Im Alpine Spa am Bürgenstock beim Wellness entspannen … oder so

Ausflüge

10.000 m2 Spa-Landschaft und ein Infinity-Pool 500 m über dem Vierwaldsättersee, das verspricht das Alpine Spa im Bürgenstock Hotels & Resort.

Nach fast vierjähriger Bauzeit erwachte im Herbst 2017 die Hotelerie auf dem Bürgenstock zu neuem Leben. Die Bürgenstock-Hotels haben eine lange Geschichte. Das erste Grandhotel eröffnete bereits 1873 seine Tore. In den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrunderts war der Bürgenstock ein glamouröses Paradies, das Prominez aus Film- oder Showbusiness und auch Politiker anlockte. Indira Gandhi, Konrad Adenauer, Jimmy Carter, James Bond, Sophia Loreen, Audrey Hepburn, Charlie Chaplin oder Sean Connery haben hier schon logiert. Letzerer spielte auch im Film «Goldfinger» die Hauptrolle, in dem der Hammetschwandlift (der höchste Freiluftaufzug Europas) auf dem Bürgenstock bei einer Verfolgungsjagd kurz gezeigt wird. Irgendwann war der Glanz vergangen und 2011 wurde es still auf dem Bürgenstock.

Mit 550 Millionen aus Katar entstand das neue Resort aus sechs Hotels und Residenzen sowie zehn Restaurants und eben dem Alpine Spa. Für 15 Millionen wurde die Standseilbahn von Kehrsiten auf den Bürgenberg aufwändig restauriert. Die Preise für die Residenzsuiten liegen bei etwa 30.000 Franken Monatsmiete. Preise, die sich Otto-Normalverbraucher nicht leisten kann. Im Bürgenstock Hotel muss man aktuell am Wochenende mit Zimmerpreisen von etwa 700 bis 800 Franken pro Nacht rechnen. Vorausschauend gebucht – mit Frühbucherabatt und bei Übernachtungen von Sonntag auf Montag  – wird es wesentlich günstiger. Nach oben hin sind kaum Grenzen gesetzt. Im Vier-Stern-Hotel Palace oder in der Taverne 1879 kann man auch billiger nächtigen. Daneben setzt das Resort auch auf Tagestouristen. So steht unter anderem das Spa Tagesgästen offen.

Servicewüste beim ersten Besuch und wenig Kundenorientierung
Bürgenstock Sonnenuntergang

Die Rekrutierung der Angestellten für die verwöhnte Klientel erwies sich als eines der größten Probleme. Bei meinem ersten Besuch Ende September 2017 war die Enttäuschung riesig. Ich hatte spontan das Spezialangebot «Bürgenstock Sonnenuntergang» gebucht und wollte mir einfach einmal vor Ort ein Bild machen. An diesem schönen Herbsttag und kurz nach der Eröffnung des Hotels waren sicherlich viele Tagesgäste unterwegs. Dass es so chaotisch ablaufen würde, hatte ich von einem Hotel dieser Preisklasse aber nicht erwartet.

Die Terrasse beim Palace war am Abend die einzige Möglichkeit noch ein paar Sonnenstrahlen abzubekommen und deshalb gut besucht. Doch irgendwie fühlte sich niemand zuständig für die Gäste. Ich saß geschlagene 20 Minuten an meinem Tisch und versuchte irgendwie Blickkontakt mit dem Servicepersonal zu bekommen. In der Zwischenzeit hatten das Paar und die Famile an den beiden Tischen nebenan entnervt aufgegeben und das Restaurant wieder verlassen. Als ich dann doch endlich mein Glas Prosecco (Champagner gab/gibt? es nicht in der Palace Lounge) bestellen konnte, wurde es lieblos hingestellt. Weder zu diesem Zeitpunkt noch später wurde ich gefragt, ob ich noch etwas bestellen, trinken oder essen möchte – selber Schuld. Als ich bezahlen wollte, musste ich ebenfalls wieder selbst die Initative ergreifen, dem Personal hinterherlaufen und schließlich wieder ewig an der Kasse warten. In der Lake View Lounge war der Service etwas besser, aber wirklich willkommen fühlte ich mich hier auch nicht.

