In Köln mit dem Fahrrad auf Entdeckungstour durch die Veedel

Städtereisen

Mit Köln verbindet man zuerst einmal Kölsch, Karneval und Dom. Optisch ist Köln vielleicht (oder mit Sicherheit) nicht die schönste Stadt der Welt, aber die Rheinmetropole punktet mit anderen Dingen. Der Songtext der Höhner trifft es mit «Do bes en Stadt met Hätz un Siel. Hey Kölle, do bes e Jeföhl» ziemlich gut. Köln muss man erleben.

Dass ich das intensiv konnte, verdanke ich einer schönen Begleiterscheinung des Reisens, nämlich liebenswerten Menschen, die man unterwegs kennenlernt. Nachdem wir letzten August in Kirgisistan den einen oder anderen Vodka zusammen getrunken hatten und all die Zeit über immer irgendwie in Kontakt waren, stand nun Anfang Juli ein erstes Wiedersehen mit meiner Reisebekanntschaft auf dem Programm. Und so durfte ich gleich zu Beginn einen perfekten Sommerabend (mit katalanischem Essen) auf der schönsten Dachterrasse in Köln Nippes verbringen.

Am Samstag machten wir dann eine ausgiebige Rad- und Entdeckungstour durch Kölns Innenstadt und Veedel. Davon berichte ich in diesem Beitrag.

Wie üblich muss ich dank der DSGVO darauf hinweisen, dass der obige Link nicht beauftragt oder bezahlt wurde. Es handelt sich um einen redaktionellen Beitrag, eine werbende Wirkung ist unbeabsichtigt.

Köln Nippes

Was liegt näher als die Entdeckungstour durch Köln im Wohnquartier zu beginnen? Nippes ist ziemlich multikulturell. Den besten Eindruck davon bekommt man am Nippeser Marktplatz mit seinem Wochenmarkt, der teilweise fast an einen Basar erinnert. Insgesamt ist Nippes kein absolutes Sightseeing-Highlight, aber sehr liebenswert. Richtig toll finde ich die vielen kleinen Läden mit ihren originellen Geschäftsideen, ob das nun die Kaffeerösterei ist oder Törtchen, Törtchen. Und selbstverständlich hat Nippes auch sein eigenes Brauhaus, «Em Golde Kappes».

ToDo-Liste für den nächsten Köln-Besuch: Besuch im Botanischen Garten

Altstadt-Nord
Kölner Dom

Hier befinden sich, wie man vermuten kann, viele der Kölner Sehenswürdigkeiten. Den Dom darf man sich dabei natürlich nicht entgehen lassen. Mit 157 m handelt es sich um den drittgrößten Kirchturm der Welt. Und so ist seine Spitze von fast überall in Köln aus zu sehen – auch von der eingangs erwähnten Dachterrasse in Nippes.

«Du musst auch nicht überall raufklettern.», hatte meine Mutter einmal gemeint, als ich traurig war, dass die Seilbahn auf den Tafelberg wegen Revision geschlossen war. In diesem Fall muss ich aber. Für 4 Euro kann man die enge Treppe bis zur Aussichtsplattform des Turms hochklettern. Für den Weg nach oben und zurück sollte man etwa eine halbe Stunde einkalkulieren. Ansonsten ist nur schon der Besuch im Dom selbst ein Erlebnis. Obwohl ich keine Freundin von Kirchen bin, ist hier ein eindrückliches Bauwerk entstanden.

Wenn man vom Dom aus die Hohenzollernbrücke ansteuert, kommt man unweigerlich an der Philharmonie vorbei. Dabei darf man sich nicht wundern, wenn man den Heinrich-Böll-Platz nicht betreten darf und Wachleute einen darauf hinweisen, dass gerade Proben oder Konzerte stattfinden. Die Schrittgeräusche der Fußgänger übertragen sich nämlich ins Innere des Konzertsaals und stören die Musiker.

Hohenzollernbrücke

Über die berühmte Hohenzollernbrücke muss jede/r, die oder der mit dem Zug nach Köln kommt. Immerhin ist der Hauptbahnhof einer der am schönsten gelegenen Bahnhöfe überhaupt. Die Brücke über den Rhein ist vor allem bekannt wegen der vielen Liebesschlösser. Mittlerweile ist die Brücke mit geschätzten 40.000 größeren und kleineren Schlössern behängt, die an die 40 Tonnen wiegen. Angesichts der Tatsache, dass es sich um eine Eisenbahnbrücke handelt und zeitgleich mehrere Züge die Brücke queren, ist das für die Statik kein großes Problem. Es besteht also nicht wie andernorts die Gefahr, dass die Schlösser entfernt werden müssen.

Nun bin ich wahrscheinlich nicht besonders romantisch veranlagt, zumindest nicht, was die übliche Romantik mit Rosen, Sonnenuntergängen und dem sich Verewigen in Form eines Schlosses mit Namen anbelangt. Zum einen empfinde ich es als störend, wenn rund um die Welt Bauwerke und Sehenswürdigkeiten mit Schlössern verunstaltet werden und zum anderen frage ich mich immer, wie viele der Liebenden denn heute noch zusammen sind. Als Gesamtkunstwerk ist die Hohenzollernbrücke aber schon eine imposante Erscheinung.

