Nicaraguas Kolonialstädte Granada und Leon

Rundreisen

Während Costa Rica vor allem mit seiner unvergleichlichen Natur, der Artenvielfalt, Ökotourimus, seinen Nationalparks, vielen Aktivitäten wie Canopy und Rafting, und einer perfekten touristischen Infrastruktur punktet, Panama-City sowohl Skyline als auch das Casco Viejo hat, sind Nicaraguas Kolonialstädte Granada und Leon neben den Vulkanen, der Herzlichkeit der Menschen und einem Reisen abseits der Touristenströme Gründe für einen Besuch im größten Land Mittelamerikas.

Die beiden Kolonialstädte Leon und Granada wetteifern dabei um den Titel schönste Kolonialstadt Nicaraguas. Beide Städte wirken mit ihren eingeschossigen Häusern sehr ländlich. Sie haben ihre Vorzüge und mir hat sowohl Granada als auch Leon gefallen. Rückblickend muss ich aber sagen, dass mein Herz ein bisschen mehr für eine von den beiden Kolonialstädten in Nicaragua schlägt.

Welche Kolonialstadt Nicaraguas mich besonders fasizniert hat und was man in und um Granada und Leon alles unternehmen oder erleben kann, erzähle ich euch im folgenden Beitrag.

Im Beitrag erwähne und verlinke ich Hotels und Tourenanbieter. Dafür wurde ich weder beauftragt oder bezahlt. Gemäß DSGVO muss ich – auch wenn es ziemlich nervend ist –wie üblich darauf hinweisen, dass es sich um einen redaktionellen Beitrag und unbeauftragte Werbung handelt.

Nicaraguas Kolonialstädte: Granada

Nach zwei gemächlichen Tagen auf der Zweifach-Vulkaninsel Ometepe im Nicaraguasee ist die Ankunft in Granada überwältigend und zugleich ein kleiner Kulturschock. Die vielen bunten Gebäude und die Kirchen sind eindrücklich, dazwischen herrscht selbst jetzt im Frühling 2019 ein ziemliches Gewusel aus Touristen, Straßenverkäufern und Kutschern, die einem eine Rundfahrt anbieten wollen.

Mein Hotel in Granada liegt direkt gegenüber der Kathedrale am Park. Das Hotel Plaza Colon ist eine Oase der Ruhe und besticht durch perfekt ausgestattete Zimmer. Aus dem Staunen nicht mehr herraus komme ich beim Betreten der Veranda. Der Ausblick und das koloniale Ambiente sind einzigartig. Im Hotel selbst sind nur einige wenige Zimmer belegt. Das Frühstück wird in Buffetform serviert und bietet die in Zentralamerika übliche Auswahl. Am Pool im zweiten Innenhof lässt es sich nach einer Stadterkundung bestens entspannen. Das Plaza Colon ist mit eine der besten Unterkünfte auf meiner gesamten Reise.

Kathedrale und Eglisia Merced

Kirchen gibt es in Granada nahzu an jeder Straßenecke. Die beiden bekanntesten sind die Kathedrale (Iglesia Catedral Inmaculada Concepción de María) und die Eglisia Merced. Die Kathedrale prägt das Stadtbild und ist selbst vom See aus zu sehen. Sie ist feinsäuberlich renoviert und herausgeputzt, während die Eglisia Merced einen gewissen morbiden Charme versprüht. Im Inneren sind beide Kirchen sehr schlicht gehalten und nicht unbedingt einen Besuch wert – wären da nicht die Türme, die bei beiden für ein Entgelt von einem Dollar oder 30 Cordobas bestiegen werden kann. Die hohen Treppen lohnen sich. Die Aussicht auf die Ziegeldächer der Stadt ist atemberaubend schön.

