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Hermannstadt: 10 Tipps für die Stadt, wo die Dächer Augen haben

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Sibiu, zu Deutsch Hermannstadt, gilt zweifelsohne als eine der schönsten Städte Rumäniens. Es versprüht viel mittelalterlichen Charme, war europäische Kulturhauptstadt 2007 und kann mit einigen Superlativen aufwarten. Schon Kurt Tucholsky meinte: «Hermannstadt ist entzückend, bestes, altes, gutes Deutschland. Winklige Gassen, eine wundervolle Bevölkerung, sehr gutes Essen, nicht zu vergessen.» Im 12. Jahrhundert von deutschen Siedlern, den Siebenbürger Sachsen, gegründet, blickt die Stadt in Transsilvanien heute noch auf ein reiches kulturelles, architektonisches und kulinarisches Erbe zurück.

Ich konnte Hermannstadt und Umgebung drei Tage lang erkunden. Mitgebracht habe ich einige Tipps für Aussichtspunkte, Besichtigungen, Wanderungen und kulinarische Genüsse. Es gibt viele Gründe, nach Sibiu zu reisen.

Sibiu von oben bewundern

Mein erster Weg in einer mir unbekannten Stadt führt mich meist in luftige Höhen. Aussichtspunkte wie Türme oder Berge ziehen mich magisch an. Irgendwie brauche ich diesen ersten Überblick von oben für meine Orientierung. Das höchste Gebäude in Hermannstadt ist die evangelische Stadtpfarrkirche mit ihrem markanten Fünfknopfturm. Turm und Kirche von weither zu sehen. Entsprechend wäre er der beste Aussichtspunkt.

Die evangelische Pfarrkirche ist während meines Besuchs wegen Renovierungsarbeiten jedoch geschlossen. Den Turm ziert ein Baugerüst. Auch sonst ist alles eingezäunt und liegen überall Baumaterialien herum. Gefühlt ist Rumänien gerade eine einzige Baustelle, zumindest, was die Touristenattraktionen anbelangt. In Sulina im Donaudelta oder Râșnov, einer Burg bei Brasov in Transsilvanien, musste ich bereits die gleichen Erfahrungen machen. Somit wird es nichts mit dem Aufstieg auf den 73 Meter hohen Kirchturm.

Als alternativer Aussichtspunkt bietet sich der Ratturm beim ehemaligen Rathaus an. Er liegt direkt über einem Durchgang, der den Kleinen und den Großen Ring miteinander verbindet. Für RON 2.- (2021) kannst du zur Aussichtsplattform hochsteigen und hast von dort einen schönen Blick auf die Altstadt. Von oben betrachtet kommt das Pflaster des Großen Rings besonders gut zur Geltung. Bei gutem Wetter reicht der Blick bis in die Karpaten. Leider sind die Fenster so stark verschmutzt, dass Fotografieren kaum möglich ist.

Die eindrucksvolle Oberstadt mit ihren Plätzen und Kirchen

Die Altstadt von Hermannstadt setzt sich aus drei zusammenhängenden Plätzen zusammen: Piața Mare, Piața Mica und Piața Huet. Rumänisch ist eine romanische Sprache. Insofern lassen sich die Wörter leicht herleiten. Piața, ausgesprochen wie Piaza, bedeutet logischerweise Platz. Ins Deutsche übersetzt heißen der Piața Mare und der Piața Mica jedoch Großer und Kleiner Ring. Egal, wie man sie bezeichnet, in Sibiu findet das Leben auf den Plätzen statt. Das historische Zentrum von Sibiu ist liebevoll restauriert und eine richtige Augenweide.

Piața Mare

Der Piața Mare ist ein riesiger, fast rechteckiger, Platz im Zentrum von Hermannstadt, 142 Meter lang und 93 Meter breit. Suchen musst du ihn nicht, denn es führt kein Weg daran vorbei. Früher oder später wirst du auf deinen Streifzügen durch Hermannstadt hier landen. Er wird von repräsentativen pastellfarbenen Gebäuden, dem Brukenthal-Palast, der Jesuitenkriche und dem Rathaus dominiert. Daneben gibt es alles, was das Touristenherz begehrt: die Touristeninformation, Cafés und Restaurants.

