Vor meiner Reise nach Guilin hatte ich bestimmte Bilder im Kopf: stille Flusslandschaften, einsame Karstberge und Fischer auf Bambusflößen, so wie die chinesischen Tuschgemälde. Die Realität sah jedoch ganz anders aus. Eine touristisch perfekt durchorganisierte Region, durch die täglich Tausende Besucher strömen. Hunderte Boote auf dem Li-Fluss, volle Aussichtspunkte und überall diese typisch chinesische Geschäftigkeit und Lautstärke. Und trotzdem: Wenn die Nebelschwaden zwischen den Karstfelsen wabern und sich der Li-Fluss durch die Landschaft schlängelt, verstehe ich, warum diese Region auf Chinas 20-Yuan-Schein abgebildet ist. Manche Orte sind so schön, dass sie den Trubel aushalten.
Die Region Guilin in der Provinz Guangxi bietet viele Höhepunkte. Sie umfasst unter anderem die Stadt Guilin, die historische Altstadt Daxu, das einst beschauliche Xingping mit seiner stark frequentierten Altstadt, das stark vom Tourismus geprägte Yangshuo mit seiner geschäftigen Atmosphäre und der spektakulären Umgebung aus Karstbergen und dem malerischen Yulong-Fluss sowie die atemberaubenden Longji-Reisterrassen. Trotz des zunehmenden Tourismus hat die Landschaft nichts von ihrem Zauber verloren.
Inhalt
- Die Karstlandschaft von Guilin – Eine geologische Besonderheit
- Die Stadt entdecken
- Ausflug zur historischen Altstadt Daxu
- Das malerische Xingping und der 20-Yuan-Blick
- Quirliges Yangshuo
- Mondberg und Yulong Fluss
- Die Longji-Reisterrassen in Longsheng
- Vorschlag für eine Reiseroute
- Die besten Aussichtspunkte und Fotospots in der Guilin-Region
- Lokale Spezialitäten und Küche der Guangxi-Provinz
- Fazit: zwischen Touristenströmen und stillen Momenten
Die Karstlandschaft von Guilin – Eine geologische Besonderheit
Die atemberaubenden Felsformationen, die sich wie Riesen aus der grünen Ebene erheben, sind das Ergebnis eines über Jahrmillionen dauernden Naturprozesses. Was du in Guilin und Umgebung bestaunen kannst, wird von Geologen als «Turmkarst» bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine besondere Form der Karstlandschaft, die weltweit nur in wenigen Regionen so eindrucksvoll zu finden ist.
Vor etwa 200 Millionen Jahren lag die Region unter dem Meeresspiegel. Als sich Kalksteinschichten ablagerten und die Erdkruste sich hob, begann das Regenwasser, den Kalkstein aufzulösen. Zurück blieben die markanten Felsen, während gleichzeitig unterirdische Höhlensysteme wie die Reed Flute Cave entstanden. Aufgrund der enormen Ausdehnung von über 10 000 Quadratkilometern mit Tausenden dieser Karstkegel wurde die Region im Jahr 2014 zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannt.
Die Stadt entdecken
Mit knapp einer Million Einwohnern im Stadtzentrum ist Guilin für chinesische Verhältnisse eine mittelgroße Stadt und fühlt sich auch so an. Sie ist überschaubar, grün und hat nicht den erdrückenden Moloch-Charakter von Shanghai oder Peking. Die meisten Reisenden hetzen durch und machen nur einen kurzen Stopp auf dem Weg nach Yangshuo oder Zhangjiajie. Ich habe mir zwei Tage Zeit genommen und dabei gemerkt, dass ich die schönsten Momente nicht an den Postkartenmotiven, sondern am Abend an den Seen hatte.
Während Reisegruppen tagsüber pflichtschuldig den Elephant Trunk Hill fotografieren, verwandelt sich das Seeufer nach Sonnenuntergang in eine riesige Open-Air-Bühne. Gruppen tanzen zu traditioneller Musik, andere singen und oder spielen Instrumente, die ich noch nie gesehen habe. Ich setze mich auf eine Bank und schaue zu. Zum ersten Mal seit meiner Ankunft in China wird es ruhig in meinem Kopf. Nicht leise. China ist nie leise, aber friedlich. Die Sonne- und Mond-Pagoden auf dem Shan Hu leuchten kitschig-bunt in der Dunkelheit und Ausflugsboote gleiten lautlos durchs Wasser. Das ist Guilin, wie ich es in Erinnerung behalten werde. Nicht der Elephant Trunk Hill.

