Rajasthan: farbenfrohe Städte, heilige Kühe und Paläste

Rundreisen

Rajasthan bedeutet Eintauchen in eine bunte, laute, lebhafte und andersartige Welt. Eigentlich fühlt man sich wie in einem Wimmelbuch für alle Sinne. Jede neu aufgeschlagene Seite will entdeckt werden. Und da ist dieses unglaubliches Konglomerat aus Burgen, luxuriösen Palästen, Tempeln, Hawelis, Heritage Hotels, Seen, Wüstenlandschaften, Nationalparks, Tigern, Dromedaren, Ziegen, heiligen Kühen, Tuk-Tuks, überladenen Fahrzeugen, blauen, goldenen, roten und rosafarbenen Städten, edlen Stoffen, Frauen in bunten Saris, Blumen, Märkten, …

Rajasthan ist der größte indische Bundesstaat und «Indien konzentriert». Gleichzeitig ist Rajasthan die Destination in Nordindien, nicht nur für ausländische Touristen. Elf Tage soll meine Reise ab und bis Delhi dauern. Am Programm stehen Agra (in Uttar Pradesh), Fatehpur Skiri, Sawai Madhopur (Ranthambore Nationalpark), Pushkar, Jodhpur, Jaisalmer, Bikaner und Jaipur. Über 2000 km sind wir unterwegs mit unserem Fahrer. Er ist die Ruhe in Person bringt und uns souverän durch das indische Verkehrschaos bringt. Außerdem muss man Indien auch mit dem Zug im wahrten Sinne des Wortes erfahren.

Unterwegs in Rajasthan und Uttar Pradesh: Fünf bleibende Erinnerungen
1. Der Taj Mahal

Da der Taj Mahl nahezu auf dem Programm aller Indienreisenden steht, ist die Stadt entsprechend touristisch. Das äußert sich in überteuerten Preisen, aufdringlichen Händlern und kitschigen Souvenirs. Und trotzdem empfiehlt es sich, eine Nacht in der Stadt zu bleiben, und sich dem Taj Mahal langsam anzunähern. Den ersten Blick ergattere ich vom Poolbereich unseres Hotels, den nächsten von der Terrasse des Roten Forts aus. Der ehemalige Mogulpalast ist aber nicht nur wegen der Aussicht einen Besuch wert. Das Rote Fort liegt etwa 2,5 km Luftlinie vom Taj Mahal entfernt, ebenfalls am Ufer des Yamuna. Bei Sonnenuntergang dürfen wir das Mausoleum von der Rückseite, vom Methab Bagh Park, aus bestaunen.

Der eigentliche Besuch ist am Morgen des zweiten Tages zu Sonnenaufgang geplant. Mit 1000 Rupien (Stand Oktober 16) ist der Eintritt nicht ganz günstig. Sogar kurz nach sechs Uhr ist die Schlange der Besucher am Osttor bereits recht beachtlich. Am besten verzichtet man auf das Mitbringen einer Tasche, damit sich die Zeit an der Sicherheitskontrolle in Grenzen hält.

Was für einen Besuch am frühen Morgen spricht, ist die Tatsache, dass das Licht einfach unvergleichlich ist. Die Farben ändern sich fast von Minute zu Minute. Die berühmte Spiegelung im Wasser ist zu dieser Zeit am besten. Sobald die Sonne dann höher steht, ist der weiße Marmorbau im Reflexionsbecken nicht mehr gut erkennbar. Da das Taj Mahal freitags geschlossen ist, sollte man den Besuch nicht unbedingt auf einen Samstagmorgen legen. Die Wassergräben sind nach der Reinigung dann noch nicht wieder gefüllt.

Ich habe im Vorfeld viele Informationen über den Taj eingeholt und meine Erwartungen sind groß. Das Gefühl, wenn man durch das Tor schreitet und den ersten Blick auf das Marmorgebäude und die Gartenanlage erhascht, ist unbeschreiblich. Es ist so atemberaubend schön und ich kann mich nicht sattsehen und auch nicht «sattknipsen». Ich glaube, man könnte problemlos mehrere Stunden in der Anlage verbringen. Das Symbol der Liebe, an dem 22 Jahre gebaut wurde, beeindruckt durch seinen weißen Marmor und die Einlegearbeiten aus Halbedelsteinen. Mir wird klar, warum der Taj Mahal eines der meist besuchten Gebäude der Welt ist.

