Best of Naples Foodtour: Essen, Trinken und Sightseeing

Kulinarisches

Langsam aber sicher werde ich zur Spezialistin für Food-Touren. Nach Porto, Madrid, Lissabon, Delhi und Krakau ist die Best of Naples Foodtour bereits mein sechster kulinarischer Rundgang dieser Art. Meine Erwartungen sind hoch. Immerhin wurde der Pizza Margherita, der Pizza-Klassiker schlechthin, belegt in den Nationalfarben Italiens, hier erfunden. Und dass man in Italien, insbesondere in Neapel gut essen kann, ist allseits bekannt. In der ganzen Stadt duftet es nach Pizza, Pasta, frittierte Meeresfrüchten, Fisch, Dolci Neapolitane wie Sfogliatella oder Baba, Caffè und Limoncello. Essen ist allgegenwärtig und hat einen hohen Stellenwert bei den Neapolitanern. Gleich zu Beginn ist mir klar, dass ich Neapel mit ein paar Kilo mehr verlassen werde.

Meine Best of Naples Foodtour buche ich direkt beim Veranstalter Food Tours of Naples. Im Angebot sind vier verschiedene Touren in Neapel selbst, aber auch welche an der Amalfiküste, in Venedig oder Rom. Mit € 85,- ist die vierstündige Tour vergleichsweise teuer. Leider gibt es keine Buchungsmaske auf der Website, sodass man erst einmal per Mail anfragen und dann seine Angaben so übermitteln muss. Anstelle meines eigentlichen Wunschtermins am Samstagabend werde ich für Sonntagmittag gebucht. Sehr kurzfristig werde ich dann am Samstagmorgen per Mail angefragt, ob ich nicht doch die Tour am gleichen Abend mitmachen könnte. Ich wäre am Sonntag die einzige Teilnehmerin gewesen. Nun ja, etwas umständlich, aber ich kann es einrichten und meinen geplanten Ausflug nach Capri verschieben.

Best of Naples Foodtour

Treffpunkt ist um 17:00 Uhr vor dem Gran Caffè Gambrinus an der Piazza Trieste e Trento. Das ist eine Zeit, zu der kein Italiener an Essen denkt und auch Gruppen Platz in Restaurants, Trattorien und Pizzerien finden. Wir sind allerdings nur zu viert und unser Guide Federica kommt etwas zu spät.

Es geht ohne Umschweife los und wir bahnen uns den etwa 1,7 Kilometer langen Weg über die Via Toledo, ehemals Via Roma, bis zur Piazza Vincenzo Bellini. Schade, gibt es zu Beginn keine Einführung oder Übersicht über die bevorstehende Tour. Auf dem Weg erfolgt eine kurze Erläuterung zum Gebäude der Banco di Napoli, mehr ist im Gedränge kaum möglich. Ich selbst bin gut zu Fuß und lege an einem Tag in der Stadt gut und gerne 20 Kilometer zurück. Bei den zu erwartenden Kalorien kann etwas Bewegung auch nicht schaden. Dennoch frage ich mich, warum man nicht einen anderen, näheren Treffpunkt für die Tour wählt.

Auf der Piazza Vincenzo Bellini gibt es neben der Statue von Bellini noch Überreste der antiken Stadtmauer zu sehen. Vor allem aber ist der Platz Zentrum des Nachtlebens. Von dort aus ist es nicht weit zu einem der ältesten Restaurants in der Stadt.

Antica Pizzeria Port’Alba

Nach gut einer Stunde gibt es erstmals etwas zu essen. Im Port’Alba bekommen wir eine Kostprobe Aubergine Parmigiana, eine Art Lasagne mit Mozzarella, bei der anstelle von Teigblättern dünne Auberginenscheiben verwendet werden. Dazu gibt es Friarielli. Friarielli oder Cima di Rapa sind  Brokkoliblüten, die am Teller aussehen wie eine Kreuzung aus Wasserspinat und Brokkoli. Tatsächlich habe ich das Gemüse (auf Deutsch Stängelmus oder Rübstielchen) bisher noch nicht gekannt. Beides schmeckt aber ausgezeichnet und gehört mit zu meinen Favoriten des Abends. Danach werden perfekte Linguine Puttanesca serviert. Dazu genießen wir ein Glas Rotwein.

Antica Pizza Fritta da Esterina Sorbillo dal 1935

In der Via dei Tribunali reihen sich die Pizzerien aneinander, unter anderem gleich drei der Pizza-Dynastie Sorbillo. Insbesondere vor der Pizzeria von Gino Sorbillo bilden sich jeden Abend und auch bereits tagsüber lange Schlangen. Man muss schon etwas Geduld mitbringen, wenn man einen Platz ergattern will.  Wir machen Halt bei der Antica Pizza Fritta da Esterina Sorbillo, wo es die berühmte Pizza Frutta gibt.