Unterkunftstipp: Das Guilin O-LIVE Social Hotel [Affiliate] liegt im Herzen von der und ist der perfekte Ausgangspunkt für Erkundungen. Die Zimmer überzeugen mit einer gelungenen Mischung aus modernem Komfort und traditionellen chinesischen Elementen. Die Zimmer in den höheren Etagen punkten mit einem atemberaubenden Blick auf Karstberge.
Stadtzentrum
Das berühmteste Wahrzeichen von Guilin ist wie erwähnt der Elephant Trunk Hill, ein Karstfelsen am Zusammenfluss des Li- und des Taohua-Flusses. Und ja, er sieht wirklich aus wie ein Elefant, der seinen Rüssel ins Wasser taucht. Im Herzen der Stadt bilden der Shan Hu (Tannensee) und der Rong Hu (Banyanbaumsee) mit den Sonne- und Mond-Pagoden eine malerische Wasserkulisse. Die markante Zickzackbrücke verbindet die Seeufer, die besonders abends zum Treffpunkt der Einheimischen werden.
Der Fubo Hill ist ein Karstberg mitten in der Stadt, der einen herrlichen Ausblick bietet und die Pearl-Returning Cave mit ihren vielen Buddha-Statuen beherbergt. In der Nähe liegt der Jingjiang Princes‘ Palace, ein historischer Komplex aus der Ming-Dynastie, der heute Teil der Guangxi Normal University ist. Für ein authentisches Flair empfehle ich einen Abstecher zum lokalen Markt, wo du regionale Spezialitäten entdecken kannst.
Nähere Umgebung
Etwa fünf Kilometer vom Stadtzentrum entfernt liegt die beeindruckende Reed Flute Cave (Schilfrohrflötenhöhle). In der über 180 Millionen Jahre alten Karsthöhle erwarten dich spektakulär beleuchtete Tropfsteinformationen. Die Höhle verdankt ihren Namen dem Schilf, das am Eingang wächst und traditionell zum Flötenbau verwendet wurde. Die farbige Beleuchtung wirkt zwar recht künstlich, schafft aber eine magische Atmosphäre in den gewaltigen Hohlräumen. Weitere beliebte Ausflugsziele in der Umgebung sind der Seven Star Park mit seinen sieben Karstgipfeln und der Yaoshan-Berg mit seiner Seilbahn.
Ausflug zur historischen Altstadt Daxu
Etwa 20 Kilometer flussabwärts liegt das über 1000 Jahre alte Dorf Daxu. Es zählt zu den am besten erhaltenen historischen Marktflecken der Region. Das Herzstück des Ortes ist die 800 Meter lange Hauptstraße mit ihren historischen Häusern aus der Ming- und Qing-Dynastie. Hier kannst du traditionelle Handwerker bei der Arbeit beobachten, in kleinen Teehäusern einkehren oder einen Blick in die alten Wohnhäuser mit ihren charakteristischen Innenhöfen werfen.

Besonders sehenswert ist die alte Brücke. In Daxu erlebt man einen Hauch des alten Chinas, der anderswo zunehmend verschwindet.
Das malerische Xingping und der 20-Yuan-Blick
Xingping überrascht mich zweimal. Zum einen stelle ich fest, dass aus dem einst verschlafenen Fischerdorf ein weiterer Stopp auf Chinas Touristenroute geworden ist. Der 25 Kilometer flussabwärts von Yangshuo gelegene Ort wird täglich von Reisegruppen überschwemmt. In der Xingping Ancient Street reiht sich ein Souvenirshop an den nächsten, dazwischen liegen Cafés und Touristenrestaurants.
Die zweite Überraschung folgt, als ich mich zu Sonnenaufgang alleine auf den Weg mache. Plötzlich ist da diese Stille und die unfassbare Schönheit der Karstlandschaft, die sich im Li-Fluss spiegelt – genau das Motiv auf dem 20-Yuan-Schein.

Ein echter Geheimtipp ist die Wanderung zum Tengjiao-Tempel, einem ruhigen buddhistischen Tempel, der inmitten der Karstberge liegt.

