Bremen oder warum es nicht immer Hamburg sein muss

Städtereisen

Bremen zählt mit Sicherheit zu den schönsten Städten Deutschlands. Dieser Meinung sind nicht nur die Bremer selbst. Bremen hat eine wunderschöne Altstadt, interessante Museen, unzählige Parks und Grünanlagen und ist zugleich hip und modern. Und dennoch gehört es nicht zu den typischen Städtereisezielen und muss ganz oft für einen Vergleich mit Hamburg herhalten. Ich mag den Norden Deutschlands, ich mag Sylt und ich mag Hamburg. Grund genug, auch einer der am meisten unterschätzten Städte Deutschlands einen Besuch abzustatten.

Wenn ihr Lust auf Norddeutschland und eine andere Hansestadt als Hamburg habt, dann findet ihr hier im Artikel Anregungen für ein Wochenende in Bremen.

Bremens Viertel und Quartiere
Marktplatz und umliegende Plätze

Zu den «Must-See-Places» in Bremen gehört der historische Marktplatz im Herzen der Stadt. Die Bremer nennen ihn liebevoll «Gute Stube». Wie es sich für eine gute Stube gehört, trifft sich hier alles und jeder. Imposant sind die wunderschönen Fassaden der Häuser. Das Bremer Rathaus ist mit eines der schönsten in Deutschland. Am Marktplatz stehen auch der St. Petri Dom, der Schütting (Haus der bremischen Kaufmannschaft und heute Sitz der Handelskammer), eindrückliche Brunnen und der Roland. Rolandstatuen sind immer ein Symbol für Freiheit und Marktrecht. Der Bremer Roland gilt als eine der ältesten und prächtigsten Roland-Statuen. Zusammen mit dem Rathaus zählt er zum UNESCO-Welterbe.

Das heimliche Wahrzeichen Bremens, die Skulptur der Bremer Stadtmusikanten steht genaugenommen nicht mehr am Marktplatz, sondern an der Westseite des Rathauses. Den vier berühmten Märchengestalten der Gebrüder Grimm wurde von Gerhard Marcks ein Denkmal gesetzt. Die Skulptur ist relativ klein und man könnte versehentlich daran vorbeilaufen. Wenn man beide Hufe, des Esels fest umfasst, soll das Glück bringen: Augen zu und sich etwas wünschen. Aktuell (Frühjahr bis Herbst 2019) ist in der Kunsthalle Bremen die Ausstellung «Tierischer Aufstand. 200 Jahre Bremer Stadtmusikanten in Kunst, Kitsch und Gesellschaft» zu sehen.

Auch wenn die vier Gesellen Glück bringen, in Bronze gegossen sind sie ziemlich still. Tierische Töne kommen dafür aus dem Bremer Loch. Wer eine Münze in den Gully vor der Bremer Bürgschaft wirft, wird mit i-ah-Lauten, Bellen, Miauen oder einem Kikeriki belohnt. Hinter dem Bremer Dom befindet sich der Spuckstein. Hier fand 1831 die letzte öffentliche Hinrichtung in Bremen statt. Es war das Ende der Giftmörderin Gesche Gottfried, die 15 Menschen mit Arsen ins Jenseits befördert hatte. Auf dem im Pflaster des Domhofs eingelassenen Steins kann man die Verachtung für die Serienmörderin kundtun.

Böttcherstraße

Vorbei am Schütting erreicht man über eine enge Gasse die Böttcherstraße. Einst lebten hier die Fassmacher, die Böttcher, die eben Bottiche herstellten. Anfang des 20. Jahrhunderts begann der Unternehmer und Kaffehändler Ludwig Roselius (Kaffee Hag) die verfallenen Häuser der Straße nach und nach zu renovieren. Heutzutage ist die Straße ein Gesamtkunstwerk aus Art Déco und Backsteinbauten und beheimatet viele kleine Geschäfte für Kunsthandwerk, Galerien und eine Bonbonmanufaktur. Außerdem kann man beim Entlangschlendern das Glockenspiel entdecken. Die dreißig Glocken aus Meißner Porzellan erklingen mehrmals täglich. Die Böttcherstraße ist relativ eng und zu Stoßzeiten versperren Touristen- oder Schülergruppen Weg und Aussicht. Wer die Straße in Ruhe genießen möchte, sollte früh dran sein.

