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5-Seen-Wanderung Pizol und Bad RagARTz – ein perfektes Wochenende im Heidiland

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Auf der 5-Seen-Wanderung Pizol eine atemberaubende Landschaft, fünf kristallklare Bergseen und den einzigartigen Blick auf das UNESCO-Weltkulturerbe Sardona genießen, moderne internationale Kunst bestaunen, im 36.5 °C warmen Quellwasser der Tamina baden und in der Taminaschlucht dessen Ursprung auf den Grund gehen, auf den Spuren der Schweizer Autorin Johanna Spyri wandeln oder im Outlet auf Schnäppchenjagd gehen. All das und viel mehr lässt sich im Heidiland an nur einem Wochenende erleben.

Alles Wissenswerte zur 5-Seen-Wanderung Pizol, zur Freiluft-Skulpturenausstellung Bad RagARTz und zum Ausflug in die Taminaschlucht in Bad Ragaz verrate ich dir in diesem Artikel. 

5-Seen-Wanderung Pizol

Mehr als 1’500 Seen gibt es in der Schweiz, ein großer Teil von ihnen liegt in den Bergen. Wanderungen von See zu See sind beliebt. Auf einer 5-Seen-Wanderungen erlebst du die geballte Schönheit. Drei 5-Seen-Wanderungen haben es in die Schweizer Wanderführer geschafft, jene am Gotthard, die in Zermatt und die 5-Seen-Wanderung am Pizol. Sie gilt als eine der schönsten Panoramawanderungen und ist so etwas wie ein Schweizer Wanderklassiker.

Hinweise zur Tour

Bei der Wanderung zu den fünf Seen am Pizol handelt es sich um eine anspruchsvolle Tour und nicht um einen gemütlichen Spaziergang. Zum einen bist du im Hochalpinen Gelände über Geröll und Felsen unterwegs, zum anderen warten drei knackige Auf- und Abstiege. Die setzen einiges an Ausdauer und passendes Schuhwerk voraus. Belohnt wirst du mit kristallklaren, teils türkisfarbenen, Bergseen und dem fantastischen Ausblick in die Tektonikarena Sardona, die zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde.

Auf mehreren Seiten und in diversen Wanderapps wird darauf hingewiesen, ausreichend Zeit für die Wanderung einzuplanen. Für die Tour selbst benötigst du je nach Fitness, Richtung und Pausen vier bis fünf Stunden. Um zum Ausgangspunkt bei der Pizolhütte zu gelangen, musst du mindestens noch einmal eine halbe Stunde oder länger einplanen. Die letzte Talfahrt der Sesselbahn Gaffia ist um 16:30 Uhr, von der Pizolhütte aus bereits um 16:00 Uhr. Deshalb solltest du die Wanderung noch vor 11:00 Uhr starten, um später nicht irgendwo am Berg zu stranden.

Ich habe das Pech, dass die Sesselbahn Furt-Gaffia wegen technischer Probleme am späten Nachmittag nicht fährt. Den zusätzlichen Abstieg über 363 Höhenmeter habe ich nicht einkalkuliert. Das wirft leider meine Pläne über den Haufen (die Taminaschlucht muss warten) und macht sich in den Oberschenkeln bemerkbar.

Schließlich ist noch wichtig zu wissen, dass es unterwegs keine Möglichkeit zur Einkehr und keine Toiletten gibt. Du solltest demnach genügend Proviant und vor allem Wasser in den Rucksack packen und vor dem Start der Tour eventuell noch einen Abstecher in die Pizolhütte machen.

5-Seen-Wanderung: sehr schön, aber überlaufen

Leider ist die 5-Seen-Wanderung im Pizolgebiet ein Opfer ihres eigenen Erfolgs geworden. Als eine der schönsten und gleichzeitig beliebtesten Routen in der Schweiz ist sie an Wochenenden heillos überlaufen. Wochentags sollte der Ansturm überschaubar sein. Da ich diese Wahl nicht habe, bewege ich mich in einer endlos langen Schlange, einem «Tatzelwurm» gleich, hinauf Richtung Wildseeluggen. Unweigerlich kommen mir die Bilder des Gipfel-Staus am Mount Everest in den Sinn. Oben angekommen muss ich mich mit zig anderen um den besten Platz fürs perfekte Foto vom Wildsee streiten.

