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Donaudelta: mit dem Kanu durch das Biosphärenreservat

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Wenn Rumäninnen oder Rumänen ins Donaudelta fahren, ist ihr Ziel der «Sumpf». Der Sumpf beginnt gleich hinter Tulcea. Dabei handelt es sich einerseits um ein einzigartiges Ökosystem, andererseits ist der Besuch in diesem Feuchtgebiet wie ein Ausflug in eine andere Welt. Auf einer Fläche von 5’800 km² im rumänischen Teil des Deltas leben heute gemäß Schätzungen vielleicht noch 12’000 Einwohner. Die Zeit scheint stehen geblieben, vielleicht sogar abgelaufen zu sein.

Genau diese Widersprüche sind es, die das Donaudelta zu einem faszinierenden Reiseziel machen. Hier erzähle ich dir, was dich im Mündungsgebiet der Donau erwartet, warum Gruppenreisen besser sind als ihr Ruf und wie charismatische Menschen unsere Sicht auf ein Land prägen und bleibende Erinnerungen schaffen.

Tulcea, das Tor zum Delta Dunării

Eine gut vierstündige Autofahrt bringt uns vom Flughafen Bukarest-Otopeni in die Hafen- und Industriestadt Tulcea. Der Weg führt durch die Dobrudscha, die Kornkammer Rumäniens. Dabei passieren wir riesige Felder mit Getreide und Sonnenblumen. Später zieren unzählige Windparks die Landschaft.

Tulcea selbst empfängt uns mit schwül-heißem Wetter und typisch sozialistischer Architektur. Unser Hotel am Lacul Ciuperca ist eine grüne Oase etwas abseits des Zentrums. Die Promenade von Tulcea mit ihrer Sykline und den bröckelnden Plattenbauten wirkt ziemlich skurril. Es ist eine Hässlichkeit, von der gleichzeitig eine Faszination ausgeht. Die Attraktionen von Tulcea hast du schnell gesehen: das Unabhängigkeitsdenkmal, die St. Nicholas Kathedrale, den kleinen Bauernmarkt oder den Hauptplatz, Piaţa Civică. Bevor du weiter ins Delta fährst, lohnt sich ein Besuch im Centrul Muzeal Ecoturistic «Delta Dunării».

Hier erfahren Besucherinnen und Besucher viel über die Entstehungsgeschichte des Donaudeltas. Ergänzt wird das Ganze durch Exponate, die das Leben in der Region anschaulich darstellen und präparierte Tiere. Leider gibt es im Untergeschoss ein Aquarium, das mit seinen heimischen und exotischen Fischen zwar eine Attraktion darstellt, aber alles andere als artgerecht ist.

Für die meisten Besucher ist Tulcea nur Durchgangsstation auf dem Weg ins Donaudelta. Von hier aus starten die Linienschiffe nach Sulina.

UNESCO-Welterbe Donaudelta

Ganze 2’857 Kilometer schlängelt sich die Donau vom Schwarzwald durch Tiefländer, Engtäler und bedeutende Städte wie Wien, Budapest oder Belgrad bevor sie sich im rumänisch-ukrainischen Grenzgebiet zu einem riesigen Delta verzweigt und danach ins Schwarze Meer mündet. Obwohl das rekordverdächtig klingt, wird die Donau von der Wolga als längstem Fluss mit dem größten Flussdelta überboten.

Unschlagbar ist hingegen das Ausmaß des Biosphärenreservats. Ganze 4′178 km² stehen seit 1990 unter Naturschutz. Seit 1993 ist das Donaudelta UNESCO-Weltnaturerbe. Der rumänische Teil des Reservats ist in Kern-, Puffer-, Wirtschafts- und Renaturierungszonen unterteilt. Die Biodiversität in dieser Region sucht ihresgleichen. Für mehr als 300 Vogelarten ist das Donaudelta ein wichtiger Lebensraum und an die 5’000 Tier- und Pflanzenarten wurden hier katalogisiert. Beachtlich, wenn man bedenkt, dass zu Zeiten des Kommunismus große Flächen des Ökosystems zerstört wurden.