2. Jaisalmer, die goldene Stadt

Unterwegs in Rajasthan lernt man die farbenfrohen und farbigen Städte kennen. So sind die Häuser in Jodhpur mehrheitlich blau, Jaipur ist als die rosarote Stadt bekannt und Jaisalmer erstrahlt in Gelb oder goldfarbenen Sandstein. Es liegt an der Seidenstraße im Osten Rajasthans nahe der Grenze zu Pakistan. Geprägt ist die Stadt durch die Festung und den Burgberg. Innerhalb des Forts leben immer noch ein paar Tausend Einwohner. Im Palastkomplex gibt es zahlreiche Tempel, Wohnhäuser und Geschäfte.

Im unteren Teil der Stadt sind es vor allem die vielen Havelis, die sehenswert sind. Havelis sind private Wohnhäuser von reichen Händlern. Sie bestechen durch ihre kunstvoll verzierten Fassaden. Manche werden heute als Hotels genutzt. Unglaublich, welch feine Muster man aus dem Sandstein meißeln kann. Insbesondere die Fenstergitter sind wahre Schmuckstücke. Zu den schönsten Havelis in Jaisalmer und vielleicht in ganz Rajasthan zählen der Patwa-ki-Haveli, der Singh-ki-Haveli und der Nathmal-ki-Haveli.

3. Burganlagen und Paläste Rajasthans

Die Zeit der Mogulkaiser und Maharadschas in Rajasthan beziehungsweise in ganz Indien ist vorbei. Geblieben ist ein schier unermesslicher architektonischer Reichtum, Prunk und Glanz, der im krassen Gegensatz zum Leben auf der Straße in Rajasthan steht. So erreicht man über stinkende und mit Abfall übersäte Gassen Burgen und Paläste mit Sandsteinverzierungen, Erkern, Marmor, Spiegeln und Edelsteinen. Das ist einer dieser Widersprüche, die es gilt auszuhalten. Unterwegs in Rajasthan besuche ich folgende Forts und Palastanlagen und sehe so viel von Incredible India:

  • Rotes Fort in Agra
  • Fatehpur Sikri
  • Mehrangarh Fort in Jodhpur
  • Junagarh Fort in Bikaner
  • Stadtpalast von Jaipur mit dem Hawa Mahal, dem Palast der Winde
  • Amber Fort am Maota Lake
4. Yoga, Markt, Sari und Kinobesuch in Jaipur

Wer durch Indien reist, muss unbedingt auch eine Yoga-Stunde besuchen. Auf unsere Bitte hin organisiert das Hotel in Jaipur einen Lehrer. Die Lektion am Morgen ist zwar eher für Anfänger und die größte Herausforderung ist es, die «indisch-englischen» Anweisungen zu verstehen. Dennoch tut die Stunde Auszeit im Garten unseres Hotels sehr gut. Im Anschluss besuchen wir den Markt. Das ist eine Explosion von Farben und Gerüchen. Wir kosten uns durch verschiedene Früchte, wie z.B. eine Annona, eine Verwandte der Cherimoya. Wir beobachten Männer, die in winzig kleinen Läden hockend, Süßigkeiten oder Linsengebäck frittieren oder mit Geschick Blumenketten fädeln.

Ebenso Pflicht ist der Kinobesuch. Das Raj Mandir Kino in Jaipur gleicht innen auch zwar einem Palast, die Theke, an der Popcorn und Cola verkauft werden, wirkt sehr vertraut. Am Programm steht zum Glück kein typischer Bollywood-Film, sondern die Autobiografie von M.S. Dhoni, einem berühmten Cricket-Spieler. Und obwohl der Film in Hindi ist, gelingt es mir ganz gut der Handlung zu folgen. Es ist spannend, so mehr über Alltag und Leben in Indien zu erfahren.

