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Sifnos oder Serifos? Ein kleiner Ratgeber als Entscheidungshilfe

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Sifnos oder Serifos? Diese Frage stellt sich vielen, die durch die Inselwelt der westlichen Kykladen hüpfen. Beide Inseln gehören zu den weniger bekannten Destinationen in Griechenland. Abseits der touristischen Inseln wie Santorin oder Mykonos sind Sifnos oder Serifos eher Ziele für Griechenlandkenner und -liebhaber. Serifos und Sifnos erfüllen das Klischee der Kykladen mit weißen kubischen Häusern, blauen Fensterläden, blühenden Bougainvilleas, Windmühlen und kleinen Kirchen.

Zu den westlichen Kykladen gehören neben Sifnos und Serifos noch Kea, Kithnos, Kimolos und Milos. Letztere ist nicht zuletzt wegen ihres nationalen Flughafens und ihrer landschaftlichen Vielfalt beliebt bei Touristen aus dem In- und Ausland. Dann kommen die nicht weit von Milos entfernten Eilande für eine Inselkombination infrage. Beide Inseln haben einige Gemeinsamkeiten wie annähernd die gleiche Größe (ca. 75 km²) , gute Strände und hübsche Altstädte, sind aber doch sehr unterschiedlich.

Im Artikel gebe ich dir eine kleine Entscheidungshilfe, ob Sifnos oder Serifos die passendere Insel oder bessere Wahl für dich ist. Ich vergleiche die beiden Inseln anhand mehrerer Kriterien.

Erreichbarkeit und Fortbewegung auf den Inseln

Beide Inseln liegen weniger als 150 km von Piräus entfernt. Sie verfügen über keinen Flughafen und sind somit nur mit der Fähre zu erreichen. In der Hochsaison gibt es mehrmals täglich Verbindungen von Piräus und zurück. Aegean Speedlines, Sea Jets und Zante Ferries, bedienen die Route auf die westlichen Kykladen.

Mit der Schnellfähre dauert die Überfahrt von Piräus aus gerade einmal zwei bis zweieinhalb Stunden, die langsamere Dionysios Solomos von Zante benötigt dafür die doppelte Zeit. Zwischen Serifos und Sifnos ist man mit der normalen Fähre eine Stunde unterwegs, mit dem Championjet 2 von Seajets nur 20 Minuten. So ist sogar ein Tagesausflug auf die jeweils andere Insel denkbar.

Fährverbindungen auf die westlichen Kykladen findest du bei Ferryscanner:

Fähren nach Sifnos oder Serifos [Affiliate-Link, Werbung]

Lohnt es sich auf so kleinen Eilanden wie Sifnos oder Serifos ein Auto oder einen Roller zu mieten? Ich würde sagen ja. Für die Inselrundfahrt auf Serifos muss man inklusive Stopps an Stränden etwa einen Tag einkalkulieren. Der Weg von Livadi nach Chora lässt sich in etwa einer halben Stunde auch zu Fuß bewältigen. Ansonsten verkehrt der öffentliche Bus von KTEL jeweils zur vollen Stunde von Livadi nach Chora und zur halben Stunde wieder zurück. Am Abend gibt es zusätzliche Verbindungen. Die bekannten Strände werden ebenfalls von Bussen angefahren. Mit einem Auto bist du selbstverständlich flexibler.

Auf Sifnos verläuft keine Ringstraße. Hier verlaufen die meisten Verbindungen über die Inselhauptstadt Apollonia. Das bedeutet aber auch Umsteigen, wenn man z.B. mit dem Bus von Kamares nach Faros möchte. Regelmäßige Busverbindungen zwischen den zwölf Dörfern gibt es alle ein bis zwei Stunden. Um die abgelegenen Strände zu erreichen und von den Fahrplänen unabhängig zu sein, lohnt sich ein eigenes Fahrzeug. Die Busse sind wie auf Serifos sehr günstig. Tickets für ein paar Euro kauft man direkt im Bus.

Wenn du auf den Kykladen während der Hochsaison ein Auto mieten möchtest, solltest du das frühzeitig organisieren und buchen. Im Sommer, wenn die Urlauber aus Athen und vom Festland einfallen, ist oft kurzfristig kein Fahrzeug zu bekommen. Die Fahrzeuge sind winzig, was aber für die dortigen Straßen ausreicht.

