Der Vierwaldstättersee mit seiner fjordartigen Landschaft und dem milden, fast mediterranen Klima gilt als Herz und Wiege der Zentralsschweiz. Seinen Namen verdankt der See, den vier historischen Waldstätten: dem Kanton Luzern und den drei Urkantonen Uri, Schwyz und Unterwalden (heute Nidwalden und Obwalden). Manche beschreiben ihn als blaues Juwel. Unbestritten ist er der facettenreichste und symbolträchtigste See der Schweiz.
Seine sieben Arme greifen weit ins Land hinein. Alle weisen ein eigenständiges Landschaftsbild auf. Und so sind die 150 Kilometer Uferlänge sehr abwechslungsreich. Das Luzerner Seebecken im Nordwesten ist flach, der Urnersee im Süden ist tief eingeschnitten und umgeben von hohen Gipfeln.
Genau diese Vielfalt spiegelt sich bei Wanderungen am Vierwaldstättersee wider. Auf Genusswanderungen vereinen sich das alpine Panoramen mit mediterranem Flair und historische Pfade mit kulinarischen Höhepunkten. Wer am Vierwaldstättersee wandert, entdeckt nicht nur atemberaubende Aussichten, sondern auch verborgene Gasthäuser, die nur zu Fuß, mit dem Boot oder per Seilbahn erreichbar sind.
Inhalt
Genusswanderungen – Wanderungen mit Einkehrmöglichkeit
Für mich bedeutet Genusswandern, moderate Touren zu unternehmen, bei denen sich Naturerlebnis und kulinarische Freuden perfekt verbinden. Diese Wanderungen stellen keine allzu großen Anforderungen an Kondition und Technik, belohnen dich aber mit herrlichen Aussichten auf jedem Schritt des Weges. Das Besondere: Es sind Wanderungen mit Einkehrmöglichkeit. Im Zentrum steht neben der Bewegung in der Natur auch die Einkehr in ausgewählten Gasthäusern und Restaurants.
Dabei geht es um weit mehr als bloße Nahrungsaufnahme – es sind kulinarische Erlebnisse in außergewöhnlicher Lage. Diese versteckten Perlen sind meist nur zu Fuß, per Boot oder Seilbahn erreichbar und liegen fernab des Autoverkehrs. Hier vereinen sich regionale Spezialitäten mit atemberaubenden Panoramen und rustikaler Charme mit exquisiter Küche. Genusswanderungen schaffen diese perfekte Balance: genug Bewegung, um den Appetit anzuregen, und genug Muße, um die Landschaft zu genießen. Am Ziel oder unterwegs erwartet einen schließlich ein kulinarisches Highlight, das die Wanderung krönt.
Aussichtsreiche Wanderungen am Vierwaldstättersee: Ennetbürgen zum Restaurant Obermatt
Die Wanderung beginnt im idyllischen Ennetbürgen, einem Dorf, das direkt am Fuße des imposanten Bürgenstocks liegt. Da es sich nicht um eine Rundwanderung handelt, parke ich mein Auto am Bahnhof in Stansstad und nehme Zug und Postauto bis Ennetbürgen Dorf.
Der erste Abschnitt der Wanderung führt durch ruhige Wohnquartiere, bevor sich der Weg allmählich den Hang hinaufschlängelt. Der Anstieg zur Kapelle St. Jost ist durchgehend spürbar, bleibt aber technisch einfach und ist auch für Gelegenheitswanderer gut zu bewältigen. Der Wechsel zwischen asphaltierten Abschnitten und natürlichen Pfaden sorgt für angenehme Abwechslung, während sich mit jedem Höhenmeter der Blick weiter öffnet.

Was mich bei dieser Tour immer wieder begeistert, ist das Panorama, das sich mit zunehmender Höhe entfaltet und zu den schönsten der Zentralschweiz zählt. Der Vierwaldstättersee breitet sich in seiner charakteristischen Form unter dir aus, flankiert vom markanten Bürgenstock auf der einen und dem kegelförmigen Stanserhorn auf der anderen Seite. An klaren Tagen reicht der Blick bis zu den schneebedeckten Gipfeln der Urner Alpen – ein perfektes Motiv für Fotografen und Naturliebhaber.

