Gent: 10 Tipps für eine der schönsten Städte in Flandern

Städtereisen

Brügge sehen … und sterben? Oder doch lieber gleich nach Gent reisen? Für Flandern-Urlauber stellt sich die Frage, welche Städte man besuchen sollte: Antwerpen, Gent, Brügge oder eine der kleineren wie Leuven und Mechelen. Wie immer gehen Meinungen und Geschmäcker dabei auseinander.

Im Beitrag erzähle ich dir, warum ich mich für Gent entschieden habe, ob diese Entscheidung die richtige war und was man in Gent erleben und unternehmen kann.

Wie (nahezu) jedes Mal gilt: Hier handelt es sich um einen redaktionellen Beitrag. Für Nennungen und Verlinkungen wurde ich weder beauftragt noch bezahlt.

Warum Gent?

Sowohl Brügge als auch Gent sehen auf Bildern sehr einladend aus. Gent ist größer, hier könnte man allenfalls auch mehr Zeit verbringen … Aber eine Deutsche, die mit mir im Sommer durch Armenien gewandert ist und seit vielen Jahren in Belgien lebt, meinte nur abschätzig: «Ich verstehe nicht, was alle immer mit Gent haben. Ich kann mit der Stadt gar nichts anfangen!» Die Meinungen anderer Bloggerinnen und Blogger halten sich die Waage. Einige sind von Gent enttäuscht und sehen in Brügge das Maß aller belgischen Dinge. Andere wiederum hassen Brügge, nachdem sie in Gent waren. Nach allem, was ich in Erfahrung bringe, erscheint mir Brügge überlaufener, touristischer und kommerzieller als Gent. Ein richtiges Disneyland mit Märchenkitsch und überteuerten Preisen ist jedoch nicht das, was ich suche.

Und so planen wir für unser verlängertes Mädelsweekend in Belgien zwei Nächte in Gent, und je eine in Atwerpen und Brüssel ein. Gent verzaubert uns sofort mit seinem Charme und bleibt – obwohl die erste Station unserer Reise – das Highlight schlechthin bis zum Ende. Nun kann ich zwar keinen Vergleich ziehen, aber dass die Wahl auf Gent gefallen ist, bereuen wir keine Sekunde. Gent hat alles: eine mittelalterliche Burg, historische Häuser an romantischen Kanälen, als Studentenstadt eine äußerst lebendige Atmosphäre, interessante Museen, tolle Restaurants und originelle Geschäfte.

Zehn Tipps für einen Aufenthalt in Gent
1. Rauf auf den Belfried

Wie immer zieht es mich zuallererst auf einen der Aussichtspunkte. Was wäre da besser geeignet als der 95 Meter hohe Belfried, der auch zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Belfriede sind hohe, schlanke Glockentürme, typisch für Flandern. Der Genter Belfried ist leicht zu finden. Er ist der mittlere Turm der berühmten Turmreihe. Das, was auf der Spitze thront ist übrigens kein Hühnchen, sondern soll einen Drachen symbolisieren.

Von oben kann man die Stadt überblicken. Allerdings ist die Aussichtsplattform sehr eng, hier herrscht Einbahnverkehr. Wenn dann noch dazu wie bei unserem Besuch eine Schulklasse unterwegs ist, ist an einen Abstieg über die Treppe nicht zu denken. Zum Glück gibt es noch den Aufzug. Im Turm kann man zudem noch die Klokke Roeland besichtigen. Sie wies einst auf Brände hin oder läutete bei besonderen Ereignissen.

2. Das Lamm anbeten oder den Genter Altar besichtigen

Kunstliebhaberinnen und Kunstliebhabern ist der Genter Altar mit seinem im Zentrum stehenden Bild «Die Anbetung des Lamms» der Brüder van Eyck mit Sicherheit ein Begriff. Der Altar hat eine sehr bewegte Geschichte, im wahrsten Sinne des Wortes. Kein anderes so berühmtes Werk eines europäischen Malers wurde so oft verschleppt oder gestohlen. Immerhin konnten die einzelnen Bilder des Flügelaltars mit Ausnahme der «Gerechten Richter», die 1934 gestohlen wurden, wieder gefunden und zurückgebracht werden.

Der Genter Altar, der eigentlich in der St.-Bavo-Kathedrale steht, wird derzeit (bis voraussichtlich 2020) restauriert. Im Museum der Schönen Künste (MSK) kann man den Restaurateuren über die Schulter schauen, während in der St.-Bavo-Kathedrale eine Kopie zu sehen ist.

