Brunnen mit Statuen und Palmen in Abano Terme

Abano Terme: Warum sich der Thermalkurort auch ohne Kur lohnt

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Ich sitze im Speisesaal des Hotels Atlantic Terme. Jeder Tisch hat seinen festen Gast, jeder Gast seinen festen Kellner im schwarzen Anzug und weißem Hemd, mit Fliege. Man spricht Deutsch. Die Speisen wählt man am Vorabend, die angebrochene Wasser- oder Weinflasche verschwindet nach dem Essen und steht am nächsten Abend wieder auf dem Tisch, diskret beschriftet mit der Zimmernummer. Die Primi stehen für das, was die italienische Küche ausmacht.

Irgendwann zwischen der Pasta und dem Secondo überfällt mich das Gefühl, schon einmal hier gewesen zu sein, nicht in diesem Saal, aber in einer ähnlichen Szenerie. Ich erlebe ein Déjà-vu und schwelge in Erinnerungen an Badeurlaube an der Oberen Adria in Kindheitstagen.

Abano Terme kennt man für Thermalwasser und Fango. Aber der Kurort in den Euganeischen Hügeln hat eine ganz eigene Magie, auch für alle, die gar nicht zur Kur kommen.

Zwischen Mythos und Medizin: die Geschichte von Abano Terme

Der Ort trägt seinen Anspruch bereits im Namen. Er leitet sich von Aponus ab, dem antiken Gott der Heilquellen. Dieser Name ist kein Zufall, sondern pure Etymologie: Er wurzelt im griechischen áponos, was übersetzt «ohne Schmerz» bedeutet. Ein göttliches Versprechen, das die Stadt seit über zweitausend Jahren einlöst, heute wie damals, nur mit wechselnder Kundschaft.

Schon die Römer badeten in den heißen Quellen von Abano, die sie fons Aponi nannten. Ausgrabungen in Montegrotto Terme, direkt neben Abano, förderten Tausende Gläser, Gefäße und Bronzeobjekte aus dieser Zeit zutage. Wer es sich leisten konnte, pilgerte hierher, um sich dem mos baianum hinzugeben, einem ziemlich freizügigen Lebensstil, der heute vermutlich für Stirnrunzeln sorgen würde. Später kamen venezianische Adelsfamilien, die entlang der Kanäle prunkvolle Landsitze errichteten, und selbst Galileo Galilei ließ sich das Wasser eigens nach Padua bringen.

Als Wissenschaftler hätte es Galilei vermutlich fasziniert, welche Reise dieses Wasser hinter sich hat, bevor es in die Badebecken fliesst. Das Wasser fällt als Regen in den Lessinischen Voralpen bei Verona, sickert in den Kalkstein und braucht fast dreißig Jahre, um sich durch bis zu 3000 Meter Gestein zu arbeiten, bevor es bei Poggio di Montirone mit konstant 87 °C wieder an die Oberfläche tritt. Was so lange unterwegs ist, kehrt entsprechend angereichert zurück: als hyperthermales Salz-Brom-Jod-Wasser. Aus demselben Wasser entsteht auch der berühmte Fango, natürlicher Lehm, der zwei Monate lang darin reift, während sich Mikroalgen bilden, denen eine entzündungshemmende Wirkung nachgesagt wird. Das ist inzwischen auch klinisch bestätigt.

Hinter dieser Reifezeit steckt pure Biologie: Der Ton stammt aus zwei kleinen Seen der Euganeischen Hügel. In flachen Becken wird er monatelang mit dem Thermalwasser überflutet. Durch Wärme und Sonnenlicht wächst darin ein einzigartiger Mikroorganismus, der sogar beim Institut Pasteur in Paris hinterlegt und europäisch patentiert ist, eine seltene Auszeichnung für einen Heilschlamm. Dieses Naturwunder produziert hochwirksame, entzündungshemmende Stoffe. Eine Studie der Universität Padua zeigte, dass der gereifte Fango genauso stark wirkt wie klassische Rheuma-Medikamente, aber ohne magenbelastende Nebenwirkungen. Deshalb verschreiben Ärzte den Schlamm hier nicht für Wellness, sondern als echte Therapie bei Arthrose. Nach mindestens 60 Tagen Reifezeit ist der Fango maturo.

