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Lyon – ein Kurztrip zur Fête des Lumières

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«Kinder schließt die Augen, gleich nach dem Tunnel kommt … Lyon!»

Diese Mahnung soll der französische Schriftsteller Daudet ausgesprochen haben, als der Zug auf dem Weg in die Provence durch die Metropole in den Rhône-Alpes im Südosten Frankreichs fuhr. Wie trist und wenig einladend muss Lyon sich im 19. Jahrhundert präsentiert haben? Irgendetwas von diesem Ruf scheint übrig geblieben zu sein. Denn selbst heute kennen viele Lyon nur von der Durchreise.

Lyon, die drittgrößte Stadt Frankreichs, ist eine unbekannte Schöne voller Überraschungen. Im Dezember verwandelt sich Lyon regelmäßig zur Lichterstadt. Falls du einen Besuch an der Fête des Lumières in Lyon planst, findest du hier ein paar praktische Tipps. Außerdem erzähle ich dir, was es in der Stadt der Löwen sonst noch zu entdecken gibt.

Eine Städtereise nach Lyon

Ich komme in erster Linie wegen der Fête des Lumières nach Lyon. Schnell muss ich feststellen, dass die geplanten zwei Tage in der Stadt viel zu kurz sind. Lyon hat so viel zu bieten, dass es unbedingt auf deiner Travel Bucket List stehen sollte und du getrost mehrere Tage dort verbringen kannst. Die Lage zwischen Saône und Rhône verleiht Lyon einen besonderen Charme. Architektonisch ist Lyon eine Mischung aus Spätgotik und Moderne. Die Altstadt ist seit 1998 UNESCO Weltkulturerbe. Lyon wird auch Hauptstadt der Gastronomie und Gourmets genannt. Nirgendwo in Frankreich gibt es eine solche Dichte an Sterneköchen und -restaurants. Und Lyon ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert.

Fête des Lumières, wenn es Licht wird in Lyon

Geschichte

Traditionell stellen die Einwohnerinnen und Einwohner Lyons am Abend des 8. Dezember sogenannte «Lumignons», bunte Kerzen oder Laternen, in die Fenster. Dieser Brauch geht zurück auf das Jahr 1852. Als Dank an die Jungfrau Maria, dass die Stadt im 17. Jahrhundert von der Pest verschont blieb, sollte am 8. September eine neue Marienstatue eingeweiht werden. Wegen Hochwassers wurde der Anlass auf den 8. Dezember verschoben. Ein heftiger Sturm drohte jedoch erneut alles zu verhindern. Als der Himmel doch noch aufklarte, erleuchteten die Leute aus Dankbarkeit spontan ihre Fenster.

Der Brauch des Kerzenanzündens dauert bis heute an – ebenso die abendlichen Spaziergänge durch die beleuchtete Stadt. In den 1980er-Jahren begann man die großen Bauwerke zu beleuchten. Die Fête des Lumières als Event mit Lichtshows und Installationen nationaler und internationaler Lichtkünstlerinnen und -künstlern wird seit 2005 regelmäßig durchgeführt. Damit handelt es sich um das älteste Lichtfestival seiner Art in Europa. Einzig 2015 und 2020 musste die Fête des Lumières wegen der Terroranschläge in Frankreich beziehungsweise der Coronapandemie abgesagt werden.

Praktische Informationen und Tipps

Das Spektakel Fête des Lumières lockt jedes Jahre mehrere Millionen Besucherinnen und Besucher nach Lyon. Der Rekord von vier Millionen wurde 2012 gemeldet. Am besten stellst du dich auf Menschenmassen ein und buchst rechtzeitig deine Unterkunft, idealerweise im Stadtzentrum. Weite Teile der Stadt sind während des Festivals abends für den Verkehr gesperrt, die U-Bahnen überfüllt und Taxis kaum zu bekommen.

Das Lichtfestival findet jeweils an vier Abenden rund um den 8. Dezember statt und umfasst immer das Wochenende davor oder danach. 2021 waren die Kunstwerke am Mittwoch und Donnerstag, den 8. und 9. Dezember, von 19:00 bis 23:00 Uhr zu bewundern, am Wochenende von 20:00 Uhr bis Mitternacht. Wenn du es einrichten kannst, solltest du den Samstag als Besuchstag meiden. Dann ist es mit Abstand am vollsten.