Chora, andere Ortschaften und Charakter der Inseln

Liebst du die Atmosphäre in einer griechischen Chora genauso wie ich? Dann fragst du dich vielleicht, wo es die schöneren Städte und Orte gibt. Serifos zählt gerade einmal 1400 Einwohner. Neben dem Hafenort Livadi, in dem sich das touristische Leben abspielt, gibt es neben der Chora kaum nennenswerte Ortschaften. Insbesondere der Inselnorden ist kaum besiedelt.

Dafür hat es die Chora in sich. Für mich zählt sie zu den schönsten der Kykladen. Die mittelalterliche Stadt mit den Überresten der venezianischen Festung klebt regelrecht am Hang. Der kleine Hauptplatz, die Pano Piatsa mit der Kirche, dem Rathaus uns vielen Bars und Cafés ist ein wahres Schmuckstück. Am Abend erwacht die Stadt zum Leben.

Hafen (Livadi) und Chora von Serifos
Serifos: Livadi und Chora

Hier kann Apollonia, die Inselhauptstadt von Sifnos nicht mithalten. Sie liegt zwar einem Amphitheater gleich am Hang, ist aber weniger idyllisch. Diese Idylle findet man dafür in der alten Hauptstadt Kastro. Die Struktur der Stadt ist einzigartig. Eine weitere wunderschöne Ortschaft auf Sifnos ist Artemonas, das mittlerweile mit Apollonia zusammengewachsen ist.

Cheronissos, Faros, Platis Gialos, Vathi und Kamares sind beliebte Badeorte auf der Insel. Mir persönlich gefallen Cheronissos und Faros am besten, weil sie klein und ursprünglich sind. Platis Gialos finde ich im Gegensatz dazu wenig ansprechend, der Siedlung fehlt jeglicher Charme.

Die Kykladen sind ein wunderschönes Fleckchen Erde. Mir gefällt ausnahmslos jede Insel, die beiden erwähnten machen da keine Ausnahme. Seit Ewigkeiten werden auf Sifnos Silber, Blei und Gold abgebaut. Das hat den Insulanern zu einem gewissen Reichtum verholfen, von dem auch heute noch etwas zu sehen ist. Trotz der kleinen Größe von knapp 74 km² ist Sifnos erstaunlich vielfältig. Sifnos hat wunderschöne Ortschaften, Steilküsten, Strände und landwirtschaftliche Gebiete mit Olivenbäumen. Eindrücklich auf Sifnos sind die exponiert gelegenen Klöster und Kirchen.

Im Gegensatz zu Sifnos wirkt Serifos eher kahl und unwirtlich, die felsige und trockene Insel muss man sich erst erschließen. Die Bergketten sind bei genauerem Hinsehen mit kleinen fruchtbaren Tälern durchzogen. Mit Livadi und der Chora an der Ostseite der Insel hat Serifos ein ganz besonderes Flair, ein Charme, dem man erliegt oder eben nicht. Serifos polarisiert.

Sifnos ist vor allem bekannt für seine Keramik. Schon seit jeher hat Sifnos die Kykladen, Griechenland und den Mittelmeerraum mit Keramik versorgt. Noch heute gibt es mehr als 15 Ateliers und Werkstätten, die von einfachen Kochutensilien und traditioneller Keramik bis hin zu abstrakten Kunstwerken alles anbieten.

Sifnos Keramik
Sifnos Keramik

Serifos hatte nie den gleichen Reichtum erlangt. Hier wurde anstelle von Gold und Silber nur Eisenerz abgebaut. Die Minen im Megalo Livadi im Westen der Insel waren bis in die Mitte der 1960er Jahre in Betrieb. Im Anschluss wurde die Region zum Kulturdenkmal deklariert. Ein Besuch wirkt irgendwie surreal. In der Bucht, wo Einheimische und Touristen baden, stehen noch die Überreste des neoklassizistischen Verwaltungsgebäudes. Rund um die Stollen fühlt man sich wie in einem riesigen Freiluftmuseum. Hier liegen noch Schienen, alte Loren sind in der Landschaft verteilt und Teile der alten Laderampe ragen noch ins Meer.