Die Fanghini, die Schlammwärter, überwachen den Reifeprozess. Sie sind es auch, die am frühen Morgen den Fango in die Hotels bringen. In meinem, dem Atlantic Terme, führt ein langer Gang zum Außenbereich, links und rechts davon die Behandlungszimmer, jedes mit einer Liege und einer Wanne. Einladend ist das nicht, eher nüchtern und rein funktional. Gemütlichkeit und Schlamm lassen sich nur schlecht vereinbaren. Bei 40 bis 45 °C wird der Fango aufgetragen, danach folgen bis zu 30 Minuten eingewickelt in Tüchern. Mich plagen zum Glück keine Wehwehchen, und bei 39 °C Außentemperatur verzichte ich gern auf dieses Vergnügen.

Wer sich auf eine Fangokur einlässt, tut das meist hinter verschlossenen Hoteltüren. Anders als in den Heilbädern Karlsbad, Baden-Baden oder Baden gibt es hier kein zentrales Kurareal oder historische Bäderarchitektur. In Abano und Montegrotto Terme ist alles ganz unspektakulär und dezentral in den einzelnen Hotels organisiert. Jedes betreibt sein eigenes kleines Thermalzentrum: ärztliches Personal, Diagnostik, ein Pool mit Thermalwasser. Der Bademantel ist hier übrigens ein legitimes Kleidungsstück. Die Gäste tragen ihn auf dem Weg zur Behandlung, am Pool, und viele kommen darin auch zum Frühstück. Ich kann mich nur schwer daran gewöhnen.

Ich sage es ungern, aber eine Augenweide ist Abano Terme nicht. Viele Hotels sind Betonbunker aus den Jahrzehnten des Wiederaufbaus, an den Fassaden bröckelt der Putz. Selbst die Piazza del Sole e della Pace mit ihrer berühmten Sonnenuhr wirkt vernachlässigt. Der Ort verfällt langsam vor sich hin.

Die Kurgäste aus Deutschland und Österreich bleiben zunehmend aus. Die Krankenkassen finanzieren solche Auslandsaufenthalte kaum noch. Wer heute kommt, bleibt nur ein paar Tage statt Wochen. Beim Essen sitzen fast nur ältere italienische Paare im Speisesaal. Auch das Besitzerpaar meines Hotels ist über 80. So können die riesigen Häuser langfristig nicht überleben. Die Stadt muss mit attraktiven Wellnes-Angeboten neue, jüngere Zielgruppen erschließen, wenn sie ihr antikes Versprechen in die Zukunft retten will.

Hoteltipp: Das kürzlich renovierte Hotel Atlantic Terme [Affiliate] ist ein ruhig gelegenes 3-Sterne-Superior-Thermalhotel in der Via Monteortone, etwas außerhalb des Zentrums von Abano Terme. Dich erwarten helle, klassisch eingerichtete Zimmer, teils mit Balkon oder Terrasse. Thermalbecken, Spa und Fangokuren gibt es direkt im Haus. Die Küche ist ausgezeichnet – bodenständig-italienisch und auf Kur- und Wellnessgäste ausgerichtet.

Hotelbeleuchtung bei Nacht, elegante Architektur
Hotel Atlantic Terme

Abano Terme und Umgebung entdecken: Highlights für Nicht-Kurgäste

Stadtbummel: Sehenswürdigkeiten in Abano Terme

Abano Terme ist kein Ort für eine lange Sightseeing-Liste. Die wenigen Sehenswürdigkeiten liegen nah beieinander; in zwei bis drei Stunden hast du den Rundgang bequem geschafft.

