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Sorrent am Golf von Neapel: Warum sich ein Besuch lohnt

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Gastbeitrag: Ilona von wandernd.de

Sorrent (ital. Sorrento) ist eine Kleinstadt am Golf von Neapel. Ich selbst besuchte Sorrent 2015 zum ersten Mal und war sofort begeistert. 2018 kehrte ich für einen Sprachkurs zurück und verbrachte in diesem Jahr insgesamt fünf Wochen in der Stadt. Nur knapp 16’000 Menschen leben hier, doch die Hotels verzeichneten bis 2016 etwa zwei Millionen Übernachtungen jährlich.

Nein, ein touristischer Geheimtipp ist Sorrent keineswegs. Dennoch lohnt sich ein Besuch in der Stadt, sogar ein längerer Aufenthalt. Und dafür gibt es eine Reihe von Gründen, die ich euch hier darlegen möchte.

Die wunderschöne Lage

Wer nach Sorrent kommt, kommt für gewöhnlich nicht wegen der Sehenswürdigkeiten der Stadt. Natürlich gibt es die: Es gibt herrliche Piazze und Kirchen und die engen Gassen der Altstadt laden zum Flanieren ein.

Sorrent inspiriert sogar Liedermacher.

Doch was die Stadt wirklich auszeichnet, ist ihre Lage: Schroffe Steilküsten stürzen dramatisch in ein in allen Blautönen schimmerndes Meer, darüber Hügel mit Olivenhainen, Bäume voller Zitronen und Orangen, Ausblicke auf Neapel und den allgegenwärtigen Vesuv. Die Lage von Sorrent ist wirklich außergewöhnlich schön.

Wer abends auf einer der Aussichtsterrassen steht und auf den Vulkan jenseits des Golfes von Neapel schaut und auf die Lichter der Großstadt, die zu seinen Füßen flimmern, der versteht sofort, warum der italienische Liedermacher Lucio Dalla der Stadt so ein herrlich sehnsüchtig-schmachtendes Lied gewidmet hat. «Caruso» beginnt mit einem Mann und einer Frau, die sich auf einer alten Terrasse vor dem Golf von Sorrent umarmen.

Ausblick von Sorrent auf den Vesuv bei Sonnenuntergang
Ausblick auf den Vesuv bei Sonnenuntergang

Doch nicht nur von den Steilklippen herab ist der Ausblick großartig. Auch der Anblick der auf den Klippen thronenden Stadt selbst, ist ein echter Genuss. Den besten Blick darauf hat man entweder von einem Boot oder aber von einem der kleinen Standbäder zu Füßen der Stadt in den beiden Häfen. Dass es gerade die Luxushotels sind, die sich am Rande des steilen Ufers drängen, gibt dem Städtchen aus der Ferne ein geradezu mondänes Aussehen.

In Sorrent gibt es insgesamt zwei Häfen: Die Marina Piccola (die interessanterweise der größere Hafen ist, von wo aus die Schiffe etwa nach Capri oder Ischia ablegen) und die Marina Grande.

Marina Piccola in Sorrent
Marina Piccola: Blick auf die Steilküste und die Nobelhotels

Letztere ist fast schon ein eigenes kleines Dörfchen zu Füßen der Steilklippen, mit Häusern, die sich aneinanderdrängen. Beliebt ist die Marina Grande bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen aufgrund der guten Restaurants, die sich dort befinden.

Marina Grande Sorrent
Marina Grande

Ausflüge ab Sorrent

Wenn ich von der Lage Sorrents schwärme, die ein Grund für die Beliebtheit des Städtchens bei Touristen ist, dann nicht nur deshalb, weil diese Lage zauberhaft schön ist, sondern auch deshalb, weil sie ungemein praktisch ist.

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Die Halbinsel von Sorrent mit der Amalfiküste und dem Golf von Neapel hat unglaublich viel zu bieten. Und wer die vielen verschiedenen Sehenswürdigkeiten erkunden möchte, egal ob mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln, für den ist die Stadt der ideale Ausgangspunkt: Von hier verkehren Busse und Schiffe zu den Orten der Amalfiküste, die Regionalbahn Circumvesuviana verbindet Sorrent mit Neapel und passiert dabei die Ausgrabungen von Pompeji, Herculaneum und Torre Annunziata. Und auch die Inseln Capri und (zumindest im Sommer auch) Ischia sind nur eine kurze Fahrt mit dem Schiff entfernt.

Vergiss Pompej, besuche die Villa Oplontis!!

Der absolute Geheimtipp unter diesen Ausflugszielen ist dabei die römische Villa in Torre Annunziata. Während sich im nur wenige Kilometer entfernten Pompeji die Touristenmassen drängen, kann man dieses Kleinod fast alleine genießen. Hier zeigt sich, zu welcher Pracht die alten Römer wirklich fähig waren. Nichts, was ich je zuvor gesehen hatte, keine Ausgrabungsstätte und kein Museum römischer Kunst, hatte mich auf diese Großartigkeit vorbereiten können.