Bei der Touristeninformation gibt es Stadtpläne mit Informationen zu allen Kunstwerken und vorgeschlagenen Routen. Das Ganze ist auch online als interaktive Karte verfügbar. Stell dich darauf ein, einige Kilometer durch die Stadt zu streifen, wähle entsprechend bequemes Schuhwerk und auf die Temperaturen abgestimmte Kleidung. Wir schaffen nach einem langen Tag in Lyon in der uns zur Verfügung stehenden Zeit nicht alle Installationen. Auf die Kunstwerke in den Parks im 6. und 7. Arrondissement müssen wir leider verzichten.

Gegen den Strom zu schwimmen, macht wenig Sinn. An neuralgischen Stellen herrscht Einbahnverkehr. Vor allem am Place de Terreaux und vor der Cathédrale Saint-Jean-Baptiste wird der Zugang mit Absperrungen reguliert. Der Einlass erfolgt zeitlich getaktet. Die mehrere Minuten dauernden Projektionen mit Musikuntermalung an den Fassaden sind besonders beliebt. Hier musst du mit ziemlicher Sicherheit Wartezeiten in Kauf nehmen. Wenn du unter Platzangst leidest, ist das vermutlich nicht der richtige Ort für dich.

Für das leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt. Überall findest du Stände, an denen Vin Chaud (in unterschiedlicher Qualität) verkauft wird. Zum Aufwärmen ist das perfekt. Das traditionelle Gericht an der Fête des Lumières ist Tartiflette. Der typische Kartoffelauflauf mit Reblochon-Käse und Speck wird in riesigen Pfannen zubereitet. Daneben gibt es – vermutlich weil sie einfach zuzubereiten sind – Hot Dogs und Waffeln. Teilweise kommen die Einnahmen aus den Verkäufen einem wohltätigen Zweck zugute. Ebenso können alle mit dem Erwerb von Kerzen im Rahmen der Kampagne Lumignons du Cœur spenden.

Mein Fazit zur Fête des Lumières 2021

Während des Lichterfestivals wird Lyon zu einem Freilichttheater. Neben teilweise sehr experimentellen Kunstkreationen begeistern mich vor allem die Illuminationen historischer Monumente und Brücken. Die festliche Stimmung in der Stadt wirkt ansteckend. Der Besucherandrang ist trotz der strengen Bestimmungen (2G-Regel) enorm. Nach einiger Zeit stellt sich eine gewisse Sättigung ein. Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir das Amsterdam Light Festival besser gefallen hat. Bei einer Fahrt durch die Grachten geht es wesentlich entspannter zu und her.

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Unterwegs in Lyon: Attraktionen und Tipps

Es wäre viel zu schade, nur wegen des Lichterfests nach Lyon zu kommen. Wir nutzen den Tag vor dem abendlichen Besuch der Fête des Lumière für weitere Entdeckungen in der Stadt und einen Abstecher auf den Weihnachtsmarkt.

Der Fourvière-Hügel

Die wichtigsten und teilweise weithin sichtbaren Sehenswürdigkeiten von Fourvière sind die Kirche Notre-Dame de Fourvière, der Tour métallique de Fourvière und das Museum Lugdunum mit dem Römischen Theater. Zu erreichen ist der Hügel entweder per Standseilbahn (Funiculare) von der Station Vieux Lyon-Cathédrale St. Jean mit einer der beiden Linien F1 oder F2 oder zu Fuß über unzählige Treppen und durch den Parc des Hauteurs. Dabei wird deutlich, wie steil es in Lyon sein kann.

In der Antike war Fourvière das Zentrum von Lugdunum. Die römische Stadt Lugdunum breitete sich ab dem 11. Jahrhundert Richtung Saône und später zur Rhône und darüber hinaus aus. Das gut erhaltene Amphitheater kann aus nächster Nähe bewundert werden, Odeon und Ampitheater sind kostenlos zugänglich. Der Eintritt ins Museum kostet € 7.00 (2021). Es beherbergt wahre Schätze, die von den Ursprüngen der Metropole Lyon erzählen. Lugdunum zählt zu den schönsten archäologischen Sammlungen Frankreichs.

