Tbilisi, the city that loves you, oder die Stadt, die ich liebe

Städtereisen

Der Schriftzug «I ♡ Tbilisi» prangt in großen Buchstaben an zentraler Stelle in der Altstadt und am Flughafen wird man mit «Tbilisi, the city that loves you» begrüßt. Und tatsächlich dauert es keinen halben Tag, bis ich mich in Tiflis verliebt habe.

Die Hauptstadt Georgiens hat etwas Faszinierendes. Sie ist laut, alt, verfallen und heruntergekommen, zugleich aber auch idyllisch, modern, elegant und stylisch. Obwohl Tbilisi und Georgien ganz klar europäisch ausgerichtet sind, spürt man an manchen Ecken noch den Ostblockcharme vergangener Zeiten. Hinzu kommt eine fast mediterrane Lebensfreude.

In diesem Beitrag stelle ich dir vor, was man in Tiflis unternehmen kann und gebe dir Tipps für Tagesausflüge in die Umgebung.

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1. Betrachte Tiflis von oben

Meist ist es etwas vom Ersten, was ich in einer fremden Stadt mache: Ich erklimme einen Aussichtspunkt und verschaffe mir einen Überblick. In Tiflis begibt man sich am besten zur Narikala-Festung. Der Weg nach oben sieht weiter aus als er tatsächlich ist. Wer es trotzdem bequemer haben möchte, kann ganz gemütlich mit der Seilbahn hinaufgondeln. Allerdings muss man dafür lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Von oben überblickt man den Mix aus alten und neuen Gebäuden und die steilen Felsen an der Kura.

Unweit der Festung, Richtung Westen, steht die riesige Statue Kartlis Deda, die Mutter Georgiens. Mit einer Weinschale und einem Schwert in der Hand wacht sie majestätisch über die Stadt. Auf dem Weg hat man außerdem noch einen schönen Blick ins Grün des botanischen Gartens. Ein Abstecher dorthin lohnt sich überigens auch.

Noch mehr Aussicht genießt man vom Mtatsminda-Park aus. Dieser befindet sich beim unübersehbaren und nachts bunt beleuteten Fernsehturm. Von hier oben sieht man die ganze Stadt. Besonders eindrücklich ist der Ausblick von den kleinen Kabinen des Riesenrads. Fernsehturm und Vergnügungspark erreicht man am besten mit der Standseilbahn.

2. Spaziere durch die Gassen der Altstadt

In der Altstadt von Tiflis gibt es viel zu entdecken. Da sind die Stadtmauer, die verschiedenen über die Stadt verteilten Skulpturen wie der Laternenanzünder, der Tamada, der Briefträger und sein Freund, das Marionettentheater mit seinem schiefen Turm, die Karwanserei, die Sioni Kathedrale oder die Synagoge. Für kleinere Einkäufe bietet sich die Khote Afkhazi Street an. Die mit Platanen gesäumte Straße mag ich besonders gern. Auch im Sololaki-Viertel unterhalb des Burgberges warten viele Überraschungen, z.B. Jugendstilvillen wie die Galerie 27.

Neben den typischen Touristenpfaden, entlang derer die Gebäude feinsäuberlich renoviert sind, lohnen sich Abstecher in die Nebengassen. Trotz der vielen verfallenen und teilweise verwahrlosten Häuser kann man erahnen, wie schön Tiflis einmal war – und eigentlich immer noch ist. Oftmals ist es unvorstellbar, dass in diesen Ruinen noch Menschen leben. Gründe für die schlechte Bausubstanz sind das schwere Erdbeben von 2002 und natürlich das fehlende Geld für schnelle flächendeckende Renovationen.

Alle, die nach einem langen Sightseeing-Tag noch nicht müde sind, können sich ins Nachtleben stürzen. Das ist in Tbilisi erstaunlich vielfältig und laut. In der Shardeni Straße und den parallel dazu verlaufenden Gassen reiht sich eine Bar an die andere und alle versuchen sich gegenseitig mit ihrer Musikbeschallung zu übertreffen.

3. Gönn dir etwas Entspannung im Bäderviertel

Das Bäderviertel Abanotubani ist ein Must-see in Tiflis. Schließlich bedeutet der georgische Name Tbilissi nichts anderes als warme Quelle. Im 13. Jahrhundert gab es hier noch mehr als 60 Schwefelbäder, heute sind es keine zehn mehr. Überall liegt der Geruch von Schwefel in der Luft. Die meisten Bäder liegen unterirdisch unter den Kuppeln, nur das Orbeliani-Bad, wie aus 1001-Nacht entsprungen, ist da die Ausnahme.