Markt

Wer ein bisschen was vom Leben der Einheimischen mitbekommen möchte, sollte morgens auf den Markt gehen. Hier geht es geschäftig zu und her und jede und jeder versucht irgendetwas an Frau oder Mann zu bringen. Schade, ist diese Art des Einkaufes bei uns in Europa völlig verloren gegangen. Wir müssen durch Shoppingmalls mit dem immer gleichen Einheitsbrei flanieren.

Straßen Granadas

Die Haupt-Touristenstraße ist die Calle La Calzada. Sie ist aber auch gleichzeitig eine der langweiligsten: lieblose Lokale, die mit Happy-Hour locken, Souvenirhändler und Tourenanbieter. Zum Essen gibt es wesentlich bessere Orte, z.B. in den Seitengassen. Die Straßen in Granada sind schachbrettartig angelegt, sodass man nahezu endlos durch die Gegend streifen und viel entdecken können.

Kajaktour durch die Isletas

Mein absolutes Granada-Highlight ist die morgendliche Kajaktour mit Vladimir Kayak und Boot durch die Isletas. Dafür heißt es früh aufstehen. Wir starten kurz vor fünf, eine Viertelstunde später paddeln wir bei Dunkelheit bereits durch das ruhige Wasser zwischen den Inseln. Den Sonnenaufgang beobachten wir von einer geschützten Stelle aus. Auch die anschließende die Fütterung der Spidermonkeys ist niedlich. Den Abschluss bildet der Besuch bei der Festung San Pablo, wo wir die mitgebrachte Melone verspeisen. Vladimir verfügt über ein umfangreiches Wissen über die Isletas, z.B. auch darüber welche Schönen und Reichen auf welchen Inseln wohnen oder urlauben. Schließlich hat er hier früher einmal gelebt. Außerdem weiß er bestens Bescheid über Flora und Fauna sowie die traditionelle Lebensweise. Vladimir spricht perfekt Englisch und führt die Tour nur für mich alleine durch.

Masaya bei Nacht

Für den Abend buche ich bei einem Anbieter in der Calle La Calzada einen Ausflug zum Vulkan Masaya. Genaugenommen handelt es sich nur um den Transfer dorthin, aber der Preis ist günstig. Wir haben zehn Minuten Zeit das Museum zu erkunden. Dieses ist ein wenig in die Jahre gekommen, aber für Familien mit Kindern ganz nett. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit geht es weiter zum Krater. Etwa 20 Minuten kann man dann direkt in den Krater schauen und die brodelnde Magma bestaunen. Immer wieder steigt Rauch auf. Das ist, selbst wenn der Andrang groß ist, ein eindrückliches Naturschauspiel.

Granada No-Gos

Pferdekutschenfahrten werden überall als das Must-Do in Granada angepriesen. Mir ist bewusst, dass die Rundfahrten und das Geschäft mit den Touristen für viele die einzige Einnahmequelle darstellt. Das ändert aber nichts daran, dass das absolute Tierquälerei ist. Die armen Pferde stehen stundenlang bei brütender Hitze in der prallen Sonne. Und dass ausgerechnet eine vierköpfige Familie – drücken wir es einmal politisch korrekt aus – fülliger bis vollschlanker Amerikaner in eine der Kutschen steigt, lässt mein Mitleid nicht kleiner werden. Ich halte mich hier an einen meiner Grundsätze zur Nachhaltigkeit und verzichte auf tier- und umweltfeindliche Freizeitaktivitäten.

Den im Mansion de Chocolat als Museum angepriesenen Shop kann man sich ebenfalls sparen. Ein paar Schautafeln im Innenhof und Guides, die sich und Besucher in zum Affen machen (müssen).

Nicaraguas Kolonialstädte: Leon

Auf der Fahrt von Granada nach León passiert man die Laguna de Apoyo. Der riesige Kratersee ist eindrücklich. Viele statten auf dem Weg auch dem Handwerksmarkt von Masaya einen Besuch ab. Für mich ist das nichts. Ich bin vielmehr gespannt, was mich in León erwarten wird.

