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Baden in der Limmatstadt Baden und sieben weitere Tipps

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Der Name ist Programm. In Baden hat das Baden Tradition. Die Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks im Kanton Aargau war früher einmal der berühmteste Bäderort im deutschsprachigen Europa. Trotz der bewegten Geschichte und des hübschen historischen Stadtzentrums habe ich der Kleinstadt bisher kaum Beachtung geschenkt und der Stadt damit Unrecht getan.

Hast du Lust, Baden zu entdecken und möchtest dort mehr als das warme Wasser genießen? In den folgenden Zeilen habe ich einige Empfehlungen für einen Aufenthalt kompakt zusammengestellt. Du bekommst Tipps, was du in der Stadt unternehmen kannst oder nicht verpassen sollst.

1. Begib dich auf Entdeckungsreise im Bäderquartier

Seit 2018 ist das Bäderquartier am Limmatknie eine riesige Baustelle. Mit etwas Verspätung soll im zweiten Halbjahr 2021 das neue Badener Thermalbad nach Plänen von Stararchitekt Mario Botta endlich seine Türen öffnen. Wenn du die Bedeutung des Projekts verstehen und diese Ecke im Norden der Stadt erkunden möchtest, solltest du dich unbedingt mit der Geschichte des Bäderquartiers auseinandersetzen.

Mit 47° C ist das Badener Thermalwasser nicht nur eines der wärmsten, sondern gleichzeitig das mineralreichste Heilwasser in der Schweiz. Kalzium, Eisen, Jod, Flour, Zink, Magnesium und Schwefel, der für den Geruch nach faulen Eiern verantwortlich ist, sind im Wasser enthalten. Die wohltuende und heilende Wirkung der 18 Quellen erkannten die Römer bereits im ersten Jahrhundert nach Christus und errichteten eine weitläufige Thermalanlage. Die entstandene Siedlung Aquae Helveticae erlangte schnell beachtlichen Wohlstand und lockte Besucher aus Nah und Fern an.

Seine Blütezeit als Bäderstadt erlebte Baden unter den Habsburgern. Alles, was Rang und Namen hatte, traf sich in hier. Die Reichen und Adeligen verbrachten mehrere Wochen oder gar Monate in der Stadt. Man begab sich auf die sogenannte Badenfahrt. Das Thermalwasser sollte von körperlichen Leiden und bösen Geistern im Körper befreien. Und so trafen sich gekrönte Häupter, Gelehrte, das Zürcher Bürgertum, ja sogar Kirchenfürsten aus ganz Europa in den Gasthäusern und Gasthöfen.

In den großen Becken der Badekeller saß man bis zu acht Sunden am Tag im Wasser. Dafür musste man sich «hochbaden», von Tag zu Tag mehr Zeit im heißen Wasser verbringen. Dabei reizte das Thermalwasser die Haut, es kam zum Badeausschlag, einer teilweise sogar blutig verlaufenden Hautentzündung. Immerhin konnten so die bösen Geister den Körper verlassen. Ob das nun gesund war, darüber lässt sich streiten.

Oberste Priorität hatte das Vergnügen.

Bei der Badenfahrt ging es vorderhand gar nicht um Gesundheit. Gemälde zeugen davon, dass man sich die Zeit im heißen Wasser mit allerlei Lustbarkeiten und Vergnügungen vertrieb. Da wurde gegessen, Wein getrunken, Karten gespielt, Musik gemacht, gesungen und geflirtet. Frauen und Männer badeten damals noch zusammen. Hübschlerinnen (Prostituierte) boten den wohlhabenden Männern Unterhaltung. Vergnügungssuchende Frauen kamen ebenfalls nicht zu kurz. Das Recht auf die alljährliche Badenfahrt stand in dem einen oder anderen Ehetrakt. Sie war Modeschau und Heiratsmarkt.

Das einfache Volk bekam davon wenig mit. Arme und Kranke durften nur in die einfachen Bäder im Freien. Später im 19. Jahrhundert wandelte sich die Badekultur. Von der ehemaligen Freizügigkeit war nicht mehr viel zu spüren. Man zog sich zurück in kleine Einzelbecken. Aus dem fröhlichen Gemeinschaftserlebnis entwickelte sich ein eher langweiliges Kuren. In der Belle Epoche erlebte Baden seinen bisher letzten Aufschwung als Kurort. Kurgäste genossen das noble Ambiente der Stadt.

Nach den Weltkriegen war es mit dem Glanz vorbei. Die Kurgäste blieben aus, die Hotels verfielen und das einst florierende Bäderquartier verkam zum Schandfleck. Das wird sich bald ändern. Mit der neuen Therme FORTYSEVEN soll das Bäderquartier in neuem Glanz erstrahlen und die Stadt damit an vergangene Zeiten anschließen und zur Wellness-Destination werden.

