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Sabbat in Tel Aviv: zehn Ideen, was man unternehmen kann

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Am Sabbat steht in vielen Regionen Israels das öffentliche Leben still. Die Geschäfte haben geschlossen, Züge und Busse fahren nicht. Insofern muss man den Sabbat bei der Reiseplanung berücksichtigen. An diesem Tag sollte man keine Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln einplanen. Während der Samstag in Jerusalem im wahrsten Sinne des Wortes ein Ruhetag ist, ist das säkulare Tel Aviv so etwas wie eine liberale Blase. Am Sabbat in Tel Aviv ticken die Uhren etwas anders.

Wenn du den Sabbat in Tel Aviv verbringst, erzähle ich dir hier im Beitrag, worauf du achten musst und was du dennoch alles unternehmen kannst.

Wissenswertes rund um den Sabbat

Im Judentum und somit auch in Israel ist der Sabbat ein Feiertag. In Anlehnung an die Schöpfungsgeschichte, in der Gott am siebten Tag ruhte, gilt der siebte Tag der Woche als Ruhetag. Der Sabbat ist aber nicht etwa einfach nur der Samstag als Wochentag. Er beginnt mit Sonnenuntergang am Freitag und endet mit Sonnenuntergang am Samstagabend.

Während im Sommer die Sonne erst gegen 20:00 Uhr untergeht, kann das zur und mit der Winterzeit auch schon um halb fünf sein. Im Laufe des Nachmittags und Abends schließen die Geschäfte, stellen Busse und Züge den Betrieb ein und die Restaurants lassen die Rollläden herunter.

An einem Sabbat ist die «Melacha», die Arbeit, verboten. Im Talmud sind 39 solcher Arbeiten in einer Liste zusammengefasst. So ist es zum Beispiel verboten, am Sabbat ein Feld zu pflügen oder etwas von einem Gebiet in ein anderes zu tragen. Diese Regeln bedurften einer neuen Auslegeordnung, angepasst an die heutige Zeit. Und so ist die Definition von Arbeit heute die, dass eine neue Situation geschaffen wird, die vorher noch nicht existierte.

In der Tora, der heiligen Schrift der Juden, wird ausdrücklich das Verbot ein Feuer zu entfachen erwähnt. Feuer dient dem Kochen und der Essensvorbereitung. Dieses Verbot beinhaltet aber auch ein Auto zu fahren (verbrennt Benzin) oder einen Lichtschalter zu betätigen (Glühbirne spendet Licht und Wärme). In diesem Sinne ist auch die Verwendung der meisten elektrischen Geräte verboten.

Und so kann es sein, dass die Kaffeemaschine im Hotel nicht in Betrieb genommen wird. Außerdem gibt es spezielle Sabbataufzüge. Diese müssen nicht händisch bedient werden. Man nutzt einfach einen Sensor und dann hält der Lift in jedem Stockwerk.

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Sabbat in Tel Aviv

Die peniblen Sabbatgebote des orthodoxen Judentums können auf Nichtgläubige durchaus befremdlich wirken. Aber auch Juden befolgen die Regeln unterschiedlich streng. In Tel Aviv, der Partymetropole am Mittelmeer, wehrt man sich zunehmend gegen den Einfluss strengreligiöser Gruppen.

Die Einschränkungen am Sabbat sind hier vergleichsweise gering. In Tel Aviv und Jaffa wird am Freitagabend gefeiert. Man stürzt sich in das Nachtleben. Den Samstag genießen viele am Strand.

Vom Flughafen Ben Gurion in die Stadt

Die israelische Flugline El Al fliegt samstags nicht. Andere Fluggesellschaften landen selbstverständlich am Flughafen Ben Gurion. An einem Sabbat ist es allerdings nicht ganz einfach, in die Stadt zu kommen. Auto- und Busfahren gehört nämlich zu jenen Tätigkeiten, die am Sabbat verboten sind. Züge und Busse fahren dann nicht.

Der sonst sehr praktische, schnelle und günstige Zug vom Flughafen ins Zentrum von Tel Aviv stellt am Freitagnachmittag den Betrieb ein. Die nächsten Züge fahren dann erst wieder am Samstagabend. Die Zeiten variieren je nach Jahreszeit. Die genauen Zeiten findest du im aktuellen Eisenbahnfahrplan für Israel.