Ich entscheide mich dann auch für einen Besuch im Chreli-Abano und reserviere ein privates Bad, eine Stunde für umgerechnet 40 €. Der private Raum ist verglichen mit dem restlichen Interieur des Bades weniger luxuriös, aber sauber. Auf eine Massage verzichte ich, nachdem mich die Berichte dazu nicht überzeugt haben. Von nackten Masseuren, harten Steinbänken, kratzigen Handschuhen und unsanfter Behandlung ist da die Rede. Ansonsten ist das heiße Bad im schönen Ambiente empfehlenswert, wenn auch ermüdend.

4. Koste dich durch eine der besten Küchen der Welt

Schon auf meiner Reise durch Armenien habe ich ausgezeichnet gegessen. Die georgische Küche gilt als die beste am Kaukasus und besticht durch Frische, Intensität, Unverfälschtheit und Natürlichkeit. Hinzu kommt, dass die meisten Gerichte ausgesprochen gesund sind. Besonders angetan haben es mir dir raffinierten Vorspeisen aus Gemüse mit frischen Kräutern wie Koriander und mit Walnuss. Typisch georgisch ist Khachapuri, ein überbackenes Käsebrot oder eine Art Pizza ohne Tomaten. Das darf ebenso wenig fehlen wie die Auberginenröllchen mit Walnusspaste. Und dann sind da noch Khinkali, die gefüllten Teigtaschen, um nur ein paar Gerichte zu nennen.

Persönlich halte ich nicht so viel von Restaurant-Tipps. TripAdvisor ist durchaus eine gute Orientierungshilfe. Die Krux dabei ist, dass die Bewertungen fast ausschließlich von Touristen stammen. Die bevorzugten Restaurants der Einheimischen schaffen es selten in diese Listen. Ich habe in Tiflis überall gut gegessen, wenngleich man ein wenig suchen muss, wenn man etwas Abwechslung von den typischen Gerichten will.

Als besonderes Highlight habe ich die achtstündige Tour «Old Market & Beyond: A Walk on Tbilisi’s Culinary Wild Side» von Culinary Backstreets mitgemacht.

5. Flaniere über die Shota Rustaveli

Dieser Boulevard gilt als die Flaniermeile Tbilisis. Neben einigen Läden internationaler Modeketten findet man hier vor allem Theater und Museen, das Opernhaus oder das Parlament. Nicht entgehen lassen sollte man sich das Archäologische Museum. In den Kellerräumen gibt es eine beeindruckende Ausstellung georgischer Goldschmiedekunst mit bis zu 5000 Jahre alten Exponaten. Es ist erstaunlich zu sehen, wie wenig sich das Handwerk verändert hat und wie sorgfältig und filigran man schon zu vorchristlichen Zeiten gearbeitet hatte.

6. Erkunde Tbilisis moderne Architektur

Micheil Saakaschwili, der ehemalige Präsident, wollte das Land erneuern. So prägen heute fast futuristisch angehauchte Bauten das Stadtbild. Dazu gehören die Friedensbrücke über die Kura, das Bürgeramt, dem wohl Pilze als Vorbild dienten, oder die nie fertiggestellte Konzert- und Ausstellungshalle in den beiden Röhren im Rikepark. Abends, wenn die Brücke und der Park beleuchtet sind, ist die Atmosphäre besonders toll.

Moderne, gläserne Bauwerke gibt es übrigens im ganzen Land. Es handelt sich dabei um Polizeistationen. Im Kampf gegen die Korruption wollte Saakaschwili sicherstellen, dass man den Polizisten quasi auf den Schreibstisch schauen konnte.

7. Lass dich von Neu-Tbilisi überraschen

Bei einem Spaziergang entlang der Kura kommt man irgendwann zur sogenannten Trockenen Brücke und dem dortigen Flohmarkt. Nach Überqueren der Kura landet man in Neu-Tiflis. Das Viertel, in dem sich ursprünglich deutsche Einwanderer ansiedelten, glänzt mit frisch restaurierten Fassaden, Cafés, Restaurants und Shops und ist bei Touristen und Einheimischen gleichermaßen beliebt. Ein Teil der Agmashenebeli Avenue wurde in eine Fußgängerzone umgewandelt, sodass man hier ungestört flanieren kann.

Nicht weit von hier liegt die Fabrika, eine ehemalige sowjetische Nähfabrik. Die ist heute ein trendiges Kulturzentrum, ein alternativer Hotspot, mit Cafés, Bars, Ateliers, Co-Working-Spaces und einem Hostel: Alt trifft Neu und  Industriekultur verschmilzt mit hippen, urbanen Lifestyle. Insgesamt eine sehr gelungene Umnutzung und Renovation!

Wenn man bereits auf dieser Flussseite unterwegs ist, sollte man auch der Sameba-Kathedrale einen Besuch abstatten. Sie ist der größte Sakralbau im Kaukasus.

