Titisee: Schwarzwald zwischen Alpenkitsch und Winterwunderland

Kurzreisen

Kitsch, Kommerz und Tourismus, das sind die Dinge, die der Titisee beziehungsweise der Schwarzwald mit der Schweiz gemeinsam haben. Da die Landschaft sehr ähnlich ist, ist es mir bisher auch nicht in den Sinn gekommen eine Reise dorthin zu planen. Der viele Schnee in den letzten Wochen und meine Reiselust haben dazu geführt, dass ich mich spontan für ein Wochenende im Schwarzwald entschieden habe. Kurzreisen sind schließlich die perfekte Abwechslung.

Der Titisee war dabei nicht direkt das Ziel meiner Wahl. Vielmehr war ich auf der Suche nach Langlaufkursen. Am Notschrei, dem Langlaufzentrum im Schwarzwald, war leider kein Zimmer mehr frei. Da ich sowohl klassischen Langlauf als auch Skating ausprobieren wollte, kamen die Kurse von felsland.de nicht infrage. Schließlich fand ich das für mich passende Angebot bei der Skischule Hirt, die an diesem Wochenende je einen zweistündigen Einsteigerkurs in beiden Techniken im Programm hatte.

Titisee

Titisee war früher eine selbstständige Gemeinde und gehört heute zur Stadt Titisee-Neustadt. Das Erste, was mir bei Titsee-Neustadt in den Sinn kommt, ist die Sprungschanze, auf der jedes Jahr Weltcupspringen ausgetragen werden. Und dann weiss ich noch, dass der Titisee ein bekanntes und gern besuchtes Ausflugsziel in Deutschland ist. Selbst jetzt im Winter machen viele Reisebusse hier halt und spucken für kurze Zeit nationale und internationale Gäste aus. Ziel für die meisten ist dann zuerst der See selbst.

Jetzt Ende Januar ist die Eisfläche zugefroren. Und obwohl überall Absperrungen und Schilder mit der Aufschrift «Die Eisfläche ist aus Sicherheitsgründen gesperrt» angebracht sind, tummeln sich Heerscharen von Wanderern und Eisläufern am See. Mit den kalten Temperaturen und den Bodennebeln am Morgen und am Abend entsteht eine ganz besonders schöne Stimmung.

Ansonsten bedient der Ort so ziemlich alle Klischees. Es gibt Schwarzwälder Speck, Schwarzwälder Schnäpsle, Bauernbrot, Spätzle, Kuckucksuhren, Souvenirs, die kein Mensch braucht oder haben will, in Asien produzierte Funktionskleidung, Schwarzwälder Kirschtorte, Speck, Schnäpsle, Bier, Nudeln, Kuckucksuhren, «typische» Pashmina Schals aus dem Schwarzwald, Schnitzereien, Glasarbeiten, Kirschtorte, Speck, Laugenbrezeln, Fleecepullis, Souvenirs, Schnäpsle und Speck. Ein oder zwei Geschäfte bieten hochwertigere Accessoires, Brillen und Uhren an. Das alles konzentriert sich auf zwei Straßenzüge im Zentrum. Dazwischen liegen Cafés und Restaurants, wobei in den Wintermonaten viele Betriebe geschlossen haben. Ich habe den Eindruck, dass abends die Bürgersteige sehr bald hochgeklappt werden.

Etwas außerhalb des Ortes befindet sich noch das Badeparadies Schwarzwald, ein Erlebnisbad mit riesigen Rutschanlagen und echten Palmen. Nichts für mich, ich halte mich da lieber an die Originale. Insgesamt braucht man also nicht viel Zeit um Titisee zu erkunden. Für viele Touristen ist Titisee Ausgangspunkt für Unternehmungen in der näheren Umgebung, Skifahren, Schlittenfahren oder Rodeln am Feldberg beziehungsweise an einem der kleineren Lifte und natürlich zum Langlaufen.
Bruggers Hotelpark am See (Titisee)

In Titisee und Umgebung gibt es eine Reihe von Viersternhotels. Da ich relativ kurzfristig (eine Woche vorher) buche, steht mein Wunschhotel nicht mehr zur Verfügung und ich muss nach Alternativen Ausschau halten. Letztendlich entscheide ich mich aus den noch verfügbaren Unterkünften für Bruggers Hotelpark am See. Die Einrichtung der Zimmer wie im Internet abgebildet gefällt mir, das Hotel liegt fast direkt am See und hat ein ansprechendes Wellnessangebot. Gebucht habe ich direkt online über die Hotelwebsite das Arrangement Weekend in Titisee, das zusätzlich zu ÜF noch einen Welcome Cocktail an der Loungebar, eine Einladung zur Kaffeestunde mit feinster Patisserie und zweimal ein 4-Gang Dinner mit Menuwahl beinhaltet.