Spa Delight

Im Dezember letzten Jahres buchte ich dann ein Spa-Delight-Angebot (3 Stunden) für Februar. Das Ganze sollte ein Geburtstagsgeschenk für eine Freundin sein. Leider musste sie aus gesundheitlichen Gründen absagen beziehungsweise den Termin verschieben. Nun heißt es auf dem Ticket, dass dieses nicht erstattbar ist und es keine Verlängerung oder Rückzahlung der Leistungen bei Nichterscheinen am aufgedruckten Datum gibt. Also habe ich höflich per Mail angefragt, ob es aus den beschriebenen Gründen möglich wäre, den Aufenthalt zu verschieben (ärztliches Attest). Zuerst einmal bekam ich überhaupt keine Antwort, was ich sehr befremdlich fand. Auf eine weitere Nachfrage hin hieß es schließlich «Leider kann man den Termin nicht verschieben, da dieses Package taggebunden ist. Da es aber nicht personalisiert ist, können Sie den Gutschein gerne verschenken oder anderweitig weiter geben.» Punkt. Keinerlei Entgegenkommen oder der Versuch einer Lösung. Selbst wenn ich anscheinend nicht zu den betuchten Luxusgästen gehöre, die ein paar Tausend Franken im Resort lassen, erwarte ich von einem Hotel dieser Kategorie einen anderen Umgang mit Gästen. Im Chedi im Andermatt versteht man das perfekt.

Nach diesen beiden Erlebnissen war mein Bedarf an Bürgenstock eigentlich schon gedeckt und Pläne, einmal da oben zu übernachten, habe ich ad acta gelegt.

Alpine Spa
Anreise

Da ich unter den oben geschilderten Umständen das Package auch nicht verfallen lassen wollte, habe ich mich dann doch wieder auf den Weg zum Bürgenstock gemacht. Jegliche Vorfreude war aber weg.

Die Schifffahrt von Luzern nach Weggis ist schon mal eine schöne Einstimmung. Ab April 2018 soll dann ja der neue Katamaran die Strecke stündlich fahren und in 30 Minuten zurücklegen. Ohne Wartezeiten geht es weiter direkt zur Standseilbahn. Die Fahrt mit der restaurierten Bahn geht im wahrsten Sinne des Wortes zügig voran und vor allem kann man bereits die schöne Aussicht genießen. Mit der Preispolitik für die Bürgenstock Bahn ist das Resort ziemlich angeeckt. Happige CHF 84,- kostet die Hin- und Rückfahrt ab Luzern für Erwachsene, Halbtax und GA sind nicht gültig. So viel zu den Tagesgästen, die angeblich willkommen sind …

Nach Ankuft auf der Bürgenstock Piazza muss man sich rechts halten, um zum Eingang des Alpine Spas zu kommen. Der erste Eindruck: laaaaaaaange Gänge, sehr dezent beschriftet. Mit dem Aufzug geht es schließlich runter zur Rezeption des Spas. Die Begrüssung ist freundlich und man erhält eine Badetasche mit Bademantel und Pantoffeln. Die Umkleiden sind ebenfalls schön gestaltet. Generell gefallen mir das Design mit Eichenholz und Stein, die großen Fensterfronten und die liebevoll dekorierten Ruhezonen, die mehr an Wohnzimmer erinnern als an ein Spa.

Die Einrichtungen

Rund um den Innenpool sind Liegen angeordnet, von denen man die Aussicht über den See genießen kann. Vom Innenpool geht es  direkt nach draußen in den Infinity Edge Outdoor Pool. Dieser ist quasi ein Abklatsch des Pools in der Villa Honegg, einfach seitenverkehrt. Die Aussicht ist natürlich fantastisch – eine Begegnung zwischen Wasser und Himmel, wie es auf der Hotelwebsite heißt. Welcher der bei beiden Pools nun der schönere ist, kann und will ich nicht beurteilen. Die Villa Honegg hat einfach den Nachteil, dass der Wellnessbereich überhaupt nicht durchdacht, genaugenommen eine ziemliche Fehlplanung, ist.

Ein Stockwerk tiefer befinden sich der Ruheraum mit Kamin und Wasserbetten, die sogeanannte Nasszone und die Saunabereiche. In der Unisex-Sauna ist alles vorhanden, was das Herz begehrt: Panorama-Sauna mit Seeblick, Aromasauna, Dampfbad, Jacuzzi und verschiedene Duschen und ein Kaltwasserbecken. Der Saunabereich für Frauen direkt daneben ist etwas kleiner, das Angebot dort aber ebenfalls in Ordnung.

