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Silsersee, wo der Herbst in der Schweiz am schönsten ist

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Ein dicker Teppich aus Lärchennadeln liegt auf dem Waldboden. Von den goldfarbenen Arven und Lärchen rund um den Silsersee rieselt es wie Schnee. Die Lärchennadeln, die von Wind und Wellen über den See getrieben werden, formen sich am Ufer zu Kugeln. Diese Silserkugeln sind Kunstwerke der Natur und beliebte Sammlerobjekte. Die farbenprächtigen Wälder bilden einen herrlichen Kontrast zu den weißen Bergspitzen und zum Blau des Sees.

Bevor die Natur in ihren Winterschlaf verfällt, will ich die Schönheit des Herbstes noch einmal richtig genießen. Dafür gibt es kaum einen besseren Ort als das Engadin. Hier greift die Natur so richtig in den Farbtopf und das ist auch gut so. Denn im Grunde genommen mag ich die Jahreszeiten. Nur sind mir die Winter meistens zu lang, die Sommer zu kurz und der Herbst hat immer so etwas Melancholisches.

Die Wanderung um den Silsersee ist zweifelsohne zu jeder Jahreszeit schön. Jetzt im Herbst ist sie allerdings etwas ganz Besonders. Es gibt nur wenige «Ecken» in der Schweiz, wo der Herbst so schön, goldig und farbenprächtig ist.

Der Rundweg um den Silsersee ist eine der schönsten Herbstwanderungen und ein Fest für die Sinne. Erlebe mit mir den «Indian Summer» im Engadin.

Herbst-Auszeit im Engadin

Ende Oktober steht das Ende der Sommerzeit vor der Tür. Dabei ist es mir als kleine Nachteule ziemlich egal, dass ich dann eine Stunde länger schlafen kann. Ich verabscheue vielmehr die langen, dunklen und kalten Abende, die uns jetzt bevorstehen. In diesem Jahr hängt zusätzlich auch noch das Damoklesschwert eines erneuten Lockdowns oder Shutdowns über uns. Da will ich mich gar nicht auf Haarspaltereien und Begriffsdefinitionen einlassen. Wir wissen schließlich alle, was damit gemeint ist. Es ist also genau der richtige Zeitpunkt, sich nochmals eine kleine Auszeit zu gönnen und die Farbenpracht des Herbstes aufzusaugen. Mein letzter Besuch im Engadin ist tatsächlich auch schon ein Weilchen her. Vor drei Jahren war ich unterwegs auf den Spuren des Schellenursli in Guarda.

Ein goldgelber Lärchenwald zaubert genau diese wunderbare Herbststimmung. Zum Glück gibt es in der Schweiz mehrere «Ecken» mit solch farbenprächtigen Nadelwäldern. Man muss dafür nur ins Wallis oder nach Graubünden reisen. Im Engadin kannst du den goldenen Herbst oder Indian Summer fast überall erleben.

Besonders eindrücklich ist der Indian Summer am Silsersee.

Und genau die Oberengadiner Seenplatte soll das Ziel meines Wochenendausflugs sein. Theoretisch wäre die Wanderung rund um den Silsersee für mich in einem Tag machbar. Bei mehr als drei Stunden Anfahrt lohnt es sich aber vor Ort zu übernachten und mit dem Lej da Champfèr oder dem Silvaplandersee gleich noch einen zweiten See zu umrunden oder zu erwandern.

Im Engadin ist gerade Zwischensaison. Der Großteil der Hotels schließt Mitte Oktober und öffnet erst wieder zu Beginn der Wintersaison. Entsprechend klein ist die Auswahl an verfügbaren Unterkünften. Da ich nicht unbedingt ein Fan von St. Moritz bin, suche ich in der Region Sils oder Silvaplana. Meine Wahl für eine Übernachtung fällt auf das Hotel Albana. Das 4-Sterne-Hotel liegt im Zentrum von Silvaplana. Ich bekomme sogar noch ein Upgrade auf eine Junior-Suite und habe so den perfekten Blick auf den Silvaplanersee.

