Rios Tropicales – Whitewater Rafting am Pacuare

Aktivreisen

Nach meinem Erlebnis am Sky Trek in La Fortuna plane ich für die letzten beiden Tage meiner Reise durch Costa Rica noch ein ganz besonderes Abenteuer: Whitewater Rafting am Pacuare inklusive einer Übernachtung in der Rios Tropicales Lodge. Rafting und Ziplining gehören schließlich zu den Must-Dos in Costa Rica.

Der Rio Pacuare zählt zu den besten und spektakulärsten Wildwasser- oder Rafting-Flüssen weltweit. Von seinem Ursprung im Talamanca-Gebirge schlängelt er sich auf über 100 Kilometern durchs Land bis hin zur Karibikküste, wo er in den Atlantik mündet. Für Wildwassersportler bietet er Stromschnellen der Klassen II bis V. Jetzt im April, gegen Ende der Trockenzeit, führt der Fluss allerdings Niedrigwasser.

Du planst eine Raftingtour am Rio Pacuare oder bist nicht sicher, ob du dieses Abenteuer wagen solltest?  Hier beantworte ich zehn wichtige Fragen rund ums Thema, die auch ich mir gestellt habe.

Auch wenn ich viel Gutes über den Veranstalter und die Rios Tropicales Lodge berichten kann und in diesem redaktionellen Beitrag viel lobende Worte finde, geschieht dies aus eigenen Stücken. Rios Tropicales hat mit nicht mit der Nennung oder Verlinkung beauftragt. Meinen Zweitagestrip habe ich vollumfänglich selbst bezahlt.

1. Ist Rios Tropicales ein seriöser Anbieter?

Bei Rios Tropicales handelt es sich um einen renommierten Veranstalter mit langjähriger Erfahrung. Der CEO Rafael Gallo ist Gründungsmitglied und Ehrenpräsident der International Rafting Federation. 2009 wurde er von der International Whitewater Hall of Fame ausgezeichnet.

Rios Tropicales legt viel Wert auf die Aus- und Weiterbildung seiner Rafting-Guides. Sie verfügen alle über ein Zertifikat der International Rafting Organisation (US-amerikanische Standards). Alle Reiseleiter sind in Wasserrettung und Erster Hilfe geschult. Sie sprechen neben Spanisch perfekt  Englisch. Sicherheit steht bei Rios Tropicales ganz an oberster Stelle. Bei jeder Tour ist abhängig von der Anzahl der Teilnehmenden mindestens ein Sicherheitskajakfahrer mit dabei. Bei zu hohen Wasserständen (wichtige Markierung bei der Rios Tropicales Lodge) oder anderen Unsicherheitsfaktoren werden die Touren abgesagt oder abgebrochen. Im Notfall wissen die Guides über Evakuierungsrouten Bescheid.

Die Ausrüstung (Rafts, Schwimmwesten, Helme und Paddel) wird bestens gewartet und mehrmals gecheckt. Auch die Sicherheitsanweisungen sind gründlich, erfolgen zweimal und werden direkt im Raft geübt. Am Fluss haben die Rafts eine festgelegte Reihenfolge, halten aber gleichzeitig einen Sicherheitsabstand und Sichtkontakt.

Möglicherweise ist Rios Tropicales ein wenig teurer als andere Anbieter. Mich habe diese Fakten nach eingehender Recherche jedoch überzeugt und ich konnte auf der Tour erleben, dass es tatsächlich so ist.

2. Ist Rafting am Pacuare gefährlich?

Der Streckenabschnitt des Pacuare, der kommerziell befahren wird, weist überwiegend Stromschnellen der Klasse III bis IV auf. Während der Regenzeit, wenn der Fluss viel Wasser führt, kann die Fahrt sehr rasant sein. Aber auch bei Niedrigwasser ist es technisch anspruchsvoll.

Grundsätzlich besteht immer die Gefahr, dass jemand aus dem Boot fällt oder ein Raft kentert. Das lässt sich nicht vermeiden. In so einem Fall sind alle des Teams sowie die anderen Rafts oder Sicherheitskajaker gefragt, wieder alle ins Boot zu holen. Auf unserer Tour gibt es keine besonderen Vorkommnisse, ich beobachte aber, wie bei einem anderen Anbieter eine chinesische Touristin über Board geht. Binnen weniger Sekunden hieven sie die anderen wieder ins Raft.