Östlich von Tulcea beginnt ein weit verzweigtes Netz aus Wasserstraßen, Kanälen, Seen, Flussläufen, Sümpfen, Flussinseln, schwimmenden Inseln, Deich- und Dünenlandschaften. So sind die Dörfer im Donaudelta in Rumänien meist nur auf dem Wasserweg erreichbar. Festes Land gibt es kaum, sodass die Anbindung an das Straßennetz, die Trinkwasser- und Stromversorgung schwierig ist.

Schiffe und Boote sind die dominierenden Verkehrsmittel. Der künstlich angelegte und mehr als sieben Meter tiefe Sulinaarm ist der für die Schifffahrt wichtigste Donauarm. Und so staunen wir über die riesigen Frachter, die sich hier vom Schwarzen Meer flussaufwärts und wieder zurück durch die Landschaft schieben.

Die wenigen Menschen, die noch dauerhaft hier wohnen, haben es nicht leicht. Sie leben vom Fischfang, ein wenig Landwirtschaft und Viehzucht oder während der kurzen Sommersaison vom Tourismus. Im Winter, wenn alles gefroren ist, wird Schilf geerntet. Vieles davon landet in Westeuropa. Nicht wenige Reetdächer auf Sylt oder Texel mit Schilf aus dem Donaudelta gedeckt. Schulen und Ausbildungsmöglichkeiten sind rar, sodass viele in die größeren Städte Sulina und Tulcea ziehen oder das Delta ganz verlassen.

Crisan, ein endlos langes Straßendorf

Gemütlich tuckern wir bei strahlendem Sonnenschein von Anleger zu Anleger immer tiefer ins Delta hinein, vorbei an den Ortschaften Partizani, Vulturu, Maliuc und Gorgova – begleitet von riesigen Frachtschiffen oder Sportbooten mit überdimensionierten Motoren. Knapp drei Stunden dauert die Fahrt bis Crisan.

Crisan ist ein langgezogenes Straßendorf am nördlichen Ufer des Sulina-Arms. Auf einer Länge von gut acht Kilometern reihen sich die kleinen einstöckigen Häuser mit Holzgiebeln aneinander. Nahezu jedes Haus hat einen kleinen Anleger im Fluss. Jetzt Ende September sind wir mehr oder weniger die einzigen Gäste. In Crisan selbst gibt es nicht allzu viel zu sehen. Man läuft einmal die Dorfstraße entlang bis zum kleinen Gemischtwarenladen und hinter der Häuserzeile am Damm wieder zurück. Bei schönem Wetter lockt die Terrasse des Delta Boutique Hotels, wo man wunderbar den Sonnenuntergang beobachten kann.

Wir beziehen unser Quartier bei Frau Aurora. Das Gästehaus mit einer Handvoll Zimmern wird von der Ärztin und ihrem Mann, einen Fischer, liebevoll geführt. Während sie zur Arbeit geht, schmeißt er tagsüber den Haushalt. Alles ist penibel sauber. Auf dem Tisch kommt, was am Morgen in den Reusen ist: Wels, Hecht, Zander, Karpfen, Barsch, Barbe oder Flusskrebs. Dazu gibt es schmackhaftes Gemüse aus dem Garten. Selten habe ich so gute Paprika und Tomaten gegessen, kein Vergleich zu den hochgezüchteten Exemplaren aus Spanien oder den Niederlanden. Aurora ist eine ausgezeichnete Köchin und verwöhnt uns mit Fisch in allen Variationen. Wenn du keinen Fisch isst, bist du im Donaudelta definitiv am falschen Ort!

Der einzige Wermutstropfen, der unseren Aufenthalt trübt: Im Haus gibt es keine Heizung. Im Sommer ist das kein Problem, im Früherbst normalerweise auch nicht. Bei überraschend kalten Temperaturen und eisigem Wind wird es jedoch etwas ungemütlich. Uns bleibt nichts anderes übrig, als die freie Zeit im Zimmer unter der Bettdecke zu verbringen.

Mit dem Kanu über Seen und durch Kanäle des Donadeltas

Die unzähligen Seen und Seitenarme im Donaudelta lassen sich am besten per Kanu erkunden. So erreichst du Stellen, die mit Motorbooten gar nicht zugänglich sind, kannst in aller Ruhe die Natur genießen und Vögel beobachten. Unser Paddelabenteuer beginnt gleich am zweiten Tag in Crisan mit einer kurzen Einführung in die Technik. Mit dem Kajak habe ich am Nicaraguasee, im Gard oder am Vierwaldstättersee schon meine Erfahrungen gemacht. In einem Kanu saß ich nur einmal ganz kurz.