Ich starte meinen Rundgang am korinthischen Säulenportal des Parco Montirone, einem kleinen Hügel im Zentrum der Stadt. Im Sommer 2026 ist der Park allerdings alles andere als eine grüne Oase. Er gleicht eher einer kargen Savanne aus einem alten Western, in der man jeden Moment erwartet, dass ein vertrockneter Grasbüschel vom Wind über den staubigen Boden getrieben wird. Die Hunde, die hier mangels Alternativen Gassi gehen müssen, zeigen jedenfalls keine Spur von Begeisterung.

Die ursprüngliche, natürliche Quelle am Montirone ist Mitte des 20. Jahrhunderts durch die intensiven Tiefenbohrungen der umliegenden Hotels versiegt. Das Thermalwasser wird heute künstlich in die Becken geleitet und plätschert dort mit einer spürbaren Temperatur von etwa 80 °C vor sich hin. Verlassen kannst du den Park an mehreren Stellen. Ich wähle den Pergola-Ausgang Richtung Largo Marconi und Via Montirone.

Wenige Schritte weiter erreichst du dann die Fontana Lunga. Am Beginn des langen, schmalen Wasserlaufs rekeln sich liegende Figuren lässig am Beckenrand, als hätten sie gerade ein Fangobad hinter sich. Vorbei an den Giardini pubblici del Kursaal und dem Teatro Congressi Pietro d’Abano, einem modernen Kongresszentrum, geht es ins Herz des Kurortes.

Dort, wo die Via Pietro d’Abano in die Viale delle Terme übergeht, steht die Statue des Pietro d’Abano, jenes Gelehrten, der im 13. Jahrhundert hier geboren wurde und später in Padua zu einem der bedeutendsten Wissenschaftler seiner Zeit avancierte. Hier plätschert auch die Fontana di Arlecchino, ein Werk des Bildhauers Amleto Sartori. Zwei gegenüberstehende Gebäude machen den Wandel von Abano Terme sichtbar.

Das Grand Hotel Orologio, im 18. Jahrhundert von der Adelsfamilie Dondi dell’Orologio erbaut und im 19. Jahrhundert um eine Fassade von Giuseppe Jappelli erweitert, steht seit Jahren leer. Die Fenster sind mit Brettern vernagelt, und der weitläufige Park drumherum verwildert langsam vor sich hin. Gegenüber liegt das Trieste & Victoria. Das Hotel ist seit 1912 in Betrieb und war während des Ersten Weltkriegs Sitz des italienischen Oberkommandos. Hier unterzeichnete General Armando Diaz am 4. November 1918 das Siegesbulletin. Die beiden Hotels zeigen den Wandel der Stadt wie in einem einzigen Bild: das eine im Dornröschenschlaf, das andere bis heute belebt.

Von dort führt der Weg in die Fußgängerzone entlang der Viale delle Terme. Die Viale delle Terme ist eine Flaniermeile ohne Hektik. Die Läden sind typisch italienisch, Mode, Schuhe, kulinarische Spezialitäten, aber die Auswahl bleibt überschaubar. Unterwegs sind Einheimische, Jugendliche und Kurgäste. Die Öffnungszeiten richten sich nach den Essenszeiten in den Hotels, die meisten Geschäfte schließen um 19.30 Uhr. Einkaufen bis Mitternacht wie in vielen italienischen Ferienorten ist hier Fehlanzeige.

Den Abschluss des Rundgangs bildet der Dom San Lorenzo mit seinem mittelalterlichen Glockenturm. Direkt daneben liegt die Piazza del Sole e della Pace, benannt nach der 3000 Quadratmeter großen Sonnenuhr, die den Platz einnimmt und zu den größten Europas zählt.

