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Wandern auf Zypern: die schönsten Touren im Winter und der berühmte Plan B

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Die drittgrößte Insel im Mittelmeer ist eine wahre Sonneninsel. Während im Hochsommer körperliche Aktivitäten schnell zur Qual werden, ist der Winter perfekt zum Wandern auf Zypern. Die Sonne scheint bis zu neun Stunden am Tag und die Temperaturen sinken selten unter 15° Celsius. Allerdings kann der Regen schon einmal einen Strich durch die Wanderplanung machen und in den höheren Regionen des Troodos-Gebirges liegt Schnee.

Für die Woche rund um den Jahreswechsel auf Zypern habe ich in der Hoffnung, dass das Wetter mitspielt, sechs Wanderungen sowie ein alternatives Schlechtwetterprogramm geplant. Im Beitrag gebe ich dir Tipps, welche Touren du von einem Standorthotel in Paphos aus im Winter unternehmen kannst.

Eine Woche Wandern auf Zypern

Es gibt viele Gründe für eine Reise nach Zypern im Winter, (fast) perfektes Wanderwetter ist einer davon. In der Silvesterwoche auf Zypern will ich Sonne tanken, die Natur genießen, gut essen und mich ein bisschen verwöhnen lassen. Im Frühjahr oder Herbst hätte ich eine Wanderwoche auf Zypern mit einem Roadtrip von Ost nach West kombiniert und dabei einige Nächte im Gebirge eingeplant.

Jetzt, im Dezember und Januar, bevorzuge ich ein Standorthotel in Paphos. Das gibt einem die Möglichkeit, das Programm und die Wanderungen spontan an das Wetter anzupassen. Die Ausgangspunkte für die Touren im Westen der Insel sind dennoch in ein bis eineinhalb Stunden erreichbar. Und sollten einmal alle Stricke reißen und der Regen gar kein Ende nehmen, locken Paphos und Limassol oder der Wellnessbereich des Hotels.

Das öffentliche Verkehrsnetz auf Zypern ist leider schlecht ausgebaut. Busse verbinden im besten Fall die größeren Städte. Um zu den Ausgangspunkten der Wanderungen zu kommen, brauchst du ein Auto oder du schließt dich einer organisierten Tour oder Wanderreise an.

Die Insel bietet eine große Auswahl an markierten Wanderwegen durch die schönsten Regionen Zyperns. Eine gute Übersicht der Möglichkeiten findest du im offiziellen Portal für Tourismus Zypern. Verschiedene Filter (Region, Schwierigkeitsgrad, Länge, Strecken- oder Rundwanderung) helfen bei der Auswahl der passenden Route. Wenn du mit dem Mietauto unterwegs bist, bieten sich Rundwanderungen besonders an.

Ansonsten kannst du wählen zwischen Wanderungen im Troodos-Gebirge oder in den Küstenregionen. Die Wege führen durch wunderschöne Landschaften mit einzigartiger Vegetation, durch Weinberge, in malerische Dörfer mit schmalen Gassen und traditionellen Häusern, vorbei an Klöstern und Kirchen oder zu archäologischen Stätten. Viele Wanderungen auf Zypern bieten eine grandiose Aussicht.

Für meine Woche auf Zypern habe ich im Vorfeld sechs abwechslungsreiche Wanderungen in der Umgebung von Paphos herausgesucht, drei im Troodos-Gebirge, zwei auf der Akamas-Halbinsel und die Tour beim Felsen der Aphrodite. Damit die Wanderungen in die nähere Auswahl kamen, mussten sie zwei Voraussetzungen erfüllen: Bei Schlechtwetter musste es entweder möglich sein, die Tour abzukürzen, oder alternativ ein kleines Kulturprogramm einzubauen.

Wandertouren im Winter auf Zypern

Vouni Path Trail, Weinbaugebiet und Kloster Chryssorogiatissa

Wie üblich gibt es zum Einlaufen erst einmal eine gemütliche Runde. Die erste Wanderung sollte uns ins Weinbaugebiet rund um Vouni, ein Dorf auf 800 Metern im Troodos-Gebirge, führen. Der Vouni Path Trail startet im Dorf Pano Panagia und führt durch Weinberge mit uralten Weinstöcken. Zwischendurch eröffnen sich Aussichten auf das Troodos-Gebirge und den Kanaviou Stausee.