Während meines Besuchs findet der Sibiu International Marathon statt. Der Piața Mare ist dadurch leider weniger schön anzusehen. Der ganze Platz ist voll mit Absperrgittern, Planen, Plakaten und allem, was sonst noch so für Sportveranstaltungen nötig ist. Das Gesamtensemble und einzelne Gebäude wie die Casa Lutsch kommen so gar nicht richtig zur Geltung. Dafür bin ich mittendrin im Geschehen und kann sowohl den Sieger als auch die letzten Läuferinnen und Läufer, die das Ziel erreichen anfeuern.

Piața Mică

Zwischen der römisch-katholischen Kirche und dem Rathaus gibt es einen Durchgang zum Piața Mică, dem Kleinen Ring. Eine weitere Möglichkeit dorthin zu gelangen, ist der Torbogen unter dem alten Ratsturm. Der Piața Mică ist gesäumt von Kaufmannshäusern. Diese sind etwas weniger vornehm als die Gebäude am Großen Ring. Dafür gibt es überall Arkaden und Laubengänge.

Die Lügenbrücke ist eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Hergestellt wurde die gusseiserne Brücke 1859 in Deutschland (Friedrichshütte Hessen). Weil die Brücke nicht wie zuvor üblich auf Pfeilern stand, erhielt sie den Namen «Liegebrücke». Im Laufe der Zeit wurde daraus wohl die «Lügenbrücke», um die sich mancherlei Legenden ranken. Einer Erzählung nach fängt sie an zu beben, wenn eine Lügnerin oder ein Lügner die Brücke überquert.

Huet-Platz

Weiter geht es auf den Huet-Platz, der von der evangelischen Stadtpfarrkirche dominiert wird. Manche Gebäude wurden auf der ersten Wehrmauer der Stadt errichtet, andere sind wunderschön farbenfroh. Außerdem befindet sich hier die deutsche Schule, das Brukenthal-Lyzeum.

Auf der Route über die drei Plätze kommst du an der römisch-katholischen Jesuitenkirche am Großen Ring sowie an der evangelischen Stadtpfarrkirche am Huet-Platz vorbei. Ich selbst bin kein großer Fan von Kirchen, der Besuch in der orthodoxen Kathedrale bleibt mir jedoch in Erinnerung. Das imposante Bauwerk ist der Hagia Sophia in Istanbul nachempfunden. Während ich mich umschaue, die Deckengemälde und die Altarwand bewundere, wird in Windeseile alles für eine Trauung vorbereitet. Plötzlich befinde ich mich mitten in der Hochzeitsgesellschaft und darf einer rumänisch-orthodoxen Hochzeitszeremonie bewohnen. Hermannstadt ist eines der religiösen Zentren der Orthodoxen Kirche Rumäniens.

Augen von Sibiu

Es könnte sein, dass du dich auf deinen Streifzügen durch die Stadt plötzlich beobachtet fühlst. In Hermannstadt haben die Dächer nämlich Augen. Gemeint sind Dachgauben in unterschiedlichen Formen, trapezförmig, länglich oder abgerundet. Derartige Gauben sind typische Elemente barocker Architektur. In Hermannstadt dienten sie der Belüftung der Dachböden. Da in Sibiu die Keller oftmals feucht waren, mussten Getreide oder Mehl in in den Dachstöcken gelagert und so frisch gehalten werden.

Schnell haben sich diese Dachfenster, die an Augen erinnern, zu einer Touristenattraktion gemausert. Sibiu ist bekannt als Stadt, mit den Augen, in der die Häuser nicht schlafen. Die Einwohner sagen, dass die Ochii Sibiului die Stadt bewachen. Einheimische und Gäste werden durch die wachsamen Augen beschützt und ihrerseits davon abgehalten Schlechtes zu tun. Manche behaupten sogar, dass die Augen gebaut wurden, um die Menschen zu erschrecken. Man sollte glauben, immer und überall unter Beobachtung zu stehen. Wie auch immer – die Augen von Hermannstadt sind lustig anzuschauen.