Die auf etwa 650 Metern gelegene Kapelle St. Jost selbst ist mehr als nur ein Wegpunkt. Diese kleine, liebevoll gepflegte Kapelle bietet eine willkommene Rastmöglichkeit und einen Ort der Stille und Besinnung. Ihre schlichte Architektur und ruhige Lage laden zum Verweilen ein. Besonders im Frühling, wenn die umliegenden Wiesen mit Wildblumen übersät sind, wirkt dieser Ort fast wie verzaubert.

Nach einer wohlverdienten Pause folgt ein letzter kurzer Anstieg, bevor der Weg in Serpentinen relativ steil bergab führt. Dieser Abschnitt erfordert, insbesondere nach Regenfällen, etwas Trittsicherheit. In Untermatt angekommen, öffnet sich plötzlich der Blick und du wirst mit einem atemberaubenden Panorama auf den glitzernden Vierwaldstättersee belohnt. Die Weite des Sees, eingerahmt von den charakteristischen Bergen der Region, bietet ein postkartenreifes Motiv, das zum Innehalten und Genießen einlädt. Hier zeigt sich die typische Kulturlandschaft der Zentralschweiz von ihrer besten Seite – besonders im Frühsommer, wenn das satte Grün der Wiesen mit den bunten Wildblumen um die Wette leuchtet.
An diesem Punkt hast du die Wahl: Entweder du wanderst weiter zum Restaurant Obermatt und genießt dort eine Einkehr mit Seeblick oder du nimmst direkt den Weg nach links Richtung Kehrsiten, wo ebenfalls einige Restaurants auf hungrige Wanderer warten. Beide Optionen haben ihren Reiz: Die Obermatt besticht durch ihre einzigartige, nur zu Fuß oder per Boot erreichbare Lage, während der direkte Weg nach Kehrsiten etwas kürzer ist.

Der Weg zur Obermatt führt dich gemächlich durch schattige Waldabschnitte hinunter zum See. Dieser entspannte Abschnitt gibt dir Zeit, die Natur in Ruhe auf dich wirken zu lassen: Das Spiel von Licht und Schatten zwischen den Bäumen, das Rauschen des Windes in den Kronen und gelegentliche Ausblicke auf das glitzernde Wasser begleiten dich auf diesem Teil der Wanderung.
Nach der Einkehr beginnt der letzte Teil der Tour. Der Rückweg führt dich auf einem schmalen Pfad unterhalb des Bürgenstocks in ständigem Auf und Ab durch dichten Wald. Dieses Teilstück hat seinen eigenen Charme, erfordert aber auch erhöhte Aufmerksamkeit. An einigen Stellen warnen Hinweisschilder vor möglichem Steinschlag – hier solltest du besonders achtsam sein und dich nicht unnötig aufhalten.
Der Weg führt dich schließlich zur Talstation der Bürgenstockbahn in Kehrsiten. Hier bietet sich eine reizvolle Alternative zum Wandern: Du kannst mit dem Katamaran direkt nach Luzern übersetzen und deine Tour so mit einer malerischen Bootsfahrt abschließen. Wenn du jedoch die gesamte Wanderung genießen möchtest, folgst du dem Weg weiter entlang der Straße am Seeufer bis nach Stansstad. Leider verläuft diese letzte Etappe überwiegend auf Asphalt und verliert gegen Ende beim Kieswerk etwas an landschaftlichem Reiz – ein kleiner Wermutstropfen in einer ansonsten wunderbaren Wanderung. Dennoch bildet die Ankunft in Stansstad mit seinen hübschen Häusern einen passenden Abschluss für diesen erlebnisreichen Tag.
Gastaus Obermatt
Diese kulinarische Oase ist nur zu Fuß oder per Privatboot erreichbar. Die meisten Gäste kombinieren ihren Besuch im Restaurant mit einer Bootsfahrt. Gerade diese Abgeschiedenheit macht den besonderen Charme des Ortes aus. Auf den großzügigen Terrassen, direkt am Wasser oder etwas erhöht, kannst du bei gutem Wetter einen atemberaubenden Panoramablick über den glitzernden Vierwaldstättersee genießen.