Frittierte Pizza ist eine Spezialität aus Neapel, die es nie so recht über die Stadtgrenzen hinaus geschafft hat. Als Ende des Zweiten Weltkriegs das Holz für die Pizzaöfen knapp wurde, begann man Pizza zu frittieren. So musste man nicht auf die geliebte Spezialität verzichten und hatte ein äußerst nahrhaftes Essen. Die Pizza Frutta ist riesig und eine richtige Kalorienbombe. Ich kann nur jedem empfehlen, sie einmal zu probieren. Mir persönlich ist aber die klassische Holzofenpizza um einiges lieber.

Salumeria Rafele o’ Lattaro

Nur ein paar Schritte weiter ist der nächste Stopp der Best of Naples Food Tour. Es gibt ganz frischen Mozzarella zu probieren und dazu ein Glas Gragnano, einen roten Frizzante. Die Salumeria Rafele o’Lattaro ist eigentlich ein kleiner Lebensmittelladen, der Pasta aus Gragnano, frischen Käse, Schinken und Wein verkauft. Man kann aber auch an ein paar kleinen Tischen Platz nehmen und eine Kleinigkeit verkosten.

Likörfabrik Limoné

Limoncello ist typisch für den Golf von Neapel und die Amalfiküste. Im Limoné kann man einen kleinen Einblick in die Produktion bekommen. Hinter dem Verkaufsraum, befinden sich die Tanks, in denen die Aromen beziehungsweise die ätherischen Öle aus den Zitronenschalen extrahiert werden. Wichtig ist, dass dafür nur den äußeren gelben Teil der Schale zu verwenden, sonst wird es bitter. Im Laden selbst verkosten wir dann den originalen Limoncello, Crema di Limoncello und einen Crema di Melone. Ich bin nicht unbedingt Fan dieses Likörs, aber die Variante mit Melone schmeckt mir. Außerdem dürfen wir noch von den verschiedenen Schokoladesorten mit Limoncello probieren.

Trattoria La Campagnola

Nach diesem Zwischengang geht es zurück um die Ecke zur Trattoria La Campagnola in die Via dei Tribunali. Dort gibt es Vongole, kleine frittierte Sardinen, Oktopussalat und gemischten frittierten Fisch, dazu irgendeinen Weißwein. Vongole und Sardinen schmecken gut, der Rest überzeugt nicht so ganz.

Scimmia Factory

Jeztzt fehlt nur noch das Dessert. Über die Via S. Gregorio Armeno, die Straße der Krippenbauer, geht es weiter zur Gelateria Scimmia Factory. Dort kann jeder noch ein Gelati nach Belieben auswählen.

Mein Fazit

Meine hohen Erwartungen wurden leider nicht erfüllt. Wir hatten einen schönen Abend und Federica war ein guter Guide mit hervorragenden Englischkenntnissen und viel Hintergrundwissen über die Stadt, ihre Geschichte und das Essen. Mit dem Hinweis, dass sie diese Tour sehr häufig macht und Italiener normalerweise viel später essen, teilt sie uns gleich beim ersten Restaurant mit, dass sie nicht mit uns essen wird. Die Begründung ist zwar verständlich, aber bei einer Foodtour ist das unangebracht.

Hier schwingt auch ein bisschen mit, was mein Eindruck der Naples Foodtour ist: Die Auswahl der Restaurants ist nichts Besonderes, es sind mehr oder weniger Lokale, die man auch als normaler Tourist finden würde, die Bewertungen nicht besonders hoch und die ausgewählten Gerichte nichts Außergewöhnliches. Es bleibt auch der etwas fahle Nachgeschmack, dass wir zwar satt sind, die Tour in Anbetracht der Kosten für Essen und Wein jedoch völlig überteuert ist. Hätte ich nicht wie üblich meine Wasserflasche mit dabei, hätte ich auch viel zu wenig zu trinken gehabt oder selbst kaufen müssen.

Der Naples Foodtour fehlt ein Gesamtkonzept. Touristen durch die Stadt zu lotsen und ihnen ein paar traditionelle Speisen vorzusetzen ist meines Erachtens zu wenig. Wie schon in anderen Beiträgen beschrieben, will ich dabei die Liebe zur Stadt und zum Essen spüren. Ich will etwas über Essensgewohnheiten erfahren und Lokale entdecken, die bei Einheimischen beliebt sind. Dazu gehört auch, dass die Auswahl der Restaurants und Kostproben begründet wird. Etwas, das bei der Naples Foodtour fehlt. Einen Plan oder Tipps für weitere Restaurants in Neapel gibt es so wie bei anderen Food-Touren nicht.

Die gute Nachricht ist, dass die Tour für Vegetarier geeignet ist. Das Essen im Port’Alba ist vegetarisch, die Pizza Frutta kann man nach Wunsch belegen (oder besser füllen) lassen und in der Trattoria erhält man sicher auch fischlose Speisen.

Aufgrund all dieser Vorbehalte würde ich die Naples Foodtour auf meinen persönlichen Platz vier setzen. An erster Stelle ist nach wie vor die Taste Porto Food Tour, gefolgt von Taste of Prague und Eat Polska in Krakau.

Habt ihr auch schon an einer solchen Tour teilgenommen oder kennt ihr Food-Touren, die ihr empfehlen könnt?

Best of Naples Foodtour

 

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