Der etwa dreistündige Rundweg führt durch Bambuswälder und Pomelo-Gärten und gewährt einen authentischen Einblick in die ländliche Umgebung. Hier ist es deutlich ruhiger als in der überlaufenen Altstadt, auch wenn ich nicht ganz allein unterwegs bin und zum Fotomotiv einer chinesischen Wandergruppe werde.

Unterkunftstipp: Das charmante Chen Jia Garden Hotel [Affiliate] vereint chinesische Elemente mit modernem Komfort. Das Hotel liegt nur wenige Gehminuten vom berühmten 20-Yuan-Blick entfernt. Die Zimmer mit Balkon bieten einen herrlichen Blick auf den hübschen Innenhof oder die umliegenden Karstberge.
Bootsfahrt auf dem Li-Fluss
Der Li-Fluss zählt zu den spektakulärsten Landschaften Chinas und eine Bootsfahrt darauf ist für die meisten Besucher ein Muss. Von Guilin aus fahren täglich Dutzende, manchmal sogar Hunderte Touristenboote nach Yangshuo. Die 83 Kilometer lange Fahrt dauert etwa vier bis fünf Stunden und bietet umfassende Einblicke in die gesamte Karstlandschaft.
Ausflugstipp: Begib dich auf eine luxuriöse 4-Sterne-Sightseeing-Kreuzfahrt [Affiliate] auf dem Li-Fluss.
Ich habe mich jedoch für eine Alternative entschieden: eine Fahrt mit einem traditionellen Bambusfloß auf der Strecke von Yangdi nach Xingping. Diese kleinen Flöße sind heute mit Elektromotoren ausgestattet, gleiten dicht am Wasser und bieten ganz andere Perspektiven als die großen Touristenboote. Zwei Stunden lang durch den landschaftlich schönsten Teil des Flusses zu gleiten, während die Karstberge an mir vorbeiziehen, kommt der Stille und Schönheit, die ich mir vorgestellt habe, tatsächlich nahe.

Traditionelle Kormoranfischerei: Dabei wird den Vögeln ein Ring um den Hals gelegt, der verhindert, dass sie größere Fische schlucken können. Die Kormorane tauchen, fangen Beute und kehren zum Boot zurück. Dort entnimmt der Fischer die Fische. Als Belohnung dürfen die Vögel kleinere Fische behalten. Diese nachhaltige Methode war einst die Haupteinnahmequelle vieler Familien am Li-Fluss. Heute ist die authentische Kormoranfischerei selten geworden: Die Fischer, die du mit Bambusflößen und Laternen siehst, arbeiten überwiegend für Touristen. Sie inszenieren die Tradition gegen Bezahlung für Fotos oder bieten abendliche Shows an.
Quirliges Yangshuo
Yangshuo hat sich vom verschlafenen Backpacker-Dorf der 1980er-Jahre zu einem bedeutenden touristischen Knotenpunkt entwickelt. Die überschaubare Stadt liegt malerisch am östlichen Ufer des Li-Flusses und ist von den charakteristischen Karstbergen umgeben. Die Gegend um die West Street und den kleinen See ist wunderschön gestaltet, doch an einem Freitagabend ist es mir persönlich zu viel.
Die West Street – Einkaufen und Nachtleben
Die berühmt-berüchtigte West Street (Xi Jie) ist das pulsierende Herz von Yangshuo. Als älteste Straße der Stadt blickt sie auf eine über 1400 Jahre alte Geschichte zurück. Heute präsentiert sie sich als 550 Meter lange, gepflasterte Fußgängerzone voller Souvenirläden, Restaurants, Cafés und Bars.
Der Trubel irritiert mich: die Lautstärke in den Restaurants, die Menschenmassen, die Bühnen mit Tänzerinnen und die Live-Musik aus allen Richtungen. Die internationale Atmosphäre hat der Straße übrigens den Spitznamen «Global Village» eingebracht. Zweifellos ist die West Street überteuert und kommerzialisiert. Trotzdem gehört ein abendlicher Besuch zum Yangshuo-Erlebnis dazu, du musst nur wissen, worauf du dich einlässt.