Megalo Livado auf Serifos
Eisenmine auf Serifos

Strände und Wanderwege

Welche Insel punktet mit den schöneren Stränden, Sifnos oder Serifos? Da ich nicht zu denjenigen gehöre, die stundenlang am Strand liegen oder ganze Tage dort verbringen, bin ich vermutlich nicht die Richtige, um das zu beurteilen. Ich lege keinen Wert auf Trubel oder Wassersportmöglichkeiten, Liegestühle und Sonnenschirme brauche ich ebensowenig wie den Beachclub mit lauter Musik. Letzteres haben die beiden kleinen Inseln auch nicht zu bieten.

Vielmehr schätze ich abgelegene Strände und Buchten, die natürlichen Schatten spenden. Dort springe ich dann auch gerne mal ins Wasser und genieße die Atmosphäre. Das findet man vor allem auf Serifos. An den Stränden im Osten und Norden der Insel waren zum Teil nur eine Handvoll Leute. Agios Sostis, Platis Gialos, Sikamia und Koutalas haben mir auf Serifos am besten gefallen. Belebtere Strände sind Livadakia im Südwesten von Livadi oder Ganema Beach.

Strand von Sikamia Serifos
Serifos: Sikamai

Sifnos bietet einige große halbmondförmige Buchten mit goldenen Sandstränden. Vathi oder Platis Gialos gehören zu den beliebtesten und auch belebtesten Stränden. Mein persönlicher Favorit ist Faros mit seinen drei Stränden. Auch im Norden von Sifnos gibt es mit Cheronissos und Vroulidia zwei tolle Buchten. Das Wasser ist überall glasklar und teilweise türkisgrün. Selbst der Strand gegenüber des Fähranlegers in Kamares kann sich sehen lassen. Im Gegensatz zu Serifos, sind die Strände auf Sifnos wesentlich belebter. Fast überall sind Tavernen oder Bars zu finden, was für die Strände auf Serifos nicht immer zutrifft.

Cheronissos auf Sifnos
Sifnos: Cheronissos
Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.

Ich mag es zu wandern und Inseln so zu erkunden, insbesondere auf den Kykladen. Zu Fuß nimmt man die Umgebung einfach anders wahr. Man kann Landschaften erkunden und genießen oder mit Menschen in Kontakt kommen. Die westlichen Kykladen sind perfekte Destinationen für Wanderer. Natürlich eignen sich dafür die Frühjahrs- oder Herbstmonate. Im Sommer wird es sehr heiß und trocken.

Serifos verfügt über ein Wanderwegenetz von etwa 80 Kilometern Länge. Die Wege sind eher einfach und auch für ungeübte Wanderer zu bewältigen. Die meisten Wanderwege befinden sich im Nordosten der Insel. Einziger Nachteil auf Serifos sind die fehlenden oder schlechten Busverbindungen, sodass man gut planen muss.

Sifnos kann gleich mit mehr als 100 Kilometern ausgeschilderten und gepflegten Wanderwegen aufwarten. Dabei handelt es sich um eines der größten Netze an Wanderwegen der Kykladen und in der Ägäis. Die Gemeindeverwaltung Sifnos hat 2015 begonnen, die Wegmarkierungen zu vereinheitlichen. Der Schwierigkeitsgrad wird in einer fünfstufigen Skala angegeben. Diese folgt dem IBP-Index der Federation Francaise de Randonnee Pedestre. Auf der Website von Sifnos Trails findest du eine gute Übersicht über alle Wege, eingeteilt in Küstenwege, einfache, mittelschwere, kurze, lange oder familienfreundliche Wanderungen, Rundwege und Strände. In Sachen Wandern hat Sifnos die Nase vorne.

Shopping und Nachtleben

Wenn es um Shopping, Party und Nightlife geht, gibt es in den Kykladen eigentlich nur eine Insel: Mykonos. Die kleineren Kykladeninseln sind weder für das eine noch für das andere bekannt. Auf Serifos gibt es inklusive Supermärkten keine zehn Geschäfte. Verteilt auf Livadi und die Chora findet man vielleicht in den fünf oder sechs Läden für Bekleidung, Geschenke und Accessoires etwas Passendes. Clubs und Discos sucht man auf Serifos vergeblich. Abends geht man essen und sitzt gemütlich ein einer der Bars oder in einem der Cafés in der Bucht von Livadi beziehungsweise in der Chora.