Wer viel reist und oft in Hotels übernachtet, ist vielleicht etwas kritischer als andere. Persönlich lege ich einen großen Wert auf die Unterkunft, wobei es nicht immer ein Hotel der gehobenen Preisklasse sein muss. Letztendlich muss der Zweck erfüllt sein, die Unterkunft zur Art der Reise passen und das Preis-Leistungsverhältnis stimmen. Das Hotel Bruggers kann mich in mehreren Punkten leider überhaupt nicht überzeugen.

Empfang und Rezeption

Der Empfang an der Rezeption ist freundlich und ich werde sogar zum Zimmer begleitet. Einen Welcome Cocktail bekomme ich nicht angeboten und die Kaffeestunde wird nicht einmal erwähnt. Die Mitarbeiterin an der Rezeption weiß nicht darüber Bescheid, welches Arrangement ich gebucht habe und auch nicht, dass ich Hotel zu Abend essen werde. Das ist schon etwas befremdlich.

Zimmer

Das Zimmer selbst entspricht grundsätzlich meinen Erwartungen und der gebuchten Kategorie: geräumig, modern und sehr sauber. Es dauert allerdings nicht lange, bis ich feststellen muss, dass man mir das wohl schlechteste Zimmer im Hotel zugeteilt hat. Es liegt direkt neben dem Liftschacht und neben der Treppe. Von 6:30 bis 23:00 Uhr hat man hier kaum eine ruhige Minute, eine Zumutung, wenn man Erholung sucht. Neben den Aufzug in einem so hellhörigen Hotel gehören Abstellräume, aber keine Zimmer. Und wenn es gar nicht anders geht, sollten sie bei der Buchung besonders gekennzeichnet sein und vor allem nicht zum gleichen Preis verkauft werden. Ich habe keine Lust nochmals umzuziehen und entscheide mich erst bei Abreise auf den Missstand hinzuweisen. Leider habe ich nicht den Eindruck, dass man meine Beschwerde Ernst nimmt und nur nach Ausreden sucht oder mir dafür die Schuld gibt.

Der Haarföhn im Zimmer hat keine Power und produziert nur heiße Luft. So heiße Luft, dass ich Angst um meine Haare habe. Aber da der Föhn nach wenigen Minuten sowieso wegen Überhitzung von selbst abstellt, ist diese Angst unbegründet.

Das WLAN ist auch etwas lahm, zum Arbeiten nicht geeignet und die Verbindung bricht ständig ab.

Ausstattung

Das Hotel selbst ist nicht mehr das neueste, Wellnessbereich und Zimmer sind renoviert. Nicht überall ist die Symbiose aus Alt und Neu gelungen und der Stilbruch deutlich zu sehen. Insbesondere Lobby und Restaurants wirken doch sehr altbacken.

Der Wellnessbereich ist dafür ganz neu und sehr hell. Alles ist perfekt sauber. Es gibt zwei Saunen und ein Dampfbad. Ich schätze die Möglichkeit nach dem Saunieren an die frische Luft zu können. Noch besser wäre ein Tauchbecken. Wenn das Hotel gut besucht ist, ist der Ruhebereich, der auch ziemlich lieblos gestaltet ist, leider viel zu klein. Die Liegen sind alle besetzt. Ich frage mich, warum das Getränkeangebot nicht an einem Ort ist. Der Samowar steht im Foyer, der Wasserspender im «Kaminraum». Früchte oder Nüsse etc. fehlen ganz.

Zu den Behandlungen im Spa kann ich hier nichts sagen, da mir keine Zeit dafür bleibt. Ich gehe am Samstagabend lieber ins Kino. Insgesamt müssten die Öffnungszeiten des Wellnessbereichs länger sein. Gerne hätte ich auch am späten Vormittag schon die Sauna benutzt.