3. Bootsfahrt auf der Leie

In der Nähe der Grasbrug gibt es verschiedene Anbieter, die 45-minütige Bootsfahrten für 7,50 € (2018) anbieten. Das mag auf den ersten Blick ziemlich touristisch wirken und geschätzt unternehmen 99% der Besucherinnen und Besucher von Gent eine solche Bootstour. Das hat einen guten Grund: Gent vom Wasser aus ist unbeschreiblich schön.

Wir schippern bei schönstem Herbstwetter, Sonnenschein und warmen Temperaturen gemütlich durch die Kanäle. Unser Bootsführer erklärt auf Englisch, Spanisch und Italenisch und hat zu jedem Haus und jeder Sehenswürdigkeit eine passende Ankedote bereit. Die Fahrt entschleunigt. Der einzige Nachteil ist die Anordnung der Sitzplätze im Boot: Wer zuerst kommt mahlt zuerst. Wer vorne sitzt, kann ungestört fotografieren. Alle anderen müssen damit leben Mobiltelefone oder Objektive der Vordermänner und -frauen im Bild zu haben.

4. Graselei und Kornelei (bei Nacht)

Die Bilderbuchansicht von Gent schlechthin hat man von der St.-Michaels-Brücke. Von hier ist der Ausblick auf Graslei, das rechte Ufer, und die Korenlei, das linke Ufer der Leie, fast schon kitschig. Jedes der Gildehäuser, die sich hier aneinanderreihen, ist ein Kunstwerk für sich. An diesen lauen Herbsttagen sitzen tagsüber und nachts viele Menschen einfach am Ufer der Leie. Gleich neben der Brücke an der Korenlei kann übrigens die Turmreihe aus St.-Niklaas-Kirche, Belfried und St.-Bavo-Kathedrale bestens fotografieren.

Was tagsüber schon ein Erlebnis ist, raubt einem abends und nachts fast den Atem. Die Stadt Gent verfügt seit 1998 über einen Plan Lumière. Alle wichtigen Denkmäler, Gebäude,Torbögen, Straßen, Parks und Plätze werden so ins rechte Licht gerückt. Entlang der Leie spiegeln sich die Gebäude im spiegelklaren Wasser. Ebenfalls sehr interessant ist die Aussicht rund um die Drehbrücke der Jakobinjenstraat beziehungsweise beim Lightening Bird Tree. Die ausgefeilte Beleuchtung in der Stadt wurde sogar prämiert.

5. Ab ins Museum und die Graffitigasse links liegen lassen

Vom SMK, dem Museum der Schönen Künste habe ich weiter oben schon berichtet. Quasi nebenan im Citadel Park liegt das SMAK, das Stedelijk Museum voor Actuele Kunst. Im Genter Stadtmuseum STAM kann man in die Geschiche Gents eintauchen und erfährt in einer teilweise multimedialen Ausstellung viele interessante Details. Unter anderem kann man Detektiv spielen und die verschwundene Tafel «Die Gerechten Richter» des Genter Altars suchen.

Als Kunststadt hat Gent selbstverständlich noch mehr zu bieten. Nicht besonders überzeugt hat uns die sogenannte Graffitigasse in der Werrengarenstraatje. Möglicherweise gab es hier früher einmal wie auch an der John Lennon Wall in Prag so etwas wie Kunst zu entdecken. Mittlerweile sind auch dort nur noch relativ unspektakuläre wilde Sprayereien zu sehen. Dafür gibt es aber auch eine Street Art Map von Gent und mit der App Street Art Cities kann man sich nicht nur in Gent auf die Spuren toller Straßenkünstler begeben.

6. Die Kurve kriegen

Entlang einer Kurve (Krook) in der Schelde ist im Rahmen eines großangelegten Stadterneuerungsprojektes ein futuristisches Gebäude entstanden. Darin beheimatet sind die Stadtbibliothek mit Begegnungszonen und ein Café. Vom dritten Stock aus, könnt ihr die drei Türme aus einer anderen Perspektive bewundern. Allerdings heißt es dabei leise sein.

7. Bier verkosten

Nun, ich bin ja definitiv eine Weinliebhaberin, aber Belgien ohne Bier … das geht gar nicht. Wusstet ihr, dass es ungefähr 1.500 Biermarken in Belgien gibt? Eine Vielfalt, die alle Geschmacksrichtungen und Farben bietet, von Pils über Trapistenbiere und Weißbiere bis hin zu Lambic (ein Bier, das wie Champagner einer zweiten Flaschengärung unterzogen wird). Auch Biere mit seltsam anmutende Fruchtaromen sind da mit dabei.