Eine gemütliche Runde führt uns über den Capicova-See und durch ruhige Kanäle. Es ist mir ein Rätsel, wie man in diesem Gewirr an Wasserwegen, die für mich alle gleich aussehen, den richtigen Weg findet. Aber unser Guide kennt das Delta wie seine Westentasche. Lautlos gleiten wir dahin. Unterbrochen wird die Stille nur durch die Streitigkeiten eines Paares. Die beiden können sich nicht einigen, wer von ihnen, die Richtung angibt. Kanufahren kann so manche Beziehung auf die Probe stellen!

Naturparadies Donaudelta

Am Folgetag erwartet uns eine ausgedehnte Runde. Wir überqueren den Iacub-See. Im dichten Teppich aus Wasserlilien und Seerosen entdecken wir unsere ersten Pelikane. Vier Vögel haben es sich dort gemütlich gemacht und lassen sich durch unsere Anwesenheit nicht stören. Einzig an das Fotografieren im Kanu muss ich mich noch gewöhnen. Das ist unter Umständen eine ziemlich wacklige Angelegenheit. Auch die ideale Position zum Motiv ist nicht so schnell einzunehmen.

Weiter geht es durch die Galeriewälder des Litcovkanals, zum Cuibida-See und nach einer kurzen Pause am Ufer zurück über den Ceamurliakanal nach Crisan. Erstmals fahren wir ein Stück am Sulinaarm. Ein eindrückliches Erlebnis, wenn plötzlich ein riesiges Frachtschiff neben einem auftaucht. Selten habe ich mich so winzig gefühlt. Auch an die vielen Wellen der kleineren Boote müssen wir uns erst gewöhnen. Aber schon bald sind wir Paddel-Profis.

Die dritte und längste Ausfahrt führt uns schließlich über die Alte Donau zum Bogdaproste- und Trei Iezere-See. Das Wetter hat umgeschlagen. Es ist empfindlich kalt geworden. Wind und Wellen erschweren das Vorwärtskommen. Belohnt werden wir durch einen großen Schwarm von Rosapelikanen, die gerade auf der Jagd sind. Begleitet von Kormoranen treiben sie die Fische vor sich her, flattern immer wieder einmal davon, um dann wieder mehr oder weniger graziös zu landen. Wir mobilisieren ungeahnte Kräfte und paddeln ihnen hinterher. Das Starten und Landen der behäbigen Vögel ist spektakulär.

Ich wäre schon sehr enttäuscht gewesen, wenn wir unterwegs mit dem Kanu im Donaudelta nicht zumindest ein paar dieser großen und schweren Wasservögel gesehen hätten. Immerhin lebt hier die größte Pelikankolonie Europas. Jetzt im Herbst sind viele von ihnen bereits unterwegs in den Süden.

Während unserer Kanutouren treffen wir regelmäßig auf Fischer. Angelausflüge ins Donaudelta scheinen in Rumänien beliebt zu sein – ob nun wegen des möglichen Fangs oder der ausgiebigen Alkoholbegleitung. Auf unseren kurzen Pausen am Ufer müssen wir leider immer wieder feststellen, dass es mit dem Umweltbewusstsein nicht besonders weit her ist. Viele Plätze sind zugemüllt mit Flaschen und Klopapier. Es bleibt zu hoffen, dass hier bald ein Umdenken stattfindet und das Donaudelta als Naherholungsgebiet erhalten und sauber bleibt.

Immer wieder passieren wir Haus- oder Hotelboote, die im Sommer eine beliebte Option sind, um das Mündungsgebiet der Donau zu erleben. Jetzt liegen sie einsam und verlassen am Ufer. Bei manchen bin ich mir nicht sicher, ob sie überhaupt noch fahrtauglich sind.

Sulina oder Kilometer 0

Was wäre ein Besuch im Donaudelta ohne einen Ausflug nach Sulina? Der Besitzer der Pension bringt uns mit seinem Motorboot in die Hafenstadt an der Mündung der Donau. Hier endet der lange Weg des für Europa so wichtigen Stroms im Schwarzen Meer.

