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Die schönsten Kirschblütenwanderungen in der Schweiz

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In keinem anderen Land wird die Kirschblüte so sehnsüchtig erwartet wie in Japan. Zur Sakura-Zeit ist gefühlt die ganze Nation unterwegs in den Parks. Man trifft sich zum gemeinsamen Hanami, dem Betrachten der blühenden Kirschbäume. Du kannst oder willst nicht nach Japan reisen? Keine Sorge, auch die Schweiz verzaubert mit blühenden Kirschbäumen. Besonders stimmungsvoll ist eine Kirschblütenwanderung. Das Gute oder Schöne liegt oftmals ganz nah.

In der Nordwestschweiz und im Zugerland waren Kirschen schon immer eine wichtige Einnahmequelle. Im Frühling verwandeln sich deshalb weite Teile der Kantone Solothurn, Baselland, Aargau und Zug für kurze Zeit in ein weißes Blütenmeer. Bei den blühenden Kirschbäumen handelt es sich um Hoch- und Niederstammkirschen, die im Sommer tatsächlich Früchte tragen. Die japanische Zierkirsche mit ihren markant rosafarbenen Blüten liefert hingegen keine essbaren Kirschen.

Im folgenden Beitrag stelle ich dir vier der schönsten Kirschblütenwanderungen in der Schweiz vor. Dabei nehme ich dich mit nach Nuglar–St. Pantaleon, ins Baselbiet, in den Jurapark nach Gipf-Oberfrick und an den Zugersee.

Chirsiweg Nuglar-St. Pantaleon

Die Gemeinde Nuglar-St. Pantaleon liegt im äußersten Zipfel des Kantons Solothurn, etwa vier Kilometer südwestlich von Liestal. Beide Dörfer, sowohl Nuglar als auch St. Pantaleon haben sehenswerte Dorfkerne mit Kirchen, Kapellen, Brunnen und traditionellen Bauernhäusern.

Im Frühling ist die Landschaft um Nuglar–St. Pantaleon wegen der blühenden Obstbäume besonders reizvoll. Im März oder April – je nach Witterung und Zeit der Kirschblüte – empfiehlt sich eine kleine Wanderung am Chrisiweg. Der etwas mehr als vier Kilometer lange Rundweg führt durch beide Dörfer und kann in beide Richtungen gestartet werden. Der Spaziergang dauert etwa eineinhalb Stunden, ist gut ausgeschildert und kann beliebig erweitert werden. Parkplätze gibt es bei der Kirche in St. Pantaleon oder bei der Gemeindeverwaltung in Nuglar.

Der Chrisiweg führt überwiegend durch Hochstamm-Obstgärten. Oberhalt von St. Pantaleon liegt eine kleine Kirschbaumplantage, wo die Bäumchen in Reih und Glied stehen.

Aussichtspunkt Sissacherfluh

Dabei handelt es sich nicht um eine Wanderung im eigentlichen Sinne. Wenn du aber den Chrisiweg Nuglar-St. Pantaleon mit der Wanderung am Baselbieter Chrisiweg kombinieren möchtest, ist das ein lohnender Abstecher. Von hier oben hast du einen fantastischen Blick über die Hänge, an denen sich die Kirschbaumplantagen hochziehen, Sissach und das Baselbiet.

Baselbieter Chrisiweg

Seit Frühling 2020 kannst du auf diesem Weg eine weitere Wanderung unternehmen und die «Bluescht» im Baselbiet genießen. Anders als in Nuglar–St. Pantaleon handelt es sich nicht um einen Rundweg. Der Wanderweg mit der Nummer 471 führt auf gut elf Kilometern vom Bahnhof Sommerau nach Oltingen oder umgekehrt. Leider sind die Bus- und Bahnverbindungen (gar nicht typisch für die Schweiz) umständlich. An Wochenenden musst du für Hin- oder Rückfahrt mehr als eine Stunde einkalkulieren.

Am Baselbieter Chirsiweg passierst du abwechselnd enge Täler und sonnige Plateaus mit Weitblick. Zahlreiche Kirschbäume säumen den Weg, insbesondere zwischen Wenslingen und Oltingen. Dort wartet zum Abschluss ein wunderschönes, gut erhaltenes und typisches Baselbieter Dorf. Sehenswert sind vor allem Kirche, Pfarrhaus und Pfarrgarten.

Fricktaler Chriesiweg

Wenn du jetzt noch fit bist und nicht genug bekommen kannst von blühenden Kirschbäumen und Spaziergängen, setzt du deinen Weg am besten fort in den Jurapark Aargau. In Gipf-Oberfrick wurde bereits 2006/2007 ein Kirschenlehrpfad, der «Fricktaler Chriesiwäg» eröffnet. Die fünf Kilometer lange Route führt durch die wunderschöne, kirschbaumreiche Hügellandschaft des Fricktals und kann um vier Kilometer zu einer längeren Variante erweitert werden. Für mich ist das landschaftlich eine der schönsten Wanderungen durch die Kirschbäume.

