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Lötschberger Südrampe: immer der Sonne und den Suonen nach

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In keiner anderen Region der Schweiz scheint die Sonne so viel wie im Wallis – sagt man. Dazu gibt es rund 8’000 Kilometer Wanderwege. Das entspricht der Luftlinie von Zürich nach Peking. Du siehst, es gibt triftige Gründe für eine Wanderung im sonnenverwöhnten Kanton. Der Walliser Sonnenweg beispielsweise führt in vier Etappen von Crans Montana nach Brig. Etappen drei und vier des Sonnenwegs sind mehr oder weniger identisch mit dem Höhenweg der Lötschberger Südrampe.

Aufgrund ihrer Lage ist die Wanderung, die mehrheitlich der Bahnlinie der Lötschbergbahn folgt, schon früh im Jahr bis in den Spätherbst hinein gut begehbar und ein Erlebnis für alle, die die Natur, Eisenbahnen oder gar beides lieben.

Ich habe mich Ende Oktober auf den Weg von Gampel nach Ausserberg begeben und damit die dritte Etappe des Sonnenwegs oder den Westteil der Lötschberger Südrampe erwandert. Hier teile ich meine Erfahrungen von dieser landschaftlich einzigartigen Wanderung.

Lötschberger Südrampe versus Sonnenweg und Anreise

Die Route entlang der Lötschberger Südrampe oder des Sonnenwegs ist zweifelsohne ein Schweizer Wanderklassiker. Der Wanderweg führt aussichtsreich in etwa acht Stunden von Hohtenn über Ausserberg, Eggerberg und Lalden bis nach Brig. Der Abschnitt zwischen Hohtenn und Ausserberg, der sogenannte Westteil, ist für mich der schönste. Die Strecke lässt sich als Ganzes erwandern, in mehrere Etappen aufteilen und in vielen Varianten abwandeln. Außerdem kannst du die Wanderung aufgrund der Bahnhöfe entlang der Strecke fast beliebig abkürzen oder unterbrechen. Mit der BSL geht es entweder Richtung Kandersteg und Spiez oder nach Brig.

Der Höhenweg in sonnenverwöhnter Lage folgt über weite Strecken dem Verlauf der Bahnlinie der Lötschbergbahn, führt vorbei an kunstvoll angelegten Viadukten, über Hängebrücken oder die imposante Bietschtalbrücke, hinein in Seitentäler, zu schönen Aussichtspunkten wie Brägji und Riedgarten und entlang von uralten Bewässerungskanälen, den Suonen. Die Strecke ist abwechslungsreich und mit normaler Kondition gut machbar. Einzelne wenige Stellen erfordern Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.

Der eigentliche Start der Wanderung entlang der Lötschberger Südrampe ist der Bahnhof Hohtenn. Dabei handelt es sich um eine Haltestelle mit «Halt auf Verlangen». Während der Sanierung des Lötschberg-Scheiteltunnels (2018 bis 2023) wird der Bahnhof Hohtenn nur im Zwei-Stunden-Takt bedient. Insgesamt verkehren weniger Züger und von Lalden aus gibt es nur eine Busverbindung.

Der Sonnenweg hingegen beginnt in Gampel und trifft erst später auf die Lötschberg Südrampe. Der Unterschied zwischen den beiden Wanderungen? Von Gampel aus sind 200 zusätzliche Höhenmeter und eineinhalb Kilometer sowie eine Hängebrücke zu überwinden. Mit der Zentralbahn von der Obwalden her kommend, spare mit der Anreise bis Gampel etwas Zeit. Ich starte meine Wanderung gleich direkt beim Bahnhof Gampel-Steg. Von hier aus verkehrt in unregelmäßigen Abständen die Postauto-Linie B 591 nach Hohtenn zum Sonnenweg und weiter ins Lötschental, wenn du es etwas gemütlicher angehen möchtest.

Die folgende Karte zeigt den Verlauf meiner Wanderung von Gampel bis nach Ausserberg.