Die Unterstadt erkunden

Während früher in der Oberstadt die reichen Familien lebten, war die Unterstadt den Kaufleuten und Handwerkern vorbehalten. Die Häuser waren weniger prunkvoll. Heute sind viele von ihnen nicht mehr im allerbesten Zustand, dafür aber sehr farbenfroh. Auf alle Fälle versprüht dieser Stadtteil einen ganz besonderen Charme und es gibt viel zu entdecken. Großartige Sehenswürdigkeiten darfst du hier nicht erwarten, die engen Gässchen und viele kleine Läden laden einfach zum Bummeln ein.

Vom Kleinen Ring aus und vom Huet-Platz führen teils steile Treppen hinunter in die Unterstadt. Eine davon ist die Fingerlingstiege beim Goldschmiedeturm. Eine weitere befindet sich beim Sagturm. Einzigartig ist die Pasajul Scărilor. Die Passage ist Teil der dritten Befestigungsmauer und weist als Besonderheit mehrere gemauerten Bögen auf. Über die langgezogene Kurve unter der Lügenbrücke gelangst du ebenfalls in die Unterstadt.

Stadtmauer

Nach der Invasion der Tataren wurden massive Backsteinmauern rund um Hermannstadt errichtet. Deshalb erhielt Sibiu die Bezeichnung «rote Burg». Der erste Befestigungsring entstand um den heutigen Huet-Platz. Der zweite Ring umgibt den Piața Mică. Später wurden sogar noch ein dritter und vierter Mauerring erforderlich, um Ober- und Unterstadt zu schützen. Von der ursprünglichen Wehranlage mit 39 Türmen sind heute noch zehn Türme und einzelne Mauerstücke übrig.

Am besten zu sehen sind die Überreste zwischen der Strada Cetăţii (Harteneckgasse) und dem Bulevardul Corneliu Coposu. Zimmermannsturm, Armbrustertrum und Töpferturm samt Verbindungsmauer sind hier sehr gut erhalten. Seit Sommer 2020 sind zwei Türme und die Stadtmauer nach umfassender Restauration für Besucher zugänglich. Der kurze Rundgang beginnt mit der Besteigung des Zimmermannsturms und führt über den Wehrgang zum Töpferturm.

Neben ihre Verteidigungsfunktion dienten die Türme der Stadtmauer als Sitz oder Lagerräume der Zünfte, wovon ihre Namen zeugen. Im Dicken Turm ganz in der Nähe wurde 1788 das erste Theater errichtet. Heute treten im Thalia-Saal die Hermannstädter Philharmoniker auf. Der Spaziergang entlang der Stadtmauer ist wirklich empfehlenswert. Hier kannst du dem Trubel der Innenstadt ein wenig entfliehen und die Harteneckgasse mit ihrer pittoresken Häuserzeile gilt als eine der schönsten Straßenzüge in Sibiu.

Museen

Hermannstadt darf sich rühmen, in vielen Belangen Vorreiter in Siebenbürgen gewesen zu sein. Hier befanden sich die erste Schule, die erste Apotheke, das erste Theater, das erste Museum, die erste Druckerei und Bibliothek, der erste Zoo, die erste elektrische Straßenbahn und manches mehr. Entsprechend darfst du dich in der Stadt auf einige hochkarätige Museen freuen.

Das Brukenthal-Museum ist eine Gruppe von Museen in Sibiu, die über die Stadt verteilt sind. Dazu gehören das Museum für Pharmaziegeschichte im Gebäude der ersten Apotheke Rumäniens am Kleinen Ring, das Historische Museum, das Museum für Naturgeschichte, das Museum für Moderne Kunst und das Brukenthal-Palais am Großen Ring mit den Sammlungen europäischer und rumänischer Kunst. Der Barockbau aus dem 18. Jahrhundert mit der originalen Einrichtung oder der Bibliothek Samuel Brukenthals ist einen Besuch wert, selbst wenn du keine Kunstliebhaberin oder kein Kunstliebhaber bist.