Liu Sanjie, die spektakuläre Abendshow
Trotz meiner Skepsis gegenüber touristischen Massenveranstaltungen beeindruckt mich die Freilichtshow «Impression Liu Sanjie» sehr. Die vom weltbekannten Regisseur Zhang Yimou (Eröffnungsfeier Olympische Spiele 2008 in Peking) inszenierte Performance findet direkt auf dem Li-Fluss statt. Die majestätischen Karstberge dienen dabei als natürliche Kulisse, während ein spektakuläres Licht- und Soundsystem für die passende Atmosphäre sorgt. Über 600 Laiendarsteller wirken bei der Aufführung mit. Besonders beeindruckend sind die Szenen, in denen Hunderte von beleuchteten Bambusflößen über das Wasser gleiten oder die umliegenden Berge in farbenprächtiges Licht getaucht werden. Ja, es ist eine Touristenattraktion, aber eine verdammt gute.

Must-do ind Yangshuo: Die 70-minütige Show «Impression Liu Sanjie» ist ein unvergessliches Erlebnis und findet meist zweimal abends statt. Buche deine Tickets unbedingt im Voraus.
Mondberg und Yulong Fluss
Mit dem Fahrrad entlang des Yulong-Flusses
Nach dem Trubel in Yangschuo brauche ich einen Kontrast, den ich beim Radfahren entlang des Yulong-Flusses finde. Im Gegensatz zum stark befahrenen Li-Fluss ist der kleinere Yulong ruhiger und idyllischer. Für 20 bis 30 Yuan pro Tag kannst du einfach losradeln, ohne festen Plan und im eigenen Tempo. Die Landschaft ist flach, sodass eine Tour nicht mit großer Anstrengung verbunden ist.
Die Route führt durch Reisfelder und kleine Dörfer, und überall ragen die Karstberge auf. Du kannst anhalten, wann immer du möchtest, sei es für ein Foto oder für ein kühles Getränk in einem der Flusscafés. Am Yulong-Fluss werden ebenfalls Bambusflossfahrten angeboten.
Wanderung auf den Mondberg
Eine der lohnendsten Wanderungen rund um Yangshuo führt auf den sogenannten Mondberg. Der markante Karstfelsen beeindruckt mit einer großen, natürlichen Öffnung in Mondform. Der gut ausgeschilderte Aufstieg beginnt etwa acht Kilometer südlich von Yangshuo an der Straße nach Gaotian. Nach Bezahlung des Eintritts (ca. 15 Yuan) führt ein befestigter Pfad mit rund 800 Stufen in etwa 20 bis 30 Minuten zum Aussichtspunkt direkt unter der Öffnung. Von dort aus hast du nicht nur einen spektakulären Blick durch die Öffnung, sondern kannst auch das umliegende Panorama der endlosen Karstberge bewundern.

Die Longji-Reisterrassen in Longsheng
Etwa 90 Kilometer nördlich der Provinzhauptstadt erstrecken sich die atemberaubenden Longji-Reisterrassen (Drachenrücken-Terrassen) im Kreis Longsheng. Die über 650 Jahre alten, spektakulären terrassierten Felder ziehen sich vom Flusstal bis zu den 800 bis 1000 Meter hohen Berggipfeln und bieten je nach Jahreszeit völlig unterschiedliche Eindrücke: Im Frühjahr glitzern die Wasserspiegel, im Sommer erstrahlt alles in saftigem Grün, im Herbst leuchten die Reisfelder golden und im Winter sind die Terrassen möglicherweise schneebedeckt.

Ein Tagesausflug zu den Longji-Reisterrassen ist möglich, doch um das volle Erlebnis zu genießen, lohnt sich eine Übernachtung in einem der traditionellen Dörfer wie Ping’an oder Dazhai, besonders um die bei Nacht beleuchteten Reisterrassen zu erleben. Bei unserer Ankunft schlägt leider das Wetter um: Es beginnt zu regnen und Ping’an verschwindet im Nebel.
Das Dorf Ping’an – Zentrum der Zhuang-Kultur
Ping’an, eines der malerischsten Dörfer inmitten der Longji-Reisterrassen, ist die traditionelle Heimat der Zhuang-Minderheit. Das autofreie Bergdorf liegt auf etwa 880 Metern Höhe und besteht aus charakteristischen mehrstöckigen Holzhäusern, die sich an den Hang schmiegen. Die Zhuang, Chinas größte ethnische Minderheit, haben hier ihre Traditionen bewahrt, von der charakteristischen Tracht bis zu saisonalen Festen mit Musik und Tanz.
