Karneval in Venedig – Carnevale di Venezia

Städtereisen

Wenn Engel fliegen, dann hat sich nicht jemand einen kitschigen Song- oder Buchtitel ausgedacht. Nein, dann ist das der offizielle Startschuss zum Karneval in Venedig. Traditionell beginnt der Carnevale di Venezia immer mit dem «Volo dell’Angelo» am Piazza de San Marco, wenn eine kostümierte Venezianerin an einem Seil vom Campanile zur Mitte des Markusplatzes schwebt. In ein paar Tagen ist es wieder so weit: In Venedig startet die fünfte Jahreszeit. Während die Touristen in die Stadt einfallen, fliehen die Einheimischen nach Südtirol zum Skifahren oder in andere Regionen von Italien.

Karneval in Venedig: Lohnt es sich?

Das traditionelle Fest des Carnevale di Venezia wurde zu Beginn der 1980er Jahre wieder ins Leben gerufen. Seit meiner Kindheit bin ich fasziniert von Venedig, wollte unbedingt einmal die Mystik der Stadt im Winter erleben. Die Vorstellung von in Nebel getauchten, verlassenen Gassen und Kanälen mit lautlos dahingleitenden Gondeln ließ mich nicht mehr los. Als ich damals in einer Zeitschrift wunderschöne Bilder von den Masken und den eleganten Kostümen vor historischen Bauwerken gesehen hatte, war für mich klar, dass ich einmal selbst beim Karneval in Venedig mit dabei sein wollte. Aus mir unerklärlichen Gründen hat es Jahre, ja Jahrzehnte gedauert, bis ich mir diesen Wunsch endlich erfüllt habe.

Früher kam Venedig wenigstens im Februar ein wenig zur Ruhe. In dieser Zeit konnten sich die Venezianer ein paar Wochen für sich sein, ein wenig durchatmen und sich auf die Hochsaison im Sommer vorbereiten. Heute bedeutet der Karneval in Venedig in erster Linie Kommerz und eine heillos überfüllte Stadt. Tagsüber platzt Venedig aus allen Nähten. Zu den Reisenden, die mehrere Tage in der Stadt bleiben, kommen unzählige Tagestouristen. Und auch Besucher, die ihre Unterkunft im nahen Mestre am Festland oder in einem der Badeorte an der oberen Adria haben, strömen auf die Inseln. Vielfach geht dann gar nichts mehr. Trotz Einbahnregelung in manchen Gassen stehen die Massen minutenlang im Stau.

Fasnacht, Fasching oder Karneval

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Carnevale di Venezia in erster Linie eine Touristenattraktion ist. Es ist nicht das Fest der Venezianer. Im Unterschied zu anderen Fasnachts- oder Faschingshochburgen ist der Karneval in Venedig weniger ausgelassen und viel disziplinierter. Umzüge, Unmengen von Alkohol und aufgesetzte Fröhlichkeit sind Fehlanzeige. Feste, Feiern und Partystimmung gibt es höchstens am Abend. Tagsüber herrscht Ordnung. Der Karneval in Venedig ist still und elegant.

Es gibt ein offizielles Veranstaltungsprogramm mit Maskenprämierungen (Il concorso della Maschera più bella), Ausstellungen, Aufführungen, Konzerten im Zentrum und rund um den Markusplatz und Events für Junge und Jungebliebene im Arsenale. Was den Karneval in Venedig eigentlich ausmacht, sind die fantasiereichen Kostüme und farbenprächtigen Masken, die dann in der Stadt anzutreffen sind. Viele kommen in erster Linie nach Venedig, um die traditionellen Masken zu fotografieren.

Trotz Kommerz und Menschenmassen: An kaum einen anderen Platz in der Welt lässt sich der Karneval so stilvoll und elegant erleben wie in Venedig. Den Opernball in Wien kann man ja nicht direkt als Karnevalsanlass durchgehen lassen.

Fotografieren während des Karnevals

Die meisten Masken trifft man rund um den Markusplatz und am Riva degli Schiavoni an. Hier findet man zweifelsohne auch die besten Hintergründe für seine Bilder. Das Treiben beginn bereits am Morgen zwischen zehn und elf Uhr und erreicht seinen Höhepunkt am späten Nachmittag. Leider ist das Fotografieren nicht ganz so einfach wie man sich das vorstellt und wie einem die vielen tollen Aufnahmen im Netz glauben machen. Denn sobald irgendwo eine Maske auftaucht, ist sie auch schon umringt von Fotografen. Dabei gilt leider das Motto «Dreistigkeit siegt». Wer sich selbst so zurückhaltend verhält, wie die Venezianer hinter den Masken, hat keine Chance auf brauchbare Bilder. Es braucht viel Geduld um an gute Fotos zu kommen. Ständig versperren einem egoistische Touristen, die sich vor die Linse schieben oder iPads hochhalten, die Sicht. Ich habe Verständnis dafür, dass jeder die beste Perspektive haben und das beste Foto machen möchte. Ein wenig Rücksicht würde aber nicht schaden. Manchmal würde es schon reichen, den Kreis etwas größer zu machen.