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Wenn du etwas mehr Zeit in Sibiu verbringst und das Wetter mitspielt, kann ich dir das Astra-Museum empfehlen. Das größte Freilichtmuseum Rumäniens liegt etwa vier Kilometer südlich des Zentrums. Das Areal umfasst 96 Hektar und ist wunderschön rund um einen See angelegt. Auf einem Spaziergang durch das Gelände siehst du Wohnhäuser und Wirtschaftsgebäude aus verschiedenen Epochen und allen Landesteilen Rumäniens. Abgerundet wird das Programm mit diversen Veranstaltungen und Vorführungen.

Cibin Markt

Märkte sind ein Ort, an dem man ganz viel über Land und Leute erfährt. Wenn immer möglich statte ich den lokalen Märkten einen Besuch ab, sei es in Tiflis, Tel Aviv oder Athen. Es ist spannend zu sehen, was alles verkauft und gekauft wird, die Menschen und das Treiben zu beobachten. Das ist am Bauernmarkt in Sibiu nicht anders.

Jetzt Ende September biegen sich die Marktstände unter der Last von Auberginen, Paprika, Peperoni, Knoblauch, Tomaten, Äpfeln, Zwetschken, Weintrauben und Nüssen. Immerhin ist der Herbst jene Zeit, in der in den Haushalten Gemüse eingelegt oder zu Zacusca, der typischen Gemüsepaste, verarbeitet wird. Was für eine Farbenpracht und welch ein Genuss!

Sobald du das Gemüse oder Obst in Rumänien probiert hat, wirst du feststellen, dass es wesentlich aromatischer und geschmackvoller ist als in unseren Breiten. Rumänische Paprika oder Tomaten sind nicht vergleichbar mit dem langweiligen Gemüse aus Spanien oder den Niederlanden, das sich in unseren Supermarktregalen stapelt. Zum Glück hat das moderne Allerwelts-Saatgut bei den Bauern in Siebenbürgen noch nicht Einzug gehalten. Für mitteleuropäische Verhältnisse sind die Produkte spottbillig. Dabei gilt es aber die Relationen und den geringen Mindestlohn in Rumänien im Auge zu behalten.

Der Zibinsmarkt hat täglich von 7:00 Uhr bis in den Nachmittag hinein geöffnet, sogar an Sonntagen. Dann herrscht weniger Betrieb. Am Rande des Marktes sind Metzgereien, Fisch- und Käsegeschäfte sowie Bäckereien angesiedelt. Im hinteren Bereich werden zudem Alltagsgegenstände und Haustiere angeboten. Die kleinen Käfige und Aquarien scheinen hier niemanden wirklich zu stören. Mir bricht es fast das Herz.

Einkaufsstraßen und Buchhandlungen

Abgesehen vom Markt würde ich Sibiu nicht als Einkaufsparadies bezeichnen. Die höchste Konzentration an Geschäften findest du in der Strada Nicolae Balcescu. In dieser Fußgängerzone kann man außerdem in einem der vielen Gastgärten verweilen und das Geschehen beobachten. Etwas außerhalb gibt es mit der Shopping City Sibiu ein modernes Einkaufszentrum. Mit Blick auf die Geschäfte könnte man meinen, man sei irgendwo in Österreich oder in Deutschland. Ähnlich sieht es im Promenada in der Nähe des Bahnhofs aus.

Du liebst Bücher? Dann sind die Buchhandlung Schiller am Großen Ring oder das Erasmus Büchercafé in der Strada Mitropoliei die perfekten Anlaufstellen. Hier findest du Bücher in deutscher, rumänischer oder englischer Sprache und vor allem ein umfangreiches Angebot an antiquarischen Büchern und Fachliteratur aus und über Siebenbürgen. Mit Sicherheit findest du hier mitten in Transsilvanien eine Ausgabe von Bram Stokers Dracula.

