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Klausenpass: Gletschersee, Wasserfälle, Kraftorte und die größte Alp der Schweiz

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Die Liste der Alpenpässe in der Schweiz ist lang. Der Klausenpass zwischen Glarus und Uri zählt zu den etwas weniger bekannten Passstraßen. Beliebt ist er vor allem bei Rad- und Motorradfahrern. Meine letzte Fahrt über den Pass liegt einige Jahre zurück. Berichte anderer Reiseblogger inspirieren mich, der Alp Urnerboden, dem Bärglistüber Wasserfall, dem Griesslisee und dem idyllischen Dörfchen Äsch wieder einmal einen Besuch abzustatten.

Der Schweizer Sommer 2020 brauchte ein bisschen Zeit, um so so richtig auf Touren zu kommen. Wechselhaft beschreibt die erste Sommerhälfte ganz gut. Und so musste ich meinen ersten Anlauf im Juli wieder abbrechen. Trotz eines passablen Wetterberichts für die zweite Tageshälfte, regnete es in Strömen, die Passhöhe war in Nebel gehüllt und das Regenradar für die Region versprach für die kommenden Stunden keine Besserung. Dafür strahlte die Sonne beim zweiten Teil des geplanten Ausflugs Mitte September mit mir um die Wette.

Der Klausenpass ist ein Wanderparadies. Für alle, die einfach einen gemütlichen Tag ohne anstrengende Touren in der Region verbringen möchten, habe ich hier ein paar Tipps zusammengestellt.

Klausenpass

Der Klausen verbindet das Linthal im Kanton Glarus mit dem Schächental in Uri. Da der Klausenpass nicht zu einer wichtigen Nord-Süd-Verbindung zählt, handelt es sich außer bei Motorradfahrern eher um eine unbekannte Passstraße. Früher, von 1922 bis 1934, fand hier das internationale Klausenrennen statt. Seit 1993 wird in unregelmäßigen Abständen das Klausenrrennen-Memorial abgehalten. Dann schlängeln sich wie in früheren Zeiten historische Fahrzeuge über die Passstraße.

Die Strecke mit ihren vielen Serpentinen ist auch heute noch eindrücklich. Es lohnt sich den Pass nicht am Wochenende zu fahren. So kann man zwischendurch an schönen Stellen und Aussichtspunkten anhalten und den Blick ins Linthal oder Schächental schweifen lassen. Die Passstraße ist übrigens nur im Sommer befahrbar. Genervt bin ich von den vielen Motorradfahrern, die mit ihren frisierten Motoren die Ruhe stören und die Bergluft verpesten. Dafür imponieren mir die vielen Radfahrer, die die Anstrengung auf sich nehmen und geduldig nach oben strampeln, sei es mit oder ohne Unterstützung eine Elektormotors. Auf der Passhöhe gibt es übrigens mehrere E-Bike-Tankstellen.

Irgendwie ist auf dem Klausenpass alles ein bisschen verschoben. So liegt das Hotel Klausenpasshöhe nicht wie etwa vermutet direkt auf der Passhöhe (1948 m.ü.M), sondern einen Kilometer unterhalb Richtung Unterschächen. Emanuel Schilling aus Altdorf beauftragte den Bau des Hotels, die Pläne stammen vom Bauunternehmer Joseph Blaser aus Schwyz. Eröffnet wurde das Hotel Juli 1903.

Bis zum Herbst 2020 konnte man hier in nostalgisch eingerichteten Einzel-, Doppel- und Mehrbettzimmern mit Etagendusche übernachten. Der im Sommer 2020 entstandene Neubau unterhalb des historischen Gebäudes wird dieses bald ablösen. Dann gehört das alte Hotel, das so lange Zeit das Landschaftsbild geprägt hat, der Vergangenheit an. Es wird abgerissen.

Auf der eigentlichen Passhöhe stehen eine kleine Kapelle und das Kiosk-Restaurant Clariden. Auch die politische Grenze zwischen Uri und Glarus verläuft nicht etwa auf der Passhöhe, sondern 8 km weiter östlich.

Berglistüber Wasserfall

Mein erster Weg am Morgen führt mich von Altdorf herkommend über die Passhöhe Richtung Linthal zum Berglistüber Wasserfall. Dies ist der am weitesten entfernte Punkt meines Ausflugs. Auf dem Rückweg werde ich noch an weiteren Stationen Halt machen. Der Berglistüber Wasserfall ist sehr leicht zu erreichen. Vom Parkplatz des ehemaligen Restaurants Bergli aus sind es nicht einmal fünf Minuten. Parkplätze sind vorhanden und ein großer Wegweiser hilft bei der Orientierung.

Sobald man in den Wald kommt, hört man das Tosen des Wasserfalls. Und der ist nicht etwa nur ein einfacher Wasserfall. Nein, es handelt sich dabei um einen sogenannten Fenster-Wasserfall. Das heißt, man kann hinter dem Wasserfall durchgehen. Der Berglistüber Wasserfall muss einen Vergleich mit dem berühmten Seljalandsfoss nicht scheuen. Dort von den Felsen aus durch den Wasservorhang zu schauen, war eines meiner eindrücklichsten Erlebnisse während meiner Reise durch Island.