Schon von Weitem sieht man die riesige weisse Kathedrale. Das imposante Bauwerk ist der Orientierungspunkt schlechthin. Der Weg durch die Stadt, immer schön den Einbahnstrassen folgend, gibt bereits einen kleinen Einblick in die Schönheit der Stadt. An einem Sonntagnachmittag empfängt mich Leon ziemlich verschlafen und ich bin fast ein wenig enttäuscht. Aber als dann am Montagmorgen das Leben in die Stadt zurückkehrt, kann ich mich der Faszination Leons nicht mehr entziehen. Man sagt, dass in Leon das eigentliche Herz des Landes schlägt. Hier spürt man den Geist der Revolution. Leon war auch eines der Zentren der studentischen Proteste im April 2018. Überhaupt ist die Studentenstadt jung und lebendig. Hier sind Kultur, Geschichte, Zeugnisse von Dichtern und Nationalhelden, ein rauer Charme und ein Hauch von Wehmut auf kleinstem Raum vereint.

In León übernachte ich im Hotel El Convento. Das Vierstern-Hotel ist wie zuvor das Plaza Colon die beste Adresse in der Stadt. Untergebracht ist es, wie der Name schon sagt, in einem ehemaligen Kloster. Ein wunderschön gestalteter Innenhof, der Altar, Kreuzgänge und Zimmer, die in den ehemaligen Klosterzellen untergebracht sind,  zeugen von der Vergangenheit. Das Hotel ist in Ordnung besticht jetzt aber auch nicht durch besondere Ausstattung oder besonderen Service. Im Plaza Colon wurde für weniger Geld wesentlich mehr geboten.

Außerdem kann man sich in Leon in den zahlreichen Cantinas bei für Europäer unverschämt günstigen Getränkepreisen, bei Karaoke und lauten Musikvideos die Nacht um die Ohren schlagen.

Kathedrale

Sie ist ein absolutes Muss. Meine Leser wissen, dass mich Kirchen grundsätzlich nicht interessieren. Für mich stellen sie meist einfach Aussichtspunkte dar. Die Kathedrale in León besuche ich ausschliesslich wegen einer besonderen Attraktion: Man kann am weiss getünchten Dach zwischen den Kuppeln spazieren. Das ist ein ganz besonderes Erlebnis und bietet wunderbare Aussichten. Von Zeit zu Zeit wird das Dach neu gestrichen. Bei meinem Besuch ist die Farbe bereits ziemlich abgetragen.

Der Ausflug in luftige Höhen kostet 3 Dollar. Der Aufgang befindet sich auf der linken Seite vom Haupteingang gesehen, gegenüber des Mercado Central, wobei man die Eintrittsgebühren noch einmal etwas weiter hinten entrichten muss.

Museen

Im intellektuellen Zentrum des Landes gibt es gleich mehrere sehenswerte Museen. In der Fundacion Ortiz Gurdian kommen Kunstliebhaber voll auf ihre Kosten. Die Galerie zeigt Bilder aus Nicaragua und Lateinamerika, Meisterwerke, die man hier vielleicht gar nicht vermuten würde. Gleichzeitig ist das Museum ein wunderbares Beispiel der Kolonialarchitektur. Die gepflegten Innenhöfe mit Blumen und kleinen Teichen laden zum Verweilen ein.

Einem der großen Söhne der Stadt, dem Dichter Rubén Darío wird im gleichnamigen Museum die Ehre erwiesen. Der Dichter verbrachte in Leon sowohl seine Kindheit als auch weitere vierzehen Jahre vor seinem Tod. Die Ausstellung erzählt von seinem Leben und zeigt verschiedene Exponate und Möbel. Auch hier ist die koloniale Geschichte noch lebendig.

