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Amorgos: die 10 schönsten Orte auf der Insel

9 Kommentare

Es kann durchaus sein, dass du noch nie etwas von Amorgos gehört hast. Das karge Eiland zählt zu den unbekannteren Kykladeninseln. Gebirgig, kahl und mit unzähligen Trockensteinmauern durchzogen präsentiert sich die Insel den Besuchern. Und dann, beim näheren Hinschauen, entdeckst du, welche Schätze Amorgos bereithält. Es ist, als ob wie zum Ausgleich, Natur und Mensch hier etwas besonders Schönes geschaffen hätten.

Amorgos steht für versteckte Dörfer, einsame Badebuchten, Ruhe und Erholung. Alle, die auf der Suche nach dem ursprünglichen Griechenland sind, wird die Insel in ihren Bann ziehen. Im Beitrag nehme ich dich mit zu den zehn schönsten Orten auf Amorgos.

Anreise und erste Orientierung

Amorgos ist die siebtgrößte Kykladeninsel, etwa 33 Kilometer lang und nur zwischen zwei und sieben Kilometer breit. Gerade einmal 2’000 Einwohner leben dauerhaft auf der Insel. Zu erreichen ist Amorgos ausschließlich per Schiff, entweder von Athen aus oder von einer der nahen Inseln mit Flughäfen, wie Santorin oder Naxos. Neben Blue Star Ferries und Seajet verbindet der Express Skopelitis (Small Cyclades Lines) die Insel mit den Kleinen Kykladen und Naxos sowie Ios und Santorin.

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Aber Vorsicht: Amorgos besitzt zwei Häfen, einen in Katapola, etwa in der Mitte der langgezogenen Insel und den in Aegiali ganz im Nordosten. Du solltest also darauf achten, nach Möglichkeit in der Nähe deiner Unterkunft anzukommen. Das gilt vor allem dann, wenn du kein Mietauto hast. Die Strecke von Katapola nach Aegiali oder umgekehrt beträgt etwa als 25 Kilometer und dauert mehr als eine halbe Stunde. Der Inselbus verkehrt nicht regelmäßig und ein Taxi für diese Strecke kostet gut und gerne 40 bis 50 Euro.

Als grobe Faustregel kannst du dir merken, dass du ausgehend von der Chora in beide Richtungen etwa eine halbe Stunde unterwegs bist. Die Entfernungen sind nicht weit. Aber du wirst bald merken, dass du auf den engen und kurvigen Straßen einige Höhenmeter zu überwinden hast und nicht schnell vorwärts kommst. An Ziegen als ganz normale, wenn auch langsame Verkehrsteilnehmer, musst du dich ebenfalls gewöhnen.

Ich habe meinen Mietwagen, einen kleinen Kia Piccanto, der für die Insel völlig ausreichend ist, im Vorfeld direkt bei Amorgos Blue gebucht. Nach Möglichkeit gebe ich immer lokalen Anbietern den Vorzug, damit das Geld im Land bleibt. Bei Amorgos Blue handelt es sich um ein kleines familiengeführtes Unternehmen. Zusätzlich betreibt die Familie etwas oberhalb von Katapola eine Pension.

Meinen Wagen kann ich direkt im Hafen übernehmen und wieder zurückgeben. Als Extra gibt es sogar einen Sonnenschirm im Kofferraum – praktisch für Strandbesuche. Abgesehen von Freundlichkeit und schneller Kommunikation ist die Tatsache, dass das Auto mit vollem Tank geliefert wird, besonders hervorzuheben. So tankt man als Mieterin oder Mieter am Ende genau das, was man verbraucht hat. Das ist etwas, was leider nicht mehr selbstverständlich ist.

Die Unterkünfte für Touristen konzentrieren sich vor allem auf die beiden typischen Hafen- und Badeorte Katapola und Aegiali. Mittlerweile gibt es einige wenige kleine Pensionen in der Chora. Die liegt strategisch zwar günstig, aber eben nicht direkt in Strandnähe. Ich schlage meine Zelte in Aegiali auf, einer Region, in der man wunderschöne Wanderungen unternehmen kann.