Die erste Marien-Kapelle am Gipfel des Fourvière entstand bereits im 11. Jahrhundert. Die heutige Basilika wurde zwischen 1872 und 1896 zu Ehren der Jungfrau Maria erbaut, weil die Stadt nicht in den deutsch-französischen Krieg verwickelt wurde. Die schneeweiße Basilika Notre-Dame de Fourvière ist mit ihrer detailreichen Fassade schon von außen eine Augenweide. Innen wird es richtig prachtvoll. Das Kirchenschiff ist mit viel Gold und Gemälden prächtig verziert, in der Krypta stehen zahlreiche Marien-Figuren. Es gibt die Möglichkeit an verschiedenen Führungen, z.B. auf das Dach der Basilika teilzunehmen. Dafür fehlt uns jedoch die Zeit.

Von der Aussichtsplattform hast du einen fantastischen Blick auf Lyon. Die Altstadt Vieux-Lyon, die in Altrosa, Ocker und Weiß getaucht ist, liegt dir zu Füßen. Im Hintergrund erheben sich Wolkenkratzer wie der Tour Part-Dieu. Und an klaren Tagen siehst du sogar bis zu den Alpen und zum Mont Blanc.

Gleich neben der Kirche steht der Tour métallique de Fourvière. Er wirkt wie eine Mini-Ausgabe des Eiffelturms in Paris. Und tatsächlich ist er ebenfalls nach den Plänen von Gustave Eiffel für die Lyoner Ausstellung 1894 errichtet worden. Bis 1953 befand sich auf dem Turm eine Aussichtsplattform, heute dient er nur noch als Sendeturm und ist nicht öffentlich zugänglich.

Vieux-Lyon

Das Viertel Vieux-Lyon erstreckt sich zwischen Fourvière-Hügel und Saône ist im Mittelalter und der Renaissance entstanden. Früher galt es als das Viertel der Seidenweber. Aber auch Klerus und reiche italienische Bankiersfamilien lebten hier. Somit ist es nicht verwunderlich, dass man teilweise das Gefühl hat in einer italienischen Renaissancestadt unterwegs zu sein. In den 1960er-Jahren sollte die heruntergekommene und baufällige Altstadt abgerissen und durch moderne Bauwerke ersetzt werden. Das konnte zum Glück verhindert werden. Es wäre ein riesiger Verlust gewesen.

Es macht Spaß durch Viex-Lyon zu flanieren, auch wenn es sehr touristisch und voll ist. Hier findest du alte verwinkelte Gassen mit kleinen Läden und typischen Restaurants, den Bouchons Lyonnais. Der prägende Sakralbau des Viertels ist die Cathédrale Saint-Jean-Baptiste. Sie wurde im 12. Jahrhundert im romanisch-gotischen Stil erbaut. Im Gegensatz zur Basilika Notre-Dame de Fourvière ist sie wesentlich nüchterner und minimalistischer, aber nicht minder schön. Die Cathédrale Saint-Jean ist jeweils der Star an der Fête des Lumières. In der Nähe starten die Standseilbahnen auf den Fourvière-Hügel.

Eine Besonderheit in Vieux-Lyon und im Viertel Croix-Rousse sind die sogenannten Traboules. Traboules sind versteckte Gänge und Passagen, die es erlauben, lange Strecken abseits der Straßen zurückzulegen und Wege abzukürzen. Diese Passagen führen durch Innenhöfe, Hausflure und Treppenhäuser. Die ersten Verbindungsgänge entstanden schon im 4. Jahrhundert. Später waren es die Seidenweber, die ihren Waren so schnell und vor Regen geschützt zu den Flussufern transportieren konnten.

Traboules verkürzen die Wege.

Als Fan von Asterix und Obelix weißt du vielleicht, dass die beiden Helden die Römer in das Gewirr der Traboules von Lugdunum lockten. Es also durchaus sein, dass man sich in diesem pittoresken Gassengewirr verirrt.