8. Koste traditionellen georgischen Wein und bewundere die Häuser in Sighnaghi

Georgien gilt als das älteste Weinbauland der Welt, über 500 verschiedene Rebsorten soll es hier geben. Neben der bekannten europäischen Ausbaumethode sind Amphorenweine charakteristisch für Georgien. Typisch georgischer Wein wird in riesigen Tonkrügen, den Kwewris, mit Schale und Stielen vergärt. Für unsere Gaumen ist das anfangs etwas gewöhnungsbdürftig, da der Wein mehr ­Tannin besitzt als üblich und einen ganz speziellen Geschmack entwickelt.

Östlich von Tiflis erstreckt sich das Weinbaugebiet Kachetien, wo man in diversen Kellereien Weine verkosten oder auch in Chateaux übernachten kann.

Sighnagi gilt innerhalb Georgiens als die Stadt der Liebenden und als eine der schönsten Städte in der Region. Sehenswert sind die Überreste der Festung und deren Mauern und Türme, die liebevoll restaurierte Altstadt mit den engen Gassen und Holzbalkonen und das in der Nähe liegende Kloster Bodbe.

9. Mach einen Abstecher in die alte Hauptstadt

Unweit von Tbilissi liegt die frühere Hauptstadt Mzcheta. Sie ist mit dem Dshwari-Kloster und der Swetizchoweli-Kirche das wichtigste regligiöse Zentrum des Landes. Auch die Lage am Zusammenfluss von Aragwi und Mtkwari ist etwas Besonderes. Die Stadt ist nahezu vollständig auf den Tourismus ausgerichtet, die Gebäude in der Innenstadt sind renoviert und die Straße vom Parkplatz bis zur Kirche ist links und rechts von Verkaufsständen gesäumt. Irgendwie fühle ich mich hier etwas deplatziert.

10. Wirf nach abenteuerlicher Anreise einen Blick auf den Kazbeg

Für einen Ausflug in den Norden plant man am besten zwei Tage ein. Über die georgische Heerstraße gelangt man via Gudauri nach Stepantsminda. Die Heerstraße ist eine der meist befahrenen und wichtigsten Verkehrswege im Kaukasus, schließlich ist die Verbindung über den Kreuzpass die einizige ganzjährig befahrbare Straße nach Russland. Die Kolonne der Lastkraftwagen, die sich die Serpentienen hochschlängeln und die Grenze passieren wollen, beginnt schon kurz nach Anuri. Die Fahrzeuge haben den Aufschriften zufolge ihre beste Zeit in Mitteleuropa schon hinter sich und transportieren heute geduldig Lasten aus der Türkei, Armenien, Aserbaidschan und Georgien selbst.

Das Skiresort Gudauri ist eher unspektakulär. Unterwegs kann man noch Halt machen an der Aussichtsplattform mit dem Denkmal zum Andenken an 200 Jahre russisch-georgische Freundschaft oder bei den Sintertrerrassen des Flusses Tergwi.

Eigentlich nimmt man den Weg auf sich, um in Kazbegi (so nenne es die Einheimischen, in der Karte steht Stepantsminda) den 5.047 Meter hohen Kazbeg mit seinem schneebedeckten Gipfel zu bewundern. Der verhüllt sich bei meinem Besuch leider wie so oft in Wolken. Die Wanderung zur Gergeti-Kirche lohnt sich, auch wenn sie sehr steil ist. Auf keinen Fall würde ich die Anreise mit den Geländefahrzeugen empfehlen. Die Grasnabe ist zerstört, es sieht aus wie auf einer Großbaustelle und stinkt nach Abgasen. Den Weg zur Kirche muss man zu Fuß erklimmen, so wie einst das Baumaterial an diesen Ort gebracht wurde. Eine weitere lohnende Wanderung in der Region ist der Aufstieg zum Gveleti Wasserfall.

Seit 2012 ist Kazbegi noch um eine Attraktion reicher: das Rooms-Hotel. Die originell eingerichtete Lobby und die wundervolle Terrasse mit Aussicht ins Gebirge sind ein absoulutes Highlight.

Mein Fazit zu Tiflis

Tbilissi muss für ganz viele Vergleiche herhalten. Als Paris des Ostens wird es bezeichnet, andere wollen in Tiflis das Berlin oder Prag nach der Wende sehen. Ich habe Tiflis nicht so modern und lebhaft erwartet. Die pulsierende Stadt hat mich mit ihren Gegensätzen völlig in den Bann gezogen. Tiflis liegt irgendwo zwischen Orient, Okzident und Sowjetgeschichte, zwischen Verfall und Schönheit sowie Tradition und Coolness. Wer solche Widersprüche liebt, wird sich hier wohlfühlen. Und am Schluss sei noch erwähnt, dass Tiflis sehr einfach zu bereisen ist.

City, that loves you

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