An diesem kalten Novemberabend erlebe ich etwas Ungewohntes: Die Einheimischen machen in ihren Häusern einfach offene Feuer. Die Familien versammeln sich zum gemeinsamen Essen um die Flammen. Es grenzt an ein Wunder, dass dieses Dorf nicht schon mehrfach abgebrannt ist.
Die Hauptattraktionen sind die spektakulären Aussichtspunkte, die wir nach kurzen Wanderungen vom Dorfzentrum aus erreichen. Zunächst verhüllt dichter Nebel alles, doch während der Wanderung reißt er auf. Plötzlich sehe ich die Terrassen vor mir. Anfang November ist der Reis zwar bereits abgeerntet, aber ich bekomme trotzdem einen guten Eindruck von den Farben und der beeindruckenden Landschaftsarchitektur, die sich hier über die Berghänge zieht.
Unterkunftstipp: Das Longji Thousand Years Resort bietet moderne, komfortable Zimmer in traditioneller Holzbauweise. Von der Terrasse hast du Blick auf die Reisterrassen – ideal, um die Sonnenauf- und -untergänge zu erleben.
Vorschlag für eine Reiseroute
Alle in diesem Artikel genannten Orte sind prinzipiell als Tagesausflüge von Guilin aus erreichbar. Für die meisten Reisenden ist es jedoch sinnvoller, die Region im Rahmen einer Rundreise zu erkunden, statt täglich zurückzukehren. So sparst du Fahrzeit, erlebst die Orte in entspannterer Atmosphäre und kannst die frühen Morgen- und Abendstunden nutzen, in denen keine Touristengruppen anwesend sind. Der folgende Routenvorschlag orientiert sich an einer effizienten Reiseplanung.
Programm: Tag 1 und 2: Ankommen und Erkundung der Stadt mit ihren malerischen Seen, dem Elefantenrüsselberg, dem Fubo-Berg und der beeindruckenden Schilfrohrflöten-Höhle, Besuch auf einem Markt
Tag 3: Besichtigung des historischen Marktstädtchens Daxu mit seinen traditionellen Häusern, Fahrt nach Xingping, Erkundung der charmanten Altstadt und Floßfahrt auf dem Li-Fluss
Tag 4: Wanderung mit Besuch des Tengjiao-Tempels, Weiterfahrt nachYangshuo, Erkundung der West Street und des lebendigen Zentrums
Tag 5: Fahrradtour entlang des ruhigen Yulong-Flusses mit Bambusfloßfahrt und Besteigung des Mondbergs, am Abend Besuch der spektakulären Liu-Sanjie-Show
Tag 6: Fahrt zu den berühmten Longji-Reisterrassen und Übernachtung in Ping’an
Tag 7: Wanderung durch die spektakuläre Terrassenlandschaft und das Dorf, Rückfahrt nach Guilin oder Weiterreise
Die besten Aussichtspunkte und Fotospots in der Guilin-Region
Die Karstlandschaft rund um Guilin zählt zu den spektakulärsten Fotomotiven Chinas. Hier sind einige Top-Spots für atemberaubende Panoramen und unvergessliche Aufnahmen.
20-Yuan-Ansicht bei Xingping
Der wohl bekannteste Aussichtspunkt der Region ist auf dem 20-Yuan-Schein verewigt. Früh morgens oder am späten Nachmittag taucht das Licht die markanten Karstberge und den ruhig dahinfließenden Li-Fluss in magisches Licht. Ein Motiv, das selbst Hobbyfotografen zu Künstlern macht. Der exakte Standtort befindet sich beim zentralen Anleger für die Bambusflöße. Du wirst das Motiv sofort erkennen, auch wenn der Maler etwas künstlerische Freiheit walten ließ.

Der Teufelshöhlen-Aussichtspunkt
Dieser weniger bekannte Ort liegt etwa 28 Kilometer nördlich von Yangshuo und bietet einen einzigartigen Blick auf eine besonders dramatische Ansammlung von Karstbergen. Ein kurzer, aber steiler Aufstieg führt zu einer natürlichen Plattform, von der aus du bei Sonnenaufgang spektakuläre Fotos mit Nebelschichten zwischen den Bergen machen kannst.