Somit bleibt als einzige Möglichkeit das Taxi. Der Preis für eine Fahrt vom Flughafen oder in die Stadt beträgt 39 Euro (2019).

Am Sabbat von A nach B kommen

Im Zentrum von Tel Aviv ist für Touristen vieles fußläufig zu erreichen. Da am Sabbat in Tel Aviv wesentlich weniger Autos unterwegs sind, wird empfohlen an diesem Tag eine Radtour einzuplanen. Ich konnte im Hotel nach Anmeldung Fahrräder gratis nutzen. Es gibt aber auch sonst viele Fahrradvermietungen. Und die grünen Mietbikes von Tel-O-Fun sind ebenfalls über die ganze Stadt verteilt.

Das typische Tel Aviver E-Bike sieht übrigens aus wie ein Klapprad. Es ist nicht wie bei uns ein Pedelec, wo der Motor einfach beim Treten unterstützt. Auf E-Bikes «radelt» man einfach ohne zu treten. Sie sind also eher so etwas wie Elektroroller, die man zur Not noch manuell betreiben kann. Bei uns hat sich «E-Bike» einfach als übergeordneter Begriff für alle elektronisch angetriebenen und unterstützten Räder eingebürgert, obwohl die meisten sogenannte Pedelecs sind.

Mittlerweile findet man in Tel Aviv auch überall E-Scooter (BIRD und Lime), mit denen einfach und bequem man von A nach B kommt.

Taxis sind am Sabbat verfügbar, es kann allerdings sein, dass man einmal etwas länger warten muss. Üblicherweise bestellt man in Tel Aviv sein Taxi mit der Gett App. Ansonsten verkehren an einem Sabbat in Tel Aviv noch die arabischen Sheruts (Sammeltaxis). Viele sind auch nachts auf festgelegten Linien unterwegs.

Intercity-Minibusdienste nun auch am Sabbat in Tel Aviv

Künftig sollen im Sinne sozialer Gerechtigkeit auch am Sabbat in Tel Aviv Minibusse verkehren. Dabei geht es um Mobilität für alle. Für 1,5 Millionen NIS finanziert die Stadtverwaltung Tel-Aviv-Jaffa Verbindungen in die Städte Givatayim, Kiryat Ono und Ramat Hasharon. Immerhin sieben Linien werden somit auch am Sabbat bedient. Um nicht unter die Definition des öffentlichen Verkehrs zu fallen, bietet die Stadt diese Dienstleistung vorerst kostenlos an.

Einkaufen

Seit 2017 ist es verschiedenen Supermärkten und Kiosken, unter anderem den am:pm Supermärkten, erlaubt am Sabbat zu öffnen. Zusätzlich gibt es drei definierte Vergügungszonen, die am Sabbat in Tel Aviv geöffnet sind. Es sind dies das frühere Templerdorf Sarona, der alte Bahnhof in der Nähe von Jaffa und der Hafen.

Acht Ideen, was man an einem Sabbat in Tel Aviv unternehmen kann

1. Bauhaus-Tour

Tel Aviv ist bekannt für seine etwa 4000 Gebäude im Bauhaus-Stil. 2003 wurde die «Weiße Stadt», wie diese Sammlung von Gebäuden auch genannt wird, zum UNESCO Welterbe erklärt. Erbaut wurden die Häuser in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts. Viele der jüdischen Einwanderer waren Absolventen der Kunst-, Design- und Architekturschule Bauhaus.

Das Bauhaus Center in der Dizengoff Street 77 gleich beim Dizengoff Platz hat auch am Sabbat geöffnet. Geführte Touren finden zwar jeweils am Freitag statt, mit einem Audio Guide kann man aber jederzeit losziehen. Auf einem eineinhalbstündigen Rundgang mit dreizehn Stationen erfährt man viel Wissenswertes über die einzelnen Gebäude.

2. Besuch im Tel Aviv Museum of Arts

Das Tel Aviv Museum of Arts ist das größte Kunstmuseum der Stadt und eines der wenigen, die auch am Sabbat geöffnet haben. Es bietet beeindruckende temporäre und permanente Ausstellungen. Alleine schon das Gebäude ist ein Hingucker und architektonisch interessant.

