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Highlights der Herzegowina: die fünf schönsten Orte

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Wenn man ohne feste Vorstellungen reist, bleibt Platz für das Unerwartete. Und so trifft mich die Schönheit Bosnien und Herzegowinas völlig unerwartet: sanfte Hügellandschaften, grüne Wälder, die türkisgrüne Neretva, Wasserfälle, osmanische Baukunst, gastfreundliche Menschen und köstliches Essen. Als Reiseland erfährt Bosnien und Herzegowina nach wie vor zu wenig Beachtung. Das Land mit seinem für Europa einzigartigen Mix unterschiedlicher Kulturen ist überraschend vielfältig und meine persönliche Reiseentdeckung dieses Jahres.

Von Sarajevo aus lassen sich die schönsten Orte der Herzegowina im Rahmen einer Tagestour erkunden. Hier teile ich mit dir meine Erfahrungen von einem unvergesslichen Ausflug.

Ein Tagesausflug von Sarajevo nach Mostar und in die Herzegowina

Die Herzegowina ist eine Region im Südwesten des Balkanlandes. Sie umfasst etwa ein Viertel des Staatsgebiets von Bosnien und Herzegowina. Nahezu alle Tourenanbieter in Sarajevo haben Ausflüge mit Titeln wie «Mostar Herzegovina Abenteuer», «Perlen von Herzegowina» oder «Fünf-Städte-Tour» im Programm (z.B. Meet Bosnia, Spirit und Funky Tours). Welche Orte genau und in welcher Reihenfolge angefahren und besucht werden, ist selbstverständlich abhängig vom Veranstalter und kann so wie der Preis variieren.

Ein solcher Ausflug ist eine gute Alternative, wenn du nicht selbst mit dem eigenen Fahrzeug oder einem Mietauto unterwegs bist. Eine weitere Möglichkeit, in zwei Stunden von Sarajevo nach Mostar zu gelangen, ist die Bahn. Die Linie, insbesondere der Abschnitt entlang der Neretva, gilt als eine der schönsten Bahnstrecken am Balkan. Die Besuche in Počitelj, Blagaj oder Kravica lassen sich jedoch nicht direkt damit kombinieren – zumindest nicht an einem Tag.

Konjic

Konjic liegt nur eine knappe Autostunde von Sarajevo entfernt. Es handelt sich um eine typisch bosnische Kleinstadt. Sehenswert ist vor allem die Brücke über die Neretva. Die Steinbrücke aus der Römerzeit wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und zwischen 2006 und 2009 wiederaufgebaut. Wer sich dafür interessiert, kann ich Konjic den ehemaligen Tito-Bunker aus Zeiten des Kommunismus besichtigen.

Im Sommer laden einige Restaurants am Fluss zum Verweilen ein. Die Neretva rund um Konjic eignet sich in der warmen Jahreszeit perfekt zum Rafting. Angebote dafür gibt es wie Sand am Meer. Außerhalb der Touristensaison ist wenig los in Konjic. Ein kurzer Zwischenstopp ist dennoch empfehlenswert.

Auf dem Weg in die Herzegowina folgt kurz nach Konjic einer der schönsten Streckenabschnitte entlang der Neretva und des Stausees Jablaničko jezero. Auf der Fahrt eröffnen sich immer wieder neue Perspektiven. Leider lassen Verkehr und Straße nicht immer und überall Fotostopps zu. In diesem Abschnitt der Neretva wurden einige größere und kleinere Kraftwerke errichtet. Sie tragen wohl nicht allzu viel zur Stromversorgung bei und haben eher die Landschaft zerstört.

Mostar

Mostar ist eine Art Mythos. Die Lage an der Neretva und die berühmte Brücke machen sie heute wieder zu einem Touristenmagnet. Ich selbst wollte diesen faszinierenden Ort bereits 2018 von Dubrovnik aus besuchen. Die lange Fahrzeit und das angekündigte Schlechtwetter haben mich davon abgehalten. Nun kann ich mir meinen Traum erfüllen.