Die Pizol Wanderung im Detail

Die meisten Besucher starten die 5-Seen-Wanderung in Wangs. Am großen Parkplatz bei den Bergbahnen findet sich selbst an stark frequentierten Wochenenden noch einen Lücke. Von Wangs aus führt die Pizolbahn in drei Sektionen (Gondelbahn Wangs–Furt, Sessellifte Furt–Gaffia und Gaffia–Pizolhütte) hinauf ins Wanderparadies. Hier auf 2’222 m ü. M. beginnt die Wanderung entlang der Seen mit einem beeindruckenden Blick bis hinein ins Rheintal.

Das erste Ziel der Wanderung, der Wangsersee, liegt östlich oder links der Bergstation. Weil man dafür in die entgegengesetzte Richtung laufen muss und der Wangsersee im Vergleich zu den anderen Seen als wenig sehenswert gilt, kürzen viele die 5-Seen-Wanderung ab und machen kurzerhand eine 4-Seen-Wanderung daraus. Ich nehme den kleinen Umweg gerne in Kauf und besuche gleich noch den Foto-Spot der Grand Tour of Switzerland am Aussichtspunkt Tagweidlichopf beim Pizol Panorama Höhenweg.

Anschließend geht es wieder zurück zur Pizolhütte und in westlicher Richtung weiter. Die 5-Seen-Wanderung ist gut ausgeschildert. Du musst nur den entsprechenden Wegweisern Richtung Wildseeluggen/Schwarzsee/Gaffia Station oder den anderen Wanderinnen und Wanderern folgen. Der Aufstieg bis Wildseeluggen ist der anstrengendste Teil der Wanderung und bringt den Kreislauf auf Touren. Gleich nach dem Passübergang offenbart sich der Ausblick auf den milchig-blauen Wildsee, den leider stark schrumpfenden Pizolgletscher und den Pizolgipfel. Das Bergpanorama, das sich im Wasser spiegelt, und die fast unwirklichen Farben des Wildsees ergeben eine imposante Kulisse.

Von hier aus geht es gleich wieder bergab, über ein Geröllfeld steil hinunter zum Schottensee. Türkisblau und spiegelglatt liegt er vor mir. Ich kann mich nur schwer entscheiden, welcher der beiden Seen mir besser gefällt. Auf alle Fälle sind der Wild- und der Schottensee die Highlights der Wanderung. Durch sein flaches, teils sandiges, Ufer lädt der See zum Verweilen ein. Viele legen hier eine Pause ein. An diesem prächtigen Herbsttag wagen einige sogar noch den Sprung ins kalte Wasser. Mir wäre das selbst im Sommer zu kalt. Beim Schottensee hast du mehr als die Hälfte der Strecke noch vor dir. Du solltest also nicht zu lange Halt machen.

Der vierte See des 5-Seen-Weges ist der Schwarzsee. Vom Schottensee aus geht es zuerst moderat los, danach steigt der Wanderweg bis zum Schwarzplangrat wieder steiler an. Dies ist gleichzeitig der höchste Punkt der Wanderung. Und du hast hier gut sechs der elfeinhalb Kilometer bewältigt. Mit etwas Glück siehst du von hier aus bis nach Liechtenstein und Österreich und schon bald taucht der Schwarzsee auf. Bis dorthin führt der Weg teils wieder steil bergab.

Nun fehlt nur noch der fünfte und letzte See. Über die Gamidaurspitze gelangst du zuerst zum Baseggla-Rücken mit den vielen Steinmännchen. Ein paar zerfranste und ausgeblichene Gebetsfahnen geben einem das Gefühl, in Tibet oder Nepal zu sein. Insgesamt sind die Steinmannli nett anzusehen. Wanderinnen und Wanderer haben sie in unterschiedlichen Größen und Varianten errichtet. Kurze Zeit später hast du bereits den Baschalvasee im Blickfeld. Der Weg hinunter führt anfangs sanft, später steil talwärts. Daran ändert sich nichts bis zur Station der Sesselbahn.

Die gemütliche Bergwirtschaft Alte Alp Gaffia am Ende der 5-Seen-Wanderung lädt dort zu einer Stärkung ein. Schließlich ist sie die erste und einzige Hütte auf dem Weg. Von hier aus geht es normalerweise mit Sessellift und Gondelbahn wieder zurück zum Ausgangspunkt in Wangs.