3. Street Art in Florentin erkunden

Lange Zeit war Florentin ein heruntergekommenes Arbeiterviertel mit einem eher fragwürdigen Ruf. Über längere Zeit hinweg konnte man hier noch bezahlbaren Wohnraum finden. Deshalb ist Florentin auch bei Künstlern und Aussteigern sehr beliebt. Heute gilt Florentin als eines der Trendviertel mit Nachtclubs und hippen Lokalen, oftmals versteckt in Lagerhallen und Kellern.

Während der Woche sollte man unbedingt am Lewinsky Market vorbeischauen. Das ist kein Markt im eigentlichen Sinne wie der Carmel Market, sondern eher eine Ansammlung von Läden entlang der Straße. Doch hier gibt es die besten Gewürze, Trockenfrüchte, Oliven und Halva im Land. Die Auswahl frischer Produkte ist riesig.

Bei Touristen ist Florentin wegen seiner Street Art beliebt. Der Samstag eignet sich gut, um die Straßenkunstszene zu erkunden. Anstelle des sonst üblichen Staus ist Florentin dann fast autofrei. Von Florentin bis Jaffa findet man beeindruckende Graffitis. Wer noch mehr über die Künstler und Hintergründe erfahren möchte, kann an einer geführten Street Art Tour teilnehmen.

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4. Durch die Amerikanisch-Deutsche Kolonie schlendern

Zwischen Neve Tzedek, Florentin und Jaffa taucht man in eine völlig andere Welt ein. Die Amerikanisch-Deutsche Kolonie wirkt in dieser Stadt irgendwie deplatziert. Schließlich brachten die amerikanischen Einwanderer 1866 sogar alle Baumaterialien mit, um ihre Häuser im Neuengland-Stil hier zu bauen. Später errichteten deutsche Siedler der Templerbewegung die Immanuel-Kirche.

Die Amerikanisch-Deutsche Kolonie besucht man vor allem wegen der Architektur. Das kann man gut auch an einem Sabbat in Tel Aviv machen.

5. Dem Charme von Neve Tzedek erliegen

Noch vor wenigen Jahrzehnten war Neve Tzedeck arm, schmutzig und kriminell. Mittlerweile reihen sich hier Cafés, Kunstgalerien, Kleider-, Schmuck- und Schuhläden aneinander. Neve Tzedek muss oft für einen Vergleich mit Berlin Kreuzberg herhalten. Die Gebäude wurden und werden nach allen Regeln der Kunst saniert – gerade soviel, dass sie noch ein wenig heruntergekommen wirken. Und obwohl im Gründungsstadtteil Kommerz und Tourismus regieren, hat das Viertel einen ganz besonderen Charme, dem man sich kaum entziehen kann.

Bereits am Samstagnachmittag ist in Neve Tzedek wieder viel los. Nicht alle, aber einige der Galerien, Geschäfte und Cafés haben am Nachmittag schon wieder geöffnet. Anita, Mamma del Gelato, ist dann ebenfalls bereits wieder gut besucht. Ich finde, die Atmosphäre in Neve Tzedek kann man auch gut an einem Sabbat genießen.

6. Spaziergang durch Jaffa

Eine der Hauptattraktionen Jaffas, der Floh- und Trödelmarkt (Shuk Hapishpishim) hat am Samstag nicht geöffnet. Wer sich dafür interessiert, muss einfach an einem anderen Tag wiederkommen. Ansonsten eignet sich der Sabbat gut, um Jaffa zu besuchen. Da es hier viele arabische Einwohner gibt, haben unabhängig von jüdisch-religiösen Bräuchen eine ganze Reihe von Geschäften, Bars und Cafés geöffnet.

Auch die Altstadt von Jaffa mit den vielen Kunstgalerien lässt sich dann gut erkunden. Im alten Hafen ist sowieso immer etwas los.

7. Shopping am Shabbat in Tel Aviv

Selbstverständlich ist der Sabbat kein typischer Shopping-Tag. Wer es dennoch nicht lassen kann, besucht eine der drei geöffneten Vergnügungszonen.