Bagno Populare – eine geniale Idee

Während der Bauphase steht den Einwohnern kein öffentliches Bad zur Verfügung. Der Verein Bagno Populare initiert deshalb verschiedene temporäre Thermalwasserbecken, mal in Form von gezimmerten Holzbecken, mal als einfache Badewannen. Diese Tradition sollte künftig mit frei zugänglichen Badebecken und Trinkbrunnen fortgesetzt werden.

Wenn du jetzt durchs Bäderquartier schlenderst, darfst du dich nicht wundern, wenn du vor dem Hotel Blume oder in Ennetbaden auf Personen triffst, die sich in den öffentlichen Wannen räkeln, ein Bierchen trinken und es sich im warmen Wasser gemütlich machen. Das scheint zu funktionieren. Die einzigen Regeln lauten: zu Hause oder unter Bademantel umziehen, Ordnung halten, ruhig sein, die Nachtruhe einhalten und die Wannen nicht überlaufen lassen.

Ebenfalls gratis ist die originelle Thermalbank. Dabei handelt es sich um eine Sitzgelegenheit der besonderen Art an der Limmatpromenade. Am acht Meter langen Fußbad mit Thermalwasser treffen sich Einheimische und Besucher, entledigen sich ihrer Schuhe und Socken und krempeln die Hosenbeine hoch. Bei einem Schwatz oder beim Lesen lässt es sich gut aushalten. Die Thermalquelle «Heisser Stein» versorgt das Fussbad über eine alte Holzleitung mit heißem Wasser. Sowohl die öffentlichen Wannen als auch die Thermalbank sind gut besucht.

2. Im Atrium-Hotel-Blume das Flair eines historischen Bäderhotels schnuppern

Das Atrium-Hotel Blume ist eines der geschichtsträchtigsten und traditionsreichsten Hotels der Stadt. Es liegt im Bäderquartier am Kurplatz und nur ein paar Schritte von der Limmat entfernt. Ich wandle dieses Jahr auf Spuren der Swiss Historic Hotels. Nach Übernachtungen im Hotel Grimsel Hospiz und im Kurhaus Bergün kann ich mir einen Besuch im Atrium-Hotel Blume nicht entgehen lassen. Beim Anblick der Bilder des Atriums bin ich hin und weg.

Das Hotel mit seinen 35 Zimmern ist ein besonderes Kleinod mit einzigartigem Flair. Vier Stockwerke hoch ist das Atrium und wurde 1840 erbaut. Mit unzähligen Blumen und Pflanzen geschmückt strahlt es mediterranes Ambiente aus – der Lichthof mit seinen Balustraden ist ein Schmuckstück. Den Brunnen im Innenhof ziert der schöne Spruch «Man muss gut überlegen, was man sich wünscht. Es könnte sein, dass man es bekommt». Im ersten und zweiten Stock des Hotels Blume befindet sich das Restaurant.

In einer Ecke des Atriums befördert der nachträglich eingebaute Aufzug die Gäste in die oberen Etagen. Für Diskussionen sorgte der Lift, weil er lange Zeit als ältester Schilder-Lift der Welt gehandelt wurde. 2017 widerlegte Schindler selbst, dass es sich dabei um den Schindler-Lift Nr. 2 handelt. Die Blechkabine und ein Auftrag aus dem Jahre 1948 weisen darauf hin, dass er älteren Baujahrs ist. Ein wenig abenteuerlich ist die Fahrt trotzdem.

In den Kellergewölben des Hotels liegen die Wannenbäder im Stil des 19. Jahrhunderts. Das Thermalwasser kommt vom «großen heißen Stein», der seit der Römerzeit genutzten zentralen Quelle am Kurplatz. Hier kannst du eine kleine Zeitreise machen und dem privaten Badevergnügen frönen. Gäste reservieren im Voraus ihre Badezeit. Abends sind die Wannenbäder im Hotel Blume liebevoll mit Kerzen dekoriert. Daneben gibt es einen kleinen, aber feinen Wellnessbereich mit Sauna und Dampfbad.

3. Über die Niklausstiege zur Schlossruine Stein hinaufsteigen

Die perfekte Aussicht über die Region hast du von der Ruine Stein aus. Das ehemalige Schloss war einst in Besitz der Kyburger und später der Habsburger. Die Burg erlebte mehrere Zerstörungen und Wiederaufbauten. Ihr endgültiges Ende fand sie 1712 im Lauf des 2. Villmergerkrieges. Die Burganlage wurde geschliffen.

Heute ist sie ein beliebtes Ausflugsziel und ein populärer Treffpunkt für die Badener. Der kürzeste Weg von der Stadt hinauf zur Ruine Stein führt über die Niklausstiege. Sie beginnt in der Nähe des Stadtturms und ist kaum zu verfehlen.

