Kategorien Rundreisen

Streymoy & Eysturoy: die sieben schönsten Orte und ein Guide für die Inselhauptstadt Torshavn

Schreibe Einen Kommentar

Die Färöer Inseln mitten im Atlantik sind ein einziges Fotomotiv. Die Liste mit sehenswerten Orten ist lang. Die gute Nachricht: Die meisten von ihnen kannst du während einer einwöchigen Rundreise entdecken. Eine ganze Reihe von Attraktionen liegen kompakt und ohne größere Entfernungen auf den beiden Hauptinseln Streymoy und Eysturoy. Tórshavn ist zwar das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes, für eine Hauptstadt – so wie alles auf Färöer – allerdings sehr übersichtlich.

Auf Färöer ist der Weg das Ziel. Es gibt jedoch ein paar Orte, die du nicht verpassen solltest. Meine Highlights unter den wenigen Sehenswürdigkeiten in Tórshavn und auf den beiden Inseln Streymoy und Eysturoy habe ich hier zusammengestellt.

Streymoy

Nach den Erkundungen auf Vagar und etwas Lichtkunst 150 Meter unter dem Meer im Norðoyatunnilin sind wir gespannt, was uns auf Streymoy erwartet. Im Laufe der kommenden Tage wollen wir in die Inselhauptstadt sowie die Hauptsehenswürdigkeiten Kirkjubøur, Saksun und Tjørnuvík besuchen und eine Bootsfahrt entlang der Vogelklippen von Vestamanna unternehmen.

Tórshavn und seine Sehenswürdigkeiten

Mit nur 14’000 Einwohnern ist Tórshavn eine der kleinsten Hauptstädte der Welt. Aber immerhin gibt es hier einige gute Restaurants, Cafés, an den Wochenenden so etwas wie ein Nachtleben, ein Einkaufszentrum und die größte Dichte an Verkehrsampeln auf Färöer. All das vermittelt einen Hauch von Großstadtluft. Nach ganz viel Natur ist das eine willkommene Abwechslung. Wir lassen für einen Tag unser Mietauto stehen und erkunden Tórshavn zu Fuß. Die Erkenntnis dabei: Nach einem Tag hat man wirklich alles gesehen.

Tinganes

Die kleine Halbinsel zwischen Ost- und Westhafen ist der älteste Teil von Tórshavn. Schon die Wikinger kamen um 900 n. Chr. hier zum Ting (Volksversammlung) zusammen. Noch heute werden einige der wunderschönen roten Holzhäuser als Regierungsgebäude genutzt. Daneben befinden sich winzige schwarz geteerte Häuser. Mit den weiß getünchten Steinsockeln, den bunten Fensterrahmen, den Grasdächern und niedlichen Gärten wirken sie wie aus der Zeit gefallen. Tinganes ist sicherlich das Highlight in Tórshavn und eignet sich perfekt für einen kleinen Erkundungsspaziergang. Im Norden der Halbinsel liegt die Domkirche.

Die Häfen östlich und westlich von Tinganes sind wie aus dem Bilderbuch: Boote schaukeln im spiegelglatten Wasser, die bunten Gebäude reflektieren sich darin. Ein klein wenig erinnert der Westhafen an Nyhavn in Kopenhagen – einfach als Mini-Ausgabe.

Festung Skansin

Leuchttürme in aussichtsreicher Lage gibt es wahrlich genug auf Färöer. Da kann der kleine Skansin Leuchtturm in der Hauptstadt nicht mithalten. Festungen und Überreste von Militärstützpunkten mit dänischen Kanonen stehen ebenfalls nicht ganz oben auf meiner Must-See-Liste. Auf der kleinen Anhöhe beim Hafen genieße ich eher die Aussicht auf die Insel Nólsoy.

Der Stadtpark Viðarlundin

Für eine kleine Stadt wie Tórshavn weist der Viðarlundin eine beachtliche Fläche auf. Er ist Naherholungsgebiet und gleichzeitig der größte Wald auf Färöer. Die Landschaft der Inseln ist ansonsten baumlos, die allgegenwärtigen Schafe, das Klima und die immer wieder auftretenden heftigen Stürme verunmöglichen eine umfassende Aufforstung. Und auch im Viðarlundin werden immer wieder Bäume infolge von Unwettern entwurzelt.

Ansonsten steht im Park ein Mahnmal für die 132 getöteten Seeleute im Zweiten Weltkrieg und unter dem Motto «Kunst im Park» sind hier einige Skulpturen des angrenzenden Kunstmuseums zu bewundern.

Museen

Tórshavn hat sogar einige sehenswerte Museen zu bieten. Im Nordwesten der Hauptstadt an der Küstenstraße liegt das Tjóðsavnið, das Nationalmuseum der Färöer Inseln. Neben einer Dauerausstellung zu Natur, Kultur und Geschichte der Färöer kannst du hier ein kleines Freilichtmuseum erkunden.  

