Taste of Prague: von traditionell bis modern, aber sicher kein Trdlnik

Kulinarisches

Ich kann von mir behaupten, dass ich eine Spezialistin für Foodtouren geworden bin. Die Tour mit Taste of Prague ist nach Porto, Madrid, Lissabon, Delhi, Krakau und Neapel meine siebte. Mittlerweile recherchiere ich sehr genau und gründlich, bevor ich eine Foodtour buche. Denn nicht immer halten alle Touren das, was sie versprechen.

Wenn es um Essen geht, verbinden die meisten mit Prag Gulasch, böhmische Knödel und Mehlspeisen. Für mich als Österreicherin ist dieses Essen sehr vertraut. In letzter Zeit hat sich in der böhmischen Küche einiges getan und moderne Elemente sowie vegetarische Gerichte halten Einzug.

Und noch etwas hat sich in den letzten Jahren in der Stadt breit gemacht wie ein Geschwür: Trdlnik. Als ich vor mehr als zehn Jahren das letzte Mal in Prag war, gab es noch nirgends dieses (viel zu) süße Gebäck aus Skalica in der Slowakei. Wie man mir erzählt, wurde es anfangs nur an einem Stand am Weihnachtsmarkt verkauft. Keine fünf Jahre später findet man es an jeder (wirklich jeder) Straßenecke in der Prager Innenstadt und man könnte den Eindruck gewinnen, dass ein Trdlo tschechisch oder typisch für Prag ist. Aber das ist er genauso wenig wie die Oldtimerfahrten, die überall angeboten werden. Und so heißt es in den Unterlagen, die man von Taste of Prague erhält, unter den vier großen «No-No’s»: Iss einen Trdlnik mit Eis und teile dein Bild auf Socialmedia #trdlnikisnotczech.

In einer Stadt, in der Bier oftmals billiger ist als Wasser, muss man sich auch nicht wundern, dass die entsprechende Klientel angezogen wird. Überall dort, wo Bierbikes ihre Runden drehen, ist das Niveau ziemlich tief gesunken. Ich mag es jeder und jedem gönnen, dass durch die Billigairlines Reisen für jederfrau und jedermann erschwinglich geworden ist. Aber wenn Horden von halbwüchsigen Italienern, Spaniern und Engländern für ein Wochenende in Prag einfallen, um dort literweise Bier in sich hineinzukübeln, dann läuft grundsätzlich etwas falsch. Von den Schönheiten und Köstlichkeiten der Stadt bekommen die meisten nämlich gar nichts mit – aber Hauptsache für 19 Euro quer durch Europa fliegen.

Taste of Prague Food Tour

Unter den vielen Anbietern von Food Touren in Prag fiel meine Wahl auf Taste of Prague. Der Internetauftritt hat mich überzeugt. Zuzi und Jan begannen 2011 mit ihren Foodtouren. Heute gehören noch Karolina, Anna und Martin, allesamt Einheimische mit einer Leidenschaft für gutes Essen, zum Team. Sie haben es sich zum Ziel gesetzt, dass Besucher die Stadt lieben und mindestens ein Kilo mehr auf den Rippen haben, wenn sie Prag wieder verlassen.

Auf meinem Flug nach Prag entdecke ich dann im aktuellen SWISS Magazine Februar 2018 zufällig Tipps zu «Rainy-day Prague». Und siehe da, Taste of Prague ist darin ebenfalls erwähnt.

Ich entscheide mich für die Prague Foodie Tour, einen rund vierstündigen Rundgang durch Alt- und Neustadt. Zur Tour gehören neben verschiedenen Kostproben der traditionellen und modernen tschechischen Küche personalisierte Informationen per Mail vor und nach der Tour sowie die Prague Foodie Map mit vielen wertvollen Tipps. Wer einmal an der Tour teilgenommen hat, erhält außerdem ein lebenslanges Update dazu.

Die Foodie Map beinhaltet eine Auswahl der besten Restaurants, Cafés, Bars, Pubs, Bistros und Geschäfte. Dazu gibt es nützliche Informationen zu Trinkgeld, öffentlichen Verkehr, ein Glossar, Checklisten, Tipps für ein Wochenende in Prag (auch abseits der üblichen touristischen Pfade) und vieles mehr. Das alleine zeigt schon, dass Taste of Prague mehr ist als eine beliebige Sightseeing Tour mit ein bisschen Essen. Die Foodie Map kann man übrigens auch für 5 Euro als PDF oder Printversion kaufen, selbst wenn man nicht an einer Foodtour teilnimmt.

Ablauf, Essen und Getränke

Die Tour startet in der Nähe des Wenzels Platzes. Bevor es losgeht, gibt es erst einmal eine kurze Einführung in die Geschichte Tschechiens und die Zusammenhänge mit der Esskultur. Nachdem Geschichte nicht unbedingt bei allen Begeisterungsstürme auslöst, wird davor vorsorglich ein Shot Slivovitz von Zuzis Vater ausgeteilt.

