Mykonos und meine fünf Lieblingsplätze in der Chora

Kurzreisen

Mykonos gilt in erster Linie als Partyinsel in der Ägäis. Das Publikum, das es hierher verschlägt, ist eine Mischung aus internationalem Jetset und Massentourismus. Da fließt der Alkohol in Strömen und es wird hemmungslos gefeiert. Louis Vuitton, Moët & Chandon, Austern und Hummer, all das findet man in Mykonos Stadt.

Für die vielen Besucher, die von April bis Oktober auf die Insel strömen, hat Mykonos sich herausgeputzt. Die Stadt wirkt ein bisschen wie das Klischee von Griechenland: weiß bemalte kleine Gässchen, weiß getünchte würfelförmige Häuser. Die Straßen werden am Morgen tatsächlich feinsäuberlich gefegt und die Spuren der langen Partynächte beseitigt. Unter das typische Blau mischen sich in Mykonos auch noch andere Farben. Manche Fenster, Türen oder Treppengeländer strahlen in knalligem Rot oder Gelb. Bougainvilleen wuchern an fast jedem zweiten Haus und bilden einen weitern Kontrast zu den weissen Gebäuden, einfach nur wunderschön.

Und doch fühlt sich irgendetwas falsch an. Ich laufe zwar staunend und fotografierend durch die Straßen, aber das richtige Griechenlandfeeling, das Gefühl zu Hause zu sein, will sich irgendwie nicht einstellen. Was fehlt, ist die Authentizität. Wer das ursprüngliche Griechenland sucht, ist auf Mykonos definitiv am falschen Ort. Hier ist vieles nur glamouröse Kulisse. Hier hat der Tourismus mit seinen negativen Auswirkungen voll zugeschlagen. So ist auf Mykonos alles ein wenig teurer, dafür aber auch weniger herzlich als sonst. Für die Schickimicki-Gesellschaft spielt das keine Rolle.

Erst wenn man etwas höher steigt, weg von den Straßen am Hafen begegnet man dem wahren Leben und kann hinter die Fassade blicken.

Selbst wenn manches jetzt etwas negativ klingt: Mykonos hat wunderschöne Ecken. Nur alleine schon deswegen lohnt sich ein Besuch. Frühaufsteher haben außerdem die Chance Mykonos von einer etwas ruhigeren und beschaulicheren Seite zu erleben.

Meine fünf Lieblingsplätze in Mykonos Town
Platz 5: Die Agios Nikolaos Kapelle am alten Hafen

Am alten Hafen reiht sich Restaurant an Restaurant, dazwischen findet man noch verschiedene Souvenirläden. Während die großen Autofähren mittlerweile vom neuen Hafen abfahren, legen noch die Ausflugsschiffe von und nach Delos sowie verschiedene Hochgeschwindigkeits-Katamarane oder Flying Dolphins an. Auch die Tenderboote der Kreuzfahrtsschiffe spucken die Touristen teilweise am alten Hafen aus. Somit ist zu den Stoßzeiten einiges los.

Es lohnt sich, den alten Hafen am frühen Morgen zu besuchen. Dann findet nämlich ein kleiner Markt statt. Verkauft werden Blumen, Gemüse und Obst, alles direkt von den Ladeflächen kleiner Lieferwagen. Es ist schön zu beobachten, wie die Einheimischen ihre Einkäufe erledigen oder auch nur auf einen Schwatz vorbeikommen. Auch der Fischmarkt wird hier abgehalten.

Im Schatten der kleinen Agios Nikolaos Kirche trifft man morgens ebenfalls noch auf Inselbewohner, bevor die kleinen Bänke dann von den müden Reisenden belagert werden.

Platz 4: Die Windmühlen

Die Windmühlen prägen das Bild der Chora entscheidend mit. Die alten Windmühlen Kato Mili auf der Landzunge Ano Mili im Südwesten der Stadt, zählen zu den bekanntesten Wahrzeichen von Mykonos. Früher wurde dort Getreide gemahlen. Heute sind die Mühlen zwar noch alle intakt, aber mehr oder weniger gut erhalten. Manche sind restauriert und dienen als Wohnungen. Der Aufstieg auf die kleine Anhöhe ist nicht sonderlich beschwerlich und man hat eine schöne, wenn auch nicht atemberaubende Aussicht auf die Stadt. Die schönere Perspektive ist für mich der Blick von Kastro oder Klein Venedig auf den Hügel mit seinen fünf Windmühlen.

Nicht vergessen sollte man, dass das nicht die einzigen Windmühlen in Mykonos Stadt waren oder sind. Von der Bonis Windmühle, die das Museum für Agrikultur beherbergt, kann man die Stadt überblicken. Besonders beliebt ist der Aussichtspunkt auch zum Sonnenuntergang.