Trotzdem kannst du einige Traboules auf eigene Faust erkunden. Vormittags sind viele Haustüren für Lieferanten geöffnet und es ist kein Einlasscode für erforderlich. Bedenke aber, dass es sich dabei um Wohnhäuser handelt und hier Menschen leben. Eine kleine Auswahl der über 400 Traboules findest du auf der Website von Lyon Sehenswürdigkeiten online. Besonders gut gefallen hat mir die Traboule in der 16 Rue du Boeuf mit dem Tour Rosé. Einen der bekanntesten Durchgänge, den Cour des Voraces am Place Colbert in Croix-Rousse konnte ich leider nicht besichtigen.

Die Presqu’île

Das Stadtviertel Presqu’île de Lyon liegt zwischen den Flüssen Saône und Rhône und umfasst das 1. und 2. Arrondissement. Im Norden grenzt die Presqu’île an das Viertel Croix-Rousse, im Süden geht sie in den modernen Stadtteil La Confluence über. Hier ist Lyon richtig prunkvoll und kann mit vielen architektonischen Schätzen und Sehenswürdigkeiten aufwarten. Auch Superlative hat die Presqu’île zu bieten.

So befindet sich hier mit der Rue de la République die längste Fußgängerstraße Europas. Wie nicht anders zu erwarten ist sie gleichzeitig Shoppingmeile und beherbergt etliche renommierte Modeboutiquen. Wir beobachten, wie sich am Samstagmorgen lange Schlangen vor Hermès und Louis Vuitton bilden. Der Place Bellecour gilt als der größte Fußgängerplatz Europas. Dort befindet sich die Statue des französischen Schriftstellers Antoine de Saint Exupéry.

Sehenswert sind außerdem der Place des Terreaux mit dem Rathaus, dem Bartholdi-Brunnen oder dem Musée des Beaux-Arts. Der Place des Jacobins ist geprägt vom imposanten Fontaine des Jacobins und Wohnhäusern des Lyoner Großbürgertums. Der riesige Komplex des ehemalige Krankenhauses Grand Hôtel-Dieu beherbergt heute ein Hotel, Restaurants, Cafés und Einkaufspassagen.

Eine weitere Besonderheit in Lyon sind die Murals. Überall in der Stadt findest du bemalte Fassaden. Es gibt riesige Fresken und illusionistische Malereien mit perspektivischer Darstellung (Trompe L’Œil). Verantwortlich für diese Streetart sind Kunststudenten und die Künstlergruppe Cité Creation. Sie haben dafür gesorgt, dass das Grau aus den Straßen verschwunden ist und Lyon heute um einiges bunter ist. Im Norden von Presqu’île am Ufer der Saône liegen mit «Fresque des Lyonnais» und «La bibliothèque de la cité» zwei der berühmtesten Murals. Auf ersterem sind 24 berühmte Lyoner wie Paul Bocuse, Antoine de Saint-Exupéry mit dem kleinen Prinzen, Bertrand Tavernier, Tony Garnier oder die Gebrüder Lumière. La bibliothèque de la cité ist eine riesige aufgemalte Bibliothek.

Murals haben in Lyon Tradition.

Außerdem kann ich dir noch «Le mur des canuts» im ehemaligen Arbeiterviertel Croix-Rousse empfehlen. Das Mural ist mit 1200  40 Boulevard des Canuts, 69004 Lyon
Mit über 1’200 m² die größte Wandmalerei Europas. Das Illusionsbild wirkt täuschend echt. Es kann also durchaus sein, dass du beim Betrachten der Murals deinen Augen nicht traust. Die Szenen zusammen mit fotografierenden Touristen sind irgendwie skurril. Seit vier Jahrzehnten gehört diese Kunstform zu Lyon. Mehr als 100 Murals sind seither entstanden. Das Besondere: Die Wandmalereien wurden noch nie durch Graffitis oder andere Schmierereien verunstaltet.

Täglich außer am Montag findet in den Morgenstunden an den Kais Célestins und Saint-Antoine am Ufer der Saône der Marché alimentaire Saint-Antoine statt. Er ist ein Eldorado für Feinschmeckerinnen und Feinschmecker. Hier decken sich die Bewohnerinnen und Bewohner mit frischen Lebensmitteln ein. Angeblich war auch Paul Bocuse des öfteren hier anzutreffen. So ein Marktbesuch sorgt für das perfekte Frankreich-Urlaubs-Feeling: einfach über den Markt schlendern, Farben, Gerüche und Geräusche aufsaugen und ein paar der Köstlichkeiten direkt verkosten.

