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Rentiere streicheln und Nordlichter jagen: Ausflüge rund um Tromso

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Aurora borealis – welch schöner Name für das noch schönere Naturphänomen der Nordlichter. In Tromso hat man sozusagen einen Logenplatz für dieses Himmelsspektakel. Durch die Lage im Polarlichtoval oder Polarlichtgürtel ist Tromso einer der besten Orte, um die farbigen Lichter am Himmel tanzen zu sehen. Nordlichtertouren gehören deshalb hier zu den beliebtesten Aktivitäten. Das Angebot an anderen Ausflügen ist ebenfalls riesig: Winterangeln, Wandern, Skifahren, Hundeschlittenfahren, Walbeobachtung und natürlich Rentiere füttern auf einer der Farmen in der Umgebung. Aber auch in der Stadt Tromso selbst gibt es bereits viel zu entdecken.

Während meines Aufenthalts in Tromso habe ich einen ganzen Tag für Ausflüge reserviert. Eine Nordlichtsafari für den Abend ist fix eingeplant. Für den Tagesausflug fällt mir die Auswahl nicht ganz leicht. Aber da ich bereits zweimal für je eine Woche zum Hundeschlittenfahren in Finnland war und in Island und Ecuador Wale gesehen habe, entscheide ich mich für einen Besuch auf einer Rentierfarm. Warum nicht einmal ein paar Stunden bei diesen niedlichen Tieren verbringen? Es müssen ja nicht immer actiongeladene Ausflüge sein.

Begleite mich zu den Sami und ihren Rentieren im Winterquartier sowie auf eine Nordlichtertour in der Kleingruppe rund um Tromso. Im Beitrag erfährst du, ob es sich lohnt, diese Ausflüge zu buchen.

Zu Besuch bei den Sami: Rentiere streicheln und füttern

Rentiere haben etwas Sanftes an sich, insbesondere die Jungtiere sind ausgesprochen niedlich. In Nordnorwegen möchte ich die Gelegenheit nutzen und ihnen möglichst nahe kommen. Über Visit Tromso buche ich eine Tour mit dem Fokus Rentiere füttern und Sami Kultur. Leider ist die gewünschte Kleingruppentour nach Sjursnesveien an diesem Tag bereits ausgebucht. Deshalb bleibt als Alternative Tromso Arctic Reindeer. Da ich nicht unbedingt Fan von organisierten Touren mit großer Teilnehmerzahl bin, bin ich gespannt, was mich dort erwartet.

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Ablauf der Tour

Treffpunkt und Abfahrt sind um 09:45 bzw. 10:00 Uhr beim Radisson Blu Hotel in Tromso. Ein Reisebus bringt uns zum Camp. Die Studentinnen und Studenten, die uns begleiten, haben die Organisation gut im Griff. Der eigentliche Besuch startet dann in einem Lavvu (Kote), dem traditionellen Zelt der Samen. In der Mitte knistert ein Feuer, auf den Holzbänken, die kreisrund ums Feuer angeordnet sind, liegen Rentierfelle.

Draußen im Gehege warten mehr als 300 hungrige Rentiere auf uns. Bevor wir zu ihnen dürfen, gibt es noch den wichtigen Hinweis, dass wir genügend Abstand halten und auf die Geweihe achtgeben sollten. Schließlich soll das Vergnügen nicht ins Auge gehen. Ausgerüstet mit einem kleinen Eimer Tierfutter in Form von Pellets machen wir uns auf den Weg. Die Rentiere sind das tägliche Ritual gewöhnt und einige steuern zielstrebig auf die Besucher zu.

Dennoch sind es wilde Tiere, die gut und gerne 200 Kilogramm auf die Waage bringen. Für uns Menschen interessieren sie sich eigentlich nur, solange wir Futter haben. Auf Liebkosungen haben sie es nicht abgesehen. Inmitten der Rentiere zu stehen, ist aber ein schönes Erlebnis. Während sie fressen, lassen sie sich nämlich auch streicheln. Und wenn sie ihre weichen Schnauzen in den Futtereimer stecken und mich mit ihren großen Kulleraugen anschauen, könnte fast dahinschmelzen. Das Gelände ist riesig und weiter weg von den Hütten, unten beim Meer, hat man tatsächlich den Eindruck, die Rentiere in freier Wildbahn beobachten zu können. Man trifft auf Rentiere in allen Größen, mit einer Fellfärbung von schneeweiß über gescheckt bis braun.