Alter Hafen

Der alte Hafen von Tel Aviv wurde in den 2000er Jahren renoviert und zu einem Gewerbe- und Naherholungsgebiet umgestaltet. Neben exzellenten Restaurants und dem Bauernmarkt findet man hier in den Hallen verschiedene Kleider- und Sportgeschäfte. Der Namal Hafen mit seinen Promenaden hat sich zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt und ist immer einen Besuch wert.

HaTachana, der alte Bahnhof

Der alte Bahnhof war früher Ausgangspunkt der Eisenbahnstrecke von Jaffa nach Jerusalem. Damit ist sie die älteste Bahnstrecke Israels und im Nahen Osten. Selbst wenn hier keine Züge mehr fahren, das Bahnhofsgelände gibt es immer noch. Und es hat sich innert kürzester Zeit zu einem Szenetreffpunkt mit Boutiquen, Kunsthandwerksmärkten und Restaurants entwickelt.

Sarona

Die ehemalige deutsche Templerkolonie befindet sich mitten in einem Geschäftsviertel mit Hochhaustürmen. 2014 eröffnet hat sich Sarona schnell zu einem angesagten Ort entwickelt. Neben oder zwischen modernen Geschäfts- und Bürogebäuden liegen 33 ursprüngliche und sorgfältig restaurierte kleine Gebäude, ein Park mit Seerosenteich und der Sarona Markt. In die kleinen Häuser sind Nobelboutiquen, Kunstgalerien und Cafés eingezogen.

8. Einen Tag am Strand verbringen

Tel Aviv hat etwa 14 Kilometer Strand zu bieten. Für einen Stadtstrand ist dieser auch erstaunlich gut. Man hat nur noch die Qual der Wahl zwischen den verschiedenen Strandabschnitten. Der Hilton Strand gilt z.B. als einer der besten Strandabschnitte zum Schwimmen. Es gibt aber auch einen Strand für orthodoxe Juden, den Hof Hadatiyim, oder einen Hundestrand.

Viele Einwohner und Touristen verbringen den Sabbat in Tel Aviv am Meer, treiben Sport an der Strandpromenade oder genießen einfach die Atmosphäre.

9. Fahrradtour durch Tel Aviv

Bei einigen Anbietern kann man auch am Sabbat an geführten Radtouren teilnehmen. Die Auswahl reicht von der klassischen Route entlang der Strandpromenade über die Boulevards mit ihren Bauhausgebäuden bis hin zu einem Ausflug in den Jarkon-Afek-Nationalpark.

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10. Kulinarische Köstlichkeiten entdecken

Schließlich kann man den Sabbat in Tel Aviv auch mit Essen verbringen. Das beginnt mit einem ausgiebigen Frühstück und endet mit einem gediegenen Abendessen. Viele Restaurants haben auch am Samstag geöffnet. Empfehlungen für Frühstück, Streetfood und Abendessen in Tel Aviv findest du in meinem Tel Aviv Food Guide.

Und zum Schluss noch ein Tipp für den Samstagabend oder den Rest der Woche: Azrieli Observatory

Die Azrieli Shopping Mall öffnet wieder am späten Samstagabend. Da könnte man eine Blick auf das abendliche Tel Aviv werfen.

Ich liebe Aussichtspunkte. Irgendwie muss ich mir in jeder Stadt einen Überblick von oben verschaffen. Einen richtigen Aussichtsturm oder eine Aussichtsplattform gibt es in Tel Aviv eigentlich nicht. Im Azrieli Shoppingcenter kann man im 49. Stockwerk die Aussicht auf die Stadt genießen. Der Zugang zum Lift befindet sich in der dritten Etage des Shoppingcenters und ist nicht beschriftet. Für die Fahrt mit dem Lift nach oben zahlt man 22 Schekel.

Oben erwartet einen nicht etwa ein offizieller Aussichtspunkt, sondern ein Partyraum mit schmutzigen Fenstern. Willkommen fühlt man sich hier nicht, eher wie ein Eindringling. Wenn die Location gebucht ist, kann der Zugang zum Azrieli Observatory geschlossen sein. Bei meinem Besuch am frühen Morgen konnte ich sogar unbehelligt durchs Restaurant schlendern. Denn nur von dort aus hat man auch Sicht auf das Meer. Normalerweise müsste man da etwas konsumieren.

Sabbat in Tel Aviv: Strand
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