Bei einem Blick in die Karte ist man aufgrund der Vielfalt meist schnell überfordert, zumal die Biere meist nicht beschrieben sind. Da hilft es, auf das Fachwissen der Kellnerinnen und Kellner zu vertrauen. Wir landen gleich am ersten Abend im Trollekelder, einem Bierlokal aus dem 15. Jahrhundert, in dem es eine gute Auswahl auch an Fassbieren abseits des Mainstreams gibt. Dort bekommen wir die Möglichkeit verschiedene Biere in 0,25l-Gläsern zu verkosten. Darunter sind echte Köstlichkeiten, aber mit dem Kasteel Rouge, einem belgisches Starkbier mit einem Aromen von Kirschen, Heidel- und Holunderbeeren, auch Sorten, die uns weniger munden.

Zu fast jeder Biersorte gibt es übrigens ein eigenes Glas mit einer ganz besonderen Glasform. Angeblich schmeckt das Bier nur aus diesem speziellen Glas richtig gut. Prost!

8. Gent kulinarisch erkunden

Essen kann man in Gent nahezu immer und überall. Gent hat für jeden etwas zu bieten. So gilt die Stadt als Veggie-Hauptstadt Europas. Neben einer großen Dichte an vegetarischen Restaurants finden sich auch auf den Speiesekarten der anderen Restaurants viele vegetarische oder vegane Gerichte. Es müssen also nicht immer Moules et frites oder die typischen Eintöpfe sein.

Chocolatiers gibt es in Belgien wie Sand am Meer. Ob nun die Schweizer oder die belgische Schokolade besser ist, mag ich nicht beurteilen. Die Qualität und Preis sind wohl ähnlich. Auf alle Fälle bietet Belgien eine riesige Vielfalt an Pralinen in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen. Die Schleckermäuler möchten sicher auch eine typisch belgische Waffel mit viel Schlagrahm, Schokolade oder Früchten probieren. Ein Genter Spezialität sind Cuberdons oder auch Neuzeke genannt. Dabei handelt es sich um eine kegelförmige Süßigkeit mit einer harten Oberfläche und einem gelartigen Inhalt. Die traditonelle Geschmackrichtigung ist Himberee, in Gent sieht man sie aber auch in allen anderen Farben. Da ich Zucker nicht mag, ist das nichts für mich.

Als herzhafter Snack zwischendurch oder besser als ganze Mahzeit bieten sich Frieten an. Frituren gibt es in Gent mindestens ebenso viele wie Chocolatiers. Pommes Frites schmecken in Belgien einfach besser als anderswo. Sie sind kürzer, dicker und oftmals zweimal frittiert. Dazu bekommt man nicht einfach Ketchup, sondern viele verschiedene Saucen. Ganz exquisite Pommes, etwas teurer als der Durchschnitt gibt es im Frites Atelier, das neben Antwerpen nun auch in Gent eröffnet.

Wer Lust auf nationale und internationale Gerichte in ungezwungener, aber ausgesprochen schöner Atmosphäre hat, dem kann ich den Holy Food Market empfehlen. In der Baudelo-Kapelle kann man sozusagen eine kleine kulinarische Weltreise unternehmen. Wir kosten uns hier durch (fast) alles durch und schlagen uns die Bäuche so richtig voll.

In der Schurkenstraat findet sich mit dem Pakhuis noch ein ganz besonderes Restaurant. Unter der Rubrik Bib Gourmand im Guide Michellin erwähnt, erfreut sich das Pakhuis auch ziemlicher Beliebtheit. Am Wochenende sollte man unbedingt reservieren. Wer nur das Ambiente in der renovierten Lagerhalle erleben will, kann dies auch bei einem Drink an der Bar.

9. Geld für besondere Dinge ausgeben

Was schnell auffällt, ist, dass es in Gent neben dem internationalen Einheitsbrei in den Einkaufsstraßen im Zentrum viele kleine Läden mit originellen Konzepten und Angebot gibt: Schmuckgeschäfte, die wie eine alte Apotheke eingerichtet sind, Buchhandlungen oder Wäschereien mit Cafés oder Cafés mit Buchhandlungen oder kleinen Supermärkten, Antik-Depots, Galerien, «Moodshops», Läden mit allem möglichen Krimskrams und natürlich auch jede Menge Geschäfte mit typisch belgischen Spezialitäten, wie der Tierenteyn-Verlent Senf-Laden, wo man selbst das passende Glas oder den idealen Krug für den Wunschsenf auswählen kann.

10. Planlos sein

Das Wichtigste kommt zum Schluss: Einfach ohne Plan den kleinen Gässchen und Kanälen folgen, auch außerhalb des touristischen Zentrums. Gent ist klein genug, dass man es zu Fuß erkunden kann. An den Hotspots kommt man sowieso irgendwann vorbei. Und wenn man nicht alles «abgehakt» hat, hat man vielleicht die eine oder andere schöne Ecke der Stadt entdeckt.

10 Tipps für Gent

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