Restaurant

Die Mitarbeitenden im Restaurant sind durchwegs freundlich, allerdings habe ich den Eindruck, dass sie überfordert sind und einfach das Beste aus der Situation machen. Teilweise werden Tische lange Zeit nicht abgeräumt, Getränke nachzubestellen ist nicht immer ganz einfach und dann wiederum werden die einzelnen Gänge des Menüs viel zu schnell hintereinander serviert. Eine Suppe landet mit deutlichen Spuren neben der Schale bei mir auf dem Tisch. Selbst bei uns in der Mensa werden die Tellerränder penibel gesäubert und würde so etwas nie rausgehen.

Die Preise im Restaurant bewegen sich eher im oberen Segment, auch für den Wein. Das mag der Tatsache geschuldet sein, dass ein großer Teil der Gäste aus der angrenzenden Schweiz kommt. Das Essen ist okay, wobei jeden Abend ein Gang ziemlich abfällt und geschmacklich nicht überzeugen kann. Am besten sind jeweils die Suppen. Insgesamt vermisse ich die liebevollen und ausgefallenen Kreationen und die tollen Salatbuffets, wie ich sie von ähnlichen Hotels z.B. im Bregenzerwald gewöhnt bin.

Das Angebot beim Frühstücksbuffet ist sehr vielfältig und es bleiben kaum Wünsche offen. Toll ist, dass das der Buffetbereich groß ist und viel Platz bietet. So stehen sich die Gäste nicht gegenseitig im Weg und können in Ruhe auswählen und auch einmal Teller abstellen, wenn sie sich z.B. beim Käse bedienen.

Eierspeisen kann man direkt am Tisch bestellen. Schade finde ich, dass niemand Obst und Gemüse frisch schneidet. Das dürfte alles längere Zeit vorher vorbereitet sein, sodass Ränder und Schnittstellen entsprechend trocken sind.

Langlaufkurse bei der Skischule Hirt

Der eigentliche Grund meines Aufenthalts ist die Bewegung an der frischen Luft und der Besuch von zwei Langlaufkursen. Ich möchte entscheiden, welche Ausrüstung (klassisch oder skating) ich mir anschaffen sollte. Die Skischule Hirt bietet jeweils am Wochenende gleich bei den Liften in Waldau Gruppenkurse an. Diese kann man im Vorfeld bequem über Internet buchen.

Selbstverständlich ist an so schönen Wintertagen enorm viel los und im kleinen Hüttchen für Anmeldung und Verleih herrscht ziemliches Chaos. Es braucht ein bisschen Geduld, bis ich meinen Pfand abgegeben und die Ausrüstung gefasst habe. Die Mitarbeiter sind aber sehr geduldig und bleiben immer gelassen und ruhig.

Der Kurs am Samstag findet dann mit fast 15 Personen statt. Der Kursleiter hat dennoch immer alles im Griff und bekommt noch Unterstützung von einer zweiten Lehrerin. Die erste Zeit machen wir spielerische Übungen, es bleibt aber immer erwachsenengerecht. Insgesamt macht der Kurs sehr viel Spass und später in der Loipe hat man das Gefühl, dass man doch ziemlich viel gelernt hat. Am Ende gibt es Applaus für die Lehrer und ich freue mich schon auf die Fortsetzung am Sonntag.

Der Skatingkurs ist weniger gut besucht, hier sind wir nur zu fünft. Wie schon am Vortag leitet Andreas den Kurs und weiht uns Schritt für Schritt in die Skatingtechnik ein. Der Aufbau mit verschiedenen Übungen ist gut überlegt und bringt einen weiter. So schnell wie am Tag zuvor stellen sich die Erfolgserlebnisse allerdings nicht ein. Dennoch habe ich ein gutes Gefühl und kann gewisse Abläufe bereits automatisieren.

Am Ende kann ich sagen, dass es die schwieriger zu erlernende Skatingtechnik ist, die ich weiterverfolgen möchte. Jetzt brauche ich nur noch die nötige Ausrüstung und Zeit zum Trainieren. Gelegenheit dafür habe ich auch bei mir in der Nähe.

In den Schwarzwald wird es mich nicht so schnell wieder ziehen. Da bevorzuge ich dann doch wieder meine «alte Heimat» und reise nach Vorarlberg oder Tirol. Das Highlight des Wochenendes war aber definitiv der Langlaufkurs bei der Skischule Hirt, den kann ich auf alle Fälle weiterempfehlen.

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