Bad RagARTz: Kunst im Heidiland

Alle drei Jahre – wie bei einer Triennale üblich – wird der Kurort Bad Ragaz zum Mekka für Kunstliebhaber. Bad Ragaz und das Bergdorf Valens verwandeln sich dann in eine riesige Freiluftausstellung. Die Bad RagARTz 2021 findet von 8. Mai bis 31. Oktober statt. Im Rahmen der weltweit renommierten Skulpturenausstellung zeigen 83 Künstler aus 16 Ländern 400 Skulpturen. Das macht insgesamt 2’500 Tonnen Kunst!

2’500 Tonnen Kunst, ganz ohne Eintritt

Die Ausstellung steht dieses Jahr unter dem Motto «Distanz schärft den Blick», inspiriert vom «Weltanschauungsmodell» des Künstlers Ottmar Hörl. Kunst hilft, Distanzen zu überbrücken oder zu verringern. Erstmals sind Kunstschaffende aus Syrien, Irak, Libanon und China als Vertreterinnen und Vertreter krisengeschüttelter Länder mit dabei.

Hinter dieser grandiosen Ausstellung steht das Ehepaar Rolf und Esther Hohmeister, die als leidenschaftliche Kunstliebhaber und -sammler die Bad RagARTz vor 24 Jahren ins Leben gerufen haben. Das Ehepaar Hohmeister will Kunst aus dem Museum ins Freie und zum Publikum bringen. Führungen und Events wie DorfART oder die LiteraTour-Anlässe bereichern die Skulpturenschau in diesem Jahr und sorgen dafür, dass nicht nur Hundertausende Besucher kommen, sondern auch das soziale Miteinander im Vordergrund steht.

Das Budget für den diesjährigen Anlass beträgt gegen 2.5 Millionen Franken. Trotzdem ist die Bad RagARTz 2021 kostenlos – keine Türen, kein Eintritt. Du hast mit Kunst nichts am Hut? Die weitläufige Ausstellung mit den originellen Kunstwerken lohnt sich trotzdem – und sei es nur als Rahmen bei einem Spaziergang. Wer will, kann gut einen halben bis einen ganzen Tag die Freiluft-Skulpturenausstellung begehen.

Mitten im Kurpark des Grand Resorts Bad Ragaz steht das Pop-up-Restaurant «Left Overs». Basierend auf der Idee einer Gruppe Studierender der EHL, Swiss School of Tourism & Hospitality, werden hier ungenutzte Lebensmittel aus den benachbarten Restaurants verarbeitet. Umweltbewusste Ernährung, Nachhaltigkeit und Verantwortung können sehr facettenreich und schmackhaft sein. Aus den Brotresten vom Frühstück werden Brotchips, aus Sushi-Reis Arancini und aus Orangenschalen Limonade. Biologisch abbaubare Teller und Glas sind eine Selbstverständlichkeit. Was gibt es Besseres als hier mitten in der Ausstellung einen Apéro oder eine kleine Stärkung einzunehmen?

Taminaschlucht

Heute bietet die Tamina Therme in Bad Ragaz Badekomfort auf höchstem Niveau. Umgeben von spezieller Architektur kannst du hier nach einer Wanderung oder einfach so im 36.5° C warmen Wasser wunderbar entspannen. So komfortabel ging es nicht immer zu. In der Taminaschlucht und im Alten Bad Pfäfers lässt sich der Geschichte der Bäderkultur auf den Grund gehen.

Das Alte Bad Pfäfers und die Taminaschlucht sind über eine autofreie Naturstraße entlang der wildromantischen Tamina in ungefähr einer Stunde zu erreichen. Es handelt sich um eine gemütliche Wanderung, die bei fast jedem Wetter möglich ist.

Nicht minder eindrücklich ist die Fahrt mit der Rösslipost (Postkutsche) oder dem Postauto (Schluchtenbus). Die Straße oberhalb der reißenden Tamina ist teilweise so eng, dass der Bus gerade einmal so durchpasst. Für den Fahrer bedeutet das Millimeterarbeit. Der Schluchtenbus fährt die Strecke zwischen dem Bahnhof Bad Ragaz und Altes Bad Pfäfers außer zur Mittagszeit stündlich zwischen 10:35 und 16:35 Uhr. Die Fahrt durch die Schlucht dauert etwa 20 Minuten. Die Einzelfahrt kostet CHF 6.-, Hin- und Rückfahrt CHF 11.- (2021).