Aegiali

Aegiali erinnert mich an meine Griechenlandurlaube in den 1980er- und 1990er-Jahren. Irgendwie wirkt alles ein bisschen improvisiert, mit ein wenig Hippie-Flair. Die Hafenpromenade ist gerade eine Baustelle. Am Strand in der schönen Bucht, gibt es keine Liegestuhlvermieter. Ob sich das im Sommer ändert, kann ich nicht sagen. Dafür laden einige Tavernen entlang des Strandes mit Tischen unter schattenspendenden Tamarisken zum Verweilen ein. In Gehdistanz gibt es noch zwei weitere schönte Strände.

Im Zentrum selbst findest du eine Handvoll Tavernen. Die älteste und traditionsreichste unter ihnen ist das To Limani tis Kyra Katinas. Die ist eine Institution auf der Insel. In Zeiten, als es noch keine Straße und kaum touristische Infrastruktur gab, war das To Limani Anlaufstelle für alle Fremden. Solltest du wider Erwarten einmal genug haben von der griechischen Küche, kannst du freitags hier thailändisch essen. Was das Gyros-Fenster auf Koufonissi ist, ist die schwimmende Gyros- und Souvlaki-Bude Bloom Brothers in Aegiali. Fast-Food auf Griechisch sozusagen. Wer hier isst, bekommt auf Wunsch einen kleinen Teppich und kann sich direkt davor auf die Straße setzen.

In einer winzigen Einkaufsmeile solltest du nichts Außergewöhnliches erwarten. Allerdings kannst du dich zum Beispiel im Amorgion mit typischen Insel-Spezialitäten wie Rakomelo (ein mit Honig versetzter Tresterbrand), Mekila (Feigenlikör), Psimeni (ein mit Honig, Kräutern, Zimt, Nelken, Orange und Zitrone angreicherter Raki), Loukoumi oder Pasteli, dem traditionellen Sesamgebäck, eindecken.

Besonders schön sind die Sonnenuntergänge in dieser Ecke der Insel. Setz dich in eines der Cafés in Aegali oder fahr hinauf nach Potamos und genieße das Farbenspiel der untergehenden Sonne auf der Terrasse des Restaurants Kamara.

Die Bergdörfer Tholaria und Lagkada

Links und rechts an den Berghängen oberhalb Aegialis liegen sich die beiden ursprünglichen Bergdörfer Tholaria und Lagkada fast direkt gegenüber, eines schöner als das andere.

Tholaria ist ein verschlafenes Nest, das von der etwas überdimensioniert wirkenden Kirche Ágii Anárgyri dominiert wird. Im Kafenion ist ein kleiner Minimarkt integriert. Es gibt ein Hotel, ein paar private Zimmervermieter und vier Tavernen. Esel, die in der Landwirtschaft und als Lasttiere eingesetzt werden, gehören hier ganz selbstverständlich zum Ortsbild. Rund um Tholaria werden vor allem Spalterbsen angebaut. Diese wiederum sind die Basis für Fava, den «griechischen Hummus».

Von Tholaria aus starte ich die Rundwanderung mit der Nr. 4 Richtung Panagia Epanachoriani und zurück über Lagkada und Aegiali. Für mich ist das eine der schönsten Wanderungen auf der Insel überhaupt. Die Aussicht auf die Bucht von Aegali und in die Berge ist schlichtweg atemberaubend. Eine weitere lohnenswerte Tour ist der Weg zum Kloster Agios Ioannis Theologos (Nr. 5) von Lagkada aus. Vorbei an Olivenhainen und Feigenkakteen gelangt man auf eine Hochebene mit dem Klosterkomplex. Bei genügend Ausdauer lassen sich beide Touren sogar kombinieren oder nach Potamos fortsetzen. Die Wanderwege auf Amorgos sind meiner Meinung nach besser in Schuss als auf Naxos und relativ gut gekennzeichnet.

Lagkada ist etwas größer und lebhafter als Tholaria. Das Dorf wirkt einladend, mit engen Gassen und niedrigen Häusern. Besonders schön sind die für die Kykladen so typischen weißen Pflasterblumen. Vom oberen Ortsende führt eine Gasse durch Lagkada und weiter hinunter nach Aegiali. Einige Tavernen reihen sich links und rechts entlang dieses Treppenweges. Oberhalb von Lagkada thront die Höhlenkirche Agia Triada.