Einige Gäste machen dann eine Rentierschlittenfahrt. Danach gibt es Mittagessen, entweder Rentiereintopf oder Tomatensuppe als vegetarische Variante. Später versammeln wir uns nochmals im Lavvu und erfahren viel Wissenswertes über die Samen und ihre Traditionen sowie über die Rentiere. So weiß ich jetzt, dass getrocknetes Gras in den aus Rentierfellen gefertigten Schuhen ein Garant für warme Füße ist. Auch Joiks, die traditionellen Lieder der Samen, vergleichbar mit einem Jodler, werden vorgetragen. Der gesamte Ausflug dauert vier bis viereinhalb Stunden.

Insgesamt ist der Ausflug ein schönes Erlebnis. Mir persönlich wäre ein Besuch in einer kleinen Gruppe aber wesentlich lieber gewesen.

Wissenswertes über die Sami und ihre Kultur

Seit mehr als 5000 Jahren leben die Samen in den nördlichen Regionen Skandinaviens (Norwegen, Schweden, Finnland) und Russlands. Auch heute noch betreiben viele Familien eine nomadische Rentierwirtschaft. In den Wintermonaten (November bis März) sind die Rentiere in ihrem eingezäunten Winterquartier. Die Gehege dienen dem Schutz der Herde und sind erst in den letzten Jahren entstanden. Zum einen finden die Tiere aufgrund des Klimawandels weniger Nahrung und zum anderen gibt es neben dem Menschen noch andere natürliche Feinde. Im Frühjahr geht es zurück in die Berge rund um Tromso, wo die Rentiere dann frei leben und im Mai die ersten Kälbchen das Licht der Welt erblicken.

Die aufwändig verzierte Tracht der Samen, die Gákti, erlaubt Rückschlüsse auf die Herkunft. Sami untereinander können z.B. anhand der Beschläge am Gürtel der Männer erkennen, ob diese verheiratet oder ledig sind. Schwieriger wird es bei der Sprache. Eine Verständigung zwischen den verschiedenen samischen Sprachen ist kaum möglich, da die Dialekte so unterschiedlich sind.

Die Famile im Tromso Arctic Reindeer Camp setzt auf eine touristische Vermarktung. Damit wollen sie sicherstellen, dass sie die Rentierzucht, die ihre Vorfahren seit vielen Generationen betreiben, fortführen können. Ein Besuch hilft, dass die Rentiere den Winter über an einem sicheren Ort gefüttert werden und die Sami über Arbeitsmöglichkeiten verfügen. Im Gegenzug versuchen sie, die Besonderheiten ihrer Kultur zu vermitteln.

Interessante Fakten über Rentiere

Der rotnäsige Rudolph vor dem Schlitten von Santa Claus wäre eigentlich eine Rudolphine.

Die Geweihe von Rentieren wachsen schneller als die aller anderen Hirscharten. Bis zu zwei Zentimeter am Tag können das sein. Solange die Geweihe wachsen, sind sie von einem samtartigen, durchbluteten Material umgeben. Das sieht zum Teil recht lustig aus. Jedes Geweih ist einzigartig wie ein Fingerabdruck. Bei den Rentieren tragen auch die Weibchen Geweihe. Damit können sie sich gegen Feinde oder andere Weibchen besser verteidigen. Schließlich müssen sie für ihre Kälber sorgen. Während die Männchen ihre Geweihe im Spätherbst verlieren, werfen die weiblichen Tiere diese erst im Frühjahr ab.

Rentiere verändern im Laufe des Jahres ihre Augenfarbe. Während der Zeit der Mitternachtssonne ist ihre Iris gelb bis bernsteinfarben. Im Winter wechselt die Augenfarbe zu tiefblau und die Rentiere können besser sehen. Insgesamt sind Rentiere bestens an das Leben in der Arktis angepasst. Das beginnt mit den Lufteinlagerungen im Fell zur Isolation, geht über die breiten Hufe, die sie spreizen, um nicht im Schnee zu versinken, bis hin zur Rentiernase, durch die die eingeatmete Luft erwärmt wird, bevor sie in die Lungen gelangt.

Kalte Nächte: Nordlichter jagen und fotografieren

Die Aurora borealis übt seit jeher eine Faszination auf Menschen aus. Ich kann mich da nicht ausnehmen. Wenn man zum ersten Mal die Lichter am Nachthimmel tanzen sieht, ist das ein sehr ergreifender Moment. Alle, die das bereits erleben durften, wissen, wovon ich rede.