Direkt gegenüber des Fähranlegers befindet sich die Tafel, die den Stromkilometer Null anzeigt. Diese nautische Kilometierung von Fließgewässern dient der Orientierung und erfolgt in der Regel flussaufwärts, also von der Mündung zur Quelle. Der Kilometer Null liegt heute nicht mehr direkt an der Mündung, weil diese sich durch die Anlandung und die mitgeführten Ablagerungen weiter ins Meer verschoben hat.

Sulina hat schon bessere Zeiten gesehen. Einst war die Stadt ein bedeutender Fluss- und Seehafen. Als Sitz der Europäischen Donaukommission lockte Sulina im 19. Jahrhundert Menschen unterschiedlichster Nationalitäten an. Der Bau größerer Häfen und die Stilllegung der Industrie nach dem Fall der Sowjetunion führten dazu, dass Sulina zur vergessenen Stadt am Rande Europas oder an der Außengrenze der EU wurde. Fabrikruinen auf der einen und renovierungsbedürftige Wohnhäuser auf der anderen Seite sind Zeichen des Verfalls.

Gut 3’000 Einwohner zählt Sulina heute. Ein Ort, der nur per Boot zu erreichen ist und vier Stunden von der nächsten größeren Stadt Tulcea entfernt liegt, ist kein attraktives Ziel für Zuwanderer. Der Tourismus gibt den Bewohnern ein wenig Hoffnung und sorgt im Sommer für ein paar zusätzliche Gäste.

Als Planstadt ist Sulina rasterartig angelegt. Die Promenade mit dem Gebäude der Donaukommission und der orthodoxen Kathedrale entspricht der Straße 1, gefolgt von fünf weiteren Wegen parallel zur Donau. Gut zu sehen ist das vom alten Leuchtturm aus. Aktuell wird dieser wie so vieles in Rumänien renoviert. Besonders Interessant ist der Friedhof, ein Zeugnis des multikulturellen Sulinas. Er ist unterteilt in jüdische, muslimische und christliche Sektoren. Hier liegen ein ertrunkener Pirat und eine Prinzession neben Toten aus 21 Nationen. Die schwarze Kutsche, die wohl einmal als Leichenwagen diente, steht vergessen hinter der Kapelle. Sie würde perfekt in einen Dracula-Film passen.

Etwas weiter entfernt befindet sich die Playa Sulina. Der Strand mit den strohgedeckten Schirmen sieht kaum anders aus als in einschlägigen Badeorten am Mittelmeer. Im Sommer herrscht hier bestimmt eine ausgelassene Partystimmung. Jetzt in der Nachsaison ist das große Aufräumen angesagt. Eine Gruppe junger deutscher Touristen wagt noch einen Sprung ins kalte Nass des Schwarzen Meeres.

Gerne besucht ist die Sandbank im Golf von Musura, wo sich normalerweise viele Vogelkolonien tummeln. Wir bekommen nur ein paar wenige Pelikane zu Gesicht, die sich schnell verabschieden, sobald sich unser Boot nähert. Außerdem liegt hier in der Bucht das Wrack der Turgut. Der auf Grund gelaufene Frachter gibt ein beliebtes Fotomotiv ab und rostet vor sich hin.

Letea und Periprava: Trostlosigkeit hat einen Namen

Ein weiterer Ausflug mit dem Motorboot führt uns nach Letea. Auf dem Weg dorthin sehen wir einen Weißschwanzseeadler, einen Krauskopfpelikan und einige Reiher. So richtige Freude will allerdings nicht aufkommen. Wir sitzen dick eingemummelt und trotzdem frierend auf den Sitzen unseres offenen Schnellbootes. Der Wind hat ein leichtes Spiel und dringt selbst durch funktionale und dicke Kleidungsschichten im Zwiebelprinzip. Wie kann es Ende September schon so kalt sein?

Mit dem Erreichen des kleinen Dorfes Letea wird die Stimmung nicht besser. Gefühlt sind wir hier am Ende der Welt. Verfallene Häuser, eine staubige Sandpiste und der kleine Laden verbreiten eine tiefe Schwere und Traurigkeit. Letea wirkt wie aus der Zeit gefallen. Das ist kein Ort, an denen man freiwillig viel Zeit verbringt.

Letea, ein Ausflug in eine andere Welt.

