalen in Verruf geraten. In Griechenland selbst gibt es nicht 200 Gerichte auf der Karte und die Speisen kommen nicht aus dem Tiefkühler. In manchen Tavernen darfst du auch heute noch in die Töpfe gucken. Insbesondere auf den Kykladen findest du viele vegetarische Gerichte auf Basis von Hülsenfrüchten.

Ich persönlich mag auch die griechische Musik. Von meinen ersten Griechenland-Reisen habe ich mir damals noch Kassetten mitgebracht und sie stunden-, tage- und wochenlang zu Hause gehört. Wenn ich von längeren Aufenthalten in Griechenland nach Hause kam, konnte ich sogar etwas von der griechischen Gelassenheit mit in den Alltag nehmen. Das war Entspannung pur.

Früher war ich oft zum Segeln in Griechenland, im Saronischen Golf, entlang des Peleponnes und in den Kykladen. Ein Land mit so vielen Inseln lässt sich am besten vom Wasser aus erkunden. Mittlerweile nehme ich mir mehr Zeit, die Inseln selbst zu entdecken. So war ich in den vergangenen Jahren als Wiederholungstäterin auf Santorin, Mykonos, Milos, Folegandros, Paros, Sifnos und Serifos. Neben den typischen Inselerkundungen, Bootstouren, ein paar Stunden am Strand war ich dabei immer auch wandern.

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Meine nächste Reise nach Griechenland ist fest geplant, die Flüge sind gebucht und die Unterkünfte reserviert. Jetzt hoffe ich ganz fest, dass ich diese Reise antreten kann. Im Juni soll es nach Naxos und Amorgos gehen. Bis dahin hole ich mir Griechenland nach Hause. Griechischen Salat könnte ich täglich essen, aber auch Tzatziki, Fava oder der Kichererbseneintopf Revithada stehen regelmäßig auf meinem Speiseplan. Wein gibt es manchmal aus dem typischen Retsina-Becher und in meiner Wohnung sind ganz dezent einige Dekorationsgegenstände aus Griechenland verteilt.

Mitte der 1980er-Jahre haben STS «Irgendwann bleib i dann dort» gesungen. Das war die ganz persönliche Liebeserklärung dieser Band an Griechenland. Auch ich habe das Lebensgefühl dort inhaliert. Vielleicht bleibe ich irgendwann … für länger oder für immer.

Fernweh Griechenland Kykladen
Fernweh 2021: Ich will wieder nach ... Griechenland 2

3 Gedanken zu „Fernweh 2021: Ich will wieder nach … Griechenland“

  1. Herzlichen Dank für deine Gedanken zum Thema Fernweh. Dieser Gedanke hat mich besonders nachdenklich gemacht: “Was mich in diesem Zusammenhang allerdings sehr beunruhigt, ist die Tatsache, dass mit Corona die Angst vor dem Fremden zunimmt. ” An der Offenheit gegenüber anderen müssen wir wieder arbeiten, denke ich. Schön, dass du an meiner Blogparade teilgenommen hast!

    Antworten
    • Danke Sabine, das habe ich gerne gemacht. An der Offenheit gegenüber anderen und anderen Meinungen müssen wir wieder arbeiten, da gebe ich dir Recht.

      Viele Grüße
      Carola

      Antworten
  2. Liebe Carola,

    vielen Dank für den schönen Beitrag! Ganz tolle Gedanken zum Fernweh und zum Reisen. Viele davon kann ich eins zu eins unterschreiben! Interessant, dass du die Sehnsucht nach Griechenland erst nach und nach wieder entdeckt hast. Ist es nicht eigenartig, wie Erwartungen selbst so scheinbar ureigene Gefühle wie das Fernweh beeinflussen können?! Es wäre ja schön, wenn Corona den Effekt hätte, dass das “Schneller, Höher, Weiter” beim Reisen der Vergangenheit angehört – aber wie du schon schreibst: Vielleicht geht das auch gerade nach hinten los. Beim Entschleunigen auf Reisen bin ich jedenfalls ganz bei dir!
    Liebe Grüße
    Angela

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© TRAVELLINGCAROLA

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Hallo, das könnte dich interessieren: Fernweh 2021: Ich will wieder nach ... Griechenland! Hier ist der Link: https://travellingcarola.com/fernweh-nach-griechenland/