Aurora borealis

Zu verdanken haben wir das Himmelsschauspiel den sogenannten Sonnenwinden, elektrischen Teilchen, die von der Sonne ausgestoßen werden. Diese treffen in einer Höhe von 70 bis 400 Kilometern auf die Lufthülle der Erde. Die dabei entstehende Energie wird in Form von Licht wieder abgegeben. Die Intensität der Nordlichter hängt von der Solaraktivität und der Beschleunigung der elektrischen Teilchen ab. Wenn die Sonnenwinde in Erdnähe gelangen, werden sie vom Magnetfeld der Erde zu den Polen abgelenkt.

Deshalb sind die Lichterscheinungen vor allem in den Polarregionen zu sehen und werden als Polarlichter bezeichnet. Theoretisch gibt es Polarlichter das ganze Jahr über. In der Regel sind aber nur die Nächte zwischen September und März dunkel genug, um sie zu sehen. Nordlichter müssen keineswegs immer grün sein. Je nachdem, in welcher Höhe die Ionisation stattfindet, leuchten sie rot, violett oder blau. Sie erscheinen als ringförmige Strahlen, Vorhänge, Bänder oder Bögen, sind mal nahezu statisch oder flimmern und flackern über den Himmel.

Organisierte Tour oder auf eigene Faust?

Es ist keineswegs so, dass man in Tromso einfach vor die Tür tritt und mitten in der Nordlicht-Show landet. Nordlichter sind selten so stark, dass sie in hell beleuchteten Städten oder Regionen mit Lichtverschmutzung zu sehen sind. Mit etwas Glück, bei hoher Intensität und klarem Himmel, reicht in Tromso eine Fahrt mit der Seilbahn Fjellheisen auf den Storstein. Ansonsten muss man mobil sein und raus in weniger besiedelte Regionen. Dafür braucht man einen Mietwagen.

Eine Garantie Nordlichter zu sehen, gibt es selbstverständlich nicht. Verschiedene Apps und Vorhersagen liefern Prognosen über die Wahrscheinlichkeit der Beobachtung. Indikator für das Auftreten der Polarlichter ist der sogenannte KP-Index. Je höher dieser KP-Index auf der neunteiligen Skala ist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man Zeuge des Spektakels wird. Unter KP-Index 3 lohnt sich eine Nordlichtsafari kaum. Oftmals scheitert es auch am Wetter, beziehungsweise am bewölkten Himmel. Manchmal sind die Lichter am Himmel die halbe Nacht aktiv, ein anderes Mal ist das Schauspiel in wenigen Minuten wieder vorbei und mit bloßem Auge kaum sichtbar.

Organisierte Touren haben den Vorteil, dass Profis für einen das Auffinden übernehmen. Man wird bequem zu den besten Plätzen gefahren, verpflegt und mit warmen Overalls bis hin zu Stativen ausgestattet. Je nach Wettersituation kann es sein, dass die Tour sogar bis zur finnischen Grenze führt. Die Fahrer sind gut miteinander vernetzt. Dadurch erhöhen sich die Chancen, Nordlichter zu sichten, enorm.

Die meisten Touren in Tromso werden von erfahrenen Fotografen begleitet. Sie helfen, die richtigen Kameraeinstellungen zu finden und geben wertvolle Tipps. Polarlichtfotografie ist schließlich eine Königsdisziplin, die man nicht einfach mit dem Automatikmodus einer Kamera meistert. Wenn du über wenig fotografisches Grundwissen verfügst, bist du auf so einer Nordlichtertour gut aufgehoben. Hinzu kommt, dass leichte Lichterscheinungen mit blossem Auge nicht erkennbar sind. Erst durch die Kamera werden sie sichtbar. Wenn einem das niemand sagt, sitzt man vielleicht stundenlang in der Kälte und verpasst gute Aufnahmen.

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Ablauf der Tour

Ich entscheide ich mich für den Veranstalter Greenlander. Dieser verspricht Ausflüge in kleinen Gruppen mit einem professionellen Fotografen und stellt Stative zur Verfügung. Bereits bei der Abholung im Hotel erklärt uns unser Guide, dass es in den vergangenen Tagen kaum Aktivität gab oder der Himmel bewölkt war. Noch dazu ist gerade Vollmond. Die Voraussetzungen sind also nicht unbedingt die besten.

