Elefantencamp in Chiang Mai – das Lanna Kingdom Elephant Sanctuary

Aktivreisen

Elefanten sind in Nordthailand eine Touristenattraktion und der Ausflug in ein Elefantencamp ist bei vielen Reisen ein fixer Programmpunkt. Und so gibt es in und um Chiang Mai Elefantencamps wie Sand am Meer. Vor dem Besuch in einem Camp sollte man gut recherchieren. Die Webseiten versprechen fast allesamt, dass die Elefanten gut behandelt werden und zeigen «glückliche Tiere». Liest man dann die Bewertungen auf Tripadvisor oder ähnlichen Portalen, relativiert sich dieses Bild meistens schnell und Urlauber berichten von gequälten Tieren.

Soll man ein Elefantencamp besuchen?

Gemäss der im Juli 2017 veröffentlichten Studie «Taken for a Ride» von Jan Schmidt-Burbach für die Organisation World Animal Protection leben mehr als drei Viertel der Tiere unter Bedingungen, die von artgerechten Verhältnissen weit entfernt sind. Insbesondere in Thailand ist der Handel mit Wildtieren ein immer noch sehr lukratives Geschäft. Über mehrere Jahrtausende hinweg lebten die Thailänder Seite an Seite mit den Dickhäutern und nutzten sie als Kriegs- oder Arbeitstiere in der Holzwirtschaft. Abholzung und das Verschwinden des natürlichen Lebensraumes haben dazu beigetragen, dass der Bestand in den letzten hundert Jahren enorm zurückgegangen ist.

Heute leben mehr Elefanten in Gefangenschaft als in Freiheit. Nach der Auflösung der Holzfällercamps waren viele Mahouts (Führer und Eigentümer von Arbeitselefanten) gezwungen, neue Einkommensquellen zu suchen. Die täglichen Kosten für das Futter sind sonst nicht finanzierbar. Deshalb fristen die meisten dieser Elefanten ihr Dasein in der Tourismusindustrie. Der Bedarf an Tieren für Elefantencamps kann nicht durch in Gefangenschaft geborene Tiere gedeckt werden. Und so werden Elefantenbabys von Wilderern ihren Müttern entrissen, um so für Nachschub zu sorgen. Nicht selten, werden dabei auch andere Elefanten, die das Junge im Normalfall verteidigen, erschossen. Viele Elefanten werden aus Myanmar importiert.

Meide Camps oder Schutzzentren, die Elefantenshows und Ausritte anbieten

Dass es unnatürlich ist, wenn Elefanten Fußball spielen, Dartpfeile auf Luftballons werfen, Bilder malen oder andere Kunststücke vorführen, darüber besteht weitgehend Einigkeit. Wenn es ums Reiten geht, sind viele Touristen weniger zimperlich. Schließlich wirken die tonnenschweren Dickhäuter groß und kräftig. Was ist da schon dabei, wenn die sanften Riesen ein paar kleine Menschen tragen. Aber das Reiten auf Elefanten ist nie artgerecht oder tierfreundlich!

Das wird im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Rücken der Elefanten ausgetragen und sie leiden häufig unter deformierten Wirbelsäulen. Elefanten verdrücken pro Tag etwa 200 Kilogramm Pflanzen und sind zwei Drittel des Tages mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt. In einem Elefantencamp müssen sie oftmals hungern, weil gar keine Zeit zum Fressen bleibt.

Zudem würden sich Elefanten in freier Wildbahn niemals von Menschen streicheln oder baden lassen, geschweige denn jemanden auf ihren Rücken steigen lassen. Damit die Tiere im Elefantencamp oder bei einer Sehenswürdigkeit stundenlang Menschen auf den immer gleichen Strecken herumtragen, muss ihr Wille gebrochen werden. Das Ritual, das in Thailand auch unter dem Namen «Phajaan» bekannt ist, ist besonders grausam und die Elefanten leiden ihr Leben lang unter den Folgen.