Der Chriesiweg richtet sich unter anderem an Familien und vermittelt auf elf Informationstafeln einige wissenswerte Fakten zum Anbau von Kirschen. Im Sommer darf man direkt von eigens markierten Bäumen naschen. Ausgangspunkt für die kleine oder etwas längere Rundwanderung ist das Gemeindehaus Gipf-Oberfrick. Dort sind Parkplätze vorhanden.

Kirschblütenwanderung von Arth-Goldau nach Zug

Die Zuger Kirschtorte ist über die Grenzen des Kantons und des Landes hinaus bekannt. In der Konditorei Treichler, dem Erfinderhaus der Kirschtorte, kannst du diese nicht nur kaufen und verkosten, sondern auch ein Kirschtortenmuseum besuchen. Sogar Audrey Hepburn erstand hier in den 1960er-Jahren die Original-Kirschtorte.

Wie alles ist Kirschtorte Geschmacksache. Die Torte besteht aus Japonaisböden (Baiserbasse mit gemahlenen Nüssen und etwas Mehl), Biskuitteig, Kirschwasser (Obstbrand), Buttercreme und wird auf der Oberfläche mit Puderzucker bestäubt. Weder der viele Zucker noch der hochprozentige Alkohol in der Torte können mich begeistern. Trotz allem ist sie ganz eng mit der Kirschenkultur und Zug verbunden. Der Kirschenanbau in der Region ist bereits Mitte des 14. Jahrhunderts dokumentiert.

Das «Chriesi» ist im Zugerland in einigen kulinarischen Leckereien zu finden. Und es gibt außergewöhnliche Bräuche, wie der Chriesigloggä, den Chriesisturm oder den Chriesimärt. Damit Kirschbäume und Traditionen nicht verschwinden wurden auf Initiative der Interessengemeinschaft Zuger Chriesi in den letzten Jahren 1’000 neue Hochstamm-Kirschbäume in der Region gepflanzt.

Diese und andere Bäume kannst du auf einer Wanderung von Arth-Goldau nach Zug bewundern. Der Wanderweg führt zuerst durch den Arther Kirschgarten. Dabei passierst du den einen oder anderen Hof und kommst an verschiedenen Hofläden mit selbst gemachten Produkten vorbei.

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Danach geht es aufwärts Richtung Walchwilerberg, vorbei an Oberwil bis hinein nach Zug. Für die gesamte Strecke von etwa 18 Kilometern musst du knapp fünf Stunden einkalkulieren. Das Schöne ist, dass du den Weg abkürzen oder nur ausgewählte Abschnitte begehen kannst. Am wenigsten attraktiv empfinde ich den Anstieg auf der Rufibergstraße. Hier locken zwar fantastische Ausblicke auf den Zugersee, dass es keinen Wanderweg gibt, ist jedoch ein klares Defizit.

Später führt der Weg durch Wälder und Streuobstwiesen. Ich kann mich kaum sattsehen am Kontrast der blühenden Kirschbäume mit dem leuchtenden Gelb des Löwenzahns. Die Wiesen entlang des Webes gleichen einem gelben Meer. In Zug genieße ich zum Abschluss den Ausblick und die rosa blühenden Zierkirschen bei der Pfarrkirche St. Michael.

Liebhaberinnen und Liebhaber von Blumen finden übrigens unweit von Zug im Seleger Moor das größte Rhododendren- und Azaleenparadies der Schweiz. Wenige Wochen nach der Kirschblüte beginnt dort alles zu blühen und verwandelt die wunderbare Parklandschaft in ein Meer aus bunten Farben und Düften.

Kirschblütenprognosen

Ein solcher Spaziergang ist in erster Linie dann schön, wenn die Kirschbäume blühen. Normalerweise beginnt die Kirschblüte in tieferen Lagen Anfang April. In höheren Regionen kann die Blütezeit bis in den Mai hineinreichen. Klimawandel und Wetterkapriolen machen eine Prognose schwierig.

In Japan orientieren im Frühjahr Prognosekarten und tägliche Sakura-Vorhersagen über Orte und und den aktuellen Stand der Kirschblüte. Baselland-Tourismus liefert regelmäßig Informationen und Tipps zur Blütezeit oder lohnende Wanderungen im Baselbiet via Website. Im Kanton Zug gibt das Blütentelefon Auskunft über den aktuellen Blütenstand. Im Thurgau hat Madame Bluescht die Obstbäume im Blick.