Leider macht uns das Wetter an diesem Tag einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Es ist Starkregen angesagt und für einmal ist auf den Wetterbericht Verlass. Deshalb kommt Plan B zum Tragen und wir starten unser Tagesprogramm im kleinen Museum und im Geburtshaus des Erzbischofs Makarios III. in Pano Panagia. Immerhin hat der Hirtenjunge, der in einfachsten Verhältnissen aufgewachsen ist, die Geschicke des Landes bestimmt und die Geschichte geprägt. Nach der Unabhängigkeit von Großbritannien wurde Makarios, das Oberhaupt der zypriotisch-orthodoxen Kirche, zum ersten Staatspräsident der Republik Zypern gewählt.

Nach einem kurzen Abstecher ins Kloster Chryssorogiatissa, wo wir im Klosterladen eine Flasche Wein erstehen, starten wir bei Regen und Nebel eine verkürzte Form der Wanderung. Zum Mittagessen geht es später in Gabriels Taverne nach Kouklia. Mit vegetarischem Moussaka füllen wir die nicht verbrauchten Kalorien wieder auf. Danach nutzen wir die Zeit für eine Besichtigung des archäologischen Museums von Palaepaphos.

Scheunendachkirchen im Troodos-Gebirge

Die Scheunendachkirchen auf Zypern sind etwas ganz Besonderes. Wie der Name bereits vermuten lässt, erinnern die Kirchen mit ihren tief heruntergezogenen Dächern aus Holzschindeln und ohne Glockenturm mehr ans landwirtschaftliche Gebäude als an Sakralbauten. Im Inneren der Kirchen finden sich oftmals prächtige Fresken, die im Kontrast zum schlichten Äußeren stehen. Neun dieser Kirchen zählen zum UNESCO Weltkulturerbe. Zwei der schönsten unter UNESCO-Schutz stehenden Scheunendachkirchen der Insel kannst du im Rahmen der Streckenwanderung zwischen der Kirche Stavros tou Agiasmati und der Panagia tou Araka besichtigen.

Der Dauerregen vom ersten Tag hat nachts keine Pause gemacht und dauert weiterhin an. Eine fast 15 Kilometer lange Wanderung in Höhen von über 1’000 Metern erscheint uns nicht ganz passend. Zudem wissen wir nicht, wie die Beschaffenheit der Wege ist und ob diese dem Starkregen standgehalten haben.

Wir verzichten auf die zweistündige Anreise ins Gebirge und entscheiden uns abermals für den Plan B, das schlechtwettertaugliche Ersatzprogramm. Die Altstadt von Limassol lässt sich auch bei Regen erkunden. Am Nachmittag klart es ein wenig auf und wir wandern entlang der Uferpromenade bis zur Akropolis und den Ausgrabungen von Amathous. Zum Mittagessen gibt es Fisch in einer Taverne am Meer. Noch bleiben vier weitere Wandertage auf Zypern. Ob wir diese Wanderung nachholen können oder wollen, steht in den Sternen.

Genesis Aphrodite’s Trail und Petra tou Romiou

Endlich Sonnenschein! Tagsüber kratzen die Temperaturen bereits wieder an der 20-Grad-Marke. Das Wetter ist perfekt für eine aussichtsreiche Küstenwanderung und einen Besuch beim Aphroditefelsen, einem der Wahrzeichen Zyperns. Wir starten die Wanderung beim Hundestrand und steigen hinauf nach Pissouri.

Sobald die ersten Höhenmeter überwunden sind, eröffnen sich fantastische Ausblicke auf das Meer, die Küste und den Felsen der Aphrodite. Sobald man die Höhe erreicht hat, wartet eine wunderbar grüne Hochebene mit alten knorrigen Johannisbrotbäumen, Unmengen von Meerzwiebeln und in unserem Fall mit blühenden Anemonen. Die Tour ist ausgesprochen schön, sodass es uns nichts ausmacht, den gleichen Weg wieder zurückzugehen.

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Vom Hundestrand bis zum Petra tou Romiou sind es knapp eineinhalb Kilometer der Küstenstraße entlang. Die griechische Mythologie erzählt, dass an dieser Stelle die Göttin der Schönheit und Liebe, aus dem Schaum der Wellen auftauchte und an den Strand gespült wurde. Der Mythos Aphrodite lebt heute noch auf Zypern. Bei Vollmond schwimmen Paare dreimal um den Felsen, um mit ewiger Liebe belohnt zu werden. Alternativ kann man auch auf ewige Jugend hoffen. Außerdem steht am Strand ein Wunschbaum. Wer ein Stück Stoff an den Baum knotet, darf sich etwas wünschen. Zu Zeiten von Corona hängen leider vor allem Hygienemasken am Baum.

Bei Schlechtwetter wären wir nur zum Felsen der Aphrodite gefahren und hätten Paphos mit seinem mittelalterlichen Kastell und dem Archäologischen Park Kato Phaphos genauer erkundet.

