Piazza Cavour in Como vom See aus gesehen

Como und Bellagio: Tipps für einen Tagesausflug an den Comer See

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Nach dem Winter kommt die Sehnsucht nach Frühling. Besonders dann, wenn im März nochmals Schnee fällt. Der späte Wintereinbruch nach warmen Tagen ist in der Schweiz fast schon zur Tradition geworden. Dann zieht es mich in den Süden. Die Tessiner Seen sind schnell erreicht, aber auch der Comer See liegt nur einen Katzensprung entfernt und ist für einen Tagesausflug ideal.

Die oberitalienische Atmosphäre, frühlingshafte Temperaturen, die Promenaden und der Blick auf die schneebedeckten Berge im Norden reichen als Kontrast manchmal vollkommen aus. Como selbst ist ein typisch norditalienisches Städtchen, in dem es neben dem Dom und der Uferpromenade noch einiges mehr zu entdecken gibt. Selbst eine Bootsfahrt zu mit einem kurzen Aufenthalt in einem der anderen Orte am See liegt drin.

In diesem Artikel teile ich meine Eindrücke von Como und Bellagio und gebe dir praktische Tipps, damit du weißt, was dich erwartet und wie du das Beste aus einem Tag am Comer See herausholst.

Der Beitrag ist ursprünglich im März 2017 erschienen. Im April 2026 habe ich ihn nach einem erneuten Besuch am Comer See überarbeitet und aktualisiert.

Der Comer See

Der Comer See erinnert mich irgendwie an Venedig. Nein, es gibt keine Kanäle, aber diese eigentümliche Mischung aus Glanz und Verfall ist auch hier überall anzutreffen. An vielen Stellen bröckelt der Putz, verblassen die Fassaden. Und doch – oder gerade deshalb – strahlen die alten Villen und Dörfer einen Charme aus, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Mondän ist der Lario (einer der italienischen Namen für den See) trotzdem. Stars und Sternchen verbringen hier ihre Ferien in Villen hinter hohen Mauern und dichten Hecken. Das bekannteste Beispiel ist die Villa Oleandra aus dem 18. Jahrhundert in Laglio, einem kleinen Ort an der Westküste des Sees. Der Inhaber: George Clooney. Auch wenn die Gerüchte über den Verkauf des Anwesens nicht verstummen wollen, verbringt der Schauspieler mit seiner Familie regelmäßig den Sommerurlaub hier. Diese Tatsache hat Laglio weltbekannt gemacht – und Clooney zum Ehrenbürger.

Berglandschaft am See mit Wolken
Comer See im März

Geografisch ist der Comer See nach dem Gardasee und dem Lago Maggiore der drittgrößte See Italiens. Er ist 51 Kilometer lang, bis zu vier Kilometer breit. Seine charakteristische Form erinnert an ein umgekehrtes Y: Drei Arme treffen sich in der Mitte, dort, wo Bellagio liegt. Bei einer Umrundung des Sees auf kurvenreichen Bergstraßen legst du etwa 170 Kilometer zurück. Praktischer ist das Netz aus Fähren und Linienbooten, das die wichtigsten Orte miteinander verbindet und hilft die Strecken abzukürzen.

Como, die Stadt im Süden des Sees

Como, das dem See seinen Namen gab, liegt am Südufer. Einst war die Stadt Zentrum der Seidenindustrie – ein Erbe, das sich heute noch in den Seidengeschäften der Innenstadt zeigt. Como ist mit etwa 83 000 Einwohnern eine der größeren Städte der Region, fühlt sich aber nicht so an. Die Altstadt ist überschaubar, das Zentrum vom Bahnhof aus bequem zu Fuß erreichbar.

Piazza Cavour in Como vom See aus gesehen
Piazza Cavour

Dom und Altstadt

Der Duomo oder die Cattedrale di Santa Maria Assunta ist die wichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt. Ein Besuch lohnt sich, selbst wenn du so wie ich kein ausgesprochener Kirchenfan bist. Die Kathedrale zählt zu den bedeutendsten Sakralbauten der Lombardei. Nimm dir die Zeit, einmal um den Dom herumzugehen. Dabei entdeckst du auf der Rückseite schöne Perspektiven, die den meisten Touristen verborgen bleiben.

