Ometepe, die Insel mit den zwei Bergen

Rundreisen

Die Insel Ometepe im Nicaragua-See könnte tatsächlich Vorlage für Jim Knopfs Lummerland gewesen sein: Zwei Vulkane, das blaue Meer ist zwar ein See und den Eisenbahnverkehr gibt es auch nicht. Dafür geht es ähnlich entspannt und friedlich zu.

Ometepe besteht aus zwei Vulkanen, die durch eine schmale Landbrücke miteinander verbunden sind, und hat von oben betrachtet die Form einer Acht. Der größere der beiden Vulkane, der 1600 Meter hohe Concepcion, liegt im Norden der Insel und ist noch aktiv. Am anderen Inselteil befindet sich der erloschene Maderas, der etwas niedriger ist. Die Insel umfasst knapp 300 km2 und liegt im Nicaraguasee. Ometepe ist geprägt durch die Landwirtschaft. Hier wachsen Platanos (Kochbananen), Melonen, Reis, Bohnen, Getreide und vieles mehr.

Mit den folgenden Zeilen nehme ich euch für zwei Tage und zwei Nächte mit auf die Insel Ometepe und erzähle euch von meinen Erlebnissen.

Werbung, unbeauftragt! Bei diesem Text handelt es sich um einen redaktionellen Beitrag, der durchaus eine werbende Wirkung im Sinne der DSGVO haben könnte, ohne dass ich vom Hotel Villa Paraiso damit beauftragt wurde. Seit den Protesten im April 2018 stecken die Wirtschaft und der Tourismus in Nicaragua in der Krise. Die Zahl der Touristen ging um mehr als 60 Prozent zurück, mehr als 60 000 Menschen haben ihre Arbeit in der Branche verloren und es fehlen Einnahmen von 500 Millionen Dollar. Insofern kann jede positive Erwähnung hilfreich sein. Mehr zur Lage im Land könnt ihr in diesem und in meinen folgenden Beiträgen nachlesen.

Die Überfahrt nach Ometepe

Auf anderen Reiseblogs habe ich Bilder von bis auf den letzten Platz besetzten Fähren und einem lebhaften Fähranleger in San Jorge gesehen. Im Frühling 2019 ist die Situation eine andere: Der Hafen ist ziemlich verwaist und von den vielen kleinen Ticket-Offices haben an diesem Vormittag nur ein paar wenige geöffnet. Das Restaurant ist geschlossen oder leer und auf dem Boot sind wir gerade einmal zehn Passagiere.

Nachdem ich am Eingangstor meinen Dollar Hafengebühr entrichtet habe, lande ich bei Héctor, der mir sowohl Fährticket als auch den Transfer zur Unterkunft verkauft. Die Tickets für Boot oder Fähre kosten 80 Cordobas. Für den Transfer bezahle ich 20 Dollar pro Strecke. Mit Héctor unterhalte ich mich noch bis zur Abfahrt des Boots und erfahre interessante Details über Land und Insel. Zwischen San Jorge und Moyogalpa verkehren Autofähren und die kleineren Boote. Aufgrund anderer Berichte erwarte ich nicht unbedingt, dass die Fähren pünktlich ablegen. Dem ist aber nicht so, der Fahrplan stimmt auf die Minute genau.

Es ist windig. Im Vorfeld habe ich gelesen, dass es dann ziemliche Wellen gibt und es recht schauklig werden kann. Das ist nicht übertrieben. Zum Glück bin ich seefest und kann die Überfahrt trotzdem genießen. Sie dauert je nach Beschaffenheit des Schiffs und den Wetterbedingungen eine bis eineinhalb Stunden.

Weiterfahrt und Unterkunft

Etwas vom Ersten, was man bei der Anfahrt zu sehen bekommt, ist die Landepiste des Flughafens, die direkt im See zu beginnen scheint. Später werde ich über genau diese Piste fahren. Wenn nur alle paar Tage einmal ein Flugzeug landet, kann auch gut die Straße über die Landebahn führen. Moyogalpa selbst ist ein kleines buntes Örtchen, in dem es das Wichtigste gibt. Für mich geht es aber erst einmal noch eine knappe halbe Stunde weiter an den Strand von Santo Domingo auf der anderen Seite der Insel.

Dabei machen wir Halt am Aussichtspunkt Punta Jesus Maria. Von der kleinen Landzunge aus hat man den perfekten Blick über die Insel und vor allem auf beide Vulkane. Sicherlich wäre die Stimmung Sonnenuntergang hier perfekt.

Meine Unterkunft ist das Hotel Villa Paraiso. Die kleine Anlage liegt direkt am See und bietet viele Annehmlichkeiten wie Pool, Restaurant und Bar sowie die Organisation von Touren. Die Herkunft der österreichische Eigentümerin spiegelt sich in den Kärtner Kasnocken auf der Speisekarte wieder. Die teste ich zwar nicht, aber ich esse hier wohl das beste Nica-Frühstück meiner gesamten Reise. Außerdem probiere ich den für den Nicaraguasee typischen Fisch, den Leopardenbuntbarsch. Der sieht am Teller ziemlich gefährlich aus, schmeckt aber ausgezeichnet.

Strandleben auf Ometepe

Die lange Anreise aus der Schweiz über San José in Costa Rica noch in den Knochen, ist für mich heute Nachmittag vor allem eines angesagt: süßes Nichtstun und Relaxen. Ich stärke mich erst einmal mit einem köstlichen Salat (Die Business Class von Edelweiss hat mich mit winzigen Portionen in Puppenküchengeschirr hungrig zurück gelassen). Danach mache ich einen ausgiebigen Strandspaziergang, immer den Concepcion und den Maderas im Blick. Eine wunderschöne Szene ist, als am Nachmittag mehrere Pferde an den Strand kommen, um zu trinken und ein Bad zu nehmen.