Phajaan, den Willen und die Liebe zwischen Mutter und Elefantenbaby brechen

Es gibt im Netz viele Videos, die das dokumentieren. Zartbesaitete sollten sich das aber nicht anschauen. Die Babyelefanten werden dabei gewaltsam von ihren Müttern getrennt, in Käfige gesperrt und tage- oder wochenlang mit dem Elefantenhaken oder Metallstangen geschlagen und malträtiert. Sie müssen hungern und werden vom Schlafen abgehalten. Dabei sind sie die ganze Zeit über mit Seilen in einer unbequemen Stellung festgebunden. Erst wenn sie dem Tode nahe sind, bringt der Mahout dem gequälten Tier Futter und beginnt so eine Beziehung zu ihm aufzubauen. Der Wille des Elefanten ist gebrochen. Er hat gelernt, den Menschen zu fürchten.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass Elefanten in Camps irgendwann ausrasten und Touristen zu Tode trampeln. Das ist den Medien dann auch reißerische Schlagzeilen wert, das Wohl der Elefanten und der Mahouts, die ebenfalls Opfer sind, nicht.

Reiseveranstalter arbeiten wieder mit Wildtiercamps zusammen

Nachdem einige deutsche Reiseveranstalter Elefantencamps längere Zeit boykottiert haben, versucht man nun neue Wege zu gehen. Man hat gemerkt, dass man so nämlich überhaupt keinen Einfluss mehr nehmen kann. Bis 2020 sollten die Lebensbedingungen von Elefanten im Tourismus verbessert werden. Ein Bewertungssystem wird dann den Touristen signalisieren, welches Elefantencamp seine Tiere gut behandelt oder nicht. Damit entstehen für die Betreiber Anreize, die Bedingungen zu verbessern.

Auffangstationen als Alternative zu einem Elefantencamp

Mittlerweile gibt es in Nordthailand eine Reihe von Schutztzentren oder Sanctuarys. Hier finden geschundene Elefantenseelen eine neue Heimat. Aber selbst dann sind sie oft noch jahrelang traumatisiert, apathisch und können sich nur schwer an ihr neues Leben gewöhnen.

Allerdings heißt es genau hinschauen und sich gut zu informieren. Der Begriff wird oftmals missbräuchlich verwendet. Es gilt zu unterscheiden, ob man in einem Elefantencamp, eine Marktlücke entdeckt hat und einfach eine andere Klientel ansprechen möchte, oder ob es sich um Auffangstationen handelt, die sich tatsächlich dem Tierwohl verschrieben haben. Insofern sollte man darauf achten, dass das Sanctuary eine «No Cruelity Policy» verfolgt, die Tiere nicht in Ketten legt, kein Reiten (auch nicht ohne Sattel) anbietet und glaubhaft macht, dass es sich für den Schutz der Tiere einsetzt.

Derartige Auffangstationen, in denen Tiere freiwillig mit Besuchern interagieren, ausreichend Platz vorfinden und in sozialen Gruppen leben können, stellen eine Übergangslösung dar. Der Idealzustand wäre natürlich der, dass gar kein Geschäft mehr mit Elefanten gemacht wird. Denn auch in diesen Schutzzentren kann es für die Tiere in Stress ausarten, wenn große Touristengruppen ständig mit ihnen knuddeln wollen.

Mein Besuch im Lanna Kingdom Elephant Sanctuary

Unter diesen Umständen habe ich mich für das Lanna Kingdom Elephant Sanctuary entschieden. Als ehemaliger Reiseleiter hat Witthaya Phongsiri immer wieder Elefanten in Shows gesehen, unter anderem die kleine KingKaew. Er gab sein ganzes Geld aus, um sie retten und ihr ein schönes Zuhause bieten. Das Lanna Kingdom Elephant Sanctuary war quasi gegründet. Dabei handelt es sich um ein kleines und noch junges Sanctuary, das zurzeit sechs Elefantendamen beherbergt.