Die Euganeischen Hügel

Die Euganeischen Hügel, italienisch Colli Euganei, ragen wenige Kilometer südwestlich von Padua wie aus dem Nichts aus der sonst so flachen Po-Ebene heraus. Die fast 100 kegelförmigen Erhebungen sind auffällig regelmäßig in ihrer Form und über die Landschaft verstreut. Sie verdanken ihren Ursprung einer vulkanischen Vergangenheit: Vor rund 35 Millionen Jahren, im Oligozän, brach hier zähflüssiges Magma aus dem Meeresgrund aus und formte nach und nach die charakteristischen Kegel. Mit 601 Metern ist der Monte Venda die höchste Erhebung. Die meisten anderen Hügel bleiben mit 200 bis 300 Metern deutlich bescheidener.

1989 wurde das Gebiet zum ersten Regionalpark Venetiens erklärt. Heute umfasst der Parco Regionale dei Colli Euganei knapp 18 700 Hektar und erstreckt sich über 15 Gemeinden. Die geologische Vielfalt aus Vulkangestein und älteren Kalksedimenten hat ein Mikroklima geschaffen, in dem submediterrane Macchia, Kastanienwälder und lichte Eichenwälder auf engstem Raum nebeneinander bestehen. Das ist einer der Gründe, warum die Region 2024 in die UNESCO-Liste der Biosphärenreservate aufgenommen wurde.

Arquà Petrarca: das schönste Dorf in den Colli Euganei

Arquà Petrarca liegt am Fuß des Monte Piccolo und des Monte Ventolone, mitten in den Hügeln, und gehört zur Vereinigung «I Borghi più belli d’Italia», den schönsten Dörfern Italiens. Der Name geht auf das lateinische arcuatum (bogenförmig) zurück. Bogenförmig bezieht sich auf die geschwungene Form der Gassen. Diese führen von der unteren Ortschaft rund um die Pfarrkirche Santa Maria Assunta hinauf zum oberen Teil, wo das kleine Oratorium della Santissima Trinità steht. An der Piazza Roma reihen sich gotische Palazzi aus dem 14. und 15. Jahrhundert, der Palazzo Contarini mit venezianischen Kleeblattbögen, gegenüber liegt der einst der Florentiner Familie Strozzi gehörende Palast. An der historischen Osteria del Guerriero rankt sich ein jahrhundertealter Rebstock die Fassade hinauf.

Historisches Gebäude in sonniger Landschaft
Palazzo Contarini

Touristen sind an diesem Vormittag Anfang August kaum unterwegs, dafür radelnde Italienerinnen und Italiener, die in den Bars und Cafés einfallen. Erkennbar sind sie an ihren Trikots, komplett ausgestattet wie für den Giro d’Italia.

Im Zentrum des Dorfes steht das Wohnhaus des Dichters Francesco Petrarca. Heute ist das Haus Museum, mit persönlichen Gegenständen, Fresken späterer Besitzer und zwei Kuriositäten, die Besucherinnen und Besucher besonders im Gedächtnis bleiben: eine mumifizierte Katze über einer Türschwelle, angeblich Petrarcas eigene, sowie riesige, begehbare Kamine, in deren Steine Generationen junger Besucher ihre Namen geritzt haben. Sein Grab, ein Sarkophag aus rotem Veroneser Marmor, steht auf dem Platz vor der Pfarrkirche, die seinen Namen trägt.

Kulinarisch hat Arquà eine Spezialität zu bieten, die kaum jemand kennt: die Giuggiola, eine kleine, an Datteln erinnernde Frucht. Aus ihr entstehen im Ort Konfitüren, Gebäck und Schnaps. Zu sehen bekommst du davon im Hochsommer nichts, die Früchte reifen erst im Herbst. Dann kannst du die Festa delle Giuggiole besuchen.

Ohne eigenes Auto und Rad ist Arquà Petrarca schwer erreichbar. Nur zwei Busse am Tag verbinden Abano direkt mit Arquà Petrarca, die Fahrt dauert rund 35 Minuten.

