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Au fil du Doubs: Mehrtageswanderung an der schweizerisch-französischen Grenze

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Grün in allen Schattierungen. Die Zivilisation habe ich längst hinter mir gelassen. Außer dem Plätschern und Gurgeln des Flusses sowie ein paar zwitschernden Vögeln ist nichts zu hören. Während sich nach dem Regen langsam die Nebel lichten und erste Sonnenstrahlen durchs Geäst blinzeln, streife ich durch einen Zauberwald. Baumstämme, Äste, Zweige und Steine sind dick mit Moos bewachsen. Es würde mich nicht wundern, wenn auf dieser Wanderung entlang des Doubs plötzlich Gnome, Elfen oder andere Märchengestalten aus dem Nichts auftauchen.

Au fil du Doubs, also immer flussabwärts dem Grenzfluss zwischen Frankreich und der Schweiz entlang, ist eine mehrtägige Genusswanderung durch einzigartige unberührte Landschaften. Hast du Lust diese Region mit mir zusammen zu entdecken?

Wanderung «Au fil du Doubs»

Der Wanderweg «Chemin au fil du Doubs» mit der Nummer 95 führt vom neuenburgischen Les Brenets in der Nähe von La Chaux-de-Fonds bis nach Saint-Ursanne im Kanton Jura. 68 Kilometer, 1400 Höhenmeter im Auf- und 1850 Meter im Abstieg sind dabei zurückzulegen. Das sind Entfernungen, die man nicht in einem Tag bewältigt. Deshalb empfiehlt es sich die Strecke in drei oder vier Tagesetappen mit Übernachtungen zu unterteilen.

Genuss und Wandern in mehreren Etappen

Der Wasserlauf bildet die Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz. Mal verläuft er durch Frankreich, mal fließt er auf Schweizer Hoheitsgebiet. So wie der Fluss wechseln auch Wanderinnen und Wanderer auf dieser Tour gerne einmal die Seite und passieren die Staatsgrenze. Die Wanderung führt durch einen Naturpark und weitgehend unberührte Landschaften. Im Fluss tummeln sich Bachforellen, Äschen, Barben, Hechte und die getigerte Doubsforelle. Es ist ein Eldorado für Fischer.

Etappe 1: Les Brenets – Maison Monsieur

Der Schilderwald aus Wanderwegweisern direkt beim Bahnhof Les Brenets ist nicht zu übersehen. Gleich zu Beginn steht man vor der schweren Entscheidung, ob man den ersten Abschnitt bis zum Saut du Doubs, dem höchsten Wasserfall des Juras, per Schiff oder zu Fuß zurücklegen soll. Etwa eine Dreiviertelstunde dauert die Wanderung vom Bahnhof aus, mit dem Schiff sind es 20 Minuten. Der Wanderweg verläuft auf einer wenig attraktiven Asphaltstraße, sodass die Schifffahrt sicherlich die schönere Alternative ist. Auf der Fahrt über den Lac Brenets passierst du eine imposante Landschaft mit hohen Felswänden und Tannenwäldern.

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Ein kleiner Kiosk hinter dem verlassen wirkenden und etwas herunter gekommenen Restaurant bei der Anlegestelle ist aktuell die letzte Möglichkeit, sich zu verpflegen. Nach dem Aufheben der Corona bedingten Einschränkungen wird das Restaurant sicherlich wieder öffnen. Auf der ersten Etappe gibt es unterwegs keine Restaurants. Deshalb heißt es für die 19 Kilometer lange Strecke genügend Proviant und Wasser einzupacken.

An diesem anfangs trüben und nasskalten Maitag tummeln sich nur ein paar wenige Besucher am Wasserfall. Der beeindruckt nicht unbedingt durch seine Höhe (27 Meter), aber heute zumindest mit seinen Wassermassen. Bei gutem Wetter und ausreichend Zeit lohnt sich der Abstecher über den Steg auf die französische Seite. Von dort hast du den besten Blick auf den Saut du Doubs.

Nachdem er sich so in die Tiefe stürzt, wechselt der Fluss im weiteren Verlauf noch mehrmals sein Gesicht. Mal präsentiert er sich als pittoresker Fjord wie am Lac de Moron, dann als rauschender Wildbach mit kleineren und größeren Katarakten, später bildet er idyllische Seen oder fließt träge in Mäandern. Der Grund für diese wechselhafte Ausprägung der Landschaft und die unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeit sind Wasserkraftwerke. Ein solches Gewässer wird selbstverständlich zur Energiegewinnung genutzt. Und so trifft man auf dieser Wanderung an unzugänglichen Orten, wo man das nicht erwarten würde, plötzlich auf die hässlichen Betonklötze der Kraftwerksgebäude. Für die Fische bleiben die enormen Schwankungen des Wasserstandes nicht ohne Folgen.