Historische Kirche mit grünen Kuppeln
Duomo

In den Gassen der Altstadt kannst du dich einfach treiben lassen. Verloren gehst du dabei nicht. Die Piazza Cavour, die Piazza Alessandro Volta und die Piazza Duomo laden mit Bars, Cafés und Restaurants zum Verweilen ein. Abseits der internationalen Modeketten gibt es in der Altstadt noch viele kleine Boutiquen mit italienischer Mode, Taschen und Schuhen. Ein Hinweis für Samstagnachmittage: Viele Geschäfte haben dann geschlossen. Wenn du zum Shoppen kommst, planst du dafür besser den Vormittag ein.

Von der Piazza Cavour aus lässt sich die Uferpromenade bequem zu Fuß erkunden. Gleich zu Beginn ragt über einen Steg im See die Stahlskulptur «Life Electric» von Daniel Libeskind auf, ein modernes Denkmal zu Ehren von Alessandro Volta. Es symbolisiert die Verbindung von Licht, Wasser und Wind. Weiter westwärts folgt das Tempio Voltiano, ein neoklassizistischer Tempel aus dem Jahr 1927, der heute ein kleines Museum mit wissenschaftlichen Instrumenten und privaten Gegenständen des Batterie-Erfinders beherbergt. Gleich daneben das Monumento ai Caduti, ein 30 Meter hoher Betonturm, der wenig Schönheit ausstrahlt, aber als Kriegerdenkmal zur Stadt gehört.

Den Abschluss der Promenade bildet die prächtige Villa Olmo mit ihrem öffentlich zugänglichen Park direkt am Seeufer. Wie viele andere historische Gebäude ist sie eingerüstet und sieht im Frühjahr 2026 nicht besonders attraktiv aus.

Schönes Herrenhaus am Seeufer.
Villa Olmo

Standseilbahn nach Brunate

Den besten Blick auf See und Alpen hat man von Brunate aus. Die Funicolare, seit 1894 in Betrieb, überwindet in sieben Minuten knapp 500 Höhenmeter. Oben auf 715 Metern eröffnet sich an klaren Tagen ein Panorama bis zum Monte Rosa, bei sehr gutem Wetter sogar bis zur Skyline Mailands. Von Brunate aus lohnt sich auch die halbstündige Wanderung zum Faro Voltiano, dem Leuchtturm zu Ehren von Alessandro Volta.

Berglandschaft mit See und Häusern, Standseilbahn Brunate
Standseilbahn nach Brunate

Ich muss gestehen: Bei keinem meiner Besuche in der oberitalienischen Stadt habe ich es bisher auf den Berg geschafft. Die Funicolare war jedes Mal wegen Revision außer Betrieb. Das sind die Nachteile der Vorsaison. Wenn du den Weg zur Talstation nicht umsonst machen möchtest, checkst du am besten vorher den aktuellen Betriebsstatus auf funicolarecomo.it. Das Retourticket kostet übrigens rund 7.50 Euro.

Markt

Der Wochenmarkt findet dienstags, donnerstags und samstags entlang der historischen Stadtmauer statt, zugänglich durch die markante Porta Torre. Wenn du einen Lebensmittelmarkt mit regionalen Spezialitäten erwartest, wirst du allerdings enttäuscht sein. Regionale Produkte kaufst du besser in den kleinen Delikatessenläden in der Altstadt.

Historischer Turm in städtischer Umgebung
Porta Torre

Es handelt sich um einen Kurzwarenmarkt. Kleidung, Schuhe, Taschen und Haushaltswaren dominieren das Bild. Das meiste davon ist billige Massenware aus Asien, auch wenn die Labels manchmal etwas anderes suggerieren. Die Kleidungsstücke an den Ständen wiederholen sich, sodass man den Markt schnell gesehen hat. Etwas Besonderes oder Hochwertiges zu finden, ist wie die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Mit dem Schiff auf dem Lago di Como

Den Comer See versteht man vom Wasser aus. Die Bergkulisse, die Villen, die kleinen Dörfer am Ufer – das erschließt sich erst richtig aus dieser Perspektive.

Linienboote und Fähren

Den öffentlichen Schiffsverkehr betreibt Navigazione Laghi. Das Netz verbindet alle wichtigen Orte von Como im Süden bis Colico im Norden. Einfache Tickets und Tagespässe sind online buchbar über navigazionelaghi.it. Den Schnellservice kann man leider nicht online buchen. Das Ticket gibt es ausschließlich am Schalter. In der Vorsaison und an Wochenenden empfehle ich einen genauen Blick auf den Fahrplan, das Angebot ist dann deutlich dünner als in der Hauptsaison.

Wenn du mehrere Orte an einem Tag besuchen möchtest, fährst du mit einem Tagespass günstiger als mit Einzelbilletten. Eine einfache Fahrt nach Bellagio kostet ab 9.50 Euro pro Person (Stand 2026).