Die nationale Kunstgalerie Listasavn Føroya zeigt Bilder, Grafiken, Skulpturen und Glaskunst färöischer Künstler und hält einige Überraschungen bereit. Ein Besuch lohnt sich – nicht nur als Schlechtwetterprogramm.

Haus des Nordens

An der nördlichen Ringstraße liegt das Norðurlandahúsið. Mit seiner markanten Glasfassade und der Skulptur der weidenden Schafe davor ist es nicht zu übersehen. Es ist das wichtigste Kultur- und Kongresszentrum der Färöer und dient der Förderung der skandinavischen und färöischen Kultur. Errichtet und eingerichtet wurde das Gebäude ausschließlich mit Materialien aus Skandinavien. Das Haus des Nordens ist frei zugänglich. Mir gefällt vor allem die Mehrfachnutzung. Rund um den lichtdurchfluteten Vortragssaal halten Geschäftsleute Meetings ab, treffen sich Jung und Alt zum Kaffee, spielen Kinder, schlendern Touristen durch die Ausstellungen und abends finden Konzerte statt.

Der alte Friedhof

Wenn du so wie ich ein Faible für Friedhöfe hast, solltest du durch den Gamli Kirkjugarður schlendern. Uralte Grabsteine und die üppige Vegetation sorgen für eine mystische Stimmung.

Einkaufen in Tórshavn

Was kauft man auf den «Schafsinseln»? Natürlich Pullover, Mützen, Schals, Socken oder Handschuhe aus Schafwolle. Anlaufstelle dafür ist der Føroya Heimavirkisfelag in der Niels Finsens Gøta oder wenn es moderner sein sollte, guðrun & guðrun ein paar Häuser weiter. Das auf Färöer gegründete Label führt hochwertige Mode aus Naturmaterialien. Dafür musst du jedoch ziemlich tief in die Tasche greifen.

Nicht nur das berühmte G! Festival in Göta zeugt von einer lebendigen Musikszene auf Färöer. Mit TUTL gibt es sogar ein lokales Plattenlabel auf den Inseln. Im Shop in der Reynagøta 12 kommen Liebhaber von Vinyl und CDs auf ihre Kosten.

Schließlich kann Tórshavn mit dem SMS sogar mit einem kleinen Einkaufszentrum aufwarten. Auf drei Etagen buhlen etwa 20 Läden um Kundschaft, ergänzt wird das Ganze durch einen kleinen Foodcourt. Zum Zeitvertreib ist das ganz in Ordnung. Während die Mode doch eher gewöhnungsbedürftig ist, gefallen mir die Concept Stores ganz gut.

Kulinarisches

Tórshavn ist unbestritten das kulinarische Zentrum des Landes. Im Gegensatz zu den anderen Teilen der Inseln findest du hier eine passable Auswahl an Restaurants – sogar mit einigen wenigen vegetarischen Optionen.

Das Koks am Leynavatn, etwa 20 Autominuten von der Hauptstadt entfernt, war mir schon vor meinem Besuch auf Färöer ein Begriff. Es gilt als eines der besten Restaurants Nordeuropas und darf sich aktuell mit zwei Michelin-Sternen schmücken. Küchenchef Poul Andrias Ziska kreiert Gerichte, die alte Zubereitungsarten wie Trocknen, Fermentieren, Salzen oder Räuchern mit modernen Elementen verbinden. Das Degustationsmenü mit Weinbegleitung kostet stolze DKK 3’300.- (umgerechnet etwa 450 Euro). Bereits auf der Website weist das Koks darauf hin, dass aufgrund der Lage im Nordatlantik und der begrenzten Verfügbarkeit von Gemüse vegetarische oder vegane Menüs nicht möglich sind. Wegen des Preises und der fehlenden vegetarischen Optionen verzichten wir auf einen Besuch, der aber bestimmt ein tolles Erlebnis ist.

In Tórshavn selbst findest du am Rande von Tinganes am Osthafen einige bemerkenswerte Restaurants in liebevoll gestalteten Häusern. Im Áarstova, Fútastova, Barbara und Ræst gibt es Fisch und traditionelle färöische Küche. Unweit davon lockt das Katharina Christiansen mit besonderen Tapas-Kreationen.

Nach der bisherigen Durststrecke genießen wir vor allem die Cafés in Tórshavn, das Brell, Paname, Kaffihúsið oder Unami. Das Bier am Abend im Sirkus oder im Irish Pub ist ebenfalls eine willkommene Abwechslung. Auf die Bier-Verkostung im Mikkeller müssen wir leider verzichten, der ist wegen eines internen Anlasses geschlossen.