Trotzdem ist es nicht ganz einfach, den optimalen Termin für einen Spaziergang oder eine Wanderung zu finden. Das Zeitfenster der Kirschblüte ist kurz, etwa zwei Wochen. Nicht immer lassen sich die Wunder der Natur mit dem persönlichen Terminkalender koordinieren. Bei meinem Ausflug ins Baselbiet begannen die Bäume gerade zu blühen. In Nuglar–St. Pantalon standen viele Kirschbäume in voller Pracht. Am Baselbieter Chrisiweg war von der Blüte kaum etwas zu sehen, auf das berühmte Bild der Pfarrkirche in Oltingen musste ich verzichten. Am Chiesiweg im Jurapark blühte etwa die Hälfte der Bäume.

Die kalten Nachttemperaturen in der ersten Aprilwoche führten dazu, dass einige Blüten erfroren und schnell braun wurden. Das typische Bild der üppig blühenden Kirschbäume auf den Kirschblütenwanderungen war 2021 nicht ganz so intensiv wie in anderen Jahren. Zum Glück ist die Natur nicht berechenbar.

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Anregungen für Wanderungen und Spaziergänge im Baselbiet, im Aargau oder rund um Zug findest du auf Outdooractive.

Die schönsten Kirschblütenwanderungen in der Schweiz 2
Kirschblütenwanderung nach Zug
Die schönsten Kirschblütenwanderungen in der Schweiz 3

11 Gedanken zu „Die schönsten Kirschblütenwanderungen in der Schweiz“

  1. Herrliche Bilder! Das ist echt Frühling pur! Langsam wird es hier auch endlich wärmer und man kann es genießen.
    Liebe Grüße
    Angela

    Antworten
    • Ja, ich liebe es, wenn alles blüht und die Natur erwacht. Leider ist das Zeitfenster der Kirschblüte nur kurz. Ich schmiede bereits Pläne für die Apfelblüte am Bodensee. Dir wünsche ich, dass du Wärme und Frühling ausgiebig genieße kannst.

      Liebe Grüße
      Carola

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  2. Liebe Carola,
    ach wie schön! Bei uns in der Nähe gibt es auch einen kleinen Kirschwanderweg. Wir haben am Rhein regionale Kirschensorten. Einige Bäume werden in einer Genbank aufbewahrt. Ich bin da noch nicht herspaziert, habe es mir aber vorgenommen. Ansonsten steckt hier das Thema Kirschblütenwanderungen noch in den Kinderschuhen.
    Viele Grüße vom Mittelrhein
    Renate

    Antworten
    • Spannend zu hören, wie es diesbezüglich am Mittelrhein aussieht. Ich bin froh, dass man sich bei uns vermehrt um die alten Sorten und die Kulturlandschaft kümmert. Der beliebteste Kirschblütenspot in der Schweiz ist übrigens der Rosengarten mit bezaubernder Aussicht auf die Stadt Bern. Dort stehen aber japanische Zierkirschen.

      Viele Grüße
      Carola

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  3. Die Obstblüte ist schon etwas sehr schönes! Hier oben im Bremer Raum kenne ich leider nicht die großen alten Streuobstwiesen wie in meiner alten Heimat im Harz. Aber selbst da werden es immer weniger. Danke für die schönen Bilder.

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    • Hallo Oli, das Wetter wird gut :-D. Ich drücke dir die Daumen, dass noch ein paar Kirschbäume blühen. Das kalte Wetter vor zwei Wochen hat ihnen ziemlich zugesetzt. Aber die Tour ist auch sonst schön.

      Lieber Gruß
      Carola

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  4. Die blühenden Kirschbäume sind wirklich ein wundervoller und faszinierender Anblick! Bei uns hier gibt es eine Allee mit Japanischen Zierkirschen, diese Bäume verzaubern mit wunderschönen rosafarbenen Blüten. Das zieht jedes Jahr viele begeisterte Fotografen an.

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    • Oh ja, das kenne ich. In der Via Monte Verità in Ascona und im Rosengarten Bern tummeln sich zur Blütezeit auch die Fotografen.

      Viele Grüße
      Carola

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  5. Super Beitrag, vielen Dank! Und ein kleiner Tipp für die eher “Faulen” unter den (Zuger-)Chriesifans: Die mit knapp 2 Stunden eher kurze Wandertour von Zug nach Oberwil und zurück. Auf der ganzen Strecke hat man den Zugersee im Blick. Die Bänkli unterwegs sind leider etwas rar, dafür kann man die Wanderung auch als Verdauungsspaziergang nach einem köstlichen Stück Zuger Kirschtorte unternehmen. Ich schicke Dir hier meine Eindrücke…. 🙂 https://www.teddy-b.ch/tipp-der-woche/chriesiwanderung-zug-oberwil-zg-bluehende-ausblicke/

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    • Hallo lieber Teddy B

      Danke für den Hinweis und den Link. Ich habe es in der kurzen Saison beim besten Willen nicht geschafft, alle Wege „abzugrasen“. Der Thurgau fehlt ebenfalls noch. Die Kirschbäume blühen zum Glück nächstes Jahr wieder.

      Liebe Grüsse
      Carola

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