Der Ballon hebt ab. Zunächst nur langsam und fast unmerklich. Unter uns löst sich das Feld auf, die Menschen werden kleiner und verschwinden schließlich ganz in der Landschaft. Was bleibt, ist Stille. Nur das Fauchen des Brenners durchbricht sie hin und wieder. Litauens Seenlandschaft breitet sich unter uns aus wie eine Karte: dunkles Grün, schimmerndes Wasser, Wälder bis zum Horizont. Der Abend taucht alles in warmes Licht und der Ballon gleitet lautlos hindurch.
Dann ist sie da: die Burg von Trakai auf ihrer Insel im Galvė-See. Roter Backstein, von der Abendsonne angestrahlt, und das Wasser ringsum in Gold- und Orangetönen. Am Morgen bin ich noch über die Holzbrücke gegangen, habe die Räume der Burg erkundet und bin im Innenhof gestanden. Jetzt schwebe ich darüber. Es ist einer dieser Momente, die sich festsetzen.
Diesen Moment verdanke ich einem Quäntchen Glück. Wäre alles nach Plan gelaufen, wären wir über Vilnius gefahren. Ich glaube, mit Trakai haben wir das bessere Los gezogen.
Inhalt
Tagesausflug Trakai ab Vilnius
Trakai war die ehemalige Hauptstadt des Großfürstentums Litauen und ist heute eines der beliebtesten Ausflugsziele ab Vilnius. Ein Tagesausflug nach Trakai lässt sich unkompliziert organisieren, denn das Städtchen liegt weniger als 30 Kilometer von der litauischen Hauptstadt entfernt. Mit dem Zug brauchst du etwa 34 Minuten. An der Endstation landest du in einem anderen, ländlicheren Litauen. Holzhäuser, Seen, Gärten und ein bisschen Ferienstimmung erwarten dich.
Vom Bahnhof aus sind es rund zweieinhalb Kilometer bis zur Burg. Die Strecke lässt sich gut zu Fuß zurücklegen. Falls dir der Weg zu weit ist, nimmst du einfach den Trakai CityBus. Er fährt vom Busbahnhof zur Inselburg, weiter zum Strand am Akmena-See und zum Užutrakis-Park. Das Ticket kostet EUR 2 pro Person, tagsüber fährt der Bus etwa alle 30 bis 40 Minuten. Die Haltestelle für die Inselburg heißt Pilis. Ich würde dir den Spaziergang empfehlen, denn er stimmt dich langsam auf das Kommende ein.

Die wichtigsten Infos zum Ausflug Trakai ab Vilnius: Entfernung: knapp 30 Kilometer
Zugfahrt: etwa 34 Minuten
Fußweg vom Bahnhof zur Wasserburg Trakai: rund 2.5 Kilometer
Alternative: Trakai CityBus bis Haltestelle Pilis
Zeitbedarf: halber bis ganzer Tag
Die Wasserburg Trakai
Und was dann kommt, ist beeindruckend. Eine Holzbrücke führt dich auf die Insel. Dort, auf der anderen Seite, wartet die Wasserburg Trakai auf dich: roter Backstein auf blauem Wasser, mitten im Galvė-See.
Die Burg wurde im 14. Jahrhundert von Großfürst Kęstutis begonnen und von seinem Sohn Vytautas vollendet. Sie gilt als die einzige Wasserburg Osteuropas. In ihrem Inneren befindet sich heute ein Museum mit Ausgrabungsfunden, Rüstungen, Gemälden und mittelalterlichen Alltagsgegenständen. Mein persönliches Highlight war der Innenhof der Hauptburg. Dort wird die Geschichte des Ortes am greifbarsten.
Der Eintritt kostet im Sommer EUR 12, von Oktober bis April EUR 10 (2026).
Nimm dir vor oder nach dem Besuch ein paar Minuten Zeit und gehe einmal um die Burgmauern. Der Blick verändert sich mit jedem Schritt. Mal wirkt die Burg wehrhaft, mal fast märchenhaft. Am gegenüberliegenden Seeufer liegt das weiße Užutrakis-Herrenhaus, ein neoklassizistischer Bau aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Vom Ufer auf den See
Zurück am Seeufer kommst du an Souvenirständen vorbei. Vieles ist der übliche Touristenkram, aber du findest auch Bernsteinschmuck, für den Litauen bekannt ist. Ein Stück weiter lohnt sich ein kurzer Stopp beim Castle Island Viewing Deck. Von dort hast du einen der schönsten Blicke auf die Burg.
Danach kannst du noch eine Bootsfahrt machen. Die lässt sich spontan direkt am Ufer buchen. Für rund EUR 6 schipperst du etwa 45 bis 60 Minuten über den See, die Burg immer in Sichtweite. Nach dem Museumsbesuch ist das eine schöne Möglichkeit, Trakai noch einmal aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Kibinai – wenn der kleine Hunger kommt
Trakai ist die Hochburg der Kibinai. Die gefüllten Teigtaschen sind ein traditionelles Gericht der Karaimer, einer kleinen Volksgruppe türkischer Abstammung. Im 14. Jahrhundert holte Großfürst Vytautas sie als Leibwächter von der Krim nach Litauen.