Agios Pavlos und die Insel Nikouria

Etwa auf halben Weg von Aegiali nach Chora befindet sich der Strand von Agios Pavlos. Die kleine Landzunge, die hier gegenüber der Insel Nikouria ins Meer ragt, wirkt zumindest von oben betrachtet sehr idyllisch. Jetzt Anfang Juni ist der Strand menschenleer und nicht bewirtschaftet. Ein paar Arbeiter sind unterwegs, um den Strand vom gröbsten Müll zu befreien. Im Sommer ist sicherlich mehr los. Das Wasser ist kristallklar. Schwimmend oder per Boot lässt sich die kleine unbewohnte Insel Nikouria mit herrlichen Badebuchten erreichen.

Chora von Amorgos

Die Chora von Amorgos ist für mich mit eine der schönsten auf den Kykladen. Abgesehen von Santorin sind Serifos und Folegandros bislang meine Favoriten. Bei meinem ersten Besuch zur Nachmittagszeit habe ich die Chora fast für mich alleine und kann ungestört durch die verwinkelten Gassen spazieren und fotografieren. Die Häuser gruppieren sich um den markanten Felsen, auf dem früher das Kastro stand. Von dem ist heute nicht mehr viel übrig. Etwas ober- und außerhalb der Chora liegt der Hügel mit teilweise renovierten Windmühlen – ein schöner Ort für einen kleinen Spaziergang.

Am Abend erwacht die Chora zum Leben. Zwar haben ähnlich wie auf Naxos viele Restaurants und Tavernen um diese Jahreszeit noch nicht geöffnet, die Auswahl ist jedoch ausreichend. Cafés, Tavernen und Bars wechseln sich ab mit Schmuckläden, Kunstgalerien und Kleidergeschäften, die ausgefallenes Design bieten. Das Angebot ist stilvoll und weit entfernt vom sonst üblichen Touristenramsch.

Gerne hätte ich die Wanderung von der Chora bis nach Aegiali in Angriff genommen. Die etwa 15 Kilometer lange Route führt mit fantastischen Ausblicken auf einem Monopati, einem alten Maultierpfad, entlang des Bergkamms. Das Problem bei Streckenwanderungen ist immer die Frage, wie man wieder zurück zum Ausgangspunkt kommt. Von Tholaria aus hätte ich genau zwei Busverbindungen in die Chora gehabt, eine frühmorgens und eine abends. Das Taxi hätte mehr gekostet als die Tagesmiete für mein Auto.

Katapola

Katapola ist der zweite Hafenort der Insel und liegt unterhalb der Chora. Der Ort ist ein wenig größer als Aegiali, aber auch weniger kompakt. Die einzelnen Ortsteile liegen teils weit auseinander und der Strand ist weiter vom Zentrum entfernt.

Auf der Seite gegenüber des Fähranlegers entdecke ich das «Le Grand Bleu». Die Bar ist eine Hommage an den gleichnamigen Film von Luc Besson aus dem Jahre 1988. Für «The Big Blue» oder «Im Rausch der Tiefe» wurden die Szenen aus den Kinder- und Jugendtagen von Enzo und Jaques auf Amorgos gedreht. Wenn man sich die Farben des Meeres an der Steilküste im Südwesten der Insel anschaut, ist das nicht weiter verwunderlich. So wie «Il Postino» jeden Abend in der L’Oasi Snack-Bar auf Salina gezeigt wird oder man «Stromboli» auf Stromboli schauen kann, läuft hier «Le Grand Bleu».

Von Katapola aus starte ich eine weitere Wanderung. Der kurze Weg hinauf zur Chora ist so etwas wie ein Klassiker. Ich kombiniere diesen Weg mit der Nr. 2 zu einer kleinen Rundwanderung über die Wanderwege Nr. 8 und 7 zurück an die Küste und nach Katapola.

Panagia Hozoviotissa

Das Kloster Hozoviotissa ist der unumstrittene Höhepunkt eines Besuchs auf Amorgos. Einem Adlerhorst gleich klebt es 300 Meter hoch über der Ägäis in einer imposanten Felswand. Das Wehrkloster mit seinen weißen, meterdicken Mauern ist architektonisch einer der interessantesten Klosterbauten der Ägäis.