Das Wahrzeichen der Stadt ist die Stari Most (Alte Brücke). Sie prägt das Stadtbild. Erbaut wurde die Brücke von 1556 bis 1566 vom osmanischen Architekten Mimar Hajrudin. Damals galt sie als ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Der Steinbogen überspannte die Neretva in einer Höhe von 20 Metern, war vier Meter breit und knapp 30 Meter lang. Damit war sie bei ihrer Vollendung die größte und längste Bogenbrücke der Welt. Die Brücke wirkte, als wäre sie aus einem einzigen Steinblock gefertigt. Tatsächlich erfolgte die Verbindung der einzelnen Steine mit Eisenklammern. Die Löcher wurden zusätzlich mit Blei ausgegossen. Links und rechts wird die Brücke vom Helebija- und dem Tara-Turm, den so genannten Brückenwächtern (Mostar), flankiert. Sie gaben der Stadt ihren Namen.

Warum schreibe ich in der Vergangenheit, wenn die Brücke doch existiert? Leider wurde sie wie vieles andere auch 1993 im Bosnienkrieg zerstört. Der mehrstündige gezielte Beschuss durch die kroatische Armee führte letztendlich zum Einsturz.

Nach einer Übergangsphase mit einer Behelfsbrücke begann bereits 1995 der Wiederaufbau. Die beauftragte türkische Firma nutzte noch vorhandene Steine der alten Brücke und ließ die neuen Steinquader aus dem Steinbruch holen, der bereits im 16. Jahrhundert für den Bau genutzt wurde. Außerdem wurde die gleiche Verbindungstechnik verwendet. Die Wiedereröffnung der Brücke erfolgte im Sommer 2004 und 2005 wurde die Stari Most zur ersten UNESCO-Welterbestätte in Bosnien und Herzegowina – in erster Linie wegen ihrer Symbolkraft.

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Die Brücke gilt heute unter anderem als Verbindung zwischen Ost und West. Sie versucht den Brückenschlag zwischen den Völkern und Kulturen, die sich nach dem Krieg voneinander entfernt haben. Der Osten Mostars ist muslimisch geprägt, im Westen wohnen vor allem bosnische Kroaten katholischen Glaubens. Schülerinnen und Schüler besuchen Schulen getrennt nach ihrer ethnischen Herkunft.

Eine hervorragende Aussicht auf die Brücke von den Ufern der Neretva aus hast du beim Café Karma. Hier werden dir die Dimensionen erst richtig bewusst. Der beste Fotospot, wenn du die Brücke von oben und etwas Entfernung ablichten möchtest, ist das Minarett der Koski Mehmed Pasha Moschee. Für BAM 3.- (2021) kannst du den Turm besteigen – sofern du keine Platz oder Höhenangst hast.

So legendär wie die Brücke selbst sind die verwegenen Brückenspringer, die sich 27 Meter in die Tiefe stürzen. Die Tradition der Springer ist fast so alt wie die Brücke selbst. Die erste Aufzeichnung eines Sprunges stammt aus dem Jahr 1664. In einem Land, in dem die Wirtschaft darniederliegt und die Arbeitslosigkeit hoch ist, ist der Sprung von der Brücke eine willkommene Beschäftigungsmöglichkeit. In den Sommermonaten können die Brückenspringer so ganz gut verdienen. Denn gesprungen wird erst, wenn die Touristen ausreichend Geld gegeben haben.

Dafür gehen die Männer ein großes Risiko ein. Die Arbeit ist kein Vergnügen, sondern ein Knochenjob. Mostar ist die Stadt mit den höchsten Temperaturen in Bosnien und Herzegowina. Bei 40° Celsius ist der Sprung ins 8° kalte Wasser eine Belastung für den Kreislauf. Beim Aufprall ist die Wasseroberfläche steinhart. Jeder Sprung schadet der Wirbelsäule. Die Neretva ist an dieser Stelle gerade einmal drei bis vier Meter tief, sodass der kleinste Fehler mit Verletzungen oder gar tödlich enden kann.