Kirkjubøur

Unweit der Inselhauptstadt liegt das kleine Dorf Kirkjubøur. Es war einst das geistliche und kulturelle Zentrum der Färöer und Bischofssitz. Als eine der Hauptsehenswürdigkeiten des Landes fehlt es in keinem Reiseführer. Hier stehen die älteste Dorfkirche der Färöer, das älteste noch bewohnte Holzhaus Europas und die Ruine der Magnuskathedrale. Da die Kathedrale keinen Kirchturm besitzt, ist es fraglich, ob sie überhaupt jemals fertiggestellt wurde.

Der Rundgang durch den Ort ist interessant, wir fühlen uns wie in einem Wikingerdorf. Die schwarzen Teeranstriche schützen die Gebäude vor der Witterung. Rote Gatter und Fensterrahmen sowie die bemalte Säule am Königsbauernhof sorgen für fotogene Farbtupfer.

Vestmanna

Vestmanna ist der zweitgrößte Ort auf Streymoy. Das ist allerdings nicht der Grund, warum es Besucher dorthin zieht. Vestmanna ist berühmt für die Bootsfahrt zu den imposanten Vogelklippen entlang der Küste. Das Familienunternehmen Sjoferðir Skúvadal bietet mehrmals täglich Ausflugsfahrten an. Eine Reservierung im Voraus ist nicht ganz so dringend wie für die Fahrt nach Mykines, gerade an Wochenenden oder bei schönem Wetter sind die Plätze aber heiß begehrt.

Die Fahrt dauert etwa zwei Stunden und ist wirklich ein Erlebnis. Die Zeit vergeht wie im Flug. Anfangs geht es vorbei an Lachsfarmen und am mittlerweile verlassenen Dorf Slættanes. Entlang der Felsklippen kannst du mit etwas Glück Seevögel wie Dreizehenmöwen, Seeschwalben, Eissturmvögel oder Papageientaucher beobachten. Die Durchsagen an Boot sind sehr informativ. Mein persönliches Highlight sind die Höhlen, Grotten und Felsbögen, die man durchfährt. Bei Wind und Wellen werden die Passagiere aufgefordert, dabei Sicherheitshelme zu tragen.

Saksun

Neben dem Leitisvatn, dem See, der über dem Atlantik schwebt, auf Vagar ist Saksun einer der fotogensten Orte auf Färöer. Schon die Fahrt dorthin über eine der Buttercup Routes ist ein Erlebnis. Das abgelegene Dorf in der von hohen Felswänden umgebenen Bucht verspricht Postkartenidylle pur.

In Saksun gibt es zwei Parkplätze, beide solltest du ansteuern. Vom Museumsdorf Dúvugarðar mit den grasbewachsenen Häusern hast du einen unvergleichlichen Blick über die Lagune. In den letzten Jahren kam es wohl immer wieder zu Zwischenfällen, weil sich Touristinnen und Touristen nicht an die Absperrungen oder Hinweisschilder hielten und einfach über fremdes Land liefen. Das solltest du selbstverständlich nirgends, weder auf Färöer noch sonst wo machen. Hier in Saksun könnte es dir sogar Ärger einbringen.

Bei unserem Besuch am späten Vormittag ist das Museum geschlossen. Nach einem kurzen Abstecher hinunter zur Kirche beschließen wir deshalb, die Wanderung bis zum Strand zu starten und fahren zum Parkplatz im Dorf. Wie viele andere Wanderungen auf Färöer ist der Weg kostenpflichtig (DKK 75.-) und mit einem Zaun mit Drehkreuz, an dem bezahlt wird, gesichert.

Der Weg durch die Lagune, über den schwarzen Sand bis hinaus zum Meer ist eindrücklich. Vor der Wanderung solltest du einen Blick auf die Gezeitentabelle werfen. Das gilt insbesondere dann, wenn du planst, am Strand entlangzulaufen. Von Saksun aus gibt es die Möglichkeit nach Tjørnuvík zu wandern. Als Streckenwanderung ist das jedoch eine logistische Herausforderung. Wir besuchen den kleinen Ort an der Nordspitze von Streymoy mit dem Auto.

Tjørnuvík

Die Route nach Tjørnuvík führt der Küste entlang. Beim Wasserfall Fossa legen wir einen kurzen Stopp ein. Später wird die Straße eng und kurvig. Unweigerlich beschleicht und das Gefühl, am Ende der Welt anzukommen. Und doch leben zwischen 60 und 70 Menschen hier. Der Strand und die guten Bedingungen machen Tjørnuvík zum Hotspot für Surfer und Wellenreiter. Wir treffen beim Rundgang im Dorf nur auf zwei oder drei Personen und das einzige Café ist ebenfalls geschlossen.