Essen in Sibiu

Die Küche Siebenbürgens ist deftig, mit Einflüssen aus der österreichischen und ungarischen Küche. Es gibt Zacuscă, einen Gemüseaufstrich aus Auberginen und Paprika, Ciorbă (Suppe) in allen Variationen, Mămăligă (Polenta) und vor allem viel Fleisch. Auf den Vorspeisenplatten türmen sich Speck, Schweinehaut, Grieben, Schweineschmalz, Sulz und Käse. Als Hauptgerichte werden Krautwickel, Kutteln, Gulasch, Lamm, Ente, Forelle und Schwein in allen Variationen serviert. Vegetarier müssen sich mit einer relativ bescheidenen Auswahl (Mămăligă, gefüllte Pilze oder Spätzle) zufrieden geben.

Obwohl ich Süßes gar nicht so besonders gerne habe, überzeugen mich die rumänischen Desserts. Die Süßspeisen sind nicht so stark gezuckert wie bei uns. Am meisten begeistern mich Papanasi, ein ausgebackenes Quarkgebäck in Form eines Donuts, das mit Sauerrahm und Konfitüre (Kirschen oder Zwetschke) serviert wird. Typisch für Siebenbürgen ist der Hanklich, ein Hefekuchen, der mit Butter und Rahm übergossen wird.

Traditionelle Restaurants in Sibiu sind beispielsweise das Crama Sibiul Vechi, das Hermania mit einem sehr schönen Ambiente, das Crama Sibiană in einem rustikalen Keller am Kleinen Ring oder das Hanul din Tulgheș beim Freilichtmuseum Astra. Daneben gibt es unzählige Restaurants, die kaum Wünsche offen lassen. Von Sushi über portugiesische Cataplana bis hin zu Burgern, Pasta und Pizza ist alles vertreten.

Früher oder später landen fast alle im Café Wien am Huet-Platz direkt an der Stadtmauer. Bei schönem Wetter sitzt man im Gastgarten oder direkt am Platz, immer mit Blick auf die evangelische Stadtpfarrkirche. Hier kannst du Kaffee von Julius Meinl sowie österreichischen Strudel genießen. Unweit davon an der Sagstiege gibt es im Urigen Weinkeller Pivnita de Vinuri eine gute Auswahl an rumänischem Wein.

Wandern und die Dörfer der Umgebung von Hermannstadt

Von Păltiniș nach Răşinari

Etwa 35 Kilometer südwestlich von Sibiu liegt der Luftkurort Păltiniș oder Hohe Rinne. Die Region ist perfekt zum Wandern, im Winter gibt es hier ein kleines Skigebiet. Die Lifte wirken zugegebenermaßen etwas antiquiert. Neben exklusiven und weniger vornehmen Hotels steht die Cabana Noica, in der der rumänische Philosoph Constantin Noica ab 1975 lebte. Beigesetzt wurde er im orthodoxen Kloster von Păltiniș, das wegen seiner Holzkirche ebenfalls einen Besuch wert ist.

Der lauschige Luftkurort ist Ausgangspunkt für viele Wanderungen oder Ausflüge. Eine lange, aber ansonsten anspruchslose Tour führt hinunter nach Rășinari, ein typisches Straßendorf mit einer riesigen Kirche.

Am Ortseingang von Rășinari entdecke ich einen abgestellten Triebwagen mit der Aufschrift «Stern und Hafferl». Als Oberösterreicherin ist mir diese Lokalbahn bestens vertraut. Eine kurze Recherche ergibt, dass dieser Triebwagen ab 1988 für die Attergaubahn fuhr. Zuvor (ab 1951) war er auf der Birgistalbahn in der Schweiz unterwegs. 2016 wurde er an die Straßenbahn Hermannstadt verkauft und fristet hier nun zusammen mit alten Waggons der Genfer Straßenbahn sein Dasein. Dabei ergeht es ihm nicht anders als Schweizer Zügen: Eine Verunstaltung durch Sprayer bleibt ihm nicht erspart.

Früher wurde die Straßenbahnlinie zwischen Sibiu und Rășinari als «Käse-Express» bezeichnet. Sie diente vor allem dazu die landwirtschaftlichen Produkte in die Stadt zu transportieren. Seit der Stilllegung der Linie gibt es nur noch einzelne Ausflugsfahrten an Sonntagen. Ansonsten bedient ein Bus die Strecke.