Private Bootstouren

Wer nicht an Fahrpläne gebunden sein möchte, findet an der Uferpromenade eine große Auswahl an privaten Anbietern, die Rundfahrten zu den bekanntesten Villen, Taxiboote zu einzelnen Orten oder geführte Touren im Programm haben.

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Bellagio, die Perle des Comer Sees

Bellagio gilt neben Varenna als einer der schönsten Orte rund um den See. Die Lage ist einzigartig: Das Städtchen liegt auf einer Landzunge, wo die drei Seearme zusammentreffen. Mit dem Schnellboot von Como dauert die Fahrt rund 50 Minuten, ohne Schnellservice sind es bis zu zweieinhalb Stunden.

Fähre auf einem schönen See
Bellagio

Im März ist Bellagio ein verschlafenes Dörfchen, das nur mit der Ankunft der Fähren kurz zum Leben erwacht. Traditionsreiche Hotels wie das Grand Hotel Villa Serbelloni öffnen erst nach Ostern, die wenigen wintergeöffneten Unterkünfte sind rasch ausgebucht. Hinter Baugerüsten und Plastikplanen putzen sich die Häuser für die Saison heraus. Das gibt dem Ort in der Vorsaison etwas Bedrückendes. Wenn du Nachtleben suchst, bist du in Como besser aufgehoben.

Sonnenuntergang am Comer See
Abendstimmung in Bellagio

In der Hauptsaison verwandelt sich Bellagio dann in einen der meistbesuchten Orte am See. Dann lohnt sich ein früher Start. Die Promenade und die Gässchen sind ohne große Menschenmassen ein anderes Erlebnis. Sehenswert sind die Gärten der Villa Melzi direkt am Seeufer sowie die Terrassen der Villa Serbelloni mit einem der schönsten Ausblicke auf den See. Dass Bellagio ein Ziel der Schönen und Reichen ist, merkt man an den Seidengeschäften und Boutiquen.

Gemütliche Gasse mit Weinbar

Verpassen solltest du es trotzdem nicht, auch wenn es nur für einen Tagesausflug reicht. Die zauberhafte Promenade, die farbenfrohen Gässchen und die steilen Treppenaufgänge haben einen ganz eigenen Charme. Einzig der unschöne Fähranleger trübt das Bild ein wenig.

Unterkunftstipp: Das Hotel Du Lac & Spa liegt direkt am Hauptplatz von Bellagio, gegenüber dem Fähranleger – zentraler geht es kaum. Das familiengeführte Haus ist seit 1956 im Besitz der Familie Leoni und wurde vollständig renoviert. Viele Zimmer haben einen Balkon oder eine Terrasse mit Seeblick, das Frühstück wird auf der Panorama-Dachterrasse serviert. Wer möchte, entspannt sich im hauseigenen Spa mit Sauna und Whirlpool.

Praktische Tipps für deinen Besuch

Anreise

Como ist von der Schweiz aus bequem erreichbar – mit dem Zug, dem Auto oder dem Reisebus. Der Bahnhof San Giovanni liegt an der Strecke Chiasso–Mailand, von Lugano aus sind es rund 20 Minuten. Das Stadtzentrum ist vom Bahnhof aus gut zu Fuß erreichbar. Mit dem Auto solltest du dich auf Verkehr und knappe Parkmöglichkeiten gefasst machen, besonders an Wochenenden und in der Hauptsaison.

Beste Reisezeit

Der Comer See ist das ganze Jahr besucht. Die Hochsaison von Juni bis August bringt große Menschenmassen. Die Vorsaison ab März hat ihren eigenen Reiz: ruhiger, authentischer, aber mit eingeschränkten Öffnungszeiten bei Restaurants, Hotels und Fähren. Nach Ostern öffnen die meisten Attraktionen wieder.

Auf der Rückfahrt erwartet mich bei der Ausfahrt aus dem Gotthardtunnel dichtes Schneegestöber. Kaum zu glauben, dass ich eineinhalb Stunden vorher noch Sonne und frühlingshafte Temperaturen genossen habe.

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Gassen von Bellagio, Tagesausflug von Como
Como und Bellagio
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Autor:in
Carola ist eine leidenschaftliche Teilzeitnomadin, die ihren Vollzeitberuf mit Reiselust verbindet. Sie ist der Kopf hinter Travellingcarola und seit 2016 eine wahre Inspirationsquelle für alle, die die Welt entdecken wollen. In ihren authentischen Reiseberichten teilt sie einzigartige Erlebnisse und gibt praktische Tipps.

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