La Confluence

Auf der Südspitze der Perrache-Halbinsel zwischen Saône und Rhône baut Lyon bis 2030 auf 150 Hektar ein neues Stadtviertel. La Confluence soll ein Viertel für alle sein. Es ist jetzt schon überraschend bunt, vereint Wohnen, Arbeiten und Freizeit sowie Alt und Neu. Sozialwohnungen liegen neben Luxusappartements und sogar die Hausboote blieben erhalten.

Architektonisch ist das Quartier geprägt durch die Place Nautique, die zwei großen, durchlöcherte Kuben von Jacob + MacFarlane in Orange und Grün und natürlich das Musée des Confluences. Das Gebäude, das vom österreichischen Architekturbüro Coop Himmelb(l)au entworfen wurde, ist ein echter Blickfang. Eigentlich sollte der Bau 2005 fertig gestellt sein. Ähnlich wie bei der Elbphilharmonie in Hamburg verzögerte sich die Eröffnung um beinahe zehn Jahre und die Kosten explodierten.

Das naturwissenschaftliche Museum geht in permanenten und temporären Ausstellungen wesentlichen Fragen des menschlichen Daseins nach. Die gläserne Halle und die Aussichtsplattformen kannst du ohne Eintritt besuchen.

Kulinarische Entdeckungen

Der gastronomische Ruf Lyons geht zurück bis in die Antike. Damals hatte Lugdunum ein Weinhandelsmonopol. Außerdem liegt Lyon im Herzen verschiedener Produktions- und Anbauregionen. Heute gibt es in keiner anderen Stadt Frankreichs mehr Restaurants pro Kopf als in Lyon. 2021 dürfen sich 23 von ihnen mit mindestens einem Michelin-Stern schmücken. Insbesondere der Gastro-Papst und Spitzenkoch Paul Bocuse machte die Stadt und ihre Küche berühmt.

Ursprünglich waren es die «Mères Lyonnaises», die Lyon gastronomisch prägten. Als die Frauen während der Wirtschaftskrise Ende des 19. Jahrhunderts ihre Stellungen in den Haushalten der Bourgeoisie verloren, begannen sie zu improvisieren, machten sich selbstständig und eröffneten kleine Restaurants. Die Köchinnen hatten keine klassische Kochausbildung und kochten einfache Gerichte nach raffinierten Rezepten.

Die Mütter von Lyon haben damit die typischen Gasthäuser der Stadt, die Bouchons geprägt. Wo es zum Essen Wein gab, hing früher ein Bouchon, ein Korken, über der Türe. Den Wein trank und trinkt man aus einem Pot, einer Servierflasche mit dickem Boden, die 46 Zentiliter fasst. Aufgetischt wird vor allem Beaujolais, der als Hauswein Lyons gilt. Dabei spielt es keine Rolle, dass das Weinbaugebiet geografisch zum Burgund gehört.

Den Besuch in einem Bouchon ist ein Erlebnis. In den kleinen Lokalen stehen die Tische mit rot karierten Tischdecken eng beieinander und oftmals erinnert die Einrichtung an längst vergangene Zeiten. Aufgetischt wird deftige Hausmannskost. Das Zusammensein in geselliger Atmosphäre und ein guter Schluck Beaujolais zählen mehr als Haubenküche. Wichtig zu wissen: Bouchons sind nichts für Vegetarier.

Gourmets und Gourmands sollten auch den Halles de Lyon Paul Bocuse einen Besuch abstatten. Hier bieten gut 60 der besten Produzenten aus der Region tagtäglich ihre Produkte an. Was von außen wie ein gesichtsloses Bürogebäude wirkt, entpuppt sich im Inneren als Kulinarik-Tempel. Hier erledigen die Einheimischen ihre Einkäufe. Viele Stände bieten ihre Köstlichkeiten gleich direkt zum Verkauf an: frische Austern, Käse oder Patisserie. Wie wäre es mit dem Kauf von Lyoner Pralinen, den pinkfarbenen gebrannte Mandeln, vor der Heimreise?

Lyon – ein Kurztrip zur Fête des Lumières 1
Traboule und Tour Rosé in Lyon
Fête des Lumières Lyon

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