Die Stari Most ist keineswegs die einzige Brücke in Mostar. Neben mehreren modernen Übergängen über die Neretva wirst du bei deinen Streifzügen durch die Stadt bestimmt auf die Kriva Ćuprija treffen. Sie sieht aus wie die Miniaturausgabe der Alten Brücke. Einer Legende zufolge war diese baugleiche Version im kleineren Maßstab über den Fluss Radobolja der Probelauf für ihre große Schwester, die Stari Most. Baumeister Hajrudin konnte so sein neues Brückenbau-Konzept testen. Der Wahrheitsgehalt der Geschichte lässt sich schwer überprüfen. Auf alle Fälle sind die Ähnlichkeiten nicht von der Hand zu weisen.

Um die Alte Brücke herum entwickelten sich früh die Handwerks- und Gewerbeviertel. In der osmanischen Zeit war Mostar ein bedeutendes Handelszentrum mit mehreren hundert Geschäften. Wie früher üblich, hatte jedes Handwerk seine eigenen Gassen, die gleichzeitig den Namen des dort ausgeübten Handwerks trugen. Am östlichen Ufer der Neretva liegt der Kujundžiluk, ein Basar, in dem nicht nur Kupferschmiede und Weber ihre Läden haben. Mit seinen farbigen Häusern und den mit Kieselsteinen gepflasterten Gassen ist das Viertel hübsch anzusehen und lädt zum Flanieren ein. Viele der alten Häuser, Geschäfte und Restaurants sind erhalten.

Die Westseite befand sich das Viertel Antque Tabhana mit Gerbereien und lederverarbeitenden Betrieben. Hier steht die Hadži-Kurtova džamija, eine Moschee aus dem 16. oder 17. Jahrhundert. In der heutigen Zeit existiert die Trennung zwischen den Zünften kaum noch. In der malerischen Altstadt reihen sich die Souvenirläden aneinander. Zu kaufen gibt es Teppiche, Gegenstände aus Kupfer, Keramik, Stickereien, orientalische Lampen, Kühlschrankmagneten und andere massentaugliche Mitbringsel (hergestellt in Asien). Nach echtem Kunsthandwerk muss man schon ein wenig suchen.

Im Sommer ist die Altstadt Mostars heillos überfüllt. Schon am Morgen kommen die Touristenbusse. Das Gedränge in den engen Gassen und auf der Stari Most ist groß. Im Oktober erlebe ich Mostar relativ ruhig und beschaulich. Die Saison neigt sich dem Ende zu. Längst haben nicht mehr alle Geschäfte geöffnet oder schließen früh am Abend. Von den Brückenspringern ist nichts zu sehen. Dafür kann ich die Atmosphäre in der Altstadt genießen. Nur die Zeit, die ist viel zu knapp. Bei einem Tagesausflug von Sarajevo aus mit vier weiteren Stopps wird man der Stadt nicht gerecht.

Blagaj

Eine kurze Autofahrt südlich von Mostar liegt das kleine Dorf Blagaj. Blagaj zählt zu den schönsten Orten der Herzegowina. Der Ort ist magisch und strahlt ganz viel Ruhe aus. Ich kann mich der Faszination kaum entziehen. Die Symbiose aus Natur und Kultur sucht ihresgleichen – das ist Postkartenidylle pur.

Zuerst einmal befindet sich hier die Vrelo Bune, die Buna-Quelle. Dabei handelt es sich um die stärkste Quelle in ganz Bosnien. Zwischen 3’000 und 123’000 Liter Wasser pro Sekunde treten hier zutage. Das glasklare, türkisfarbene und etwa acht Grad kalte Wasser bildet einen spiegelglatten See, der in einen hufeisenförmigen Wasserfall übergeht. Der Fluss Buna mündet neun Kilometer weiter in die Neretva. Im Sommer fahren vom Ufer des Sees kleine Boote in die Grotte zur Quelle.

Hinter dem See, über der kleinen Höhle mit der Karstquelle, ragt eine imposante Felswand in den Himmel. Sie ist gut 200 Meter hoch, schroff, steil und teilweise sogar überhängend. In genau diese Szenerie verliebte sich ein türkischer Sultan und ließ im 16. Jahrhundert eine Tekija, eine Art Kloster, erbauen. Die Tekija diente den Bedürfnissen des Derwischkultes und der Versammlung der Sufi-Derwisch-Bruderschaft.