Chora Serifos
Serifos: Pano Piatsa Chora

Sifnos ist im Gegensatz dazu schon fast ein Shoppingparadies. In der langen Straße, die sich durch Apollonia zieht findest du einige Souvenirläden, vor allem Juweliere, Schuhe, Taschen oder köstliche Leckereien. Und dann ist da natürlich noch die berühmte Keramik. Aber selbst auf Sifnos ist das Angebot sehr überschaubar. Das Nachtleben konzentriert sich auf Apollonia und die großen Badeorte. In «normalen» Sommern feiert man in Bars und Clubs bis in die frühen Morgenstunden.

Sifnos Bars in Apollonia
Sifnos: Apollonia

Praktische Tipps

Unterkünfte, Essen und Preise

Egal ob Sifnos oder Serifos, zuerst stellt sich immer die Frage, wo man seine Zelte aufschlägt. Meine ganz persönliche Meinung dazu ist, dass Livadi auf Serifos und Apollonia auf Sifnos und Umgebung die perfekten Ausgangspunkte für eine Erkundung sind. Auf Sifnos habe ich mich im Hotel Petali Village einquartiert, auf Serifos habe ich das Chill & Co in Livadi genossen.

Beide Inseln verfügen über keine oder nur wenige größere Hotels. Man wohnt in kleinen familiengeführten Hotels und Pensionen oder Ferienwohnungen. In den letzten Jahren wurden auch einige stilvolle Boutique Hotels eröffnet. Die Preise für Unterkunft und Essen sind selbstverständlich günstiger als auf den Inseln mit internationalem Tourismus. Durch die Nähe zu Athen darf man aber auch keine Schnäppchen erwarten.

Sifnos hat die größere Auswahl an Tavernen und Restaurants, darunter auch einige sehr gute. Die sifnische Küche hat sogar den Ruf, eine der besten Griechenlands zu sein. Der bekannte griechische Koch Nikolaos Tselementes stammt aus Sifnos. Ihm zu Ehren findet jeden September in Artemonas ein Festival statt. In Sachen Kulinarik würde ich eher Sifnos empfehlen.

Sifnos oder Serifos: Welche Insel wie lange und für wen?

Wie du vielleicht schon erahnen kannst, fällt es mir schwer, mich für eine Insel zu entscheiden. Mit Sicherheit ist Sifnos etwas abwechslungsreicher und lieblicher. Und dennoch schlägt mein Herz irgendwie für Serifos. Wenn immer möglich, würde ich den Aufenthalt auf beiden Inseln empfehlen, allenfalls etwas mehr Zeit auf Sifnos verbringen. Wenn du weniger als fünf Tage Zeit hast, würde ich mich auf eine Insel konzentrieren. Bei einem Besuch im Eilzugtempo wird man keiner der Inseln gerecht.

In Kombination mit Milos würde ich eher auf Serifos setzen, weil die Insel so etwas wie ein Kontrastprogramm darstellt. Wer viel wert auf gute Hotels und Restaurants, Shopping und Nightlife legt, ist auf Sifnos besser aufgehoben. Serifos bietet dafür eine unvergleichlich entspannte Atmosphäre und ist einfach nur gemütlich.

Reisezeit

Und wie immer gilt: Ich empfehle Reisen auf die Kykladen im Frühsommer. Die Landschaft ist grün, es blüht und duftet nach Kräutern und die Inseln sind noch nicht so überlaufen wie im Juli oder August. September ist ebenfalls eine gute Reisezeit.

Sifnos oder Serifos: Taxiarchis Kirche in Vathi
Sifnos oder Serifos?

Carola ist eine passionierte Teilzeitnomadin, verbindet Vollzeitberuf mit Reiselust. Sie ist der Kopf hinter Travellingcarola.

Seit 2016 schreibt sie authentische Reiseberichte über einzigartige Erlebnisse, gibt praktische Tipps und will andere inspirieren, die Welt zu entdecken.

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