Plätze in der Altstadt

In der historischen Altstadt gibt es noch jede Menge zu entdecken: quirlige Plätze (Alter Markt und Heumarkt) Brauhäuser mit Außengastronomie (eines der geflügelten Worte während meines Aufenthalts), Brunnen wie den Heinzelmännchenbrunnen, alte, teils bunte, Häuser mit Giebeldächern und versteckten Schandmasken.

Umso besser, wenn man das alles bequem radelnd erkunden kann.

Auf die ToDo-Liste für das nächste Mal: Die Aussicht vom LVR-Turm auf der «Schäl Sick», der falschen Seite, bewundern und eine Tour durch die zwölf romanischen Kirchen innerhalb der Stadtmauer unternehmen, insbesondere das Beinhaus in der St. Ursula Kirche besuchen.

Rheinauhafen

Unsere Fahrt führt uns weiter Richtung Rheinauhafen. Dabei kommen wir zufällig an einem Foodfestival vorbei und müssen uns erst einmal bei einer Weinprobe und frischen Austern stärken. Unter den Kranhäusern hindurch geht es dann weiter bis zum nächsten Halt in der Südstadt. Hier ist mit den drei markanten Häusern ein neues Wahrzeichen entstanden. Teile der alten Bausubstanz blieben erhalten. Ganz geht das Konzept aus Wohnen, Arbeiten, Sport und Freizeit mit kulinarischen und geistigen Genüssen wohl noch nicht auf. Das Viertel wirkt zwar hipp und mondän, gleichzeitg aber etwas verlassen.

Todo für künftige Köln-Aufenthalte im Sommer: baden an einem der Sandstrände an der kölschen Riviera.

Südstadt

Für uns gibt es zunächst einmal ein erstes (zweites u d drittes) Kölsch und einen Halven Hahn in der Außengastronomie des Brauhauses «Früh Em Veedel». Hier am Chlodwigplatz kann man auch gleich die  Severinstorburg bestaunen. Dabei handelt es sich um eine von vier erhaltenen Stadttorburgen (Eigelsteintor, Hahnentor und Ulrepforte) der mittelalterlichen Stadtmauer von Köln. Die Severinstorburg ist heute Eventlocation für Hochzeiten und Feiern.

An diesem heißen Tag kommt für uns die Abkühlung im Volksgarten mit seinem Kahnweiher, den ausgedehnten Grünflächen und dem Biergarten gerade recht. Neben Früh und Gaffel sollte ich an diesem Tag auch noch andere Kölsch-Sorten probieren.

Das Belgische Viertel

Eines der beliebtesten und architektonisch schönsten Veedel ist das Belgische Viertel. Mit Gebäuden aus der Gründerzeit zeigt sich Köln von seiner eleganten Seite. Neben anderen originellen Geschäften gibt es hier seit geraumer Zeit eine Markthalle mit mediterranem Flair. Leider ist das Belgische Viertel bereits sehr stark gentrifiziert. Rund um den Brüsseler Platz pulsiert das Leben, hier reihen sich Restaurants, Bars, Cafés und Kneipen andeinander. Weil die Gegend so beliebt ist, bekommen wir auch nirgends einen Platz in der Außengastronomie und schwingen uns deshalb wieder auf unsere Räder.

Der Kreis schließt sich. Vorbei am Mediapark radeln wir langsam wieder Richtung Nippes, nicht ohne in einem italienischen Lokal mit Pasta die Kohlehydratspeicher wieder aufzufüllen.

Es war ein Tag zum R(h)einschnuppern, der Lust auf mehr gemacht hat. Nicht nur für mich, auch meine Kölner Fremdenführer kamen so wieder einmal an Orte und Plätze, wo sie zuletzt «an Karneval waren». Das war nämlich der zweite geflügelte Satz des Tages. Auf alle Fälle werde ich wieder einmal nach Köln kommen und einige Punkte von meiner ToDo-Liste in Angriff nehmen. Immerhin schaffe ich es sonst fast nur anlässlich von Tagungen und Konferenzen deutsche Städte wie Chemnitz oder Freiburg zu entdecken.

Fahrradtour durch die Veedel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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6 Kommentare
  1. Antworten

    Hendrik Born

    10. Juli 2018

    Hallo Carola, ich mag deinen Artikel sehr. Ich liebe es allerdings auch sehr, wenn über meine Stadt berichtet wird 😀

    Aber nächstes Mal musst du dir auch die wirklichen Veedel anschauen. Bis auf Nippes warst du ja nur in der Innenstadt 😀

    Schau dir mal das Hipsterviertel Ehrenfeld an. Auch Sülz, Lindenthal oder Zollstock sind einfach mit dem Rad zu erkunden und sehr schön 🙂

    • Antworten

      travellingcarola

      10. Juli 2018

      Ich wusste, ich mache einen Fehler! Ein bisschen mehr habe ich ja schon noch gesehen beim Radfahren. Aber insgesamt waren es wohl ein bisschen zu viel Außengastronomie- und Kölschpausen ;-). Beim nächsten Mal nehme ich mir deine Vorschläge zu Herzen. Liebe Grüße Carola

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