Der Gipfel des Mondbergs
Die 800 Stufen zum charakteristischen Felsen mit der natürlichen Mondöffnung lohnen sich gleich doppelt: Einerseits bietet das «Mondloch» selbst ein einzigartiges Fotomotiv, andererseits eröffnet sich vom Gipfel aus ein atemberaubender 360-Grad-Blick über die Karstlandschaft rund um Yangshuo. Der Pfad zum Mondberg war bei meinem Besuch leider geschlossen.
Yulong-Fluss
Während der Li-Fluss oft von Touristenbooten bevölkert ist, bietet der ruhigere Yulong-Fluss eine idyllischere Kulisse. Die Überquerungsstelle bei der Gongnong-Brücke, die etwa zehn Kilometer von Yangshuo entfernt ist, ist besonders fotogen. Hier kannst du traditionelle Bambusflöße vor der malerischen Kulisse der Karstberge fotografieren, während lokale Fischer ihrer Arbeit nachgehen.
Die Drachenrücken-Terrassen bei Ping’an
Die geschwungenen Reisterrassen von Longji bieten je nach Jahreszeit völlig unterschiedliche Fotomotive. Die besten Aussichtspunkte «Sieben Sterne mit dem Mond» und «Neun Drachen und fünf Tiger». Von hier erstreckt sich das terrassierte Panorama scheinbar endlos in alle Richtungen. Fotografen sollten unbedingt den Sonnenaufgang einfangen, wenn Nebelschwaden zwischen den Terrassen wabern.
Fünf-Finger-Berg
Im Gegensatz zu den bekannteren Aussichtspunkten rund um Yangshuo und Xingping, findest du hier selbst in der Hochsaison nur wenige Besucher. Der Aufstieg ist zwar anstrengend, aber du wirst mit einem der spektakulärsten Panoramablicke auf die Karstlandschaft rund um den Li-Fluss belohnt. Von oben siehst du die charakteristischen fünf Gipfel, die dem Berg seinen Namen geben, während sich die umliegende Landschaft mit ihren Reisfeldern, vereinzelten Dörfern und dem schimmernden Fluss wie ein lebendiges Gemälde vor dir ausbreitet.

Lokale Spezialitäten und Küche der Guangxi-Provinz
Die Küche der Provinz Guangxi ist ein faszinierendes Zusammenspiel aus kantonesischen Einflüssen, lokalen Traditionen sowie den kulinarischen Bräuchen ethnischer Minderheiten wie der Zhuang, Miao und Dong. Bevor ich zu den kulinarischen Höhepunkten komme, möchte ich als Vegetarierin aus eigener Erfahrung eine Warnung aussprechen: Selbst Gerichte, die ich eigentlich fleischlos erwarte, sind es in China oftmals nicht. Du kannst dir vorstellen, dass Tofu mit Hackfleisch garniert, bei mir keine große Begeisterung auslöst.
Die unbestrittene Königin der lokalen Spezialitäten sind die berühmten Guilin-Reisnudeln. Sie werden hier zum Frühstück, Mittag- oder Abendessen serviert. Die weichen, handgemachten Nudeln schwimmen in einer klaren, aromatischen Fleischbrühe und werden mit knusprig gebratenem Hackfleisch, eingelegtem Gemüse, Erdnüssen, Frühlingszwiebeln und einem Schuss Chiliöl serviert. Fast an jeder Straßenecke findest du kleine Garküchen, die diese Spezialität anbieten.
Bierfisch ist die Spezialität der Region, ein absolutes Muss für jeden Besucher. Dafür wird frischer Karpfen aus dem Li-Fluss in einer großen Pfanne mit lokalem Bier, Tomaten, Chili, Knoblauch und einer geheimen Gewürzmischung geschmort. Das Ergebnis ist ein aromatischer Fisch mit zartem Fleisch und einer leicht süßlichen, würzigen Sauce. Traditionell wird das Gericht auf einem kleinen Gaskocher serviert und während des Essens weitergeköchelt.

