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Rosenlaui, Hotel mit Geschichte und wildromantisches Tal

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In der kleinsten Ortschaft der Schweiz, nämlich Rosenlaui, auf 1328 Metern befindet sich mit dem Hotel Rosenlaui eine altehrwürdige und geschichtsträchtige Unterkunft. Das Jugendstil-Hotel ist ein Bijou in einer einzigartigen Landschaft. Bereits Johann Wolfgang von Goethe wanderte 1779 von Grindelwald über die Grosse Scheidegg durchs Rosenlaui- ins Haslital. Mit «Kein Gedanke, keine Beschreibung noch Erinnerung reicht an die Schönheit und Grösse der Gegenstände», fasste er seine Eindrücke zusammen.

Noch heute bietet das Rosenlauital (offiziell Reichenbachtal) Wanderern und Radfahrern ein ganz besonderes Naturerlebnis fernab vom Masentourismus.

In diesem Beitrag macht ihr mit mir eine kleine (Zeit)reise in das ehemalige Kurhotel im Rosenlauital, in die Gründerzeiten des Tourismus in der Schweiz. Ich nehme euch mit in eine Welt abseits von Lärm und Hektik, in ein Wanderparadies mit grandiosen Panoramen.

Geschichte

Das Hotel Rosenlaui blickt zurück auf mehr als 200 Jahre bewegte Geschichte. Während dieser Zeit wechselten mehrmals die Besitzer und berühmte Gästen wie Goethe, Byron, Wagner, Nietzsche und Tolstoi logierten hier. Alles begann mit der Entdeckung einer Schwefelquelle 1771 und dem Bau eines einfachen Gasthauses und Hütten für die Badegäste. Im 19. Jahrhundert gesellten sich zu den Kurgästen noch die Bergsteiger dazu.

1861 fielen die drei Häuser der damaligen Kuranlage einem verheerenden Brand zum Opfer. Daraufhin entstand das Gasthaus, welches bis heute für Touristenlager genutzt wird. Mit der Erschließung der Rosenlauischlucht durch den Tourismus-Pionier Kaspar Brog und dem Bau der Brünigbahn kamen immer mehr Touristen ins Berner Oberland.

Brog erweiterte 1905 das Hotel mit einem prächtigen Jugendstilbau, dem heutigen Haupthaus. Mit 160 Betten, einem Badehaus mit Trinkbrunnen und Waschgelegenheiten sowie einem Tennisplatz wurde das Rosenlaui zu einem mondänen Kurhotel. Obwohl 1912 ein Erdrutsch die Schwefelquelle verschüttete, erfreute sich das Rosenlaui weiterhin großer Beleibtheit bei der gut betuchten Klientel. Erst die Weltwirtschaftskrise und der Erste Weltkrieg ließen das Hotel und die Region ein wenig in Vergessenheit geraten.

Seit 1953 kümmert sich die Familie Kehrli mit viel Liebe zum Detail um das Hotel. Ein Haus wie dieses beansprucht viel Zeit für Sanierung und Unterhalt.

Übernachten im Hotel Rosenlaui

Nostalgie und Romantik

Wenn nach der abenteuerlichen Anfahrt auf der engen Straße plötzlich das Hotel Rosenlaui, das dicht an einem bewaldeten Steilhang klebt, vor einem auftaucht, wirkt die Szenerie fast unwirklich. Ein bisschen erinnert mich das an das Grand Budapest Hotel im gleichnamigen Film. Aber das hier ist real. Schon beim Betreten der Rezeption fühlt man sich zurückversetzt in vergangene Jahrhunderte.

Die Gästezimmer liegen in den obersten drei Stockwerken. Man erreicht sie über knarzende mit Teppichen ausgelegte Treppen. Von den langen Korridoren gehen links und rechts die Zimmer ab. Um bei der Analogie zum Film zu bleiben: Mir fällt dazu Kubricks «The Shining» ein.

Zimmer im Hotel Rosenlaui

In den Zimmern scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Jedes von ihnen ist ein Unikat.

Heute würde man eine Unterkunft wie das Rosenlaui als Boutique-Hotel bezeichnen. Auf den originalen Parkettböden liegen Perserteppiche, die Wände zieren Trompe-l’Oeil-Tapeten. Die Einrichtung besteht aus dem Bett, einem Tisch und Sitzgelegenheiten in Form von Chaiselongues oder Fauteuils in passenden Farben. Besonders stilvoll sind die Frisierkommoden mit Marmorverkleidung, Waschschüssel und Krug. Fließendendes Wasser, Badezimmer oder WC gibt es nämlich nicht im Zimmer. Duschen und Toiletten (neu, aber dennoch zum Interieur passend) sind auf der Etage, man teilt sie mit anderen Gästen. Da auf unserem Stockwerk nur zwei oder drei Zimmer belegt sind, stört dies überhaupt nicht.

Vor dem Hotel plätschert langsam der Rosenlauibach vorbei. Für eine intensivere Geräuschkulisse sorgen der Rosenlauifall und das Wasser, das durch die Grotten und Gletschertöpfe der Rosenlauischlucht sprudelt und gurgelt. Und da Wasserrauschen bekanntlich entspannend ist, hat man eine sanfte Einschlafhilfe gleich inklusive.