Radfahren: Der Anello dei Colli Euganei

In dieser Region ist Fahrradfahren ein Volkssport. Rund um den Regionalpark führt der offiziell ausgeschilderte Anello dei Colli Euganei, ein 2012 eingeweihter Rundweg von etwa 64 Kilometern, markiert als E2. Zwischen Bastia di Rovolon und Treponti di Teolo führt er durch endlose Weinberge, in denen der Muskateller Fior d’Arancio wächst, vorbei am charakteristischen Colombara-Turm und weiter zur Abtei Praglia, die mitten im Grünen liegt.

Diesen nördlichen Bogen lasse ich aus. Ich fahre nach dem Frühstück los, kurz nach acht, auf einem Leihrad aus dem Hotel. Dabei handelt es sich um ein E-Bike älterer Generation, alles andere als sportlich – aber bei dem, was der Tag noch bringt, die richtige Entscheidung. Mehr als 65 Kilometer werden es dennoch, zuerst durch die Hügel über Galzignano und die Gärten von Valsanzibio, weiter nach Arquà Petrarca, dann über Baone Monselice bis Este. Zurück geht via Monselice und am Battaglia-Kanal entlang. Dem E2 folge ich nur streckenweise, die Wegweiser zu den einzelnen Orten reichen zur Orientierung völlig aus.

Bei 39 °C (gefühlt 43 °C) wäre die komplette Runde unvernünftig gewesen. Pausen mache ich kaum, nur Fotostopps und den Rundgang in Arquà, wo ich am Brunnen die Flaschen auffülle. Ein Rat zur Streckenplanung: Bis Baone lohnt sich jeder Kilometer. Este dagegen ist eine gesichtslose Stadt, die den zusätzlichen Weg nicht wert ist.

Dass in dieser vergleichsweise kleinen Hügellandschaft so viele prunkvolle Villen und Schlösser stehen, hat einen klaren historischen Grund: Venedig. Vom 15. bis ins 18. Jahrhundert investierte der venezianische Adel seinen Handelsreichtum zunehmend in Land auf dem Festland, in der sogenannten Terraferma. Die Euganeischen Hügel boten dafür ideale Bedingungen, fruchtbare Böden für Landwirtschaft und Weinbau, eine gesunde Höhenlage abseits der sumpfigen Lagune, und durch das Kanalsystem eine direkte Wasserverbindung nach Venedig. Wer sich hier eine Villa baute, sicherte sich also nicht nur Sommerfrische, sondern auch eine Einnahmequelle und einen Rückzugsort im Falle einer Belagerung.

In Valsanzibio empfängt dich direkt an der Straße mit dem sogenannten Diana-Bad ein monumentaler Auftakt: das einst vom Wasser aus erreichbare Eingangsportal zum barocken Garten der Villa Barbarigo, mit klassizistischen Statuen und einer Balustrade, auf der einst Boote anlegten, die Gäste direkt aus Venedig brachten.

Historisches Gebäude mit Skulpturen
Dianabad in Valsanzibio

Eine literarische Überraschung wartet In Este: die Villa Kunkler, besser bekannt als Villa Byron. Ursprünglich ein Kapuzinerkloster, mietete sie 1817 der englische Dichter Lord Byron, überliess sie aber größtenteils seinem Freund Percy Bysshe Shelley, dessen Frau Mary Shelley (ja, die Autorin von «Frankenstein») und Claire Clairmont. Mitte des 19. Jahrhunderts ging das Anwesen an die Schweizer Familie Kunkler über, die ihm mit einem alpin anmutenden Stallgebäude aus geschnitztem Holz noch ein kurioses architektonisches Detail hinzufügte.