Bei einem dreistündigen Aufenthalt bleibt nicht viel Zeit, schließlich muss man Umziehen und Haare föhnen etc. auch miteinkalkulieren. Da kann man höchstens ein wenig im Pool planschen und einen oder maximal zwei Saunagänge machen. Aber es macht Lust auf mehr. Spa-Behandlungen habe ich in der kurzen Zeit nicht in Anspruch genommen. Ich persönlich finde das Angebot auch nicht sonderlich attraktiv, da es fast ausschließlich Gesichtsbehandlungen (La Prairie, Christine Kaufmann, St. Barth) beinhaltet. Dafür habe ich meine Kosmetikerin.

Fazit

Der Eintritt ins Alpine Spa kostet für 3 Stunden von Montag bis Donnerstag CHF 95.-, der Tageseintritt CHF 220,-. Am Wochenende von Freitag bis Sonntag (und Feiertage) zahlt man CHF 150,- beziehungsweise CHF 300,-. Im Tageseintritt sind noch Treatments oder Produkte im Wert von CHF 100.- inkludiert. Beide Angebote kann man auch mit Anreise per Schiff ab Luzern buchen. Die Preise erwecken nicht unbedingt den Eindruck, dass externe Gäste wirklich erwünscht sind. Obwohl ich den Alpine Spa wunderschön finde, wäre ich nicht bereit CHF 300,- für einen Tageseintritt hinzublättern. Da würde ich dann eher schauen, dass ich ein gutes Angebot für eine Übernachtung finde.

Meine Leser wissen, dass Travellingcarola sich gerne etwas Luxus in aller Welt gönnt, dabei aber immer das Preis-Leistungsverhältnis im Auge behält. Ich finde, dass man das Alpine Spa am Bürgenstock durchaus mal besuchen soll. Die oben genannten Preise halte ich aber für überteuert, da gibt es andernorts wesentlich mehr fürs Geld.

Meine nächste Wellness- und Sportauszeit steht bereits kurz bevor. Dann geht es ins Allgäu nach Balderschwang.

Travellingcarola im Alpine Spa am Bürgenstock

SCHLAGWÖRTER
DAS KÖNNTE DIR AUCH GEFALLEN
3 Kommentare
  1. Antworten

    helga

    19. Februar 2018

    wow liebe Carola, das ist aber ein recht kritischer Bericht. Ich bin aber ganz froh darüber, dass Reiseblogger es auch wagen, die uncoolen Seiten eines Hotels zu zeigen. Seit der Fertigstellung des Bürgenstock-Resorts möchte ich natürlich auch mal in diesem Infinity-Pool planschen (und ich war noch nicht mal in der Villa Honegg).
    Aber der Preis für einen Tages-Spa ist ja unglaublich! Hilfe.
    Ich war auch in einigen Top 5-Sterne Resorts der Welt zu Gast und sicher recht verwöhnt, was den Service angeht. Vielleicht mache ich mir mal ein eigenes Bild.
    Liebe Grüsse
    Helga

    • Antworten

      travellingcarola

      19. Februar 2018

      Liebe Helga, da es sich weder um eine Kooperation noch um einen Sponsored Post handelt, kann ich frisch und frei von der Leber weg erzählen. Und das Bürgenstock Resort hat sicherlich zurzeit noch seine Kinderkrankheiten. Ich möchte aber niemanden davon abhalten, sich selbst ein Bild zu machen. Ansprüche und Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Ich würde an deiner Stelle einfach einmal die Preise (Angebote für Spa und auch Zimmer) im Auge behalten. Vielleicht ist bald mal etwas Passendes mit dabei. Drei Stunden in den Spa würde ich nicht machen, das ist gar nichts. Warum man hier nicht wie andernorts üblich zumindest vier Stunden gewählt hat, ist mir ein Rätsel. Liebe Grüße Carola

ANTWORT HINTERLASSEN

Send this to a friend

Hallo, das könnte dich interessieren: Im Alpine Spa am Bürgenstock beim Wellness entspannen ... oder so! Hier ist der Link: https://travellingcarola.com/alpine-spa/