Das Lanna Kingdom Elephant Sanctuary wirbt selbst damit, dass es moralisch und ethisch vertretbare Touren anbietet. Das Reiten auf Elefanten wird abgelehnt. Mr. Pop hat es sich zum Ziel gesetzt, noch weitere Elefanten zu retten. Das kostet viel Geld und braucht auch Platz. Deshalb ist ein Ausflug ins Lanna Kingdom Elephant Sanctuary auch teurer als der Besuch in einem traditionellen Elefantencamp. Ich zahle diesen Betrag gerne, wenn ich die Gewissheit habe, dass damit ein paar armen Kreaturen geholfen wird. Daneben verschreibt sich das Lanna Kingdom Elephant Sanctuary dem Thema Nachhaltigkeit (lokale Touren, Futter aus der Region, faire Löhne, …).
Transport und Ankunft

Die Halbtagestour beginnt mit der Abholung im Hotel in Chiang Mai. Bis zum Sanctuary ist man dann etwa ein bis eineinhalb Stunden unterwegs. Da im April die Saison langsam zu Ende geht, sind wir eine sehr kleine Gruppe.

Nach Ankunft im Camp um etwa 09:00 Uhr gibt es erste Instruktionen und wir können in die bereitgestellte Schutzkleidung schlüpfen. Während die Elefanten genüsslich Zuckerrohr verspeisen, dürfen wir erste Bekanntschaft schließen und uns ihnen nähern. Das passiert anfangs noch etwas zögerlich, aber schon bald gewöhnt man sich an die sanften Riesen. Die Mahouts nehmen bereitwillig Kameras und Handys und halten diesen ersten Kontakt fest. Auch später fotografieren sie immer wieder, sodass man am Ende mit vielen tollen Bildern nach Hause geht. Bei der kleinen, zweijährigen Lanna (Namensgeberin des Parks) stellt sich schnell ein Jö-Effekt ein und sie ist sogleich der Liebling der Besucher. Die Mahouts sorgen aber dafür, dass sich die Gruppe gleichmäßig verteilt und keiner der Elefanten zu kurz kommt.

Informationen zum Elefantenschutzprogramm, Füttern und Spaziergang

Im Anschluss gibt es einen kurzen Vortrag über das Camp, die hier lebenden Elefanten und man lernt ein paar Kommandos. Jeder bekommt nun einen Korb mit Bananen, die er an die Elefanten verfüttern kann. Das ist richtig schön. Man kommt den Tieren sehr nahe, lässt sie die Banane entweder mit dem Rüssel fassen oder gibt sie ihnen direkt ins Maul. Die Elefanten, die Lust haben, begeben sich dann mit uns auf einen kleinen Spaziergang. Auch das ist ein sehr eindrückliches Erlebnis.

Spätestens jetzt spürt man, dass Elefanten sehr soziale Tiere sind, sich mit viel Mitgefühl um ihre Herde kümmern und sich gegenseitig trösten. Auf unserem Spaziergang bemerkt Lanna auf halber Strecke, dass eine Elefantenkuh nicht mitgekommen ist. Diese ist erst seit einigen Wochen im Sanctuary. Noch geprägt von früheren Erlebnissen, ist sie noch nicht vollständig in die Herde integriert. Aufgeregt beginnt Lanna zu trompeten und läuft schnellen Schrittes zurück zum Futterplatz. Die anderen folgen ihr und tröten ebenfalls. Dann kreisen die größeren Elefanten Lanna ein, berühren sie mit ihren Rüsseln und versuchen sie zu beruhigen – eine rührende Szene.