Battaglia Kanal

Der Rückweg über Battaglia Terme führt entlang des Canale Battaglia. Dieser wurde ursprünglich Ende des 12. Jahrhunderts ausgehoben und diente in erster Linie der Landgewinnung und Entwässerung der sumpfigen Ebene und in zweiter Linie als Handelsweg. Über ihn gelangten Getreide und Trachytgestein aus den Euganeischen Hügeln nach Padua und weiter nach Venedig, während venezianische Adelsfamilien ihn nutzten, um mit dem Boot direkt zu ihren Sommerresidenzen zu gelangen oder Salz und Luxusgüter dorthin zu befördern. Als Transportweg werden die Kanäle kaum noch genutzt, streckenweise sind sie mit Wasserpflanzen überwuchert. Interessant sind die erhaltenen Schleusenanlagen. Die ruhigen Uferwege sind ein Paradies zum Radfahren oder für Spaziergänge.

Ich passiere noch die Villa Selvatico, auch Villa Emo Selvatico Sartori genannt, einen weiteren eindrucksvollen Bau. Sie thront auf dem Colle della Stupa und vereint Zinnentürme mit einer orientalisch anmutenden Bleikuppel, innen komplett ausgemalte Freskensäle, außen ein weitläufiger historischer Park.

Den Abschluss bildet das Castello del Catajo, halb Festung, halb Prunkvilla, direkt am historischen Canale di Battaglia gelegen. Mit über 350 Zimmern und einem 26 Hektar großen Park gehört es zu den imposantesten Bauwerken der gesamten Region, ein letztes Highlight, bevor sich der Ring wieder schliesst.

Lernen im Kloster: das Metaforum SommerCamp

Jeden Sommer, meist von Mitte Juli bis Anfang August, verwandelt sich das Kloster San Marco für drei Wochen in einen ungewöhnlich lebendigen Ort. Seit über 35 Jahren treffen sich hier bis zu 900 Menschen aus dem deutschsprachigen Raum, um sich in rund 50 Seminaren zu den Themen Coaching, Therapie, Organisationsentwicklung, Körperarbeit und verwandten Bereichen weiterzubilden. Auch ich bin wegen eines Kurses hier.

Das Format Metaforum SommerCamp ist in den 1980er-Jahren entstanden und wird heute unter anderem von Dr. Gunther Schmidt, der zu den bekanntesten Namen der systemischen Therapieszene im deutschsprachigen Raum zählt, mitgetragen. Zwischen den Seminaren begegnen sich Coaches, Therapeutinnen und Therapeuten oder einfach Menschen, die neue berufliche oder persönliche Impulse suchen. Tagsüber treffen sie sich im Klosterhotel San Marco, dem ehemaligen Augustinerkloster aus dem Jahr 1443.

Schöner Turm in historischem Gebäude
Klosterhotel San Marco

Der Innenhof des Klosters ist ein Renaissance-Kreuzgang mit zweistöckigen Arkaden, gelb-ocker die eine Seite, blanker Stein die andere, dahinter ragt der spitze Backsteinturm der Kirche auf. In der Mitte steht ein alter Brunnen mit schmiedeeisernem Aufbau. Die Atmosphäre regt zum Studieren an und ist perfekt für Begegnungen, zum Beispiel bei den gemeinsamen Festen unter freiem Himmel am Abend.

Blick auf einen Innenhof mit Bögen.
Kloster San Marco

Für ein paar Wochen bekommt Abano dadurch eine ganz andere Energie: keine Kurgäste, sondern Menschen, die zum Arbeiten und Lernen herkommen und danach wieder verschwinden.

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Thermalquelle in Abano Terme.
Abano Terme
Schriftzug Travellingcarola

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Autor:in
Carola ist eine leidenschaftliche Teilzeitnomadin, die ihren Vollzeitberuf mit Reiselust verbindet. Sie ist der Kopf hinter Travellingcarola und seit 2016 eine wahre Inspirationsquelle für alle, die die Welt entdecken wollen. In ihren authentischen Reiseberichten teilt sie einzigartige Erlebnisse und gibt praktische Tipps.

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