Auf der Ladefläche eines alten Lastwagens fahren wir zum etwa zehn Kilometer entfernten Letea-Auwald. Dabei handelt es sich um den am nördlichsten gelegenen subtropischen Wald Europas und das älteste Naturreservat Rumäniens. Dabei kommt fast ein bisschen Safari-Feeling auf, wenn man Wind und Regen einmal außer acht lässt. Im Waldgebiet gibt es 500 Pflanzen- und mehr als 3’000 Tierarten. Sogar meterlange Lianen wachsen hier. Nach einem kurzen Spaziergang durch das Überschwemmungsgebiet stehen wir plötzlich auf einer Sanddüne. Wie kommt denn die hierher? Einmal mehr ist es die Donau, die Sand und Schlamm bringt. Die größte maritime Sandbank des Deltas bei Letea ist 20 Kilometer lang, 15 Kilometer breit und bis zu dreizehn Meter hoch.

Danach geht es weiter bis nach Periprava, wo wir einen Blick hinüber in die Ukraine werfen. Die Stadt am anderen Donauufer wirkt moderner und weniger abgeschieden. Periprava selbst hat nicht viel mehr zu bieten als Letea, ist vielleicht einen Tick farbenfroher, insbesondere die Kathedrale und die Dorfkneipe. Während mir der Fahrtwind ins Gesicht pfeift, male ich mir aus, wie hart das Leben im Winter hier sein muss.

Zum Abschluss bekommen wir noch etwas Erfreulicheres zu sehen: die halbwilden Pferde. Wir beobachten sie beim Fressen und später eine Herde, die ungestüm durch die Dünen galoppiert und in einem Wasserloch trinkt. Einer Pferdeliebhaberin wie mir geht dabei das Herz auf. Nach der Auflösung der kommunistischen Kolchosen wurden viele Tiere ihrem Schicksal überlassen. Heute leben über 2’000 Pferde in den Wiesen und Wäldern des Donaudeltas. So schön und anmutig sie in der kargen Landschaft auch wirken, für das natürliche Gleichgewicht der Natur stellen sie ein Problem dar. Eine strenge Geburtenkontrolle, Zufütterung und Zäune sorgen dafür, dass die Population nicht ungebremst wächst und die Wälder geschützt werden.

Rumänien – Wasserwege und Karpatendörfer

Als überzeugte Individualreisende habe ich mich wieder einmal für eine Gruppenreise entschieden und bei Hauser Exkursionen die Reise «Wasserwege und Karpatendörfer» gebucht. Ausschlaggebend war die Kombination aus zwei ganz gegensätzlichen Regionen Rumäniens, dem Donaudelta und Siebenbürgen, sowie die unterschiedlichen sportlichen Aktivitäten. Für das Programm verantwortlich zeichnet die rumänische Agentur Inter Pares von Radu Zaharie. Radu spricht hervorragend Deutsch und kann auf Wunsch passende Reisepakete schnüren. Der Veranstalter ist gleichzeitig die offizielle Vertretung von Hauser Exkursionen und Schulz Aktiv Reisen in Rumänien.

Wir sind eine kleine Gruppe von nur fünf Personen und haben das Glück mit Cosmin Cocos unterwegs zu sein. Er ist Reiseleiter und staatlich geprüfter Berg- und Wanderführer bei Inter Pares. Selbst sieht er sich als Botschafter Rumäniens, will den Gästen das vielfältige Land mit all seinen Facetten näherbringen. Genau das versteht er perfekt. Coco ist eine Frohnatur. Egal zu welcher Tages- und Nachtzeit, egal in welcher Situation, er ist ausnahmslos immer gut gelaunt und hat ein offenes Ohr für seine Gäste. Mit seiner kindlichen Freude, seiner Begeisterung für die Natur und die Liebe zu den Menschen muss man ihn einfach gern haben. Man verzeiht ihm auch, wenn nicht immer alles perfekt ist.

Oftmals werden organisierte Reisen als Reisen zweiter Klasse abgetan, weil man ja für vieles nicht verantwortlich ist und nur konsumiert. Kritiker vergessen gerne, dass sich Individualreisende oftmals ebenso in einer Blase bewegen und nur wenig Kontakt mit Einheimischen haben. Ein einheimischer Reiseleiter sorgt dafür, dass man viel mehr – auch Ungeschriebenes – über Land und Leute erfährt. Für meinen Teil kann ich sagen, dass ich einzelne Wanderungen in den Karpaten und Kanutouren im Donaudelta selbst so nicht hätte realisieren können.