Wir sind eine Gruppe von acht Frauen aus Australien, Korea, den USA, Frankreich, Dänemark und der Schweiz. Etwa 40 Minuten Autofahrt von Tromso entfernt, machen wir es uns an einem kleinen Strand auf der Insel Kvaløya bei einem Lagerfeuer gemütlich. Eingemümmelt in warme Kleidung haben wir die Kameras bereits positioniert und harren der Dinge oder Lichter, die da hoffentlich auf uns zukommen. Nach meiner Tour in Island vor drei Jahren weiß ich, dass so eine Nacht im Freien extrem kalt werden kann. Deshalb bin ich bestens ausgerüstet. Gutes Schuhwerk, Mütze und Handschuhe sind unbezahlbar. Den vom Veranstalter zur Verfügung gestellten Overall nehme ich ebenfalls gerne an.

Zwischendurch gibt es heiße Kürbissuppe, später noch Tee oder heiße Schokolade und Kekse. Für diejenigen, die schnell frösteln, hat unser Guide sogar Thermopad Zehenwärmer mitgebracht. Etwa um 22:00 Uhr zeigt sich ein erster scheuer Lichtstreifen am Himmel. Wir nutzen den Moment und machen Aufnahmen. Gegen 23:30 Uhr bekommen wir nochmals ein paar Lichter zu sehen. Gemäß Vorhersage ist für später in der Nacht mit keiner Aktivität mehr zu rechnen. Deshalb treten nach Mitternacht dann den Rückweg an.

Einige sind enttäuscht. Sie hätten mehr erwartet. Ich bin dankbar, dass ich einen schönen Abend erleben durfte. Allerdings habe ich bereits in Reykjavik stundenlang richtig intensive Nordlichter am Himmel tanzen sehen. Dieses eindrückliche Schauspiel wird mir mein Leben lang in Erinnerung bleiben.

Nordlichter fotografieren

Wenn du das Spektakel am Nachthimmel fotografisch festhalten willst, brauchst du zuerst einmal die richtige Ausrüstung. Dazu gehört ein stabiles Stativ, das nicht gleich beim kleinsten Windhauch in die Knie geht. Das Stativ ist unabdingbar, da du beim Fotografieren von Polarlichtern mit Langzeitbelichtung arbeitest. Damit du beim Betätigen des Auslösers nicht unnötig alles verwackelst, verwendet man entweder den Selbst- oder einen Fernauslöser. Ich kann meine Sony Alpha 7ii z.B. über mein iPhone steuern. Ein Ersatzakku sollte ebenfalls mit ins Gepäck.

Idealerweise verwendet man ein lichtempfindliches Weitwinkelobjektiv. Mein Reiseobjektiv (3.5–6.3/18–200) ist dafür sicherlich nicht optimal, aber ausreichend. Jetzt geht es noch um die richtigen Kameraeinstellungen:

  • Fokus auf unendlich stellen. Dazu verwendet man den manuellen Modus der Kamera (M). Manche Objektive haben ein ∞ als Symbol am Objektivring. Ist ein solches nicht vorhanden, sucht man sich einen Fokuspunkt, z.B. ein Licht am Horizont oder einen Stern und stellt so scharf.
  • Größtmögliche Blende (niedrigste Zahl) wählen, in meinem Fall f 3.5.
  • Verschlusszeit zwischen 2 und 25 Sekunden einstellen. Nordlichter, die sich bewegen, brauchen eine möglichst kurze Belichtungszeit. Ansonsten erscheint das Bild verzerrt. Schwache Polarlichter muss man länger belichten.
  • Richtigen ISO-Wert testen. Dunkle Nächte erfordern eine hohe ISO, bis zu 3200. Bei Vollmond oder sehr starken Nordlichtern kann wie in meinem Fall ISO 800 ausreichen.
  • Bildkomposition nicht vergessen! Ein Foto nur mit Himmel und bunten Lichtstreifen könnte langweilig sein. Achte auf die Bildgestaltung und bringe Bäume, Berge, Gebäude oder Menschen (nicht bewegen) mit ins Bild.
Das Wichtigste ist, diese Einstellungen zu Hause zu testen.

Du solltest genau wissen, wie deine Kamera funktioniert und wie man die Einstellungen vornimmt. Wenn du das bei Kälte und Dunkelheit erstmals versuchst, kann das nämlich gehörig daneben gehen. Meine Bilder damals in Island sind nicht wirklich geglückt und nach einiger Zeit hat mein Akku wegen der Kälte den Geist aufgegeben. Insofern bin ich mit meiner Ausbeute dieses Mal ganz zufrieden. Aber Nordlichter jagen macht süchtig! Deshalb hoffe ich, auch auf den Lofoten nochmals Nordlichter zu sehen.

Nordlichter bei Tromso und Rentiere
Rentiere streicheln und Nordlichter jagen: Ausflüge rund um Tromso 2

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© TRAVELLINGCAROLA

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