Weitere Tourenbeschreibungen findest du auf Outdooractive. Auf der Website oder mithilfe der App kannst du Routen für Wanderungen, Radtouren, Berg- und Wintertouren und weitere Outdoor-Aktivitäten planen, ausdrucken und auf dein GPS-Gerät laden. Die App von Outdooractive gibt es hier:

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Von Gampel über Hohtenn zum Luogelkin-Viadukt und die ersten Suonen

Dieser erste Streckenabschnitt führt anfangs durch Wohngebiete, danach durch Weinberge und Laubwälder mit wunderbar herbstlichen Farben. Die Sonne blitzt durch die Bäume und immer wieder eröffnen sich Ausblicke auf das Rhonetal von Gampel bis nach Sierre (Siders) oder auf die gegenüberliegende Talseite mit dem wunderschönen Bürchen und der Moosalp.

Kurz nach dem Dorf Hohtenn beginnt zudem ein ausgesprochen schöner Wegabschnitt entlang der Stägeru und der Lüegjeru Suone. Bei Suonen handelt es sich um historische Bewässerungskanäle im Wallis. Sie befördern das kostbare Nass von den Gebirgsbächen auf Weiden, Äcker, Weinberge und Obstplantagen. Einige der Suonen sind heute noch in Betrieb und selbst, die die trocken sind, sind noch schön anzusehen. Vergleichbar mit den Levada-Wanderungen auf Madeira führen im Wallis zahlreiche Wanderwege entlang der Kanäle. Auf der Wanderung an der Lötschberger Südrampe triffst du immer wieder auf solche Suonen: mal trocken, mal führen sie Wasser, teils verlaufen sie als kleine Bächlein neben dem Weg, bei anderen handelt es sich um Rinnen aus Stein oder Holz.

Unweit der Station Hohtenn befindet sich der Lüegilchi-Taleinschnitt oder Luogelkin-Graben. Die Bergstrecke der BLS-Lötschbergbahn führt hier auf einer Höhe von bis zu 50 Metern und einer Länge von 116 Metern über das 1912 errichtete Luogelkin-Viadukt. Wer die Wanderung an der Bahnstation in Hohtenn startet, bewundert diesen eindrücklichen Bahninfrastrukturbau vom Wanderweg auf gleicher Höhe aus. Von Gampel und dem Ortszentrum von Hohtenn her kommend verläuft der Weg gut 100 Höhenmeter unter dem Viadukt. Dadurch wirkt es recht imposant. Insgesamt ist der Weg hier sehr idyllisch. Vereinzelt gibt es ein paar kurze schmale Abschnitte entlang der Felsen, die etwas abenteuerlich wirken.

Die Hängebrücke über die Jolischlucht

Ein klein bisschen mehr Abenteuer wartet ein Stück weiter beim Jolibach. Der Weg verläuft mit Geländern gesichert über Holzstege ganz nah den Felsen entlang. Unvermittelt geht es in einen kleinen Tunnel. Eine Stirn- oder Taschenlampe kann dabei ganz hilfreich sein. Auf der anderen Seite warten eine Treppe und eine Leiter aus Gitterrost. Die wenigen Höhenmeter hinauf zu dem kleinen Felsvorsprung sind schnell überwunden.

Oben führt die Jolibrücke in circa 25 Metern Höhe über die Schlucht. Die Hängebrücke ist eher kurz. Dennoch schwingt sie in der typischen Frequenz und der Blick ins Rhonetal oder hinunter in die Schlucht ist nicht zu verachten. Letztendlich sind der Einstieg zur Brücke beziehungsweise der Blick hinauf zur gewagten Brückenkonstruktion für mich das Spektakulärste an diesem Abschnitt.

Wenn du nicht schwindelfrei bist oder ein Problem mit Hängebrücken hast, startest du die Wanderung besser beim Bahnhof Hohtenn und wählst den klassischen Wanderweg der Lötschberger Südrampe, der oberhalb verläuft. In den Genuss der Jolibrücke kommst du nur am Sonnenweg.

Entlang der Gleise der Lötschberg-Bergstrecke zum Chrüterbeizli-Rarnerchumma

Ist die Jolischlucht überquert, öffnet sich wiederum das Panorama Richtung Rhonetal. Schön anzusehen ist die kleine Schleusenkonstruktion mit der das Wasser in den Suonen verteilt werden kann. Schon bald kommen die Gleise der Lötschbergbahn in Sicht. Immer wieder gibt es kleine Stationen mit Informationstafeln zum Bau der Löstschberg-Bahnstrecke, der Geologie sowie Flora und Fauna. Der Weg verläuft in einem leichten Auf- und Ab.