Dafür bleibt uns ausreichend Zeit die beiden freistehenden Felsen Risin og Kellingin zu bewundern. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass wir dieses Wahrzeichen aus unterschiedlicher Perspektive zu Gesicht bekommen. Die beiden Basaltsäulen sind knapp 70 Meter hoch. Der Sage nach handelt es sich um einen isländischen Riesen und seine Frau. Beide wollten eines nachts die Färöer nach Island ziehen. Sie scheiterten und die aufgehende Sonne ließ sie zu Felsen erstarren.

Eysturoy

Streymoy ist mit Eysturoy durch eine kleine Brücke verbunden. Fast übersehen wir, dass wir hier die Insel wechseln. Auf Eysturoy liegen einige größere Ortschaften entlang der Küste, touristisch interessant sind nur die wenigsten. Für uns geht es zuerst Richtung Eiði, später durchs «Gebirge» vorbei am Slættaratindur, dem höchsten Berg der Färöer, Richtung Gjógv.

Gjógv

Früher oder später landen alle Touristinnen und Touristen in Gjógv. An dem kleinen Ort im Nordosten von Eysturoy kommt man nicht vorbei. Der Name ist hier Programm, denn Gjógv bedeutet Felsspalte oder Schlucht. Diese Schlucht wird als natürlicher Hafen genutzt. Die Häuser des Dorfes gruppieren sich südwestlich des Hafens. Entzückend ist der aufgestaute Teich am Dorfbach. Er ist mit kleinen Holzbooten ein außergewöhnlicher Spielplatz.

Rund um Gjógv laden mehrere Spazier- und Wanderwege zu mehr oder weniger ausgedehnten Entdeckungen ein. Der Weg hinauf zu den Vogelklippen ist der Klassiker schlechthin. Wir haben sogar Glück und die Sonne zeigt sich kurz. Nach einem steilen Aufstieg über neu angelegte Holztreppen bekomme ich sogar meinen ersten Puffin zu Gesicht und vor die Linse.

Zu unserer Freude hat sogar das kleine Café im Dorf geöffnet. Sitzplätze gibt es zwar nur im Freien – auf Färöer sind Temperaturen über 10° C ein Grund auf der Terrasse zu sitzen – dafür guten Kaffee und frische Waffeln. Die Nacht verbringen wir im Gästehaus Gjáargarður, das eines der wenigen größeren Hotels außerhalb von Tórshavn ist. Das Restaurant ist ansprechend eingerichtet und die Küche sehr gut.

Gjógv ist für viele der Ausgangspunkt für die Besteigung des Slættaratindur, des höchsten Berges der Färöer. In Anbetracht der Wetterbedingungen und unseres kurzen Aufenthalts verzichten wir auch auf diese Tour.

Oyndarfjørður

Nach Oyndarfjørður zieht es uns wegen der Rinkusteinar. Dabei handelt es sich um zwei Felsen, die sich mit den Wellen bewegen. Damit dieser Effekt mit freiem Auge zu beobachten ist, ist einer der Steine mit einer Kette mit dem Ufer verbunden. Außer der Pfarrkirche gibt es im Ort nicht mehr viel zu entdecken.

Elduvik

Eine weitere Schlucht gibt es im malerischen Ort Elduvik zu bewundern. Sehenswert sind die traditionellen Häuser und Bootsschuppen am Ortsrand. Seit August 2020 steht hier die Statue des Marmennil (Meermannes), geschaffen vom Künstler Pauli Olsen.

Der Marmennilin ist eine weitere färöische Sagengestalt, die auf dem Meeresgrund lebt. Die Kreatur sieht aus wie ein Mensch, allerdings klein und mit langen Fingern. Er liebt es, Fischer zu ärgern, indem er Köder von den Haken abbeißt und die Haken am Meeresgrund befestigt. Dadurch reißen die Angelschnüre. Ein Bauer aus Elduvik zog eines Tages den Marmennilin ins Boot, weil ein Haken in dessen Hand steckengeblieben war.

In der Folge sorgte der Marmennilin für guten Fang, weil er immer, wenn er mit am Boot war durch Lachen anzeigte, wenn Fische in der Nähe waren.

Streymoy & Eysturoy: die sieben schönsten Orte und ein Guide für die Inselhauptstadt Torshavn 1
Streymoy und Eysturoy: Schlucht von Gjogv
Streymoy & Eysturoy: die sieben schönsten Orte und ein Guide für die Inselhauptstadt Torshavn 3

Weitere Berichte zu Färöer

Färöer: 10 Tipps rund ums Autofahren und meine Reiseroute

Vágar und Mykines, unterwegs auf den Westinseln der Färöer

Kalsoy, Svinoy und Fugloy: Informationen zu den beliebten Ausflügen auf den Nordinseln

Schreibe Einen Kommentar

© TRAVELLINGCAROLA