Klassischerweise sind Kibinai mit Lamm- oder Schweinefleisch gefüllt. Heute gibt es sie auch mit Huhn, Pilzen oder vegetarisch. Im Senoji Kibininė an der Hauptstraße und im Trakų dvarelis kosten sie ab EUR 3 pro Stück.
Das ist ein ruhiger Abschluss für einen Ausflug, für den man keine große Planung braucht. Wir sind um 09:25 Uhr in Vilnius losgefahren und waren um 14:10 Uhr wieder zurück. Die Zeit war ausreichend.
Ausflugstipp: Wenn du das Rundum-Sorglos-Paket buchen möchtest, kannst du dich für eine Halbtagestour nach Trakai mit dem Minivan [Affiliate] entscheiden.
Ballonfahrt Trakai, mit Hindernissen zum Highlight
Es ist nicht meine erste Fahrt mit dem Heißluftballon. Dubai und Bagan haben mir bereits gezeigt, was dieses Erlebnis zu bieten hat. Doch dieser Abend in Litauen ist anders. Nicht trotz, sondern wegen der Hindernisse. Gebucht hatten wir eigentlich eine Ballonfahrt ab Vilnius in den Morgenstunden. Gefahren sind wir am Ende über Trakai, und genau das machte den Abend besonders.
Vilnius gehört zu den wenigen europäischen Hauptstädten, in denen Ballonfahrten über dem Stadtzentrum erlaubt sind. Das ist schon eine Besonderheit. Hinzu kommt, dass Ballonfahrten in Litauen im europäischen Vergleich verhältnismäßig günstig sind.
Vielleicht stolperst du über das Wort «Ballonfahrt». Streng genommen fliegt ein Heißluftballon nicht, sondern er fährt. Diese Erklärung kommt aus der Geschichte der Ballonfahrt und der Seefahrt. Die ersten Ballonpioniere sprachen vom Luftmeer, das sie befuhren. Außerdem bewegt sich ein Ballon nicht aktiv wie ein Flugzeug, sondern wird vom Wind getragen. Er steigt, sinkt und sucht sich verschiedene Luftschichten, mit denen er weiterfährt. In der Ballonwelt sind deshalb auch Begriffe wie «Ballonfahrer» oder «Ballonfahrt» üblich.
Wichtig: Wenn du eine Ballonfahrt in Litauen planst, solltest du sie möglichst an den Anfang deiner Reise legen. Das Wetter entscheidet, ob gestartet werden kann, und ein Ersatztermin ist Gold wert.
Erst die Absage, dann der Ersatztermin
Nach einem Blick in die Wetter-App sind wir nicht überrascht, als am Vorabend die Absage kommt. Es weht zu viel Wind über Vilnius. Also planen wir um und machen stattdessen einen Tagesausflug nach Trakai, um flexibel zu bleiben. Der Ersatztermin kommt dann für den Abend. Treffpunkt ist in der Nähe des Kathedralplatzes. Unterwegs sammeln wir weitere Gäste ein. Am Ende sind wir eine Gruppe von sechs Personen.
Dann folgt die nächste Hiobsbotschaft. Der Wind weht in Richtung Flughafen. Der Luftraum ist gesperrt. Über dem Ausweichstandort Trakai liegt zudem eine dunkle Wolke. Es ist mit Regen zu rechnen, Gewitter sind nicht ausgeschlossen. Wir diskutieren lange. Fahren oder bleiben? Aufgeben oder hoffen? Niemand hat Pläne für den Abend. Im schlimmsten Fall fahren wir unverrichteter Dinge zurück. Also entscheiden wir uns für Trakai.
Unterwegs klart es auf. Die Wolken reißen auf, die Sonne kommt heraus und die Windverhältnisse passen. Plötzlich wird aus Warten wieder Vorfreude.
Der Ballon erwacht
Am Startplatz muss alles schnell gehen. Das Licht wird weicher, der Abend rückt näher und für eine Ballonfahrt bleibt nur ein begrenztes Zeitfenster. Unser Pilot, der Fahrer und sein kleiner Sohn laden den Korb ab, ziehen die Hülle aus dem Anhänger und breiten sie auf der Wiese aus.
Zunächst liegt der Ballon wie ein riesiges, schlafendes Tier im Gras. Meter um Meter Stoff, noch flach, schwer und unscheinbar. Dann beginnt der Ventilator zu arbeiten. Kalte Luft strömt in die Hülle, der Stoff hebt sich ein wenig, fällt zurück, hebt sich wieder. Aus Falten werden Formen. Aus Stoff wird Volumen. Der Brenner kommt dazu. Ein tiefes Fauchen ertönt, man spürt plötzlich Wärme im Gesicht, dann richtet sich die Hülle langsam auf. Der Ballon wächst in den Himmel, als würde jemand den Abend selbst aufblasen. Der Korb kippt in die richtige Position, die Seile spannen sich und alle Bewegungen werden konzentrierter.