Avakas-Schlucht auf der Akamas-Halbinsel

Die Halbinsel Akamas liegt an der Nordwestspitze von Zypern und ist von Paphos aus schnell erreichbar. Die Akamas-Halbinsel ist ein Naturparadies mit rund 530 verschiedenen Pflanzenarten. Bis zur Jahrtausendwende wurde die Halbinsel von der britischen Armee für militärische Übungen benutzt, danach wurde sie Naturschutzgebiet. Nirgendwo sonst ist Zypern so unberührt und bisher vom Bauboom der Tourismusindustrie verschont geblieben. Somit ist die Akamas-Halbinsel auch ein Paradies für Wanderer.

Die Tour durch die Akavas-Schlucht gehört zu den eindrücklichsten und abenteuerlichsten Wanderungen auf Zypern. Über Jahrtausende hinweg hat sich der kleine Bach tief in das Kalkgestein gegraben und eine enge Schlucht mit teilweise mehr als zweihundert Meter hohen Felswänden zurückgelassen. Im Winter nach tagelangen Regenfällen ist eine vollständige Begehung der Schlucht nicht zu empfehlen.

Der Weg durch die Schlucht ist schmal. Es ist eine kleine Kletterpartie über Felsbrocken und an mehreren Stellen muss der Fluss auf Steinen balancierend überquert werden. Dabei ist Trittsicherheit gefragt. Im Sommer kannst du einfach durchs Wasser waten. Der mittlere und imposanteste Teil der Schlucht ist nur 500 Meter lang. Die meisten Besucherinnen und Besucher machen dort wieder kehrt.

Wir starten unsere Wanderung in Kato Arodes und wandern auf Feldwegen bis zu einem Aussichtspunkt über die Schlucht. Der Ausblick bis hin zur Lara Bucht, wo die Caretta caretta Schildkröten ihre Eier ablegen, ist ebenso atemberaubend. Auf der nördlichen Seite wandern wir oberhalb der Schlucht hinunter Richtung Küste und wagen uns dann noch einen Teil in die Schlucht hinein. Zum Abschluss gibt es bei 17° Celsius Luft und Wassertemperatur ein erfrischendes Bad im Meer am Toxeftra Beach.

Wenn das Wetter nicht mitgespielt hätte, wären wir anstelle der Wanderung der Küste entlanggefahren. Zwischen Paphos und Agios Georgios findest du neben den Sea Caves bei Kantarkatson viele eindrückliche Felsformationen und das berühmte Schiffswrack.

Madari Trail im Troodos-Gebirge

Die Sonne hat sich durchgesetzt. Das beständige Wetter erlaubt endlich die langersehnten Wanderungen im Troodos-Gebirge. Die Anreise von Paphos nach Spilia ist mit eineinhalb Stunden vergleichsweise lang. Die hübschen Bergdörfer und die Aussicht auf den schneebedeckten Gipfel des Olympos, den höchsten Berg Zyperns, entschädigen dafür. In Kyperounta, einem der höchstgelegenen Orte im Troodos-Gebirge, passieren wir das Sanatorium. Hier im gesunden Hochgebirgsklima konnten bis in die 1990er Jahre kranke Kinder aus der DDR Erholung finden und Kraft tanken.

Der Madari Trail begeistert Naturliebhaberinnen und -liebhaber wegen seiner Flora. Hier triffst du auf den Östlichen Erdbeerbaum, die endemische Zypern-Zeder, die kalabrische Kiefer und den zypriotischen Nationalbaum, die Erlenblättrige Eiche, erkennbar an ihrer markant gelbfarbigen Blattunterseite.

Als wir an der Feuerstation am Adelfoi ankommen, trauen wir unseren Augen kaum. Die Sicht ist so klar, dass wir sogar die riesige Flagge sehen, die auf einem Berg nahe der Hauptstadt Nikosia gemalt wurde. «Glücklich derjenige, der sich als Türke bezeichnet» steht dort in riesigen Lettern geschrieben. Die Fahne der 1983 gegründeten Türkischen Republik Nordzypern hat eine Größe von ungefähr vier Fußballfeldern und kann durchaus als Provokation aufgefasst werden. Sie ist von überall im Großraum Nikosias zu sehen und nachts beleuchtet. In nördlicher Richtung erkennen wir sogar das Taurusgebirge am türkischen Festland.