Wälder wie im Märchen

Über weite Strecken ist der Fluss unverbaut und die Umgebung menschenleer. Hier zwischen Les Brenets und Maison Monsieur wird einem bewusst, wie schwer zugänglich der Flusslauf einst gewesen sein muss. Und doch gab es in dieser Gegend unzählige Mühlen, Schmieden und Sägewerke säumten das Flussufer. Heute sind davon nur noch ein paar stumme Zeugen in Form von Informationstafeln oder Mühlsteinen übrig. Viel Fantasie ist nicht nötig, um sich in vergangene Zeiten zurückzuversetzen. Denn irgendwie ist hier die Zeit stehen geblieben. Das Hämmern der Schmieden oder klappernde Mühlräder würden perfekt zu dieser Szenerie passen.

Auf der ersten Etappe führt der schmale Wanderweg mehrheitlich entlang steiler Felswände, linkerhand ist das Wasser fast immer zu sehen, zumindest zu hören. Ich bin fasziniert von den Ausblicken, der mystischen Stimmung und der Natur. Die hohe Feuchtigkeit im Tal sorgt dafür, dass Bäume und Sträucher dick in grünes Moos gepackt sind. Fast gespenstisch strecken sie ihre so bewachsenen Äste und Zweige in die Luft oder ins Wasser. Unweigerlich kommt mir der Feenwald auf Madeira in den Sinn.

Ab La Roche Plate, etwa eine Stunde vor meinem heutigen Etappenziel, zeigt sich endlich die Sonne. Wälder, Wiesen und das Wasser schillern in «50 Grün-Schattierungen». Das Maison Monsieur liegt wunderbar ruhig am Ufer des Doubs, der hier wieder wie ein See wirkt. Die Gegend ist magisch. So lässt es sich aushalten.

Etappe 2: Maison Monsieur – Goumois

Ausgeruht und gestärkt geht es am zweiten Tag weiter. Heute warten bestes Wetter und mit 21 Kilometern die längste Etappe auf mich. Gerade als ich mich warm gelaufen habe, liegt auch schon der Lac de Biaufond spiegelglatt vor mir. Himmel, Wolken, Berghänge und die rote Brücke, die die Schweiz mit Frankreich verbindet, spiegeln sich im Wasser. Der Lac de Biaufond ist ein Vogelparadies. Im kleinen Seitenarm brütet ein Schwan. Fasziniert beobachte ich das stolze Tier.

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In Biaufond schlägt der Doubs einen vielen Bogen. Es ist nicht der einzige. Nicht umsonst bezeichneten ihn die Römer wohl wegen der vielen Richtungswechsel als dubius, unentschieden oder zweifelnd. Von hier aus führt der Wanderweg Fl über weite Strecken als Höhenweg durch den Wald. Nur manchmal blitzt es türkisgrün durch die Bäume und man erahnt aufgrund des Rauschens den Fluss. Das Wandern durch den Wald hat durchaus seinen Reiz. Es ist aber nicht unbedingt das, was man von einer Flusswanderung erwartet. Deshalb empfehlen viele, auf der französischen Seite von Biaufond bis La Goule zu wandern. Der Weg verläuft direkt am Ufer mit seinem Zauberwald. Bei einer Wiederholung würde ich mich für diese Route entscheiden.

Wer Wanderweg 95 erreicht bei der Auberge de la Bouège wieder das Flussufer. Im Frühjahr sind die Wiesen voll mit Löwenzahn und Hahnenfuß, noch näher am Wasser blühen leuchtend gelbe Sumpfdotterblumen. Von Zeit zu Zeit erhebt sich ein Fischreiher in die Lüfte und die Enten veranstalten Wettflüge. Der Regionale Naturpark ist ein besonderes Fleckchen Erde. So genieße ich die Wanderung durch die nahezu unberührten Aulandschaften bis Le Theusseret. Das Restaurant bei der alten Mühle am Wasserfall ist geschlossen. Umso schöner ist die Stimmung so ganz ohne Menschen.