Wenn ihr mehr über die Villa in Torre Annunziata erfahren wollt, dann findet ihr in meinem Artikel «Vergiss Pompeji! – Ein Besuch in der Villa Oplontis» dazu mehr Informationen.

Villa Oplonti in Sorrent
Wandgemälde in der Villa Oplonti

Ostern und die Settimana Santa

Wer die Möglichkeit hat, sollte die Karwoche in Sorrent verbringen. Man muss dabei festhalten, dass die Tourismussaison an Karfreitag beginnt. Ich selbst war bei meinem mehrwöchigen Aufenthalt 2018 genau über diesen Saisonwechsel hinweg in der Stadt – und es war unglaublich, wie sehr sie sich von einem Tag auf den anderen wandelte: Baustellen waren verschwunden, Lokale geöffnet, Blumenschmuck aufgestellt, die Straßen waren voller Menschen. Die Stadt war eine völlig andere als noch am Tag zuvor.

Dennoch kann ich nur empfehlen, nicht erst zum Osterwochenende anzureisen, denn – wie auch an anderen Orten in Italien – die «Settimana Santa» (heilige Woche) wird hier in Sorrent sehr feierlich und mit vielerlei Traditionen begangen. Es beginnt am Palmsonntag, wenn überall die «Palme di Confetti» geweiht werden. Hierbei handelt es sich um gezuckerte Mandeln, die zu kunstvollen Sträußen und Gestecken verarbeitet werden und die auf eine alte Legende zurückgehen. Bei den Überfällen der Sarazenen im Mittelalter, wurden die Gebete der Einwohner erhört: Die sarazenischen Piraten verunglückten vor der Küste, nur eine junge Sklavin konnte sich retten. Zum Dank für die Errettung vor den Piraten stiftete sie das Einzige, was sie besaß – ein Säckchen mit gezuckerten Mandeln.

Palme di Confetti
Palme di Confetti

Dem Palmsonntag folgen die ganze Woche über zahlreiche Prozessionen und «Kreuzwege mit lebenden Bildern» in den verschiedenen Orten der Halbinsel. Unter letzterem muss man sich Darstellungen aus der Leidensgeschichte Christi vorstellen, die von Schauspielern in den Straßen der Dörfer dargestellt werden, was durchaus sehr beeindruckend anzusehen ist.

Karfreitagsprozessionen als Höhepunkt der Settimana Santa

Höhepunkt der Karwoche sind aber mit Sicherheit die beiden Karfreitagsprozessionen in Sorrent selbst. Die erste – die Processione Bianca (weiße Prozession) – findet im Morgengrauen des Karfreitags statt. Die zweite – die Processione Nera (schwarze Prozession) – dagegen nach Einbruch der Dunkelheit am Abend. Die Namen weiße beziehungsweise schwarze Prozession leiten sich von den Gewändern ab, die die Prozessionsteilnehmer tragen und die nur zu leicht an die Gewänder des KuKluxKlans erinnern können. Allerdings haben diese beiden Sachen absolut nichts miteinander zu tun!

Mehr Infos bekommt ihr in meinem Artikel über die Karwoche in und um Sorrent, wo ich auch auf die Bedeutung der seltsamen Gewänder näher eingehe.

Karfreitagsprozession in Sorrent
Processione Nera in der Settimana Santa

Wie ihr seht, es gibt viele gute Gründe, um nach Sorrent zu fahren und dort mehr als nur einen Tag zu verbringen. Wenn ihr mehr über die Stadt Sorrent erfahren möchtet, dann schaut gerne in meinem Reise-Guide vorbei, in dem ich alles Wissenswerte über die Stadt zusammengetragen habe.

Über die Autorin

Ilona ist nicht nur Historikerin, sondern auch passionierte Reisende. Auf ihrem Blog wandernd.de widmet sie smich deshalb mit Vorliebe der Geschichte und den Geschichten hinter den von ihr bereisten Orten. Ihr Reiseherz hat sie dabei vor langer Zeit schon an Italien verloren. Mindestens einmal im Jahr reise sie nach Italien.

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1 Gedanke zu „Sorrent am Golf von Neapel: Warum sich ein Besuch lohnt“

  1. Ein toller Artikel, über einen traumhaften Ort, den ich selbst auch sehr liebe. Neapel, Pompeji, Ischia, Capri, Amalfi. Ich hätte nichts dagegen, den Rest meines Lebens dort zu verbringen. Die alten Villen, die chaotischen Städte, die liebenswerten Menschen, das köstliche Essen. Wir haben Sorrent allerdings noch kaum als sehenswert wahrgenommen und ich habe schon länger das Gefühl, dass wir dort nochmal etwas Zeit verbringen sollten. Vor ein paar Tagen hat der Film „Hand Gottes“, der in Neapel spielt, mir das nochmal in aller Deutlichkeit gezeigt. Herzlichen Dank für die schönen Fotos und Hinweise!

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