Am gleichen Startplatz bereitet ein zweites Team eines anderen Anbieters seinen Ballon vor. Auch dort wird gezogen, gehalten, geprüft und gewartet. Doch bei uns geht alles erstaunlich routiniert vonstatten. Nach etwa 20 Minuten klettern wir bereits in den Korb.
So ein Korb ist nicht besonders geräumig. Man steht eng beieinander, Schulter an Schulter, die Kamera griffbereit, die Hände am Rand. Über uns ist der Brenner, der immer wieder mit voller Kraft losfaucht und ordentlich Wärme abgibt. Der Pilot erklärt noch das Verhalten bei der Landung. Dann löst sich der Korb vom Boden. Nicht ruckartig, nicht dramatisch. Es ist eher so, als hätte jemand die Schwerkraft leiser gedreht.
Über der Wasserburg von Trakai
Ich mag dieses Gefühl, wenn die Welt unter mir kleiner wird. Erst sind da noch die Menschen am Startplatz, der Van, der Anhänger, die Wiese. Dann werden daraus Punkte, Linien, Farben. Der See rückt näher, die Bäume bilden ein grünes Muster, und plötzlich liegt die Wasserburg von Trakai unter uns.
Von oben wirkt sie noch unwirklicher als vom Ufer aus. Roter Backstein, umgeben von glitzerndem Wasser und eingebettet in Grün. Am Morgen stand ich noch zwischen ihren Mauern. Jetzt gleitet der Ballon darüber hinweg. Genau für solche Perspektivwechsel reise ich.
Danach öffnet sich der Blick auf die Seen der Umgebung und das weite Land bis nach Kaunas. Das Licht liegt weich auf dem Wasser, kleine Boote ziehen Linien über den See und Wälder verschlucken Straßen und Häuser. Im Korb ist es stiller als erwartet. Es gibt keinen Fahrtwind und keine Motorengeräusche, nur ab und zu ist der Brenner zu hören. Dazwischen herrscht diese besondere Ruhe, die es nur im Ballon gibt.

Unser Pilot erklärt viel. Unter anderem auch, wie man einen Heißluftballon lenkt. Direkt steuern lässt dieser sich jedoch nicht. Der Pilot verändert die Höhe, denn in verschiedenen Luftschichten weht der Wind oft aus unterschiedlichen Richtungen. Durch gezieltes Steigen und Sinken sucht er sich seinen Weg. Das klingt einfach, erfordert aber Erfahrung, Beobachtungsgabe und ein bisschen Intuition.
Die Suche nach dem richtigen Landeplatz
Irgendwann stellt sich die entscheidende Frage: Wo soll gelandet werden? Nicht mitten im Feld, nicht zu nah an Bäumen und auch nicht dort, wo der Van nicht hinfahren kann. Schließlich müssen Korb, Hülle und Menschen wieder eingesammelt werden.
Wir gleiten tiefer. Die Landschaft wird wieder konkreter. Wir erkennen einzelne Häuser, Gärten, Wege und Menschen. Einige winken. Wir winken zurück. Es ist lustig, für ein paar Minuten diese unerwartete Erscheinung am Himmel zu sein.
Die Landung ist sanft. Ein kurzer Ruck, dann stehen wir wieder auf der Erde. Nach etwa einer Stunde in der Luft ist der Zauber zwar nicht vorbei, aber er hat wieder Gewicht bekommen. Der Ballon sinkt in sich zusammen, der Stoff liegt im Gras. Alle helfen ein wenig mit. Aus dem Himmel wird wieder Ausrüstung.
Zum Abschluss gibt es ein Zertifikat und ein Glas Sekt. Eine kleine Zeremonie, wie sie zur Ballonfahrt gehört. Danach fahren wir zurück nach Vilnius. Der einzige Wermutstropfen: An diesem Abend tanzen keine anderen Ballons mit uns am Himmel. Gerade über Trakai hätte ich mir dieses Bild besonders schön vorgestellt.
Ballonfahrt in Litauen buchen
Wir haben direkt bei Smile Balloons gebucht, die Preise beginnen je nach Abenteuer bei EUR 140 pro Person. Smile Balloons fliegt von April bis November. Die Kommunikation ist vorbildlich und alle sind sehr professionell. Alternativ findest du das Unternehmen auch auf GetYourGuide.
Fazit
Trakai lohnt sich schon als Tagesausflug ab Vilnius. Die Wasserburg, der See, die Bootsfahrt und ein paar Kibinai reichen für einen entspannten halben Tag völlig aus. Wenn du die Möglichkeit hast, am Abend mit dem Heißluftballon über Trakai zu fahren, wird daraus etwas Besonderes.
Ich hatte mich auf Vilnius von oben gefreut. Bekommen habe ich Trakai im Abendlicht. Manchmal ist genau das der bessere Plan.
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