Schnoorviertel

Das Gleiche gilt übrigens auch für das Schnoorviertel. Im ältesten Teil Bremens reihen sich die winzigen Fachwerkhäuser wie Perlen an einer Schnur – plattdeutsch eben «Schnoor» aneinander. Möglicherweise war das früher auch das Viertel der Taumacher. Nahe der Weser finden sich hier zahlreiche Cafés, Restaurants und kleine Läden mit handgefertigten Produkten. Das Angebot ist nicht ganz nach meinem Geschmack. Dennoch zählt das Schnoorviertel zu meinen Bremen-Highlights. Mitten im mittelalterlichen Viertel liegt übrigens mit dem Hochzeitshaus das vielleicht kleinste Hotel der Welt.

Das «Viertel»

Das Viertel ist der kultigste, quriligste, bunteste und alternativste Stadtteil Bremens: Szenekneipen, hippe Lebensmittelläden, Mode exklusiv oder Second Hand und Kulturmeile. Rund um Ostertor und Steintor tobt auch das Nachtleben. Was mir besonders am Viertel gefällt, sind die Nebenstraßen. Hier lässt es sich in aller Ruhe durch Wohnquartiere schlendern und die Architektur genießen. Das Besondere sind die verglasten Windfänge vor den Häusern.

Vom Osterdeich aus kann man mit der bunten Sielwallfähre zum Café Sand übersetzen. Das beliebte Ausflugsziel für Familien kann sogar mit einem Sandstrand aufwarten. Allerdings ist es im Winter geschlossen und außerhalb der Hauptsaison nur samstags und sonntags geöffnet.

Meist ist es ja so, dass immer dann, wenn ein Quartier als trendig gilt, die Szene längst schon wieder weitergezogen ist. Und so ist das Viertel vor allem bei Besuchern und Touristen beliebt, während Einheimische die Neustadt als Hipsterviertel empfehlen. Auch dort gibt es viele kleine Läden, Restaurants, Clubs und alternative Angebote.

Bremen City

Mode und Shoppen haben für mich zwar nicht gänzlich, aber doch viel von ihrem Reiz verloren. Allerdings muss ich gestehen, dass ich das Einkaufen oftmals mit meinen Reisen verbinde. Ansonsten fehlt mir schlichtweg die Zeit dafür. Die Haupteinkaufsstraße Bremens ist die Obernstraße. Aber auch in den Seitenstraßen liegen viele Boutiquen, Modehäuser oder überdachte Einkaufspassagen. Interessant in der City sind noch die Sögenschweine am Beginn der Fußgängerzone Sögestraße. Dabei handelt es sich um die Brozeplastik eines Hirts mit Schweinen und einem beliebten Treffpunkt. Und am Loriotplatz gleich bei den Wallanlagen sitzt in Gedanken an Vicco von Bülow der 200 Kilo schwere Knollennasenmann auf einer Parkbank.

Schlachte

Hinter dem heutzutage etwas unangenehm oder blutig klingenden Namen versteckt sich eine gemütliche und lebhafte Uferpromenade. Tatsächlich kommt der Name vom Niederdeutschen «slagten», dem Einschlagen von Pfählen zur Uferbefestigung. Entlang der Schlachte lässt sich mitten in der Stadt maritimes Ambiente am Fluss genießen.

Hier kann man flanieren, Schiffe schauen, eine Rundfahrt auf der Weser machen oder in den zahlreichen Gastronomiebetrieben mit Biergärten und Terrassen einkehren. Das Angebot ist vielfältig. Alles in allem ein lohnenswerter Abstecher an einem warmen Tag.

Seit 2011 liegt die Alexander von Humboldt (das ehemalige Werbeschiff von Becks Bier) an der Schlachte. Die «Alex» ist heute ein Hotel- und Restaurantschiff.