Kurz vor Goumois wird der Doubs nochmals zum reißenden Gewässer. Beim Campingplatz Seigenottes gibt es sogar eine Wildwasser-Slalom-Anlage für Kanusportler. Die Gemeinde Goumois besteht aus zwei Dorfteilen rechts und links des Flusses und stellt eine Kooperation zwischen Frankreich und der Schweiz dar. Die Grenze gibt es nur auf dem Papier, die gesamte Infrastruktur wird gemeinsam genutzt. Direkt an der Grenze und an der Brücke befindet sich das Restaurant und Hotel du Doubs.

Etappe 3 und 4: Goumois – Soubey – Saint-Ursanne

Nach einem späten Frühstück breche ich kurz nach neun Uhr auf. Auf der kürzesten Etappe führt der Weg vorerst auf der teilweise asphaltierten Fahrstrasse entlang bis nach Moulin Jeannottat. Verglichen mit den ersten beiden Abschnitten des Wanderwegs ist dieses Wegstück weniger attraktiv, das Wasser fließt träge vor sich hin. Dafür ist die Strecke bis Saint-Ursanne beliebt bei Kajak- und Kanufahrerinnen und -fahrern. Abschnittsweise ist viel los auf dem Fluss.

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Ich erfreue mich an den blühenden Obstbäumen und den bunten Blumenwiesen. Nach den ersten Weilern von Soubey besteht die Möglichkeit, weiter am Fluss entlangzugehen oder die Schlaufe, die der Fluss hier macht, mit einem kurzen, knackigen Auf- und Abstieg abzukürzen. Soubey bietet sich für eine letzte Übernachtung am Wanderweg an. Sportliche Wanderinnen und Wanderer können die offiziell vierte und letzte Etappe von 15 Kilometern gleich noch anhängen und bis Saint-Ursanne weiter marschieren.

Nach Soubey kommt man nochmals an einer Mühle vorbei. Kühe und Pferde weiden entlang des Flusses. Und wie zum Abschied trifft man ein letztes Mal auf lauschige Plätze mit moosbewachsenen Bäumen und Schilffelder.

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Bald taucht das imposante Eisenbahn-Viadukt «Combe Maran» auf. Das Ziel und einer der Höhepunkte der Wanderung, das mittelalterliche Städtchen Saint-Ursanne, ist in Sicht. Die Altstadt ist nur über die Brücke Saint-Jean und die Stadt-Tore zugänglich. Innerhalb der Stadtmauern locken mittelalterliche Bauten, farbenfrohe Bürgerhäuser aus dem 14. bis 16. Jahrhundert und die eindrückliche Stiftskirche mit dem Kreuzgang. Nicht umsonst ist Saint Ursanne ein Touristenmagnet.

Saint Ursanne, die «Perle des Juras»

Leider bleibt mir nicht viel Zeit für das schmucke Städtchen mit seinen Brunnen, Gärten und Kunstgalerien. Und leider ist Saint Ursanne zurzeit eine riesige Baustelle. Die unterirdisch angelegten Versorgungsnetze der Stadt werden erneuert und die Brunnen saniert. Bald wird die historische Altstadt in neuem Glanz erstrahlen.

Übernachten und Einkehren

Wenn du während dieser Wanderung unterwegs einkehren möchtest, solltest du eine Vorliebe für Fisch haben. In ausnahmslos jedem Restaurant stehen Truite au bleu und Truite meuniere (Forelle Müllerinnen-Art) mit Kräutersauce auf der Karte. Die Möglichkeiten zur Einkehr sind generell dünn gesät. Die Maßnahmen und Verordnungen des BAG im Frühling 2021 veranlassen viele bis auf Weiteres gar nicht zu aufzusperren. Nur den Außenbereich öffnen zu dürfen, ist zu unsicher oder zu aufwändig.

Einzig in La Goule, in Goumois und in Saint Ursanne sind Gaststätten mit Terrasse geöffnet. Selbst unter «normalen» Bedingungen empfehle ich dir, die Stopps gut zu planen, rechtzeitig zu reservieren und immer eine Notration mit dabei zu haben.

Was die Übernachtungen entlang des Weges betrifft, musst du mit einfachen Unterkünften zufrieden sein. Luxus darfst du keinen erwarten. Dafür sind die Zimmer günstig. Wie bei den Restaurants gilt hier eine vorausschauende Planung und Reservierung.