Zu erreichen ist die Panagia Hozoviotissa entweder über die Straße Richtung Agia Anna oder über den Wanderweg von der Chora aus. Der Parkplatz ist winzig klein, jetzt Anfang Juni aber noch nicht voll. Das Innere des Klosters kann nur zwischen 08:00 und 13:00 Uhr sowie am Abend zwischen 17:00 und 19:00 Uhr besichtigt werden. Es herrschen die üblichen strengen Kleidervorschriften: lange Hosen für Männer, Röcke und bedeckte Schultern für Frauen. Es schadet nicht, entsprechende Kleidung mitzubringen. Zwar hängen beim Eingang ein paar alte Kleidungsstücke, Passform und Verfügbarkeit sind jedoch nicht garantiert.

Von der Eingangspforte beim Parkplatz gilt es auf einem gut ausgebauten Pfad noch ein paar Höhenmeter zu überwinden, vormittags in praller Sonne ohne Schatten. Dafür ist dann das Licht zum Fotografieren besser. Wenn du das Kloster durch die niedrige Eingangstür betreten hast, heißt es nochmals Treppen steigen, ziemlich hohe sogar. Ich denke unweigerlich an die alten Mönche, die sich im Kloster bewegen müssen. Die Besichtigung selbst ist weitgehend durchorganisiert. Zwei Laien kümmern sich um die Besucher (und die Klosterkatzen), weisen ihnen den Weg, beantworten Fragen und bewirten die Gäste zum Schluss mit Loukoumi und Psimeni.

Die Besichtigung führt durch die kleine Kirche und auf die Dachterrasse. Mir bleibt fast der Atem weg, so schön ist die Aussicht von hier aus. Die 15 Zellen des Klosters, das nur fünf Meter tief und 40 Meter lang ist, aber acht Stockwerke hat, bekommst du nicht zu Gesicht. Dafür habe ich das Glück auf einen der drei Mönche zu treffen, die hier noch zwischen Himmel und Erde leben und beten. Früher einmal sollen es mehrere Hundert gewesen sein. Grundsätzlich ist der Besuch des Klosters gratis, eine Spende wird allerdings erwartet. Fotografieren in der Kirche ist untersagt.

Agia Anna

Wenn du vom Kloster weiter Richtung Küste fährst, gelangst du zum Strand Agia Anna. In den kleinen Kiesbuchten wurden einige Szenen des Films «Le Grand Bleu» gedreht. Eindrücklicher kann man kaum baden oder schwimmen. Ein kleines Kirchlein sorgt für die typisch griechische Kulisse, das Meer ist glasklar und schimmert in allen Blautönen und oberhalb in der Felswand thront die Panagia Hozoviotissa. Aufgrund gefährlicher Strömungen ist jedoch Vorsicht geboten.

So wie die meisten Strände der Insel ist auch die Agia-Anna-Bucht nicht bewirtschaftet, also ohne Liegen und Sonnenschirme. Am Parkplatz gibt es eine kleine Bar, die während der Saison geöffnet ist.

Mouras Beach

Ähnlich spektakulär wie Agia Anna ist der Mouras-Strand in der Nähe von Vroutsi. Vom Parkplatz führt eine steile Treppe hinunter zu einem schmalen Kiesstrand und einigen vorgelagerten Felsen, auf denen du dich ebenfalls sonnen kannst. Schatten gibt es hier nicht, dafür oberhalb beim Parkplatz eine nette Taverne mit schöner Aussicht.

Bei all den erwähnten Stränden oder Buchten musst du dir dennoch im Klaren sein, dass Amorgos keine typische Stranddestination ist. Mich stört das nicht, da ich lieber etwas entdecke, als stundenlang in der Sonne zu braten. Zum Schwimmen gehe ich am liebsten morgens oder abends.

Das Schiffswrack der Olympia

Nicht nur Zakynthos hat sein Schiffswrack. An der Südwestspitze von Amorgos liegen die verrosteten Überreste des Frachters Olympia in einer kleinen Bucht. Am 13. Februar 1980 lief das Schiff auf Grund, schlug leck und konnte nicht mehr flott gemacht werden. Daraufhin ließ man die Olympia einfach dort liegen, wo sie gestrandet war.