Die Speisekarte des Gasthauses bietet vor allem Schweizer Klassiker und regionale Spezialitäten. Besonders beliebt sind die Fischgerichte mit fangfrischen Forellen aus dem See sowie saisonale Angebote wie Spargel im Frühling. Die Preise bewegen sich im gehobenen Bereich, was angesichts der exklusiven Lage nicht überrascht. Während Fleischliebhaber mit dem Obermatt-Steak vollauf zufrieden sein werden, ist das Angebot für Vegetarier eher überschaubar und für Veganer ohne Anpassung bestehender Gerichte nicht vorhanden.
Ein Tipp für deine Wanderplanung: Da das Restaurant bei Ausflüglern sehr beliebt ist, empfiehlt sich eine Reservierung, vor allem an Wochenenden und sonnigen Tagen.
Aussichtsreiche Wanderung von Hinterbergen zum Urmiberg
Die Wanderung beginnt in Hinterbergen, einem idyllischen Bergweiler oberhalb von Vitznau. Um dorthin zu gelangen, nutzt du am besten die Seilbahn Hinterbergen, deren Talstation an der Oberdorfstraße 22 in Vitznau liegt. Von der Bushaltestelle oder Schiffsstation in Vitznau erreichst du die Talstation in fünf bis zehn Minuten zu Fuß. Alternativ zur Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln kannst du auch mit dem Auto anreisen. Bei meiner Tour habe ich das Auto bei der Talstation der Urmibergbahn in Brunnen geparkt und bin mit dem Bus der Linie 508 (Schwyz–Brunnen–Gersau–Küssnacht) bis Vitznau gefahren.
Die Seilbahn Hinterbergen hat eine Besonderheit: Sie fährt nach Bedarf und ohne festen Fahrplan, ist aber rund um die Uhr in Betrieb. Das Ticketsystem funktioniert entweder über Selbstbedienung am Automaten oder durch Personal an der Bergstation. Eine einfache Fahrt kostet 10 CHF, die Hin- und Rückfahrt 20 CHF. Kinder bis 16 Jahre fahren in Begleitung eines Erwachsenen kostenlos. Am Automaten kannst du mit Bargeld, Kreditkarte oder Twint bezahlen. Wichtig: Studiere unbedingt genau die Bedienungsanleitung an der Station, da das System für Erstbesucher nicht selbsterklärend ist.

Schon beim Aussteigen aus der Seilbahn in Hinterbergen erwartet dich ein atemberaubendes Panorama. Der Vierwaldstättersee liegt zu deinen Füßen und wird von den imposanten Gipfeln der Innerschweizer Alpen umrahmt. Der Startpunkt der Wanderung liegt auf etwa 1066 Metern über dem Meeresspiegel. Das Ziel «Urmiberg» ist zu Beginn noch nicht ausgeschildert, daher orientierst du dich zunächst an den Wegweisern Richtung Pfäng. Die Wandermarkierungen sind weiß-rot-weiß und in der Regel gut erkennbar.
Der erste Abschnitt führt über asphaltierte Straßen und später über Wiesenwege, die teilweise steil ansteigen. Du passierst vereinzelte Bergbauernhöfe und offene Weideflächen. Bei klarem Wetter reicht der Blick von hier aus bis zu den schneebedeckten Gipfeln der Urner Alpen. Nach etwa einer halben Stunde hast du den ersten Anstieg bewältigt.

Ab hier wechselt die Landschaft zwischen offenen Wiesenabschnitten und schattigen Waldpassagen. Besonders im Frühjahr und Frühsommer zeigt sich hier die alpine Flora in ihrer vollen Pracht: Enzian, Alpenrosen und verschiedene Orchideenarten säumen den Weg. Der Pfad ist in diesem Bereich nicht immer eindeutig erkennbar, da mehrere Wegspuren durch die Wiesen führen. Halte dich deshalb an die Wandermarkierungen oder folge dem breiteren, erkennbaren Trampelpfad.