Die Juniorsuite ist sehr geräumig und verfügt sogar über einen Kamin. Die Einrichtung selbst ist nicht mein Geschmack bzw. nicht mehr ganz zeitgemäß und irgendwie bunt zursammengewürfelt. Dafür punktet das Hotel mit zwei tollen Restaurants, dem Stüva und dem Thailando, sowie mit ausgesprochem freundlichen Personal. Seit Kinderzeiten habe ich eine Vorliebe für Spätzle und «Nockerl». Bei Pizokel, Capuns oder Maluns werde ich einfach schwach. Ein Ausflug nach Graubünden ohne eine dieser Spezialitäten ist ein absolutes No-Go. Da verzichte ich für einmal gerne auf die thailändische Küche. Das Albana ist auch berühmt für seine Engadiner Nusstorte, die nach einem altbewährten Hausrezept hergestellt wird. Die ist mir allerdings zu mächtig und zu süß.

Wanderung um den Silsersee

Nach der etwa dreistündigen Anreise inklusive Schnee am Julierpass parke ich mein Auto kurz nach elf Uhr im Zentrum von Sils. Von hier aus starte ich die Rundwanderung um den Silsersee. Gemäß Beschreibungen sollte man für die Rundtour vier bis viereinhalb Stunden einplanen. Je nach gewählter Strecke legt man 16 bis 18 Kilometer zurück. Den größten See Graubündens, den Silsersee, hat man auf der Wanderung fast immer im Blickfeld.

Ich beginne die Wanderung auf der Ostseite des Silsersees mit dem Weg von Sils über Isola nach Maloja. Dabei handelt es sich um einen der meistbegangenen Wanderwege im Oberengadin und Bergell. Der Weg ist gut ausgebaut und hat keine nennenswerten Steigungen. Zum Glück hält sich das Wetter exakt an die Vorhersage. Jetzt gegen Mittag wird es langsam sonnig, was die herbstlich gefärbten Lärchenwälder in einem ganz besonderen Licht erstrahlen lässt. Die schneebedeckten Gipfel tragen ihr Übriges zur zauberhaften Atmosphäre bei. Die Anzahl der Wanderer und Spaziergänger hält sich an diesem eher kühlen Tag in Grenzen.

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Nachdem ich die weite Ebene bei Sils hinter mir habe, passiere ich die Schiffsanlegestelle. Während der Sommermonate verkehrt auf dem Silsersee nämlich die höchste Schifffahrtslinie Europas. Das kleine Motorschiff «Segl-Maria» ist dann zwischen Sils, der Halbinsel Chasté, Maloja und Plaun da Lej unterwegs. Müde Wanderer können so den Weg abkürzen oder den Rückweg von Maloja per Schiff zurücklegen. Jetzt Ende Oktober besteht diese Option nicht, aber ich will schließlich auch wandern.

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Kurz nach der Schiffsanlegestelle folgt der einzige «Anstieg» von 30 oder 40 Höhenmetern. Vom Aussichtspunkt habe ich einen unvergleichlichen Ausblick auf den See, die kleine Insel Chaviolas im Silsersee und die Landzunge bei Isola – alles gerahmt mit Ästen und Zweigen der Lärchen und in prächtigsten Herbstfarben. Das Maiensäss Isola ist durchaus einen kleinen Abstecher wert. Zwar sind viele der alten Ställe und Häuser umgebaut und zur Ferienwohnung umfunktioniert, die Grundstruktur ist aber noch erhalten. Das Hotel Ristorante Lagrev hat bis Ende Oktober geöffnet, sodass man sich hier eine kleine Stärkung gönnen kann. Ich habe meine Verpflegung im Rucksack und möchte eher zügig weiter.

Bis nach Maloja geht es entlang der Naturstraße. Kurz nachdem die Valacia in den Silsersee mündet, zweigt der Wanderweg Richtung See ab. Das ist wesentlich schöner, als auf der Straße zu laufen. Hier schneit es Lärchennadeln und die Stimmung ist richtig märchenhaft. Nach einem kurzen Abstecher ins hübsche Dorf Maloja nehme ich den zweiten Abschnitt der Wanderung um den Silsersee auf der anderen Seeseite zurück nach Sils in Angriff.