Das alleine reichte nicht zur Berühmtheit. Dafür musste das Schiffswrack erst zum Schauplatz in «Le Grand Bleu» werden. Jaques, einer der Protagonisten, rettet hier einem amerikanischen Soldaten das Leben. Seither zählt die Olympia zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten auf der Insel.

Bucht von Kalotaritissa

Nur ein paar Meter von der Shipwreck-Bay entfernt liegt eine der schönsten Buchten von Amorgos. Selbst in der Hochsaison ist der Strand nicht überlaufen. Dann findest du hier einige Sonnenschirme mit Liegestühlen und einen kleinen Imbiss. Jetzt, Anfang Juni, bin ich fast die Einzige hier. Nur ein paar Fischer hämmern und schleifen an einem Boot herum. Ich genieße das Schwimmen im angenehm warmen Wasser und schaue den Fischerboten zu, die hier sanft in den Wellen schaukeln.

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Der Blick hinter die Kulissen

Tourismus auf dem Scheideweg

Noch ist Amorgos nicht überlaufen. Allerdings werden selbst hier die Besucher von Jahr zu Jahr mehr. Es sind nicht mehr die typischen Aussteiger und Alternativtouristen, sondern Gäste mit neuen und veränderten Ansprüchen. Eigentlich bräuchte es jetzt Konzepte und einen Entwicklungsplan. Beides fehlt auf der Insel. Es gibt nicht einmal ein offizielles Tourismusbüro. Die Bevölkerung ist sich keineswegs einig darüber, wie es mit dem Tourismus weitergehen soll. Die einen sehen in vielen Touristen eine lukrative Einnahmequelle, andere haben Angst vor den negativen Auswirkungen und Overtourism. Man will nicht zu einem zweiten Santorin werden.

Langsam bilden sich deshalb Gruppierungen, die sich für einen nachhaltigen und ökologischen Weg einsetzen. Und es gibt erste Projekte im Ökotourismus. Ähnlich wie Eleni mit Philema Foodtours auf Naxos bietet Alix Cluet, eine gebürtige Französin, die seit Jahren auf der Insel lebt, mit Find in Greece authentische Erlebnisse und Touren an. Sie setzt sich für eine Balance zwischen touristischen Angeboten und lokalem Inselleben ein.

Müllproblem

Ja, Griechenland hat ein Müllproblem, insbesondere auf den Inseln. Das lässt sich weder wegdiskutieren, noch kann man daran vorbeisehen. Zu offensichtlich offenbart es sich in der Landschaft. Die Abfallbeseitigung ist einer der größten Kostenfaktoren für die Gemeinden. Jede Insel ist selbst verantwortlich für die Entsorgung.

Die Mülldeponien sind meist überfüllt, teilweise illegal, weil sie nicht mehr den offiziellen Vorschriften entsprechen. Alles, was irgendwann einmal auf den Inseln gelandet ist, bleibt in der Regel hier – sei es der alte Lkw, der irgendwo vor sich hinrostet, die Tiefkühltruhe, die dekoriert mit Autoreifen in der Landschaft steht, oder alte Basketballkörbe und Kräne. Wenig schön sind die vielen verrosteten Armiereisen, die die ganze Insel durchziehen. Sinn und Zweck erschließt sich mir nicht ganz. Aber man hat den Eindruck, dass es da mal eine Sonderaktion für Restposten gab.

Auch wenn es in den Dörfern auf Amorgos mittlerweile Abfüllanlagen für Trinkwasser gibt, wo Einheimische ihre Kanister füllen, wird immer noch ein Großteil des Wassers in Plastikflaschen verkauft. Eine umfassende Mülltrennung und funktionierendes Recycling existieren nicht und immer wieder landet Plastikmüll auf den Stränden und im Meer. Ich verstehe nicht, dass es in Sachen Littering und Plastik kein Umdenken gibt.

Das nächste Problem, das auf Amorgos mit steigenden Gästezahlen unweigerlich zukommen wird, ist die Wasserversorgung. Eine Insel, die jetzt schon unter Wasserknappheit leidet, muss die zukünftige Entwicklung planen und steuern. Ausmaße wie die vielen dekadenten Luxusvillen mit privaten Pools auf Santorini bleiben Amorgos hoffentlich erspart. Auf den griechischen Inseln wird das Wasser seit jeher in Zisternen oder großen Behältern auf dem Dach gesammelt. Die Insulaner haben über die Jahre ihr Verhalten an die Verhältnisse angepasst. Leider machen sich die wenigsten Urlauber Gedanken darüber, woher das Wasser kommt.