Zu einem Abendessen bei einer indischen Familie erscheinen wir dann noch standesgemäß in einen Sari gekleidet. Das geht zwar nicht ganz ohne Hilfe, aber am Ende fühlen wir uns wider Erwarten überhaupt nicht verkleidet, sondern wunderschön und elegant. Die Frauen in ihren Saris sind generell ein Bild, das mir unvergesslich bleiben wird. Schade, kann man diese Farbenpracht nicht mit nach Europa nehmen.

5. Incredible India und Kurioses in Rajasthan

Auf Reisen durch Indien und unterwegs in Rajasthan stößt man auf viele seltsame Dinge und Gepflogenheiten. Das beginnt mit den heiligen Kühen. Man begegnet ihnen überall, sie liegen kreuz und quer, spazieren gemächlich durch Städte, bedienen sich an Marktständen, gehen auch schon einmal in Geschäfte, kommen einem auf der Autobahn entgegen, führen zu Verspätungen von Zügen und werden regelmäßig morgens und abends von den Indern gefüttert. Kühe genießen VIP-Status. Trotz aller Verehrung führen viele von ihnen ein ziemlich trostloses Dasein. Zwar stehen sie in stoischer Ruhe, fast phlegmatisch irgendwo im Verkehrsgetümmel, gemacht sind Tiere dafür aber nicht. Und wenn man sieht, wie sie genüsslich Papier oder Plastik vertilgen, können sie einem nur noch Leid tun. Übrigens gibt es in Indien mehr Gnadenhöfe für alte oder verletzte Kühe als Altersheime.

Ein seltsames Schauspiel bietet sich uns am Gadsisar Sagar Lake bei Jaisalmer. Hier füttern Touristen und Einheimische die im See lebenden Welse. Nie zuvor habe ich so viele Fische auf so kleinem Raum gesehen, einerseits faszinierend andererseits irgendwie auch abstoßend. Ähnlich ist es im Karni Mata, dem Rattentempel in der Nähe von Bikaner. Hier leben Tausende Ratten, die von den Besuchern mit Essen oder Milch versorgt werden. Die Tiere sind überall und überlassen auch überall ihre Spuren. Irritierend für mich sind vor allem die vielen kranken Ratten. Offensichtlich gibt es auch Kannibalismus. Auf alle Fälle bin ich ganz froh, dass wir als ausländische Touristen im Tempel Stoffschuhe tragen und nicht barfuß laufen.

Im Internet findet man immer wieder lustige Bilder von völlig überladenen Fahrzeugen. Unterwegs in Rajasthan begegnen sie einem tatsächlich an allen Ecken und Enden. LKWs und Traktoren haben vor allem Baumwolle geladen und «wachsen» dabei mittels logistischer Meisterleistung in die Höhe und Breite. Aber auch Fahrradfahrer schaffen es unglaubliche Mengen zu transportieren. Und ein Tuk-Tuk, besetzt mit mehr als zehn Erwachsenen ist zu Stoßzeiten keine Seltenheit.

Trotz all dieser Widersprüche hat mich auf meiner Reise durch Rajasthan die Faszination Indien gepackt. Ich will unbedingt wieder zurück: Udaipur, Varanasi, nach Kaschmir und nach Südindien, mehr von Incredible India. Mal schauen, wann ich dieses Pläne realisieren kann …

Im Blog von Enchanting Travels verraten elf Reiseblogger ihre besten Storys und Geheimtipps für Indienreisen. Als eine von diesen elf Bloggerinnen und Bloggern habe ich hier ebenfalls einen kleinen Beitrag über meine Erlebnisse in Rajasthan geschrieben: «Wenn ich heute mit etwas Abstand an meine Reise zurückdenke, sind es vor allem zwei sehr unterschiedliche Erlebnisse, die mir in den Sinn kommen und die ich auch allen Indienreisenden abseits der touristischen Parallelwelt, in der man zwangsläufig schnell gefangen ist, empfehlen würde: einer Feuerzeremonie beiwohnen und ein indisches Kino besuchen.»

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