Station 1: Café Mysak

Danach geht es auf die gegenüberliegende Straßenseite ins Café Mysak (Vodickova 31) auf ein Shrimp-Sandwich und Venecek, ein Gebäck mit Vanillecreme und Zuckerguss. Das Sandwich schmeckt ausgezeichnet, auf das Süßgebäck könnte ich zu dem Zeitpunkt eher verzichten. Im Anschluss spazieren wir durch die Lucerna Passage, wo die Skulptur «Horse», eine Parodie auf das Original-Monument des heiligen Wenzels, des Prager Bildhauers David Cerny zu sehen ist. Von Cerny kann man in Prag noch eine ganze Reihe anderer Skulpturen bewundern: die Miminka (Babys) am Prager Fernsehturm, Metalmorphosis von Kafka bei der Metrostation Národní oder die urinierenden Männder im Hof des Kafka-Museums.

Station 2: Kantya

Weiter geht es in die Politickych veznu 5 ins Restaurant Kantyna. Eigentlich handelt es sich dabei um eine Metzgerei mit angeschlossenem Lokal, das ein Selbstbedienungskonzept verfolgt. Es erinnert ein bisschen an die typischen Brauhäuser. Im Kantyna bekommen wir Beef Tartare, Kartoffelpuffer, gegrillte Wurst, pulled Pork, eingelegtes Gemüse und Kozel, ein dunkles Pilsner Urquell. Insbesondere das Tartar ist ganz hervorragend. Die Atmosphäre im Lokal ist sehr gemütlich.

Station 3: Lokal Dlouhááá

Unweit vom Kantyna liegt in der Dlouha 33 das Lokal, ein Restaurant, das es auch zu Zeiten des Sozialismus bereits gab. Die Einrichtung ist spartanisch, die Küche traditionell und das Bier perfekt gezapft. Die Kostproben, Gulasch, Schnitzel vom Huhn mit Kartoffelsalat und gebackener Käse mit Tartarsoße überzeugen mich nicht ganz so, aber dennoch sollte man das «Lokal» einmal erlebt haben. Danach nehmen wir die Straßenbahn ins angesagte Viertel Karlin.

Station 4: Eska

Das nächste Ziel ist die Pernerova 49 und das dortige Restaurant mit Bäckerei und Café, das mit dem Bib Gourmand des Michelin ausgezeichnet wurde. Das stylisch eingerichtete Eska setzt voll und ganz auf vegetarische Kost und fermentiertes Gemüse. Eines meiner absoluten Highlights ist das frische, knusprige Brot mit Butter. Eigentlich bräuchte ich gar nicht mehr. Als Aperitif gibt es Gin-Tonic. Danach folgt für mich das beste Essen der gesamten Tast of Prague Food Tour, die «Burnt Potatoes in Ash» mit Kartoffelschaum. Anschließend werden noch fermentierter roter Weizen mit Pilzen und Schaumrollen serviert. Begleitet wird das Ganze von einem biologisch angebauten Blauen Portugieser.

Station 5: Krystal

Obwohl wir jetzt bereits pappesatt sind, kommt noch der krönende Abschluss in Form des Desserts im Krystal in der Sokolovska 99. Dabei handelt es sich um einen «Germknödel» mit Pflaumenfüllung, Créme Fraiche, Zwetschgenmarmelade, geschmolzener Butter und ganz viel Mohn. Dazu wird ein Walnusslikör empfohlen. Nach dieser süßen Köstlichkeit endet die Tour und Anna, unser Guide, ist allen behilflich, den Heimweg zu organiseren.

Fazit

Die Taste of Prage Foodtour ist meiner Meinung nach uneingeschränkt zu empfehlen. Anna ist eine liebenswerte und aufgeschlossene Person mit viel Wissen über Stadt und Essen und versteht es hervorragend, alle in die Kommunikation miteinzubeziehen. Die Auswahl der besuchten Restaurants ist gut durchdacht und stimmig. Ich wäre ohne die Tour und ohne die Foodie Map sicherlich nicht im Stadtteil Karlin gelandet. Das Team von Taste of Prague hat sich tatsächlich durch ganz viele Restaurants gekostet und die für sie besten Gerichte gesucht.

Besonders toll war der Mailverkehr im Vorfeld und nach der Tour. Man hat wirklich den Eindruck, dass man ganz individuell auf Wünsche und Bedürfnisse der Kunden eingeht. Insofern landet die Taste of Prague Foodtour auf meinem persönlichen Platz zwei.

Wart ihr schon einmal auf Foodtour? In welchen Städten könnt ihr Anbieter empfehlen?

Taste of Prague Foodtour von traditionell bis modern

 

 

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