Gemeinschaftsräume

Im ersten Stockwerk befinden sich der Speisesaal und die Salons. Hier ist die Einrichtung besonders prunkvoll. Im Speisesaal steht zusätzlich noch ein Klavier. Schließlich finden im Hotel regelmäßig die sogenannten Dienstag-Soirées statt. Nach dem Essen trifft man sich im Salon zum Lesen oder zu Gesellschaftsspielen. Es fällt leicht, Kontakt mit anderen Gästen zu knüpfen. Nachtruhe ist um 23:30. Im Hotel gibt es kein Fernsehen, kein Internet und auch keinen Handyempfang. Wer ihn sucht, kann im Hotel Rosenlaui den oft zitierten Digital Detox zelebrieren.

In den öffentlichen Räumen des Hotels ist das Fotografieren nicht erlaubt. An diese Weisung oder Bitte halte ich mich bis auf eine Ausnahem, auch wenn ich gerne eigene Aufnahmen gemacht hätte. Für mehr Impressionen aus dem Hotel, blättert ihr am besten durch die Galerie.

Verpflegung

Das Essen im Rosenlaui ist im Zimmerpreis inkludiert. Auswärts essen, wäre auch nicht ganz einfach. Die Tische im Speisesaal sind mit altem Geschirr und Gläsern schön eingedeckt. Kerzenlicht sorgt für eine gemütliche Atmosphäre. Es gibt ein Viergangmenü, bestehend aus Suppe, Salat, Hauptgang und Dessert. Die Suppe wird in Großmutters Suppentopf serviert, aus dem man selbst schöpfen kann. Die Weinkarte beschränkt sich auf ausgewählte Schweizer Tropfen.

Frühstück nimmt man unten im Restaurant ein. Das Buffet bietet eine große Auswahl an Brot und Produkten aus der Region, wie verschiedenen Käsesorten und Schinken für Fleischesser. Eierspeisen sind zwar nicht im Angebot, dafür aber frische Früchte, Yoghurt und frisch zubereitetes Müesli. Kaffee wird stilecht im Silberkännchen gebracht und auf einem kleinen Stövchen warm gehalten.

Anreise nach Rosenlaui

Um ins Hotel Rosenlaui zu gelangen, hat man verschiedene Möglichkeiten. Über den alten Säumerpfad erreicht man das Hotel entweder von Meiringen oder Grindelwald aus in einer drei- beziehungsweise fünfstündigen Wanderung. Übernachtungsgäste nutzen das Postauto auf der Route Meiringen–Rosenlaui–Grosse Scheidegg–Grindelwald während des Aufenthalts gratis. Wer mit dem Auto anreist, muss sich auf eine enge Bergstraße gefasst machen. Für die Benutzung der Straße wird eine Parkgebühr erhoben. Die Anfahrt mit dem Auto ist nur aus dem Haslital möglich, da auf der Passstraße privater Verkehr nur für Anrainer gestattet ist.

Rosenlauital

Das Reichenbachtal ist eines der wildesten und romantischsten Täler der Schweiz. Hier ist man im wahrsten Sinne des Wortes weit weg vom Lärm des Alltags. Das Rosenlauital, insbesondere die Rosenlauischlucht, ist ein einzigartiger Kraftort. Wer kennt ihn nicht, den Blick auf das Klein Wellhorn, der sich einem offenbart, wenn man sich der Ortschaft Rosenlaui nähert. Vom Fenster oder Balkon des Hotels aus blickt man direkt auf Wetterhorn und Dossen oder den imposanten Rosenlauigletscher.

Wanderparadies

Sowohl auf der Webseite als auch in der an die Gäste abgegebenen Broschüre finden sich viele Wandervorschläge für die Region. Auf alle Fälle einen Besuch wert ist der Besuch in der Gletscherschlucht. Es gibt wenige Orte, wo man die Energie des Wassers so unmittelbar spürt. Im Vergleich zur Aareschlucht ist hier viel weniger los. Die Abgeschiedenheit und die umständlichere Anreise halten die großen Touristenmassen von einem Besuch der Gletscherschlucht Rosenlaui ab.

Ob Romantikweg zum Hornseeli, Rundweg zur Engelhornhütte, Aufstieg zum Rosenlauigletscher, auf den Spuren Goethes über die Grosse Scheidegg oder die Königsetappe über das Hochmoor, es ist für Wanderer jeden Fitnessgrades etwas mit dabei. Wer es ganz gemütlich angehen möchte, spaziert etwa eine halbe Stunde bis zur Schwarzwaldalp, wo eine alte Säge und das Chalet-Hotel und Restaurant zum Besuch einladen.

Der Mai zeichnet sich dieses Jahr nicht gerade durch schönes Wetter und angenehme Temperaturen aus. Da am letzten Maiwochenende noch überall Schnee liegt, die Schneewände entlang der Straße auf knapp 2000 m noch immer mehr als zwei Meter hoch sind, bleibt uns nur der direkte Weg zur Grossen Scheidegg. Das ist zwar nicht das, was wir uns vorgestellt haben, aber besser als gar nichts. Wandern über grüne Almwiesen wäre uns definitiv lieber gewesen. Bis zum Bergrestaurant Grosse Scheidegg brauchen wir etwas mehr als zwei Stunden.

Eine lohnenswerte Zeitreise

Der Aufenthalt im Hotel Rosenlaui ist ein unvegessliches Erlebnis. Man taucht ein in eine völlig andere Welt. Vielleicht erscheint uns die Diskrepanz besonders groß, weil wir kurz zuvor noch zum Rafting auf der Lütschine unterwegs waren. In diesem Jahr möchte ich noch in weiteren außergewöhnlichen Unterkünften in der Schweiz nächtigen. Als Nächstes zieht es mich im Hochsommer ins Goms.

Zimmer im Hotel Rosenlaui

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