Der Zutritt hinter den Berglistüber Wasserfall seit einiger Zeit verboten – zu gefährlich. Und so prangt dort ein großes Schild, dass der Zugang auf eigene Gefahr erfolgt. Anders als viele Influencer, die auf der Jagd nach dem perfekten Bild für Insragram ihr Leben riskieren und weil der Boden nach dem Regen nass ist, bleibe ich auf der Aussichtsplattform. Schließlich möchte ich nicht andere zu irgendwelchem Unsinn animieren. Es reicht, wenn hirnlose Pseudo-Models sich im Bikini in den Gumpen (Strudeltöpfen) des Königsfalls räkeln und dabei mit verantwortlich sind für die Zerstörung der Natur und etwaige Unfälle von Nachahmern.

Sicher kannst du den Berglistüber Wasserfall immer noch von der Seite aus betrachten. Das ist auch wunderschön. Gerne wird der Berglistüber auch als einer der schönsten Wasserfälle der Schweiz beschrieben. Es ist aber nicht nur der Fätschbach, der sich hier in der Region des Klausenpasses in die Tiefe stürzt. Da gibt es noch mehr Wasserfälle zu entdecken, z..B. den Diesbachfall oder den Stäuber Wasserfall in Äsch.

Urnerboden

Der Urnerboden ist ein 8 km langes Hochtal auf rund 1320 Metern Höhe. Die größte Alp der Schweiz ist Ausgangspunkt für viele Berg- und Skitouren. Bis zu 1200 verbringen hier angeblich den Sommer auf de Alp. Und so tummeln sich auch gerne Kühe auf der Straße, was die Auto- und Motorradfahrer über den Pass zwangsläufig entschleunigt. Nur etwa 40 Menschen wohnen ganzjährig hier.

Wie oben bereits erwähnt, verläuft die Grenze zwischen Uri und Glarus nicht auf der Passhöhe. Der Urnerboden liegt geografisch auf der Glarner Seite des Klausenpasses, gehört aber politisch zur Gemeinde Spiringen. Diese Grenze wurde 1315 bestimmt. Wie es dazu kam, erzählt die Sage vom Grenzlauf um den Urner Boden, die heute noch viele Kinder in der Schule kennenlernen. In Erinnerung an diese Sage begebe ich mich am Urnerboden (mittlerweile bei einsetzendem Regen) auf den Guliweg. Guli bedeutet Güggel oder eben Hahn. Der Guliweg ist ein familientauglicher 900 Meter langer Rundweg. An neuen Station erfährt man mehr über die Geschichte des Urnerbodens.

Was auffällt ist, dass erstaunlich viele Camper links und rechts der Straße ihre Zelte aufgeschlagen haben. Überall stehen Vans, Wohnmobile oder bunte Igluzelte. Dies ist sicherlich dem Corona-Sommer mit seinem Camping-Hype geschuldet. Immer mehr Leute steigen in ihren eigenen oder einen gemieteten Van, um sich flexibel und unabhängig zu bewegen. Mich selbst konnte das romantisierte Vanlife noch nie so richtig begeistern. Bilder von Instagrammerinnen, die sich in Baumwollhemden und Socken in ihren mit Wimpeln und Makramee-Wandbehängen geschmückten Vans räkeln und dabei Tassen mit dampfendem Kaffee oder Tee in den Händen halten, finde ich ziemlich lächerlich.

Wildes Campen ist in der Schweiz und im Kanton Uri grundsätzlich nicht verboten. Dennoch versucht man in Unterschächen mit einem TempCamp, einem Stellplatz, bei dem man die Infrastruktur des Langlaufzentrums nutzen kann, der Lage und den teils stinkenden Hinterlassenschaften Herr zu werden.

Der namenlose Griesslisee oder Claridensee

Mein nächster Stopp soll das Chlausenchappli auf der Passhöhe sein. Die kleine Kapelle wurde dem heiligen Niklaus von Flüe oder Bruder Klaus, dem Schweizer Nationalheiligen aus Obwalden, gewidmet. Die Wanderung zum Griesslisee fällt aber erst einmal gründlich ins Wasser. Ich muss meine Pläne ändern und später im Jahr einen zweiten Anlauf nehmen.

An einem schönen Mittwochnachmittag im September parke ich wiederum mein Auto Kiosk-Restaurant auf der Passhöhe und folge dem Wegweiser mit der Aufschrift «Gletschersee», der seit 2019 hier steht. In den topografischen Karten der Schweiz hat der Gletschersee tatsächlich keinen Namen. Auf Google Maps und in diversen Outdoor-Apps ist die Rede vom Griesslisee. Als Griessli wird nämlich der Talkessel bezeichnet, in dem der See liegt. Teilweise wird der Griesslisee in Anlehnung an den Claridengletscher oder das Claridenbödemli auch als Claridensee benannt.

Entwässert wird der Griesslisee übrigens vom Fätschbach. Genau, das ist der, der als Berglistüber Wasserfall weiter unten in die Tiefe stürzt.