Platz 3: Der Goumenio Platz und die angrenzenden Gässchen

Wer sich ziellos durch das Gassenlabyrinth der Altstadt treiben lässt wird mit ziemlicher Sicherheit auch am Goumenio Platz vorbeikommen. Direkt am Platz und in den umliegenden Seitenstraßen befinden sich dann auch viele der bekannten Restaurants in Mykonos Stadt. Dazu mischen sich Kunstgalerien und hippe Shops. Zurzeit scheint eine Mischung aus Shabby Chic und maritimen Look in Mykonos sehr angesagt zu sein. Beides verschmilzt gut mit der Kykladenarchitektur. Teilweise wirkt alles aber sehr aufgesetzt. Eines der schönsten Fotomotive für mich sind die Gassen rund um Eva’s Garden.

Platz 2: Kastro und die Kirche Panagia Paraportiani

Kastro ist der älteste Teil der Stadt. Von der ehemaligen venezianischen Festung sind noch ein paar Grundmauern erhalten. Am westlichsten Punkt der Chora treffen Stadt und Meer aufeinander, wild und ungezähmt. Hier, wo vieles noch sehr ursprünglich ist, fühle ich mich wohl.

Mittendrin befindet sich die wunderschöne weißgetünchte Kirche Panagia Paraportiani mit den fünf verschiedenen Kapellen, die alle zu unterschiedlichen Zeiten entstanden sind.

Gleich daneben liegt das Kastro’s, das zu den beliebtesten Restaurants in Mykonos Stadt zählt. Neben kreativen, aber dennoch bodenständigen griechischen Gerichten kommt man vor allem wegen der Aussicht hierher. Die ist schon grandios vom Inneren, das idyllische Gässchen mit den gemauerten Sitzbänken ist einzigartig.

Platz 1: Little Venice

In Little Venice muss man sich einfach verlieben. Und so ist es nicht verwunderlich, dass dieser romantische Ort auch meine Nummer eins ist. Die Häuser sind so nah zum Meer gebaut, dass die Brandung direkt auf die Außenmauern trifft. Vergleiche mit Essaouira sind nicht von der Hand zu weisen, wenngleich die Architektur eine andere ist. Hier ist der Stil venezianisch, verzierte Holzbalkone und Veranden sind typisch für das Viertel.

Das besondere Ambiente in Klein Venedig genießt man am besten zum Sonnenuntergang. Während der Vor- und Nachsaison kann man sogar noch freie Plätze in einem der vielen kleinen Restaurants, Bars und Cafés finden. Je nach Wind- und Wetterlage kann es durchaus etwas nass werden. Belohnt wird man mit einer unvergleichlichen Aussicht. Spätestens wenn die untergehende Sonne die von Wellen umspülten Häuser in ein goldenes Licht taucht, weiß man, warum Little Venice zu den am häufigsten fotografierten Sehenswürdigkeiten der Insel gehört.

Mykonos und Santorin zählen zu den berühmtesten aller Kykladeninseln. Dabei könnten sie unterschiedlicher gar nicht sein. Ich persönlich fühle mich auf Santorin wesentlich wohler. Die spektakuläre Lage am Kraterrand und die Sonnenuntergänge sind unvergleichlich, Santorin ist eine raue Schönheit. Und obwohl auch hier der Tourismus allgegenwärtig ist, hat sich Santorin etwas von seiner Bodenständigkeit erhalten. Für wen welche Insel die richtige ist, könnt ihr in meiner kleinen Entscheidungshilfe nachlesen.

Mykonos ist eine Marke und hat ein bisschen etwas von Disneyland. Es ist eine Bühne für das Schaulaufen der Eitelkeiten, aber die Seele fehlt. «Mehr» Griechenland für weniger Geld bekommt man mit Sicherheit auf anderen Inseln.

Da ich nicht zur Hochsaison nach Griechenland reise möchte, bin ich bei meiner Wahl etwas eingeschränkt. Direkte Flugverbindungen aus der Schweiz gibt es nur auf die größeren Inseln. Lange Anreisen per Fähre sind bei einem Kurzaufenthalt über das Wochenende leider nicht möglich. Dennoch möchte ich versuchen in den nächsten Jahren nach Milos, Kimolos, Amorgos und Folegandros zu kommen. Auch wenn die Welt weit ist, Griechenland habe ich ganz fest ins Herz geschlossen. Hierher muss ich immer wieder zurück.

Mykonos und meine fünf Lieblingsplätze in der Chora

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