Pintxos de Donostia in San Sebastián – ein kleines Einmaleins

Kulinarisches

Sag niemals Tapas zu ihnen. Einfach ausgedrückt, sind Pintxos so etwas wie das baskische Pendant zu den spanischen Tapas. Nur so einfach ist es dann doch nicht. Erfahre hier was du über und rund um die nordspanischen Spezialitäten wissen musst.

Kleines Pintxos 1 x 1
1. Woher kommt der Name?

Übersetzt aus dem Baskischen heißt Pintxo eigentlich Spieß. Vom Holzspießchen, das die Scheibe Weißbrot und die übrigen Zutaten wie Jambon, Anchovis, Ziegenkäse, Paprika usw. zusammenhält, haben sie einst ihren Namen bekommen.

2. Was sind Pintxos überhaupt?

Das sind kleine Häppchen, die zu einem Glas Wein gegessen werden. Im Vergleich zu Tapas sind Pintxos aufwändiger zubereitet. Sie bestehen aus mehreren ausgewählten Komponenten, die kunstvoll und raffiniert miteinander kombiniert werden.

Nicht immer gehört Baguette zu den Zutaten eines Pintxos. Auch Pimentos, Risotto, geschmorte Schweinebäckchen, Gänseleber oder Seeigel gelten als Pintxos. Eine der berühmtesten Kreationen ist das Pintxo Gilda aus Oliven, Peperoni und Anchovis.

3. Sind Pintxos für Vegetarier geeignet?

Die obige Aufzählung weist schon darauf hin, dass Vegetarier es in San Sebastián nicht ganz einfach haben. Die Auswahl an fleisch- oder fischlosen Snacks ist eher überschaubar. Immer und überall kann man Tortilla essen. Teilweise findet man neben den bekannten Pimentos noch Champignons, Artischocken und je nach Saison auch Spargel. Außerdem kann man bei den Gilda-Spießchen oder anderen Kreationen teilweise Fisch und Fleisch weglassen.

4. Wo gibt es die besten Pintxos?

San Sebastián gilt als Feinschmecker-Hochburg. Die Stadt an der Atlantikküste hat die höchste Dichte an Sterne-Restaurants und Köchen. Die Pintxos de Donostia gelten als kulinarische Besonderheit. Spitzenköche entwickeln den ehemals schlichten Imbiss weiter zu erlesenen Gourmetmahlzeiten, gehobene Küche im Mini-Format sozusagen.

5. Welches sind die besten  Pintxos-Bars?

Insbesondere im Centro von San Sebastián reiht sich Pintxos-Bar an Pintxos-Bar. Ich habe keine Ahnung, wie viele es in der Stadt insgesamt sind, aber es müssen mehrere hundert sein. Kulinarische Führer und Webseiten geben Auskunft über die angeblich besten Bars, während die Einheimischen wiederum ganz andere empfehlen. Da Geschmäcker sowieso immer verschieden sind, nenne ich hier keine Namen. Am besten kostet man sich bei einem Txikiteo durch das Angebot.

Im Allgemeinen erkennt man gute Bars an den Servietten am Boden. Je mehr es sind, desto besser und beliebter ist die Bar. Im traditionellen La Mejillonera liegen neben den Servietten noch die Schalen von Miesmuscheln, die Spezialität des Hauses sind, am Boden. In modernen Bars gibt es selbstverständlich auch Abfalleimer.

6. Bekommt man Pintxos gratis zum Getränk?

Tapas in ihrem ursprünglichen Sinn waren einmal kostenlose Beigaben zu einem Getränk. In manchen Regionen oder Städten Spaniens ist das auch heute noch üblich. Viele Bars oder Bodegas, wo Tapas gratis gereicht werden, gibt es allerdings nicht mehr. Für die baskische Spezialität gilt das sowieso nicht, die bezahlt man immer.

7. Wie bestellt und bezahlt man Pintxos?

In den Pintxos-Bars in San Sebastián und im restlichen Baskenland werden die kleinen Häppchen am Tresen präsentiert. Als Gast verlangt man entweder einen Teller und stellt sich eine Auswahl zusammen oder bestellt von der Karte. Manche Gerichte werden auf Wunsch auch noch schnell erwärmt.

Vielfach wird vor Verlassen der Bar anhand der übrig gebliebenen Holzspießchen abgerechnet und bezahlt. Die  Preise beginnen bei etwa 2 €, elaboriertere Häppchen können schon mal das Doppelte bis Dreifache kosten.

8. Was trinkt man zu Pintxos?

Der typische Wein zu Pintxos ist der Txakoli, ein weißer, trockener und leicht moussierender Wein mit viel Säure. Wer lieber Rotwein trinkt, bekommt im Baskenland vor allem Rioja. Aber auch Bier oder Cidre passen hervorragend dazu.

9. Was ist Txikiteo?

Üblicherweise genießt man ein bis zwei Pintxos zu einem Getränk und zieht dann weiter in die nächste Bar. Dafür gibt es einen eigenen Begriff, nämlich Txikiteo. Wenn man so von Bar zu Bar geht, konsumiert man Häppchen und Getränke normalerweise im Stehen. Viele der Bars sind auch so gut besucht, dass man gar keinen Platz zum Sitzen hat und sich den Weg zu den Köstlichkeiten am Tresen erst einmal erkämpfen muss.

Dennoch kommt keine Fast-Food-Mentalität auf. Es geht in der Regel auch nicht darum, sich zu betrinken, sondern ganz einfach Wein und Essen gemeinsam zu genießen. Eigentlich jeden Tag, aber insbesondere am Wochenende, ziehen Massen von Leute von Bar zu Bar.

10. Und was Pintxo-Pote?

Dank einer Initiative verschiedener Bars und Restaurants findet jeweils am Donnerstagabend im Stadtteil Gros die sogenannte Pintxo Pote statt. Ein Glas Wein oder Bier (pote) plus einem einfachen Pintxo kostet dann bis 22:00 Uhr nur 2 €.

Meine Erfahrungen

Für mich war es nach August 2016 bereits der zweite Besuch in San Sebastian und Bilbao. Wie schon letzten Sommer zeigte sich das atlantische Klima einen Tag lang von seiner unangenehmen Seite. Ende März war stürmisch und winterlich kalt. Zum Glück konnten wir aber auch Sonnenschein und warme Temperaturen genießen. Richtig angekommen in der Stadt bin ich aber nach wie vor nicht.

Vielleicht waren meine Erwartungen in Sachen Pintxos und Essen nach dem tollen Degustations-Menü im Bodegon Alejandro etwas zu hoch gegriffen. Das Angebot im Casa Urola konnte mich diesmal nicht so ganz überzeugen. Auch die ersten Pintxos lagen mir ziemlich schwer im Magen, ein großer Teil ist nämlich mit (zu) viel Fett oder Öl zubereitet. Das Fehlen innovativer vegetarischer oder veganer Varianten hat mich ein wenig eingeschränkt. Die Tatsache, dass viele Pintxos stundenlang (selbst in gut besuchten Bars) ungekühlt auf dem Tresen liegen, ließ mich nicht gerade in Begeisterung verfallen.

Mal abwarten, wann es mich das nächste Mal in die baskische Stadt verschlägt und welch kulinarische Erlebnisse ich dann haben werde. Gerne möchte ich noch einmal in eines der Sterne-Restaurants, wo man aber rechtzeitig reservieren muss. Etwas schade ist, dass dort in Spanien zu wenig Wert auf guten Service gelegt wird. Aber das hat vielleicht auch etwas mit Pintxos und Txikiteo zu tun.

Pintxos de Donostia in San Sebastian

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