Interessantes Detail: Die meisten Unfälle beim Rafting passieren durch eine unsachgemäße Haltung der Paddel. Hier muss immer eine Hand am T-Griff sein, damit man damit nicht unabsichtlich jemand anderen einen Kinnhaken verpasst oder sonst verletzt. Etwas verwirrend ist im ersten Moment auch, dass man vor dem Rafting einen Haftungsausschluss unterschreiben muss.

3. Soll ich eine Ein- oder Mehrtagestour buchen?

Die Tagestour ist mit Sicherheit der Klassiker am Pacuare, der von den meisten Besuchern gebucht wird. Abhängig vom Verkehr bei der Anreise begeben sich die sportlichen Gäste etwa um 10:00 Uhr aufs Wasser und legen dann die gesamte Strecke von etwa 25 Kilometern zurück. Laut unserem Guide schafft man das bei entsprechendem Wasserstand in etwa dreieinhalb Stunden. Jetzt im April benötigt man eine Stunde länger.

Nach einem Viertel der Strecke, also etwa einer Stunde, erreicht man die Rios Tropicales Lodge. Gäste, die eine oder mehrere Nächte gebucht haben, steigen hier aus und setzen an einem anderen Tag fort. So kann man sich im ersten Streckenabschnitt mit Rapids der Klasse II bis III an alles gewöhnen und ist dann für den längeren und anspruchsvolleren Teil gerüstet.

Unsere Gruppe ist insgesamt sehr klein. Zwei Rafts gehen auf Tagestour. Wir sind am ersten Streckenabschnitt zu fünft. Ein Pärchen bleibt zwei Nächte in der Lodge, sodass wir dann nur noch zu dritt weiterpaddeln.

Meiner Meinung nach sollte man sich die Übernachtung in der Lodge nicht entgehen lassen. So wird die Tour wirklich zu einem unvergesslichen Erlebnis und erlaubt neben der sportlichen Aktivität auch die Schönheit der Natur sowie die Ruhe und Abgeschiedenheit der Lodge zu genießen.

4. Was ist alles inkludiert?

Im Preis inbegriffen ist der Transport von und nach San José. Nach Absprache ist auch ein Transfer von Turrialba oder aus der südlichen Karibik möglich. Im Operations Center in El Cairo de Siquirres erwartet die Gäste ein reichhaltiges Frühstück. Schließlich verbraucht man beim Rafting mehr als 300 Kalorien pro Stunde und muss ordentlich essen!

Während der Trockenzeit bereiten die Guides direkt am Flussufer einen schmackhaften Lunch zu und servieren ihn auf einem umgedrehten Raft. Wenn dies nicht möglich ist, gibt es ein spätes Mittagessen im Operations Center. Dort stehen auch großzügige Umkleideräume und Duschen zur Verfügung. Handtücher bekommt man gegen Pfand.

Gegen Aufpreis bietet Rios Tropicales verschiedene Aktivitäten in der Lodge und einen Fotoservice an. Da wir am zweiten Tag insgesamt nur zwei Rafts mit fünf Personen sind, begleitet uns leider kein Fotograf. Deshalb habe ich für diesen Beitrag leider auch keine Bilder von der Aktivität selbst, nur meine Aufnahmen in und um die Lodge. Wer selbst mit der GoPro filmen möchte, wählt einen Helm mit entsprechender Vorrichtung zur Befestigung.

5. Was kann ich alles mit ins Raft nehmen, was passiert mit meinem Gepäck und was ziehe ich an?

Im Operations Center gibt es eine Gepäckaufbewahrung, sowohl für die kleinen Rucksäcke der Tagesgäste als auch für große Gepäckstücke, wenn man auf der Weiterreise ist. Im Raft selbst gibt es ein kleines Netz, in dem man seine Trinkflasche und allenfalls Sonnencreme verstauen kann. Wenn man nicht gerade kentert, sind die Sachen dort sicher versorgt.