Dafür gibt es zwei Optionen. Eine Möglichkeit ist diejenige über den Engadiner Höhenweg. Nach einem kurzen Anstieg wandert man auf einer Höhe von etwa 2000 Metern auf der ersten Etappe der Via Engiadina. Dabei kommt man im Heididorf Grevasalvas vorbei. Etwas verwirrt bin ich über die in der Karte verzeichneten Weg- und Straßensperrungen. Die Sperre ist beim Parkplatz Capolago auch so ausgeschildert, allerdings wurde darunter noch der Vermerk «offen» gekritzelt. Das verunsichert. Was, wenn ich plötzlich einen größeren Umweg in Kauf nehmen muss?

Aus diesem Grund wähle ich die andere sichere Variante. Diese führt zuerst dem Silsersee entlang bis Plan di Mort und steigt dann bis Splüga an. Von hier aus bietet sich noch der Abstecher zum Aussichtspunkt Sasc da Corn an, bevor man bei Plaun da Lej wieder auf die Hauptstraße trifft. Später mündet dieser Wanderweg auch wieder in die Via Engiadina. Egal, welchen Weg du wählst, auf dieser Seite sind ein paar Höhenmeter zu bewältigen und nicht immer siehst du den Silsersee.

Lej da Champfèr, der Silvaplanersee

Von meinem Zimmer im Hotel Albana in Silvaplana aus habe ich eine wunderbare Aussicht auf den Silvaplanersee, den Lej da Champfèr, und den Ortsteil Surlej mit dem Schloss Crap da Sass. Am Morgen liegt jetzt im Herbst und nach der Zeitumstellung noch alles im Schatten, aber es verspricht wiederum ein schöner Tag zu werden. Für ein ausgiebiges Frühstück muss dennoch Zeit sein. Wie in vielen anderen Hotels wird im Albana aktuell zwar ein Buffet angeboten, man darf sich jedoch nicht selbst bedienen und muss dem Personal seine Wünsche mitteilen. Das ist ein Ablauf, mit dem ich mich nicht anfreunden kann. Diese umständliche Vorgehensweise mochte ich schon auf den Azoren nicht. Warum serviert man nicht gleich alles am Tisch?

Bei diesem einladenden Wetter ist eine weitere Wanderung quasi Pflicht. Für den zweiten Tag im Engadin habe ich keine großen Pläne gemacht und ich möchte ganz spontan entscheiden. Den Parkplatz beim Schloss Crap da Sass erreiche ich gerade noch rechtzeitig, bevor sich die mystischen Morgennebel, die so typisch für den Herbst sind, auflösen. Hier verbringe ich viel Zeit mit Fotografieren.

Nun habe ich die Option am Ostufer des Silvaplanersees entlang zu wandern oder den Rundweg um den Lej da Champfèr, der mit dem Silvaplanersee verbunden ist, in Angriff zu nehmen. Ich bevorzuge einen weiteren Rundweg und genieße Ruhe und Sonne am Lej da Champfèr. Das gilt zumindest für das Westufer. Während dieses bereits in der Sonne liegt, ist es auf der Ostseite noch schattig. Es herrscht Morgenfrost und die Pfützen sind gefroren. Wunderschön sind natürlich auch die Reflexionen im Wasser. Ansonsten kann diese Tour nicht mit der Wanderung um den Silsersee mithalten.

Weil mir diese Runde dann doch etwas zu kurz erscheint, mache ich noch einen Abstecher zum Lej Ovis-chel und wandere noch ein Stück entlang des Silvaplanersees. Bevor ich die Heimreise antrete, genieße ich nochmals die Aussicht von einem kleine Parkplatz und Aussichtspunkt oberhalb von Silvaplana. Der Lej da Champfér, der türkisblau zwischen den gelben Lärchen und den Arven hervorblitzt ist ein wunderbarer Anblick.

Auf dem Rückweg überlege ich noch kurz, ob ich mir vom Outlet in Landquart noch ein paar Bündner Spezialitäten mitbringen soll. Der volle Parkplatz hält mich aber davon ab. Dafür schmiede ich aber bereits Pläne für den Indian Summer in der Schweiz im nächsten Jahr. Da möchte ich endlich einmal die Wanderung entlang der Lötschberg Südrampe erleben.

Aussichtspunkt: Silvaplaner und Silsersee

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