4. Durch die untere Altstadt spazieren

Die untere Altstadt gilt als eine der eindrücklichsten mittelalterlichen Stadtteile der Schweiz. Zu erreichen ist sie entweder direkt der Limmat entlang oder durch den Schwibbogen beim Stadthaus. Besonders hübsch ist die Kronengasse. Hier geben die Namen der Häuser Auskunft, welches Handwerk die Bewohner einst ausübten. Die Kreuzung von Oberer und Unterer Halde beim Schlüssel am Rank ist eine der eindrücklichsten Ecken der Stadt.

In der unteren Altstadt führt die berühmte gedeckte Holzbrücke über die Limmat. Gleich neben der Brücke thront das alte Landvoteischloss, das heute Teil des Historischen Museums ist.

5. Spanischbrödli essen

Seit mehr als 300 Jahren gehört das Backwerk aus Blätterteig zu Baden. Vermutlich fand es seinen Weg vom unter spanischer Herrschaft stehenden Mailand über Süddeutschland in die Region. Letztendlich waren es die Zürcher, die den Spanischbrödli zu Berühmtheit verholfen haben. Sie kannten die Spanischbrödli von ihren Kuraufenthalten. Da das Gebäck im zwinglianischen Zürich verboten war, schickten die Zürcher Herrschaften ihre Dienstboten nachts nach Baden, um zum Frühstück ihre Spanischbrödli verspeisen zu können.

Die erste, 1873 eröffnete, Bahnlinie der Schweiz führte von Zürich nach Baden. Und weil damit jeweils am Morgen Unmengen von warmen Spanischbrödli nach Zürich transportiert wurden, erhielt sie den Namen Spanischbrödlibahn.

Anlässlich der Badenfahrt von 2007 erweckten die städtischen Bäckereien das Gebäck aus dem Dornröschenschlaf und verbesserte es mit einer Füllung aus Haselnuss und Rüebli. Wenn ich hier von der Badenfahrt spreche, meine ich damit nicht mehr die Fahrt zur Kur in die Bäder, sondern ein mehrtägiges äußerst populäres Volksfest, das alle zehn Jahre in der Stadt stattfindet. Das Fest gehört zum immateriellen Kulturerbe der Schweiz. Wer weiß, vielleicht bin ich beim nächsten Mal mit dabei.

6. Einen Museumsnachmittag verbringen

Braucht dein Geist nach all den leiblichen Genüssen etwas Anregung? Warum nicht einen Museumsnachmittag in der Stadt verbringen? In der Jugendstilvilla des Industriellen-Ehepaars Sidney und Jenny Brown-Sulzer bewunderst du eine der bedeutendsten Privatsammlungen des französischen Impressionsmus. Das Museum Langmatt zeigt Originale von Cézanne, Monet, Renoir oder Gaugin. Der idyllische Park ist ebenso einen Besuch wert.

Im Historische Museum im Landvogteischloss und dem Erweiterungsbau an der gedeckten Holzbrücke kannst du dich über die Geschichte der Bäder oder Industriekultur in Baden informieren.

7. Im Kurpark picknicken

Mein siebter und letzter Tipp führt dich in den Kurpark. Mit dem Bau des Kursaals um 1875, der heute das Grand Casino Baden beherbergt, entstand gleichzeitig eine Parkanlage, die bei Kurgästen beliebt war. Die Parkanlage ist nicht riesig, bietet jedoch einige lauschige Plätzchen. Die Badener sind ein entspanntes Völkchen. Mach es wie sie und gönn dir ein gemütlichen Picknick auf dem weitläufigen Rasen oder unter Magnolienbäumen.

Atrium-Hotel Blume in Baden
Baden in der Limmatstadt Baden und sieben weitere Tipps 2

3 Gedanken zu „Baden in der Limmatstadt Baden und sieben weitere Tipps“

  1. Baden-Baden kenne ich natürlich. Von Baden in der Schweiz hatte ich, ehrlich gesagt, nie gehört. Aber dein Artikel macht Lust, den Ort mal zu erkunden …
    Liebe Grüße
    Elke

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  2. Die Idee mit der öffentlichen Badewanne finde ich ziemlich witzig und ist allemal einen Besuch wert. Das Hotel Atrium Blume ist ein Traum und auf jeden Fall direkt auf meiner Liste gelandet, für Wochenendsübernachtungen und Entspannung. Danke fürs Mitnehmen nach Baden.

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    • Hallo Lisa, das Atrium Hotel Blume ist sehr zu empfehlen – Entspannung pur und eine kleine Zeitreise. Ich bin gespannt, wie sich das Bäderquartier präsentiert, wenn die neue Therme fertig ist. Dann reise ich sicherlich wieder nach Baden.

      Liebe Grüße
      Carola

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