Egal, wie man ihn bezeichnet, der Griesslisee ist ein beliebtes Motiv für Fotografen. In den «warmen» Sommermonaten campen viele am See, um die Abend-, Nacht- und Morgenstunden für Bilder zu nutzen. Die Rundwanderung zum Gletschersee ist leicht zu bewältigen und gerade einmal fünf Kilometer lang. Dabei sind etwa 300 Höhenmeter zu überwinden. Je nach Schneelage ist der Weg von Mai bis Oktober begehbar. Ich bin dann doch überrascht, wie viele Wanderer hier unterwegs sind.

Die Wanderung zum Griesslisee auf ist auf Outdooractive ausführlich beschrieben. Dort lassen sich Routen für Wanderungen, Radtouren, Bergtouren und weitere Outdoor-Aktivitäten nicht nur auf dem Klausenpass planen, ausdrucken und auf dein GPS-Gerät laden. Noch bequemer funktioniert das offline mit der App von Outdooractive.

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Am Griesslisee kannst du das wunderbare Panorama genießen. Einige große Steine und zwei Sitzbänke laden zum Verweilen ein. Von hier aus kann man auch noch ein Stück bis zum Seeufer hinunter weiterwandern. Dort steht man dann direkt vor den Eisbrocken, die sich in einer kleinen Bucht sammeln. Um zu dieser Stelle zu gelangen, solltest du unbedingt dem offiziellen Weg folgen. Rund um den Griesslisee ist wegen dem Geröll und den losen Steinen nämlich Vorsicht angesagt. Der direkte Abstieg wäre zu steil und zu gefährlich.

Wie auch andere Gletscher in der Schweiz und weltweit zieht sich der Claridengletscher Jahr für Jahr weiter zurück. Obwohl er eigentlich durch seine Lage in einer Nordwand geschützt ist, brechen immer wieder größere Teile des Gletschers ab und treiben dann als kleine Eisberge im See. Während ich oberhalb des Sees eine kleine Pause, Sonne und Wärme genieße, wird die Ruhe immer wieder durch ein Knacken im Eis unterbrochen. Sekunden später höre ich, wie Eis und Geröll im See landen.

Kraftort Äsch

Nach einem späten Mittagessen auf der Terrasse des alten Hotels Klausenpasshöhe geht es wieder bergab Richtung Unterschächen. Meine letzte Station für diesen Tag ist das kleine Dörfchen Äsch. Von Unterschächen aus führte eine Naturstraße nach Äsch-Oberalp. Zu Fuß ist man etwa 40 Minuten unterwegs. Mit einer Bewilligung ist aber auch die Zufahrt mit dem Pkw möglich. An dem kleinen «Mauthäuschen» bedient man sich der Anleitung folgend sozusagen selbst. Genau genommen steckt man CHF 10.- in einen Umschlag und wirft ihn in den Briefkasten. Danach schreibt man die Autonummer auf den dafür vorgesehenen Zettel und deponiert diesen gut sichtbar hinter der Windschutzscheibe.

Äsch selbst erwartet die wenigen Besucher mit einem eindrücklichen Bergpanorama, Almen und Alphütten und einem Wasserfall, den Stäuber. Ein schön gestalteter Picknickplatz mit Grillstelle lädt zum Verweilen ein und bei der kleinen Kapelle kann man ebenfalls vorbeischauen. Äsch ist ein Ort, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen. An diesem Mittwoch im September wird zwar beim Gasthöfli und an einer anderen Hütte noch gewerkelt und renoviert, ansonsten bin ich hier aber alleine. Der kleine Gasthof ist übrigens während der Sommermonate an den Wochenenden geöffnet.

Wenn du noch weiter hinaus oder hinauf möchtest, fährst du mit der Luftseilbahn auf die Oberalp. Aber auch von Äsch selbst ist der Blick hinauf zum Klausenpass und die Straße, die sich in schwindelerregender Höhe den steilen Abhängen entlang schlängelt, richtig imposant.

Die Ausflugtipps in diesem Beitrag beziehen sich vor allem auf die Passhöhe und die Urner Seite des Klausenpasses. Aber auch der Diesbachfall im Kanton Glarus kann ein lohnendes Ziel sein.

Klausenpass: Gletschersee, Wasserfälle, Kraftorte und die größte Alp der Schweiz 1
Alp Äsch mit Stäuber am Klausenpass
Klausenpass: Gletschersee, Wasserfälle, Kraftorte und die größte Alp der Schweiz 3

2 Gedanken zu „Klausenpass: Gletschersee, Wasserfälle, Kraftorte und die größte Alp der Schweiz“

  1. Hallo
    Toller Beitrag zu einem besonderen Ort. Schön zu sehen das auch andere Blogger den Gletschersee entdecken und so schön und ausgiebig darüber berichten wie du es tust. Da bekommt man direkt Lust wieder zum See zu fahren.

    Grüsse
    Dokmai und Daniel

    Antworten
    • Ich danke euch für das Feedback. Der Gletschersee ist wirklich einzigartig und eure Bilder davon einfach nur toll! Ihr habt mich durchaus inspiriert.

      Herzliche Grüsse
      Carola

      Antworten

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