Geologinnen und Geologen dürften am Madari Trail ebenfalls in Begeisterung ausbrechen. Senkrechte Felsmauern ragen hier markant in die Höhe. Entstanden sind die «Madari Walls» am Meeresgrund durch das Austreten von Magma beim Auseinanderdriften der Kontinentalplatten. Später gelangte das Gestein an die Oberfläche. Richtung Selladi tou Karamanli führt der Weg steil bergab durch einen regelrechten Zauberwald. Die Gesteinsformationen, die Flechten und Moose sorgen für eine mystische Stimmung.

Nach der Wanderung gönnen wir uns ein ausgiebiges Meze-Essen im Restaurant des Adventure Mountain Parks in Spilia.

Plan B für diesen Tag hätte so ausgesehen, dass wir die beiden Städte Larnaca und Nikosia besucht hätten.

Über den Adonis und Aphrodite Trail zum Bad der Aphrodite

Das Motto «Das Beste kommt zum Schluss» soll auch fürs Wandern auf Zypern gelten. Eine der schönsten Touren sparen wir uns nach regelmäßiger Konsultation des Wetterberichts für den letzten Wandertag auf. Es geht abermals auf die Akamas-Halbinsel, und zwar in den Norden. Die beiden malerischen Badeferienorte Polis und Latchi begeistern mich auf Anhieb. Sollte ich nochmals nach Zypern kommen, dann sicherlich hierher.

Für die Abschlusswanderung auf Zypern kombinieren wir den Adonis und den Aphrodite Trail zu einer etwas ausgiebigeren Rundtour. Immerhin trafen sich hier auf Zypern die schöne Aphrodite und ihr nicht minder attraktive Liebhaber Adonis, mit dem sie ihren Ehemann Hephaistos betrog. Der Adonis Trail startet gut signalisiert etwa fünf Kilometer nach der Ortschaft Latchi.

Durch idyllische Kiefernwälder geht es sanft bergauf. Eindrücklich ist die mehr als 500 Jahre alte Eiche in der Nähe der Ruinen Pyrgos tis Rigenas. Von hier aus folgt nochmals ein Anstieg bis zum Aussichtspunkt Moutti tis Sotiras. Diese Aussicht solltest du dir auf keinem Fall entgehen lassen. Der Rundblick reicht vom Troodos-Gebirge bis zur Ostspitze der Akamas-Halbinsel. Dort, wo sich an der Blue Lagoon im Sommer zahllose Ausflugsboote tummeln, herrscht jetzt im Januar absolute Ruhe. Das Farbenspiel des Meeres in den Buchten an der Nordküste ist unglaublich. Das glasklare Wasser schimmert tiefblau, türkis und grün.

Über den Aphrodite Trail geht es wieder hinunter auf Meeresniveau. Kurz vor dem Ausgangspunkt erreichen wir das Bad der Aphrodite beziehungsweise das, was als solches vermarktet wird. Hinter einem Eingangstor verbirgt sich eine Gartenanlage mit vielen einheimischen Pflanzen. Gepflasterte Wege führen zunächst zu einem kleinen Bachlauf in einer gepflasterten Rinne. Da hier Aphrodite wohl nicht gebadet hat, nutzen wir die Gelegenheit unsere schmutzigen Wanderschuhe zu säubern.

Danach kommen wir zu einem natürlichen Becken, das von einem Wasserfall gespeist wird. Die kleine Grotte ist mit Bäumen und Schlingpflanzen bewachsen. Hier soll Aphrodite der Legende nach gebadet haben, bevor sie einen ihrer unzähligen Verehrer getroffen hat. Mit jedem Sprung ins Wasser wurde sie noch schöner und vor allem wieder zur Jungfrau. Baden ist hier selbstverständlich verboten. Aber der Ort ist ein beliebtes Fotomotiv. Und einige einfältige Männer können sich ein paar dumme Witze nicht verkneifen.

Weder verschönert noch jungfräulich beschliessen wir, auf dem Rückweg nach Paphos in der Petradaki Tavernain Kathikas abermals zum Meze-Essen einzukehren. Nach den vielen Wanderungen auf Zypern dürfen wir uns durchaus noch einmal der Völlerei hingeben.

Bei Regen hätten wir an diesem Tag nur das Bad der Aphrodite und die beiden Orte Polis und Latchi besucht.

Fazit

Alle Wanderungen auf Zypern, egal ob bei Sonnenschein oder die abgespeckte Schlechtwettervariante haben mir ausgesprochen gut gefallen. Die ideale Besuchszeit für die Insel wäre für mich jedoch im November oder März. Dann sind die Temperaturen etwas wärmer, Zypern liegt nicht völlig im Winterschlaf und es ist mit weniger Regen zu rechnen.

Wandern auf Zypern: die schönsten Touren im Winter und der berühmte Plan B 1
Wandern auf Zypern: Troodos-Gebirge
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