Păltiniș – Șaua Bătrâna

Eine weitere Wanderung führt uns ins Cindrel-Gebirge. Die Tour beginnt beim wenig Vertrauen einflössenden Sessellift in Păltiniș und führt sanft ansteigend durch den Wald auf Almen. Jetzt Ende September sind die Almhütten und Unterstände bereits verlassen. Die Schäfer mit ihren Tieren sind weiter gezogen in tiefer gelegene Regionen. Zumindest bleiben uns Begegnungen mit den nicht ungefährlichen Hirtenhunde erspart.

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Cisnădie – Vârful Măgura

In Heltau (Cisnădie) lohnt sich vor Beginn der Wanderung eine Besichtigung der Kirchenburg. Diese wird – welche Überraschung – zurzeit umfassend renoviert. Kombinieren lässt sich die Tour zusätzlich mit einem Besuch der Kirche auf dem Michelsberg (Cisnădioara). Dabei handelt es sich um eine der ältesten Kirchen des Landes. Die romanische Basilika ist heute leer und enthält nur noch eine Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Die Lage auf dem Berg ist umso eindrücklicher.

Früher mussten einheimische junge Männer in der Nacht vor ihrer Hochzeit einen runden Stein den Berg hinaufschleppen. Die Steine wurden auf oder innerhalb der Befestigungsmauer gelagert und im Falle eines Angriffs auf den Feind hinuntergerollt.

Die Wanderung selbst führt uns durch wunderbar herbstliche Wälder. Wir entdecken frische Wolfspuren und auf dem Rückweg werden wir lange Zeit von einer riesigen Eule begleitet. Völlig ohne Scheu segelt sie immer wieder knapp an uns vorbei, um dann irgendwo in einem Baum zu posieren und auf uns zu warten.

Der Abend auf dem Hof bei Siebenbürger-Sachsen danach ist ein gelungener Abschluss unserer Reise durch Rumänien.

Hermannstadt: 10 Tipps für die Stadt, wo die Dächer Augen haben 1
Gasse in der Unterstadt von Sibiu
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6 Gedanken zu „Hermannstadt: 10 Tipps für die Stadt, wo die Dächer Augen haben“

  1. Liebe Carola,
    eine Kollegin von mir kommt aus Sibiu – und jetzt weiß ich endlich ein bisschen mehr über die Gegend! Danke dir für den tollen Einblick und die vielen Tipps.
    Viele Grüße
    Britta

    Antworten
    • Hallo Britta

      Spannend. Mich würde jetzt noch interessieren, ob deine Kollegin Siebenbürger Sächsin ist? Sibiu ist auf alle Fälle eine ganz tolle Stadt.

      Liebe Grüße
      Carola

      Antworten
  2. Hallo Carola,
    was für eine wundervolle Stadt. Mir war gar nicht bewusst, dass es in Rumänien so schön ist. Irgendwie habe ich dieses Land wohl viel zu sehr unterschätzt. Vielen Dank für den Tipp.
    Viele Grüße
    Annette

    Antworten
    • Liebe Annette

      Rumänien ist sicherlich ein unterschätztes Reiseland. Ich muss aber sagen, dass nicht alle Regionen und Städte so repräsentativ und liebevoll restauriert sind wie die Städte in Siebenbürgen.

      Herzliche Grüße
      Carola

      Antworten
  3. Das ist ja ein schöner Bericht… Ich war vor einigen Jahren mal in Sibiu, allerdings nur kurz… Das Brukenthalmuseum habe ich nicht mal gesehen leider. Rumänien ist wirklich ein tolles Reiseland, es hat mich positiv überrascht… Durch dein Bericht habe ich es wieder ein bisschen weiter vorgerückt auf der Liste 🙂

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    • Hallo Vera

      Danke für dein Feedback. Ja, auch mich hat Rumänien überrascht. Es gibt da noch ein paar Städte, die ich gerne besuchen möchte.

      Viele Grüße
      Carola

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