Das Gebäude mit seinen hölzernen Fensterrahmen und dem überhängenden Dach klebt regelrecht in der Felswand. Es ist möglich das ehemalige Wohnhaus, das heute als Museum dient, zu besichtigen. Dabei gelten die für Moscheen üblichen Kleidervorschriften: Schuhe ausziehen und Frauen müssen die Haare bedecken. Es ist erstaunlich zu sehen, wie fortschrittlich damals gebaut wurde. Von den Zimmern aus blickt man aufs Wasser, das eine sehr beruhigende Wirkung hat.

An den Ufern der Buna liegen mehrere Restaurants. Alle haben Tische direkt am Wasser und mit Blick auf das Kloster. Abhängig davon, wie viel Wasser die Buna führt, sind die Terrassen teilweise sogar überflutet. Essen gibt es vermutlich besseres in Bosnien und Herzegowina, hierher kommt man vor allem wegen der Lage.

Kravica Wasserfälle

Eine weitere Attraktion in der Umgebung von Mostar sind die Kravica Wasserfälle. Sie sind sicherlich nicht so spektakulär und berühmt wie die Plitvicer Seen oder die Krka Wasserfälle in Kroatien. Dafür sind sie nicht so überlaufen. Im Sommer bieten die Wasserfälle eine willkommene Abkühlung, weshalb es hier trotzdem schnell voll werden kann.

Die Kravica Wasserfälle liegen in der Nähe des Ortes Ljubuški beim Dorf Studenci nahe der kroatischen Grenze und etwa 50 Kilometer von Mostar entfernt. Hier stürzt der Fluss Trebižat auf einer Breite von 12 Metern in mehreren Wasserfällen bis zu 28 Metern in die Tiefe. So entsteht ein natürliches Amphitheater mit Kaskaden, Seen, Wasserbecken, Flüssen, Sprühnebeln und ganz viel Grün. Insbesondere im Frühling, wenn der Trebižat viel Wasser führt, sind die Kravica Wasserfälle schön anzusehen.

Die Wasserfälle stehen unter Naturschutz. Tagsüber wird Eintritt verlangt, die Preise variieren je nach Saison zwischen BAM 8.- und 10.-. Es ist erlaubt, in einem abgetrennten Bereich des Sees zu schwimmen oder mit dem Kajak herumzupaddeln. Auf ein ausgedehntes Bade- oder Planschvergnügen solltest du dich nicht einstellen. Das Wasser ist kühl und erreicht selbst im Hochsommer nur knapp 20° Celsius.

Auf alle Fälle lassen sich an den Ufern ein paar entspannte Stunden verbringen. Es gibt eine Art Promenade mit Restaurants und Cafés, öffentliche Toiletten und einen kleinen Campingplatz.

Počitelj

Das malerischen Počitelj am Ufer der Neretva scheint sich seit dem Mittelalter kaum verändert zu haben. Der Ort ist winzig und geprägt durch die Šišman Ibrahim-Paša Moschee, den Uhrturm und die Festung mit ihrem markanten Festungsturm. Die Häuser liegen verstreut am Berghang innerhalb der ehemaligen Festungsmauern. Da bieten sich kleine Spaziergänge und Entdeckungstouren regelrecht an. Vor allem, weil die Aussicht von oben auf den Fluss und das gesamte Tal atemberaubend schön ist. Entlang der Straße findest du einige Stände mit Souvenirs, regionalen Produkten und frischem Obst. Besonders gut schmeckt der frisch gepresste Granatapfelsaft.

Den besonderen Charme Počiteljs macht die Mischung mediterraner und osmanischer Architektur aus. Vor dem Krieg inspirierte der Ort viele Künstler, vor allem Maler. Sie fanden ausreichend Motive in der üppigen Natur und eine Unterkunft im Haus Gavrankapetanović, einem Wohnkomplex. So entstand eine in den 1970er Jahren eine bekannte Künstlerkolonie. Počitelj blieb das Schicksal der meisten bosnischen Ortschaften nicht erspart. Diese ehemals florierende Stadt wurde im Krieg teilweise zerstört. Wieder aufgebaut zählt sie heute ebenfalls zum UNESCO-Welterbe.

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Blagaj Herzegowina
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