Etwa auf halber Strecke der dritten Etappe des Sonnenwegs gibt es die Gelegenheit einzukehren. Das Chrüterbeizli-Rarnerchumma wartet auf durstige oder hungrige Wanderinnen und Wanderer. Der Ort ist wie geschaffen für eine kurze oder ausgiebigere Rast. Hier kannst du in aller Ruhe die herrliche Aussicht genießen. Der liebevoll gestaltete Garten mit seinen bunt zusammengewürfelten Sitzgelegenheiten ist ebenso eine Augenweide. Dazu gibt es eine kleine, aber feine Auswahl an einheimischen Speisen und Getränken.

Die Bietschtalbrücke, Wunderwerk der Bahnbaukunst

Kurz nach dem Chrüterbeizli-Rarnerchumma wartet einer der Höhepunkte der Wanderung – zumindest für Eisenbahnfans. Zuerst musst du dich wiederum für eine von zwei Weg-Varianten entscheiden. Und diese Auswahl kann schwerfallen. Vielleicht machst du sie einfach von deiner Kondition abhängig.

Ein Weg führt auf gleicher Höhe entlang der Trasse der alten Baubahn direkt zur Bietschtalbrücke. Dass man sie auf der Wanderung überqueren kann, ist schon etwas Besonderes. Auf der einen Seite geht es mehrere hundert Meter in die Tiefe, auf der anderen Seite sausen vielleicht die Züge der BLS an dir vorbei.

Ich selbst entscheide mich für den Weg, der links vom Beizli nach oben führt. Diese Route führt weiter hinauf ins Bietschtal und quert die Schlucht weiter hinten. Neben den wenigen zusätzlichen Höhenmetern lohnt sich diese Variante, weil du den Bietschtalviadukt quasi von allen Seiten aus bestaunen kannst. Ein Abstecher auf die Brücke oder gar deren Überquerung sind ebenfalls möglich.

Beim Bietschtalviadukt handelt es sich um eine 1913 fertiggestellte Stahlkonstruktion. Für diese Zeit völlig ungewöhnlich, wurde ein möglicher Ausbau der Lötschbergstrecke auf zwei Spuren in Betracht gezogen. Die Brücke war somit von Beginn an für eine doppelspurige Schienenführung konstruiert. In den späten 1980er-Jahren konnte man diese realisieren.

Zum Etappenziel nach Ausserberg

Von der Bietschtalschlucht ist es nicht mehr weit bis Ausserberg. Ich genieße nochmals die warme Herbstsonne bei einer kleinen Rast oberhalb von St. German. Was für ein Tag! Die Temperaturen klettern bis weit über 20° Celsius, das fühlt sich fast an wie im Sommer.

Danach geht es nur noch bergab bis nach Ausserberg. An diesem Teil der Strecke kannst du dich nochmals an den Suonen im Wallis erfreuen. Die Strecke folgt einer wasserführenden Suone, die einem Bächlein gleich vor sich hinplätschert und verläuft parallel zu einer hochliegenden Konstruktion mit Holzrinnen.

Am Etappenziel in Ausserberg kannst du entweder rechts abbiegen und direkt zum Bahnhof wandern oder einen Abstecher in den Ortskern machen. Hier bietet sich zum Beispiel ein Besuch im Suonen Bräu an. In einer alten Sennerei werden verschiedene Sorten Bier gebraut und Führungen mit Degustationen angeboten. Für mich geht es von Ausserberg via Kandersteg, Spiez und Interlaken wieder zurück in die Zentralschweiz. Mit etwas Planung ist die Wanderung trotz der langen Anreise gut in einem Tag machbar.

Ausblick

Wenn du den Westteil der Lötschberger Südrampe oder die vierte und letzte Etappe des Sonnenwegs weiterwanderst, ist das Brigerbad vielleicht ein lohnendes Ziel für dich. In der Thermal- und Wellnessoase kannst du wunderbar entspannen und nach der langen Strecke regenerieren.

Für mich steht im nächsten Jahr die zweite Etappe des Sonnenwegs Leukerbad nach Gampel oder umgekehrt über die Albinenleitern fest am Plan.

Lötschberger Südrampe: immer der Sonne und den Suonen nach 1
Weg entlang der Felsen an der Lötschberger Südrampe
Lötschberger Südrampe: immer der Sonne und den Suonen nach 3

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