Verdauungskugeln und Baden

Elefanten, die fressen, müssen auch verdauen. Wir zerkleinern im Mörser Tamarinde, Bananen und Zuckerrohr, formen Kugeln daraus und verfüttern sie. Im Lanna Kingdom Elephant Sanctuary werden die Elefanten mehrmals täglich mit Schlamm eingerieben und gebadet, auch um ihre Haut zu untersuchen. Daran dürfen wir uns nun ebenfalls beteiligen. Zuerst klettern wir ins Schlammloch und reiben die Elefanten kräftig ein. Später steht ein Bad auf dem Programm und wir schrubben sie wieder sauber. Da Elefanten eine drei Zentimeter dicke Haut haben, muss man sich auch keine Sorgen machen, sie zu verletzten. Dafür heißt es nun achtsam sein, damit einem keiner der Riesen auf den Fuß tritt.

Mittagessen

Nach der jetzt dringend nötigen Dusche bekommen wir noch ein gesundes Mittagessen. Es gibt Pad Thai, Reiscracker (aus Reis aus dem hauseigenen Feld, auf dem Elefantendung eingesetzt wird) und Melone. Danach geht es mit vielen schönen Erinnerungen wieder zurück nach Chiang Mai.

Der Ausflug ins Lanna Kingdom Elephant Sanctuary war ein eindrucksvolles Erlebnis mit ganz vielen Gänsehautmomenten. Am Ende bin ich einerseits gerührt und dankbar, dass ich diesen wundervollen Tieren so nahe sein durfte, andererseits beschäftigt mich das Schicksal der vielen anderen Elefanten, die es (noch) nicht in eine Auffangstation geschafft haben, kein so glückliches Leben haben und in einem Elefantencamp ihr Dasein fristen.

Elefantencamp in Chiang Mai, das Lanna Kigdom Elephant Santuary

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6 Kommentare
  1. Antworten

    Diane

    24. April 2018

    Liebe Carola
    Dein Bericht spricht mir so aus der Seele, und ich kann Deine Gänsehautmomente sehr gut nachvollziehen. Beim Lesen kochen schlimme Gefühle in mir hoch, denn vor zig Jahren sind wir beim unbedarften Elefantenreiten in Thailand beinahe ums Leben gekommen. Hoffentlich macht das Beispiel des Elefantencamps schneller Schule und diese gefährliche Touristenattraktion ist bald Geschichte.
    Viele Grüße und happy Travels – Diane

    • Antworten

      travellingcarola

      24. April 2018

      Liebe Diane, beim Lesen deines Kommentars läuft es mir kalt über den Rücken. Ich bin froh, dass das für euch nochmals gut ausgegangen ist. Leider gehen immer noch viele Touristen sehr unbedarft an die Sache heran. Es wird wohl noch viel Aufklärungsarbeit nötig sein, damit solche Vorfälle nicht wieder vorkommen und das Tierleid der Vergangneheit angehört. Alles Gute für dich und viele erfreulichere Erlebnisse auf Reisen, Carola.

  2. Antworten

    Diane

    21. April 2018

    Liebe Carola
    Dein Bericht spricht mir so aus der Seele, und ich kann Deine Gänsehautmomente sehr gut nachvollziehen. Beim Lesen kochen schlimme Gefühle in mir hoch, denn vor zig Jahren sind wir beim unbedarften Elefantenreiten in Thailand beinahe ums Leben gekommen. Hoffentlich macht das Beispiel des Elefantencamps schneller Schule und diese gefährliche Touristenattraktion ist bald Geschichte.
    Viele Grüße und happy Travels – Diane

    • Antworten

      travellingcarola

      21. April 2018

      Liebe Diane, beim Lesen deines Kommentars läuft es mir kalt über den Rücken. Ich bin froh, dass das für euch nochmals gut ausgegangen ist. Leider gehen immer noch viele Touristen sehr unbedarft an die Sache heran. Es wird wohl noch viel Aufklärungsarbeit nötig sein, damit solche Vorfälle nicht wieder vorkommen und das Tierleid der Vergangneheit angehört. Alles Gute für dich und viele erfreulichere Erlebnisse auf Reisen, Carola.

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