Nur schon ein paar Schritte weg vom Markusplatz sieht man, wie die Einheimischen in Brokatröcken und aufwändigen Renaissance-Kostümen mit Perücken und Reifröcken in Sackgassen verschwinden oder aus ebensolchen plötzlich auftauchen. Der Weg weg vom Trubel lohnt sich allemal. Auch auf den kleineren Plätzen kann man Masken antreffen. Eigentlich alle genießen das Posieren vor den Menschenmassen und spielen mit der Kamera. Dabei geben sich die Menschen hinter den Masken aber unnahbar und schweigen. Und bei all den tollen Motiven macht es gar nichts, dass es oftmals nicht einmal Venezianer sind, die sich hinter den Masken verbergen. Denn viele Maskierte aus aller Herren Länder nutzen einfach die Bühne des Carnevale die Venezia. Trotz aller Widrigkeiten ist es mir gelungen ein wunderschönes Fotobuch zu gestalten.

Venedig bei Nacht

Im Karneval ist es in Venedig nicht anders als im Sommer: Ihren wahren Charme entfaltet die Stadt erst nach Einbruch der Dunkelheit. Ein großer Teil der Menschenmassen, die Venedig im Februar bevölkern, verlässt die Lagunenstadt am Abend wieder per Zug, Bus oder Schiff. Dann kehrt Ruhe ein. Jetzt entfaltet Venedig sogar im Karneval jene Atmosphäre, die man erwartet. Die Stadt hat zweifelsohne ihren ganz besonderen Charme. Am Abend ist Gelegenheit für ausgedehnte Spaziergänge und den Besuch in Bars. Und man kann das typisch venezianische Essen in einer der vielen Trattorien, Ostarias und Pizzerias genießen. Nur schon allein deshalb würde ich jedem empfehlen, nach Venedig zu reisen.

Wenn irgendwie möglich sollte man auch in Venedig selbst und nicht außerhalb übernachten. Dabei muss man allerdings wissen, dass die Preise im Februar während der «närrischen Tage» auf das Doppelte oder Dreifache klettern und auch für einfachste Unterkünfte horrende Summen brappt werden müssen. Mit ein wenig Geduld findet man aber auch kurzfristig noch passende Angebote. Ich selbst habe in einer einfachen Pension ziemlich genau zwischen Rialtobrücke und Markusplatz genächtigt. Zentraler kann man fast nicht wohnen.

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Praktische Tipps
  • Aus der Schweiz ist Venedig einfach und schnell zu erreichen, entweder per Flug aus Zürich oder mit dem Zug via Mailand. Insgesamt muss man etwa einen halben Tag für die Anreise einkalkulieren.
  • Die ersten Veranstaltungen zum Karneval in Venedig beginnen bereits zwei Wochen vor dem Faschingsdienstag. Natürlich sind die meisten Masken und auch Touristen am Wochenende vor dem Höhepunkt des Karnevals unterwegs. Wer es etwas entspannter angehen möchte, reist bereits ein paar Tage früher oder während der Woche an.
  • Während des Karnevals muss man in Venedig nicht unbedingt verkleidet sein. Viele Touristen lassen sich aber schminken oder kaufen die (wahrscheinlich in Asien produzierte) venezianischen Masken.
  • Eine Übersicht über alle Veranstaltungen rund um den Carnevale di Venezia findet man auf http://www.carnevale.venezia.it/.
  • Für Sightseeing und Shopping besucht man Venedig besser zu einer anderen Jahreszeit.

Als Venedig-Liebhaberin werde ich sicherlich wiederkehren. Vielleicht das nächste Mal erst nach Aschermittwoch, wenn die Touristenmassen weg sind und Venedig wieder den Venezianern gehört. 2017 wird mich meine Flucht vor dem Karneval in der Zentralschweiz allerdings nach Island führen, völlig ohne Verkleidung und Party, einfach in der Hoffnung, Polarlichter zu sichten.

Wusstet ihr übrigens, dass in Annecy, das auch das Venedig der Alpen genannt wird, eine kleine Kopie des Carnevale di Venezia stattfindet und nicht minder schöne Masken dort unterwegs sind?

Karneval in Venedig

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