In Bambusröhren gedämpfter Klebreis ist eine Spezialität, die du vor allem in Dörfern ethnischer Minderheiten findest. Der Reis wird zusammen mit verschiedenen Zutaten wie Erdnüssen, getrockneten Garnelen oder Schweinefleisch in Bambusröhren gestopft und über offenem Feuer gegart. Durch den Bambussaft erhält er ein einzigartiges, rauchiges Aroma. Am besten schmeckt er frisch von einem der Straßenstände in Ping’an.
Die Region ist für ihre Osmanthusblüten bekannt, die unter anderem in Tee, Kuchen und anderen Süßigkeiten verwendet werden. Der süße, blumige Duft des Osmanthus-Tees ist besonders erfrischend an heißen Tagen. In den Teehäusern entlang des Li-Flusses kannst du oft eine Teezeremonie erleben und dazu die kleinen, goldenen Osmanthus-Kuchen genießen.
Fazit: zwischen Touristenströmen und stillen Momenten
Die Karstberge, die Reisterrassen sowie der Li- und der Yulong-Fluss sind zweifellos einer der landschaftlichen Höhepunkte Chinas und gerade deshalb längst kein Geheimtipp mehr.
Als westliche Reisende war ich nicht auf die Dimensionen der Touristenströme vorbereitet. Obwohl ich im vergleichsweise ruhigen November unterwegs war, konnte ich an beliebten Orten wie der West Street in Yangshuo oder während der Bootsfahrt auf dem Li-Fluss erahnen, welche Besuchermassen hier in der Hochsaison unterwegs sein müssen. Die Infrastruktur zeugt von Touristenströmen, die europäische Vorstellungen bei Weitem übertreffen.
Trotz dieser Herausforderung lohnt sich ein Besuch unbedingt. Mit etwas Planung lässt sich eine Balance finden: Reise möglichst in der Nebensaison zwischen November und März, besuche beliebte Orte in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden und plane bewusst Tage abseits der Hauptattraktionen ein. Reserviere einen Tag für zielloses Wandern und verbringe eine Nacht in einem der Minderheitendörfer in den Reisterrassen. Nimm dir Zeit für Teepausen mit Einheimischen, auch wenn die Kommunikation nur mit Händen und Füßen (oder Übersetzungsapp) möglich ist. Und akzeptiere, dass du an manchen Orten einfach Teil des Touristenstroms sein wirst.
Trotz ihrer Popularität hat mich die Region zwischen Guilin und Yangshuo mit ihren atemberaubenden Landschaften und kulturellen Einblicken beeindruckt. Ja, du wirst den perfekten Moment mit den anderen teilen müssen. Aber wenn du flexibel bleibst und deine Erwartungen anpasst, findest auch du deine stillen Momente in einer der schönsten Landschaften Asiens.
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Liebe Carola,
ich habe deine China-Reise schon auf Instagram mit großem Interesse verfolgt und habe mich immer gefragt, ob ich da nicht auch unbedingt mal hinsollte (denn diese Landschaft ist ja schon wirklich unwirklich schön) oder ob es mir da vermutlich überhaupt nicht gefallen würde (da eben, wie du schreibst, touristisch komplett durchorganisiert und vermutlich fern jeglicher Optionen für Individualtouristen wie Wandermöglichkeiten oder ähnlichem). Diese Bootsprozession war übrigens in den Videos der Knaller. Eine Frage, die immer wieder auftauchte: Wie hast du die Reise eigentlich geplant und wie hast du die Region bereist? Mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Mietwagen oder im Rahmen einer organisierten Rundreise? Kommt da vielleicht noch ein Artikel? das Thema würde mich sehr interessieren.
Superschöner Artikel auf jeden Fall, herzlichen Dank fürs Mitnehmen.
Liebe Grüße
Gabi von „hierdadort“
Liebe Gabi
Was mich überrascht hat, ist grundsätzlich das Ausmaß des Tourismus, auf das man in vielen Regionen Chinas vorbereitet ist. Ich habe ja mit November eine ruhige Zeit gewählt und konnte durchaus stille Momente genießen. China an sich ist einfach laut und wuselig. Mir ging es ähnlich wie dir: Ich wusste nicht, ob es mir gefallen würde. Letztendlich bin ich schwer begeistert.
Aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen war ich diesmal tatsächlich organisiert unterwegs. Meine nächste China-Reise werde ich aber sicher alleine unternehmen. Und keine Angst, du findest genügend Möglichkeiten für Individualtouristen. Wandern ist durchaus möglich. Ihr seid ja gewohnt euch zu organisieren. Das funktioniert in China nicht grundsätzlich anders. Die Planung braucht eventuell etwas mehr Zeit. Mit Übersetzungsapps und Didi-Taxi war die lokale Fortbewegung überhaupt kein Problem. Ich werde noch einmal ein paar Tipps in einen Artikel packen, aber nicht konkret zur Reiseplanung.
Herzliche Grüße
Carola
Ach, wie toll! Wir waren im April in Guilin und mein Blogbeitrag dazu ist gerade in der Mache. Da kommt gerade echt Fernweh bei mir auf, denn ich fand es da so toll. Wir waren leider nur 3 volle Tage vor Ort, das war eindeutig zu kurz, wie ich hier sehe. Ich bin allerdings erstaunt, dass es bei Dir im November so voll war. Im April waren wir fast allein unter Chinesen. LG, Nadine
Liebe Nadine
Es war im November nicht voll, nur in Xingping, Yangshuo und Fenghuang bin ich teilweise an meine Grenzen gekommen. Die riesige Zahl an Flusskreuzfahrtsschiffen und Bambusbooten, die am Li Fluss vor Anker lagen, ließen erahnen, was während der Hauptreisezeit los ist. Das versetzt mich heute noch in Staunen. Aber das was ich von China bisher gesehen habe, hat es mir sehr angetan. Ich möchte unbedingt noch mehr sehen!
Viele Grüße
Carola
Liebe Carola,
dein Bericht hat mich an meine Reise im Jahr 2006 erinnert. Ich bin auf einer sehr ähnlichen Route unterwegs gewesen. Viele Bilder habe ich wiedererkannt. Herrlich war es mit dem Fahrrad unterwegs zu sein oder auf den Bambusflössen. Yangshou war damals ein Geheimtipp. auch bei der Show von Zhang Yimou war ich.
Ich plane nochmals nach Guilin und die Umgebung zu reisen.
Herzliche Grüße
Thomas
Hallo Thomas
Wie cool! Ich habe immer versucht, mir vorzustellen, wie die Gegend wohl vor ein paar Jahrzehnten noch ausgesehen hat. China hat so eine rasante Entwicklung hingelegt – wirklich beeindruckend. Das Radfahren entlang des Yulong Flusses fand ich auch wunderschön. Ich möchte auch unbedingt noch einmal nach China. Aber das Land ist ja so riesig.
Best Grüße
Carola
Hallo Carola
Ich war zwar selber noch nicht in China, aber Dein Bericht macht Lust drauf. Muss ich wohl doch mal in den nächsten Jahren planen. Euch weiterhin tolle Erlebnissreiche Reisen.
Mike
Unbedingt, lieber Mike. China ist sehr eindrücklich, verändert sich aber rasant.
Ah, da kommen Erinnerungen auf. Unsere China-Reise liegt nun schon beinahe 20 Jahre zurück, damals haben wir unter anderem auch Guilin besucht. Eine Fahrt auf dem Li-Fluss war natürlich dabei, ebenso die Schilfrohrflötenhöhle. Schon damals fuhren die Schiffe auf dem Li-Fluss in einen langen Konvoi – so hatten wir uns das auch nicht vorgestellt. Nachdem ich gesehen hatte, dass auf dem Schiff vor uns am Heck das Geschirr im Flusswasser gespült wurde, habe ich damals auf das Essen an Bord verzichtet – das ist noch in Erinnerung geblieben. Ansonsten fand ich Guilin nach dem hektischen Peking und Xi’an total entspannt.
Wie schön, liebe Cornelia! Ich habe mich immer gefragt, wie China vor 20 Jahren wohl ausgesehen hat. Heute haben fast alle Restaurants in Plastik abgepacktes Geschirr am Tisch. Nach dem Essen wird es eingesammelt und in Plastikboxen verstaut. Diese werden dann von entsprechenden Dienstleistungsunternehmen abgeholt und verpackt wieder ausgeliefert. Aber offiziell soll der Bierfisch, die Spezialität aus Yangshuo, im Wasser des Li Flusses gekocht werden.
Viele Grüße
Carola