Zusammen mit nur drei anderen Wanderinnen verbringe ich die erste Nacht im Hotel Maison Monsieur. Die Zimmer sind einfach, aber sauber. Dusche und WC befinden sich auf der Etage. Das Zimmer kostet CHF 110.- (2021), egal ob Einzel- oder Doppelbelegung. Das Restaurant ist aufgrund der Einschränkungen durch Corona nur für Hotelgäste geöffnet. Spezialität des Hauses ist natürlich Forelle. Die Karte ist ansonsten überschaubar, das Essen in Ordnung. Die Gastgeber sind sehr freundlich und um das Wohl ihrer Besucher bemüht. Das Frühstück fällt ziemlich üppig aus.

Für die zweite Übernachtung wähle ich das Hotel du Doubs in Goumois. Das Hotel mit seinen 13 Zimmern ist ausgebucht und mit einer der wenigen offenen Terrassen ist ebenso das Restaurant gut besucht. Das Zimmer zur Einzelbelegung (mit Badezimmer) gibt es hier für CHF 65.-. Ich bin im Nebenhaus in einem Appartement untergebracht und habe Aussicht auf den Fluss. Der Empfang und die Bedienung sind ausgesprochen aufmerksam und hilfsbereit.

Das Frühstück für CHF 12.- wird leider erst ab 08:30 Uhr serviert. Weniger erfreulich finde ich, dass im Restaurant neben der üblichen Forelle auch Froschschenkel auf der Karte stehen. Es gibt jedoch Alternativen wie Salat, Gemüseteller oder Käseschnitte. Zum Nachtisch kannst du dir ein Omelette flambée gönnen. Das fluffige Gebilde erinnert an an Salzburger Nockerl.

Mein letztes Nachtlager auf der Wanderung schlage ich im Hotel-Restaurant du Cerf in Soubey auf. Wie schon im Maison Monsieur ist das Restaurant nur für Hotelgäste geöffnet. Für das Standard-Zimmer mit Dusche und WC auf der Etage zahle ich hier inklusive Frühstück nur CHF 65.-. Das Hotel du Cerf ist ebenfalls gut gebucht. Das freundliche Besitzerpaar (Wirtin spricht Deutsch) kümmert sich liebevoll um die Gäste und serviert als Spezialität des Hauses – wie sollte es anders sein – Forelle. Für das Frühstück wird ein kleines Buffet angerichtet.

Für die Mahlzeiten am Abend habe ich inklusive Wein jeweils um die CHF 50.- bezahlt. Ein paar Brocken Französisch sollte man können, um sich durchzuschlagen.

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An- und Abreise

Die Anreise zum Start in Les Brenets ist (noch) ein kleines Abenteuer, zumindest für Eisenbahn-Fans. Auf den vier Kilometern zwischen dem Bahnhof Le Locle und Les Brenets verkehrt eine Schmalspurbahn mit Oldtimer-Triebwagen. Ende 2023 soll die Regionalbahn eingestellt und durch einen elektrisch betriebenen Bus ersetzt werden. Dafür wird die Bahntrasse asphaltiert und als Fahrspur für den Bus genutzt. Der La Combe-Monterban-Tunnel muss dafür angepasst werden. Den Rest der Strecke soll der Bus über die Kantonsstraße fahren.

Zurück geht es ab Saint Ursanne, wo der Bahnhof ein wenig außer- beziehungsweise oberhalb des Städtchens liegt.

Maison Monsieur am Doubs
Au fil du Doubs: Mehrtageswanderung an der schweizerisch-französischen Grenze 2

2 Gedanken zu „Au fil du Doubs: Mehrtageswanderung an der schweizerisch-französischen Grenze“

  1. Die Wanderung steht bei mir auch schon lange mal auf dem Programm.

    Zu den Restaurants: Die gehen voraussichtlich am 31.5. wieder schweizweit auf – und hoffen wir mal, dass das dann auch so bleibt.

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    • Hallo Oli, die Tour ist wunderschön, besonders die ersten beiden Etappen. Das mit der Öffnung der Restaurants Ende Mai sieht gut aus. Aber wir dürfen uns nicht beklagen. Immerhin hatten in der Schweiz die Hotels durchgehend geöffnet. Und dass sich bei wechselhaftem Wetter der Terrassenbetrieb nicht für alle lohnt, muss man einsehen. Ich habe es nicht vermisst, hatte immer genug dabei für unterwegs.

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