In die kühlenden Fluten des Sees werfe ich mich dann auch noch. Der Nicaraguasee, auch Cocibolca oder Mar Dulce genannt, ist ein See der Superlative. Mit dem Wind und den Wellen sowie der großen Weite wähnt man sich tatsächlich am Meer.

Nicaraguasee

Der größte See in Zentralamerika ist mit 8000 km2 übrigens nur geringfügig kleiner als der Titicaca-See. Außerdem gilt er als der einzige Binnensee der Welt, in dem Haie leben oder lebten. Bullenhaie haben die Fähigkeit sich an unterschiedliche Salzgehalte anzupassen. Und so gelangten die Haie aus der Karibik über den Rio San Juan in den Nicaraguasee. Die letzte Sichtung liegt allerdings schon viele Jahre zurück.

Gefährlicher als die Haie sind die Pläne Ortegas nach dem Beispiel Panamas einen Kanal vom Atlantik zum Pazifik quer durch den Nicaraguasee zu bauen. 2012 wurde dem chinesischen Untrnehmer Wang Jing die Konzession für dieses Bauvorhaben erteilt. Das Fatale daran: Ein Gesetz gibt der Firma für 100 Jahre lang das Recht, Land zu enteignen, wenn dies für das Projekt nötig ist. Das dazugehörige Gesetz ließ Ortega zwar durch das von ihm kontrollierte Parlament bestätigen, das Volk hatte aber kein Mitspracherecht. Eigentlich sollte der Kanal 2020 fertiggestellt sein. Mittlerweile ist es darum aber still geworden und es gibt nicht einmal einen Termin für den Baubeginn. Der Umwelt kann nichts Besseres passieren, als wenn dieser Gran Canal weiterhin ein Lügenmärchen in den Wahlversprechen Ortegas bleibt. Die Bewohner von Ometepe würde es ebenfalls freuen.

Inselerkundung
Altagracia

Ich miete mir ein Rad und fahre damit zuerst einmal die knapp sieben Kilometer nach Altagracia, neben Moyogalpa der zweite große Ort auf von Ometepe. Dort gibt außer den Petroglyphen nicht allzu viel zu sehen. Immerhin kann ich mich im Supermarkt noch mit ein wenig Proviant eindecken. Denn weiter geht es nun bergauf und bergab dreizehn Kilometer nach Charco Verde. Die Straßen auf der Insel sind übrigens erstaunlich gut. Aufpassen muss man vor allem auf die vierbeinigen Verkehrsteilnehmer. Von Kühen über Pferde und Hunde bis hin zu einem Schwein begegnet mir so ziemlich alles.

Charco Verde

Das Bioreservat Charco Verde liegt im Süden der Zwillingsinsel, und zwar auf dem Teil mit dem Vulkan Concepcion. In der Mitte des Reservats befindet sich der smaragdgrüne See Charco Verde. Seine Farbe verdankt er den Algen, die darin wachsen. Umgeben ist die Lagune von Trockenwald, der vor allem Vöglen Schutz bietet. Zum Park (Eintritt fünf Dollar) gehört auch ein kleiner Schmetterlingsgarten. Ich wandere oder besser gesagt spaziere einmal um die Lagune. Dabei entdecke ich einige Brüllaffen, Reiher, Termiten, eine Schlange und einen Adler. Beim Hotel und Restaurant Charco Verde gibt es einen schönen Strand mit perfekter Aussicht auf den Maderas.

Ojo de Agua

Meine letzte Station ist das Ojo de Agua. Dabei handelt es sich nicht um den Wein von Dieter Meier (Yellow), sondern um ein Naturschwimmbecken in der Nähe von Santo Domingo. Fünf Dollar Eintritt sind ein stolzer Preis, aber die Anlage ist wunderschön. Obwohl dieser Platz normalerweise das beliebteste Ausflugsziel der Insel ist, teile ich ihn an diesem Nachmittag nur mit ein paar wenigen anderen Gästen. Ich kann das Schwimmen im glasklaren Wasser in vollen Zügen genießen. Die verschiedenen Grün-, Blau- und Türkistöne sind einzigartig. Zur Feier des Tages gönne ich mir noch eine Coco Loco. Das sind frische Kokosnüsse, die noch einen Schuss Rum verabreicht bekommen.

Weitere Ausflugsziele und Aktivitäten

Auf der Landenge zwischen den beiden Inseln befindet sich der Rio Isitan, der perfekt mit einer Kajakfahrt erkundet werden kann. Hier gibt es ganze Teppiche aus schwimmenden Wasserpflanzen, Mangroven und einer vielfältigen Tierwelt. Da ich meine Kajaktour für die Isletas in Granada geplant habe, verzichte ich darauf.

Auch den Weg zum Wasserfall San Ramon erspare ich mir. Jetzt in der Trockenzeit führt er nur wenig Wasser und mich erwarten in Costa Rica sicherlich noch imposantere Wasserfälle.

Eine weitere Möglichkeit wäre noch die beiden Vulkane Concepcion und Maderas zu besteigen. Beide Wanderungen sind jedoch ausgesprochen anstrengend (viele Höhenmeter in unwegsamem Gelände auf steilen, unbefestigten Pfaden) und nicht ganz ungefährlich. Bei einem Aufenthalt von zwei Nächten liegt das auch gar nicht drin.

Für mich ist die Insel Ometepe der perfekte Einstieg für die weitere Reise durch Nicaragua. Nach eineinhalb erholsamen Tagen geht es weiter in Nicaraguas Kolonialstädte Granada und Leon.

Insel mit zwei Bergen

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