Untrennbar mit Leon verbunden ist das Revolutionsmuseum. In dem ehemaligen Regierungsgebäude der Somoza-Diktatur an der Central Plaza erzählen Fotos und andere Ausstellungsstücke, unter anderem auch Waffen, von der sandinistischen Aufständen. Seit 1979, dem Ende des Bürgerkriegs und des Somoza-Regimes, ist das Gebäude dem Verfall preisgegeben. Ehemalige Kämpfer der Sandinista haben ein Museum daraus gemacht und sind heute als Führer dort tätig. So erlebt man persönlich gefärbte Geschichte aus erster Hand von Zeitzeugen. Allerdings sprechen die Führer nur spanisch.

Las Penitas und Leon Viejo

Wer das heutige Leon verlässt, kann unter anderem die Ruinenstadt León Viejo, die 1534 durch Francisco Hernández de Córdoba gegründet wurde, erkunden. Ein Erdbeben und der Vulkanausbruch des Momotombo 1609 legen die alte Stadt in Schutt und Asche. Einige Grundmauern der alten Stadt können noch besichtigt werden.

Strandfeeling auf nicaraguanische Art erlebt man in Las Peñitas. Im kleinen Badeort an der Pazifikküste treffen sich Surfer, Aussteiger, ein paar wenige junge Backpacker, einheimische Familien und Studenten aus Leon, die hier das Wochenende feiern. Es herrscht eine ausgelassene und ungezwungene Atmosphäre. Ich habe San Juan del Sur bewusst in meiner Reiseplanung ausgelassen. Nach dem Besuch in Las Peñitas bin ich überzeugt, dass dies der authentischere Ort ist.

Cerro Negro und die Vulkankette

Rund um Leon liegen gleich mehrere teilweise noch aktive Vulkane mit klingenden Namen wie Telica, Santa Clara, Cerro Negro, Las Pilas, del Hoyo oder der Momotombo. Letzteren kann man vom Ufer des Lago Xolotlan (Managua-See) am besten beobachten. In San Jacinto besteht die Möglichkeit sich von Kindern des Dorfes entlang brodelnder Schlammlöcher führen zu lassen. Dazu gibt es kleine Bastelarbeiten aus Lehm oder frischen Schlamm für eine Gesichtspackung.

Eine für Leon ganz typische und etwas verrückte Aktivität erlebt man am Cerro Negro: das Vulkanboarding. Verschiedene Anbieter organisieren in den Morgen- oder Abendstunden Ausflüge dorthin. Der Cerro Negro ist einer der aktivsten Vulkane in Nicaragua. Mit etwa 700 Metern ist er aber nur ein Mini-Vulkan. Insofern ist der Anstieg auch nicht so schwierg. Ausgerüstet mit einem kleinen Rucksack und dem Board am Rücken bewältige ich die Strecke nach oben in etwas mehr als einer halben Stunde – wissend, dass die Abfahrt danach nur eine Minute dauern wird. Die Stimmung am Vulkan und die Aussicht kurz vor Sonnenuntergang sind den Weg wert. Danach werde ich mit Schutzanzug, Schutzbrille und Bandana ausgerüstet und bekomme eine kurze Einweisung ins Boarden. Der Adrenalinkick bei der Abfahrt bleibt aus. Da habe ich schon so manche rasantere Schlittenfahrt erlebt. Insgesamt ist es aber eine ganz witzige Aktivität.

Granada oder Leon?

Auf einer Reise durch Nicaragua muss man unbedingt beide Städte besuchen, Managua kann man hingegen getrost auslassen. Granada ist das touristische Zentrum des Landes. Die Stadt ist bunt, voller Lebensfreude und zumindest in der Innenstadt rund um die Kathedrale auch feinsäuberlich herausgeputzt. Leon hingegen ist eine raue Schönheit mit einem Hauch von Melancholie und einem ganz eigenen Charme. Leon kann ich spüren, es berührt meine Seele. Hier bin ich mittendrin im Leben der Einheimischen ohne Fassade wie in Granada.

Nach dem Intensivprogramm in Nicaraguas Kolonialstädten gönne ich mir erst einmal wieder etwas Erholung auf Little Corn Island.

Nicaraguas Kolonialstädte Granada und Leon

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