Die Mehrtagesgäste bringen ihre persönlichen Gegenstände für die Übernachtung mit. Dieses Gepäck wird in große Drybags, doppelt gesichert mit Müllsäcken, gepackt. Daneben werden noch sämtliche Dinge und Nahrungsmittel, die in der Rios Tropicales Lodge benötigt werden, auf die Rafts verteilt, wobei die Versorgungsboote den Großteil transportieren.

Mit jeder Buchung erhält man von Rios Tropicales auch einen Hinweis auf die Packliste. Über Badehose, Bikini oder Badeanzug trägt man am besten bequeme Klamotten aus schnell trocknenden Materialien. Ich habe mich für ein Funktionsshirt und eine dünne knielange Hose entschieden. Man geht mit diesen Kleidern auch vom Boot aus schwimmen. Als Schuhwerk werden Sportschuhe, die nass werden dürfen, Trekkingsandalen oder Neopren Booties empfohlen. Brillen sollten an einem Bändel befestigt sein.

6. Wie muss ich mich beim Rafting verhalten, was muss ich alles wissen und können? Ist die Tour für Anfänger geeignet?

Als unser Guide Enzo uns fragt, ob wir schwimmen können, schauen wir wohl alle etwas ungläubig. Aber wie er uns versichert, kommt es immer wieder vor, dass unter den Teilnehmenden Nichtschwimmer sind. Mir persönlich käme es nicht in den Sinn, eine Raftingtour zu buchen, wenn ich mich nicht über Wasser halten könnte, Schwimmweste hin oder her. Doch auch wenn der Pacuare zu den berühmten Wildwasser-Flüssen gehört, können sich Anfänger problemlos auf die Tour mit Rios Tropicales wagen.

Eine erste relativ ausführliche Anweisung bis hin zur Bergung mit dem Wurfsack haben wir bereits während des Transfers erhalten. Am Flussufer erklärt Enzo nochmals alles. Nachdem er uns die Positionen im Raft zugewiesen hat, dürfen wir seine Kommandos mehrmals ausführen. Beim Rafting kommt es vor allem auf schnelle Reaktion an. Da wir mit dem Paddel richtig arbeiten, ist es wichtig, richtig zu greifen. Eine Hand ist am T-Stück, die zweite Hand circa eine Handbreit über dem Paddelblatt. Und dann heißt es den ganzen Körper einzusetzen. Damit das Vorwärts- und Rückwärtspaddeln synchron bleibt, heißt es immer einen Blick auf die andere Seite oder Vordermann beziehungsweise Vorderfrau zu haben. Links und rechts sollte man ebenfalls auseinanderhalten können.

Üblicherweise sitzt man am Wulst des Bootes und nicht etwa in der Mitte. Diese Verbindungen dienen lediglich der Stabilität. Darunter oder vorne in den Schlaufen kann man seine Füße sichern. Je nach Anweisung müssen sich alle auf eine Seite oder ins Boot lehnen und sich bei starken Stromschnellen ins Raft setzen.

Nicht zuletzt muss man wissen, wie man eine erfolgreich bewältigte Stromschnelle feiert: Alle Paddel zusammen in die Luft halten und lautstark «Pura Vida» rufen.

7. Was muss ich mir unter einer Eco-Lodge vorstellen?

Auf dem Weg zur Rios Tropicales Lodge passiert man die Pacuare Lodge. Diese beiden sollte man nicht verwechseln. Die Pacuare Lodge bezeichnet sich zwar selbst auch Öko-Lodge und nachhaltig, ist aber ein Luxus-Hideaway, wo man mit der Natur eher Geld macht. Als wir die Lodge mit dem Raft passieren, landet gerade ein Hubschrauber und bringt Gäste! Man kann sich vorstellen, was das mit den Tieren des Waldes macht.

Die Rios Tropicales Lodge liegt in einem 2409 Hektar großen privaten Reservat umgeben von Sekundärwald. Rafael Gallo, der nach dem Erwerb des Landes in den 1985 für die Wiederaufforstung gesorgt hat, konnte in den 1990er Jahren konnte er den geplanten Staudamm am Pacuare zum Glück abwenden. Am anderen Flussufer sieht man Primärwald. Die Lodge wurde aus Altholz erbaut, der Strom kommt aus Wasserkraft.