Amorgos: die 10 schönsten Orte auf der Insel 1
Kloster Chozoviotissa Amorgos
Amorgos: die 10 schönsten Orte auf der Insel 3

9 Gedanken zu „Amorgos: die 10 schönsten Orte auf der Insel“

  1. Oh, das hört sich traumhaft und ganz nach unserem Geschmack an. Wir lieben tolle Wanderungen, gutes Essen und schöne Strände! 🙂

    Amorgos kommt direkt mal auf unsere „Merkliste“!

    Antworten
    • In dem Fall könnte Amorgos tatsächlich perfekt sein für euch! Mir blieb schon bei meiner ersten Fahrt über die Insel von Katapola nach Tholaria der Atem weg – so schön war das alles.

      Antworten
  2. Hi Carola. Das klingt einerseits nach einem total schönen und entspannten Urlaub. Griechenland ist bei mir lange her, die Inseln habe ich noch nie erkundet. Würde ich gern. Die Probleme, die Du am Ende zum Tourismus auf der Insel formulierst, halten mich eher an zu überlegen, ob ich da wirklich hin sollte. Fluch und Segen würde ich sagen.

    Antworten
    • Liebe Sandra, ja, Fluch und Segen trifft es ziemlich gut. Auf Amorgos sind z.B. nicht unbedingt die Touristen für die Umweltprobleme verantwortlich. Sich darüber im Klaren sein, anders handeln und Aufklärungsarbeit betreiben, sind zumindest ein paar Dinge, die wir tun können, wenn wir auf die Insel reisen.

      Herzliche Grüße
      Carola

      Antworten
  3. Liebe Carola,
    ich liebe das Inselhüpfen in Griechenland. Die Inseln ohne Flugplatz, die man nur mit der Fähre erreichen kann. Glücklicherweise gibt es viele davon. Amorgas fehlt mir noch, aber du hast Lust auf eine Reise gemacht. Vielen Dank dafür!
    Liebe Grüße
    Elke

    Antworten
    • Das freut mich, liebe Elke. Ich finde auch jeweils die Inseln am schönsten, die vom internationalen Tourismus einigermaßen verschont geblieben sind. Amorgos ist eine von ihnen.

      Liebe Grüße
      Carola

      Antworten
  4. Liebe Carola

    Ist man nicht auch ein wenig im Zwiespalt, wenn du als Reisebloggerin über diese Insel schreibst, gleichzeitig aber von eventuellem Overtourism redest? Schade, dass oft die Regierung nur das Geld sieht, wenn sie „Touristen“ hört. Eine Begrenzung und Verbote von riesigen Anlagen bzw. Luxusanlagen, sollte auf jeden Fall auf der Tagesordnung stehen.

    Gruss Lisa von wanderwithlilu

    Antworten
  5. Hallo Carola,

    danke für alle Infos. Ich fliege morgen Richtung Amorgos und würde gerne 1-2 Wanderungen machen. Hast du eine Übersicht der verschiedenen Routen?

    Danke und liebe Grüße
    Anna

    Antworten
    • Liebe Anna

      Ich hatte die Topo Islands Wanderkarte für Amorgos. Die habe ich für 6 Euro im Hotel gekauft. Insgesamt gibt es acht markierte Routen, die auch ohne Karte gut zu finden sind (rot-weiße Wegweiser).
      1 Chora – Langada (13.5 km)
      2 Chora – Katapola (3.5 km)
      3 Minoa – Kampos (14 km)
      4 Aigiali Bay – Tholaria – Chochlakas (8 km)
      5 Langada – Agios Ioannis Theologos – Stavros (5 km)
      6 Katapola (Rundwanderung) 5.5 km)
      7 Katapola – Xylokeratidi (4.2 km)
      8 Katapola – Tower at Richti (8.3 km)

      Einzelne Wege oder Abschnitte waren im Juni gesperrt. Ich fand die Wanderungen (4 und 5) im Nordosten besonders schön. Ich wünsche dir viel Spaß und eine tolle Zeit auf Amorgos.

      Herzliche Grüße
      Carola

      Antworten

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