Überseestadt und maritime Meile

Bei der Überseestadt handelt es sich um das ehemalige Hafenrevier. Neben und in den alten Hafengebäuden und Speichern entstehen moderne Wohnungen, Restaurants und Geschäfte. So ist auch hier rund um die Marina eine attraktive Flaniermeile entstanden.

Noch weiter östlich, etwa 20 Kilometer von der City entfernt, liegt der Vegesacker Hafen. Deutschlands ältester künstlicher Hafen ist heute ein Museumshafen, in dem es einige alte Schiffe zu sehen gibt. Hier wird die Geschichte der Seefahrt und des Schiffbaus lebendig. An der maritimen Meile – diese ist genau 1.852 Meter lang – liegt der Großsegler «Schulschiff Deutschland».

In der alten Segelmacherrei kommen Trödelfans auf ihre Kosten. Vegesack lockt zudem mit einer langen Einkaufsmeile und einem schönen Stadtpark.

Bremens Parkanlagen
Wallanlagen

Die Wallanlagen erstrecken sich über mehrere Kilometer entlang der ehemaligen Stadtmauer. Mit dem Stadtgraben hat man sogar einen kleinen Fluss, der sich durch den Park zieht. Der Park ist richtig idyllisch, sogar Reiher und Eichhörnchen kann ich beobachten. Da die Wallanlagen mit Radwegen durchzogen sind, muss man gerade morgens aufpassen, dass man im wahrsten Sinne des Wortes nicht unter die Räder kommt. Zwischen City und Bahnhof kommt man an der Alten Mühle vorbei. Die Windmühle ist umgeben von wunderbaren Blumenbeeten und beherbergt mit der Kaffeemühle ein Restaurant.

Bürgerpark

Etwas weiter entfernt vom Stadtzentrum im Nordosten lässt es sich im Bürgerpark herrlich entspannen. Der Park mit dem angrenzenden Stadtwald gilt als grüne Lunge Bremens. Mit seinem Angebot für Kinder ist er ein beliebtes Ausflugsziel für Familien. Mir gefällt die Idee, den Park allein durch eine Tombola und Spenden zu erhalten. Für nur zwei Euro tut man etwas Gutes und hat zudem noch die Gelegenheit tolle Sachpreise von Bremer Unternehmen und Geschäften. Noch läuft die Bürgerparklotterie und überall in der Stadt gibt es Lose zu kaufen beziehungsweise sind die Preise ausgestellt. Der Bürgerparkt ist übrigens riesig. Er eignet sich gut zum Joggen. Wenn man sonst mehr vom Park sehen möchte, sollte man gut zu Fuß sein.

Knoops Park und Rhododendronpark

Einen Besuch im Knoops Park verbindet man am besten mit dem Ausflug nach Vegesack. Er gilt als einer der schönsten Bremer Parks, mit schönen alten Bauwerk und Picknickplätzen. Der Knoops Park ist leicht hügelig.

Der Rhododendronpark beherbergt über 500 verschiedene Rhododenrenarten. Besonders zur Blütezeit im Mai leuchtet hier alles in Gelb, Rot und Violett. Das Blütenmeer lockt dann viele Besucher nach Bremen.

Gefahren, gegessen und genächtigt

Das Zentrum Bremens ist äußerst überschaubar. In Zeiten von Google Maps vergesse ich gerne auf Maßstäbe und bin dann immer überrascht, wie gering die Distanzen sind. Den Großteil der Wege kann man tatsächlich zu Fuß zurücklegen. Für den Abstecher nach Vegesack war ich mit der RS 1 (Richtung Bremen-Farge) unterwegs. Die Fahrt dauert etwa eine halbe Stunde ist im Tagesticket des Verkehrsverbunds inbegriffen.

Gegessen habe ich unter anderem im El Mundo. Das Restaurant in der Überseestadt ist zwar riesig, hat aber dennoch Ambiente. Zu empfehlen ist auch das Vengo, das mit seiner kreativen und internationalen Gemüseküche besticht.

Genächtigt habe ich diesmal einfach und relativ zentral im Motel One. Ich bin zwar nicht unbedingt Fan von großen Hotelketten, in diesem Fall war es aber eine praktische und günstige Option.

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