In der Lodge lebt man wirklich mitten in der Natur, hört unter sich den Paucare rauschen, die Vögel zwitschern oder Affen brüllen. Wer Angst vor Insekten oder Reptilien hat, ist hier vielleicht am falschen Ort.
8. Was kann man in der Rios Tropicales Lodge alles unternehmen?

Wir erreichen die Lodge kurz vor Mittag. Nach ersten Erkundungen, dem Beziehen der Zimmer und dem Lunch bleibt Zeit zum Ausspannen. Da es mein vorletzter Tag in Costa Rica und der vorletzte Tag meiner dreieinhalbwöchigen Reise ist, möchte ich einfach nur in der Hängematte abhängen, ein wenig lesen und schwimmen.

Man könnte aber auch mit den Guides zuammen eine Wanderung durch den Regenwald und zu einem Wasserfall unternehmen. Aber auch Canopy, Canyoning, Ausritte oder der Besuch in einem Dorf wären möglich. Das sind Aktivitäten, die ich bereits hinter mir habe.

Was es in der Rios Tropicales Lodge nicht gibt, ist WLAN. Hier ist, da auch kein Telefonnetz vorhanden ist, ist tatsächlich Digital Detox angesagt.

Mit süßem Nichtstun vergeht der Tag dennoch erstaunlich schnell und ist mit den Mahlzeiten und der Happy Hour auch getaktet.

9. Was gibt es in der Lodge zu essen und wie sehen die Zimmer aus?

Außer der Familie, die sich um die Zimmer kümmert und die Getränke kümmert, ist niemand permanet in der Lodge. Somit sind die Guides gleichzeitig auch jeweils die Köche. Und das machen sie sehr gut. Zum Lunch kann sich jeder nach Belieben seine vegetarischen Fajitas oder Wraps zusammenstellen und sich an frischen Früchten sattessen.

Am späten Nachmittag trifft man sich zur Happy Hour auf einen Cocktail, in unserem Fall eine Pina Colada. Bier, Wein und einige Soft Drinks sind ebenfalls in der Lodge erhältlich. Dies bezahlt man dann am Ende des Trips im Operations Center.

Das klassische Abendessen in der Lodge ist Jungle Chicken, eine Kombination aus Gemüse, Reis und Hühnchen. In unserem Fall wird Fisch mit Gemüse serviert. Mit ist klar, dass für unsere kleine Gruppe nicht noch zusätzlich ein vegetarisches Menü gekocht wird. Die Mengen sind reichlich, sodass man auch von den «Beilagen» satt wird. Dennoch würde ich mir wünschen, dass in einer Lodge, die so sehr auf Nachhaltigkeit setzt, vegetarisches Essen der Standard ist. Aber das ist in Zentralamerika eben noch nicht so üblich.

Küche und Speisesaal sind offen gestaltet. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf den Fluss und den Sonnuntergang am Abend. Später spenden uns Kerzen etwas Licht.

10. Mehr als 25 Kilometer auf dem Fluss – wird das nicht langweilig?

Am ersten Tag haben wir viel Zeit und können es ganz entspannt angehen. Enzo lässt uns zwischendurch auf Felsen klettern und ins Wasser springen. Später wandern wir einen kleinen Flussarm entlang bis zu einer glaskaren Lagune zum Schwimmen. Die Natur um den Pacuare ist wunderschön, für mich gehört sie zu den eindrücklichsten Landschaften in Costa Rica. Das Rafting selbst macht ebenfalls riesengroßen Spaß. Es gibt immer etwas zu tun, sodass es gar nicht langweilig werden kann. Im zweiten Teil beziehungsweise am zweiten Tag ist man sowieso mehr gefordert und irgendwann werden die Arme auch schwer.

Enzo wartet immer wieder mit neuen Überraschungen auf uns. So können wir mehrmal aus dem Raft ins Wasser springen und uns einmal auch in der Sicherheitsstellung (flach am Wasser liegend, Beine nach vorne) über leichte Stromschnellen treiben lassen.

Pacuare bei der Rios Tropicales Lodge

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