Nach etwa drei Kilometern erreichst du einen besonders reizvollen Abschnitt: den Zwärgliweg bei Rigi Burggeist. Dieser Teil der Strecke führt durch dichten Wald und ist mit liebevollen Details gestaltet. Hier kommst du an eine Stelle, an der du eine Leiter überwinden musst – ein kleines Abenteuer, das der Tour zusätzlichen Reiz verleiht. Dieser Wegabschnitt ist besonders für Familien mit Kindern ein Highlight. Später geht es leicht ansteigend auf der Straße Richtung Gätterlipass.

Der Gätterlipass liegt auf einer Höhe von etwa 1.190 Metern und markiert einen wichtigen Orientierungspunkt auf der Wanderung. Das urchige Bergrestaurant am Fusse der Hochfluh ist ein beliebtes Bike- und Wanderziel. Am 1. Mai ist die das Restaurant noch nicht geöffnet.
Nach dem Pass durchquerst du ein faszinierendes Hochmoor, ein besonders sensibles Ökosystem, in dem du die markierten Wege nicht verlassen solltest. Von hier aus eröffnet sich eine wunderbare Aussicht auf den Lauerzersee, der wie ein blaues Juwel zwischen den grünen Hügeln eingebettet liegt.

Im weiteren Verlauf folgt eine längere, eher monotone Forststraße, die dich durch dichten Nadelwald führt. Dieser Abschnitt bietet eine willkommene Abwechslung zum offenen Gelände und spendet an heißen Tagen angenehmen Schatten. Nach einem letzten, moderaten Anstieg beginnt der steile Abstieg zum Restaurant Urmiberg oder Timpelweid.
Restaurant Urmiberg (Timpelweid)
Am Ende der Wanderung wartet im Restaurant Urmiberg eine ganz besondere Belohnung. Auf 1140 Metern über dem Meeresspiegel bietet diese Einkehrmöglichkeit ein beeindruckendes Panorama. Von der sonnigen Terrasse oder dem gemütlichen Cheminée-Stübli aus schweift der Blick gleichzeitig über den Urnersee.
Das direkt an der Bergstation der Urmibergbahn gelegene Restaurant serviert traditionelle Schweizer Küche mit regionalem Einschlag. Positiv überrascht hat mich bei meinem Besuch der freundliche und aufmerksame Service. Allerdings empfand ich die Portionen angesichts der doch recht gehobenen Preise als eher klein. Hier zahlt man sicherlich auch für die einmalige Lage mit.

Nach einem guten Essen kannst du entweder mit der Urmibergbahn ins Tal schweben oder den Abstieg zu Fuß antreten. Die Luftseilbahn verkehrt im Halbstundentakt zwischen 9.05 Uhr und 18.05 Uhr (jeweils zur Minute 05 und 35). Eine einfache Fahrt kostet für Erwachsene 13 CHF, die Rückfahrt 22 CHF. Kinder bis zum 7. Lebensjahr fahren kostenlos, Jugendliche zwischen 7 und 16 Jahren zahlen 8 CHF für die einfache Fahrt bzw. 14 CHF für die Rückfahrt.

Wichtig zu wissen: GA und Halbtax haben keine Gültigkeit, da es sich um eine Privatbahn handelt. Die Seilbahn kann aktuell nur bar bezahlt werden, eine Zahlung mit Kreditkarte oder Twint ist nicht möglich. Auch im Restaurant ist Bargeld die bevorzugte Zahlungsart. Nimm also ausreichend Bargeld mit.
Da das Restaurant bei Ausflüglern sehr beliebt ist, lohnt sich vor allem an sonnigen Wochenenden eine telefonische Reservierung Bei unsicherem Wetter solltest du vorher einen Blick auf die Website werfen oder anrufen, um zu erfragen, ob die Bahn in Betrieb ist, da der Betrieb bei starkem Wind oder Dauerregen manchmal eingestellt wird.
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