Viel entscheidender ist jedoch, dass ich Rumänien ohne die Begleitung von Coco anders wahrgenommen hätte. Ich denke nicht, dass ich so begeistert zurückgekehrt wäre. Vielleicht hätten negative Eindrücke überwogen, hätte das eine oder andere Mal das Verständnis gefehlt und die Kritik überwogen, hätte ich beim Kanufahren oder beim Wandern in den Bergen bei klirrender Kälte die Geduld verloren. Coco hat uns immer motiviert und uns die Augen geöffnet für Landschaft, Geschichte, Menschen und Kultur. Deshalb möchte ich an der Stelle eine Lanze brechen für Aktivreisen. Sie können lustig und bereichernd sein und haben im Grund genommen nichts zu tun mit einer Herde von Lemmingen, die der Reiseleitung hinterherrennen.

Für uns geht es nach einer Woche im Donaudelta weiter nach Magura und Sibiu, wo nicht minder spannende Erlebnisse auf uns warten.

Donaudelta: mit dem Kanu durch das Biosphärenreservat 1
Donaudelta: Sonnenaufgang am Sulina-arm
Donaudelta: mit dem Kanu durch das Biosphärenreservat 3

6 Gedanken zu „Donaudelta: mit dem Kanu durch das Biosphärenreservat“

  1. Liebe Carola,
    danke für den tollen Beitrag.
    Rumänien steht schon länger auf unserer Liste. Mit Deinem ausführlichen Reisebericht und den wundervollen Fotos hast Du mir einen weiteren Grund geliefert, warum Rumänien unbedingt eine Reise wert ist.
    Geführte Touren über mehrere Tage haben wir bisher noch nicht gemacht. Aber mit einem lokalen Guide sind wir gern mal für einen Tag an einem fremden Ort unterwegs. Du hast recht, bei so einer Tour erfährt man mehr Geschichten aus der Gegend.
    Deinen Bericht finde ich inspirierend, den Ort habe ich in meiner Map gespeichert.
    Liebe Grüße
    Mandy

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    • Liebe Mandy

      Ja, Rumänien ist eine Reise wert. Es gibt wunderschöne Ecken, aber auch trostlose Orte. Ich selbst habe ein Faible für Städte, Länder und Regionen, die nicht immer ins klassische Reisebild passen. Da ist Rumänien perfekt – ein Abenteuer in Europa, das auf kleinem Raum so abwechslungsreich ist.
      Ich muss nicht erwähnen, dass sowohl Individualreisen als auch geführte Reisen ihre Vor- und Nachteile haben. Ich hatte die Reise schon im Frühjahr 20 (unter Corona-Bedingungen) gebucht und musste dann zweimal verschieben. Letztendlich war es eine fantastische Erfahrung. Manchmal tut der Blick über den Tellerrand ganz gut.

      Herzliche Grüße
      Carola

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  2. Liebe Carola,
    Südosteuropa habe ich bis jetzt sträflich vernachlässigt. Dein Bericht und die supertollen Fotos machen aber richtig Lust auf eine Reise nach Rumänien. Vielen Dank für die Anregungen!
    Liebe Grüße
    Elke

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    • Liebe Elke

      Mir ging es bisher genauso. Durch diverse Blogbeiträge und Bilder ist meine Reiselust nach Rumänien gewachsen. Um einige Erfahrungen reicher habe ich mir vorgenommen, weitere Länder in der Region zu erkunden.

      Viele Grüße
      Carola

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  3. Hallo Carola,

    wir waren vor genau zwei Jahren dort und waren fasziniert von der Landschaft. Leider hatten wir nicht mehr viel Glück und die meisten Vögel sind schon weiter gezogen.
    Dennoch genossen wir eine kleine Bootstour. Mit dem Kanu ist natürlich nochmal eine Spur schöner.

    LG, Janine

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    • Hallo Janine

      Ja, der Juni wäre wohl die bessere Reisezeit, zumindest, was die Vogelwelt betrifft. Wir hatten dafür zwei ungewöhnlich kalte Tage.

      Liebe Grüße
      Carola

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