Der Fahrer entpuppt sich als ausgesprochen sympathisch. In stoischer Ruhe erklärt er auch dem letzten Fahrgast, dass Halbtax und GA auf dieser Strecke nicht gültig sind. Das alte Bad Pfäfers ist nicht bewohnt, sodass hier die Bestimmungen des Öffentlichen Verkehrs nicht gelten. Auf der Hinfahrt gibt es interessante Hinweise zur Schlucht. Insofern ist das für mich eine mindestens gleichwertige Alternative zum Spazierweg.

Die Taminaschlucht ist jeweils von Mai bis Ende Oktober geöffnet. Tickets (CHF 5.-) für die Quellenschlucht kaufst du entweder online oder beim Ticketautomaten im Eingangsbereich des Alten Bad Pfäfers. Beim Drehkreuz am Eingang muss der QR-Code dann gescannt werden. Von hier aus führt der Weg nochmals gut 700 Meter in die Schlucht hinein. Es wird enger, nässer, dunkler und schließlich wärmer. Das letzte Stück zum Quellwasserbrunnen legst du durch einen Stollen zurück. Die mystische Schlucht lässt sich heutzutage sicher und bequem begehen.

Bilder weisen darauf hin, dass das nicht immer so war. Früher war der Zugang recht beschwerlich, während die einen kletterten mussten andere mit Körben abgeseilt werden. Nach der Entdeckung der Quelle durch einen Jäger um 1240 wurden etwa ein Jahrhundert später hölzerne Badehäuser auf Balken über der Tamina errichtet. Die Kranken badeten in Holzwannen und blieben mehrere Tage im Wasser. Damals war man der Auffassung, dass die giftigen Krankheitssäfte den Körper durch die aufgeweichte Haut verlassen würden und praktizierte das sogenannte «Ausbaden». Erst im 17. Jahrhundert leitete man das Thermalwasser zum Ausgang der Schlucht und erbaute später die Badehäuser in Pfäfers.

Den barocken Badebau inklusive der Wirtschaftsräume und der Kapelle kannst du ebenfalls besichtigen. Das Alte Bad Pfäfers ist heute Museum, Gaststätte und ein Ort der Begegnung. Neben der Küche, die früher sämtliche Kurgäste bewirten musste, sind vor allem die alten Wannenbäder im Keller sehr eindrücklich. Ein wenig erinnert mich das an meinen Aufenthalt im Atrium-Hotel-Blume in Baden. Paracelsus, der als erster Badearzt im Bad Pfäfers tätig war, ist ebenfalls eine Ausstellung gewidmet. Mit dem Reformator Ulrich Zwingli, dem dänischen Schriftsteller Hans Christian Andersen, Johanna Spyri, der berühmten Autorin der Heidi-Bücher, und dem Dichter Rainer Maria Rilke weilten im Laufe der Zeit einige berühmte Persönlichkeiten an diesem Ort.

Ein Erlebnis der besonderen Art ist Light Ragaz. Dabei handelt es sich um einen interaktiven, selbst geführten Licht-Rundgang durch die Taminaschlucht. Zu sehen gibt es aktuell elf Installationen. Während der Bad RagARTz 2021 findet im Alten Bad Pfäfers das Festival der Kleinskulpturen statt.

Im Heididorf die die weltbekannte Geschichte erleben

«Vom freundlichen Dorfe Maienfeld führt ein Fussweg durch grüne, baumreiche Fluren bis zum Fusse der Höhen, die von dieser Seite gross und ernst auf das Tal niederschauen.» So beginnt die Geschichte des berühmten Kinderbuches «Heidis Lehr- und Wanderjahre». Johanna Spyris Romanfigur erobert seit bald eineinhalb Jahrhunderten die Herzen von Kindern und Erwachsenen. Der Weltbestseller über das kleine Bündner Mädchen und seine Liebe zu den Bergen gehört unverwechselbar zu Graubünden und hat einer ganzen Region den Namen gegeben.

Im Heididorf kannst du die Geschichte hautnah erleben. Es ist davon auszugehen, dass genau dieser Weiler und die Alphütte am Ochsenberg Johanna Spyri inspiriert haben. Das Heididorf ist ein Museum, in dem Anfassen erlaubt ist. Die Aktivitäten sind stark auf Kinder ausgerichtet. Erwachsene Liebhaberinnen und Liebhaber von Heidi kommen ebenso auf ihre Kosten und können Kindheitserinnerungen auffrischen. Der Eintritt ins Heididorf beträgt CHF 13.90 (2021). Danach kannst du das Heidihaus, in dem Heidi und der Alpöhi im Winter lebten, die Dorfschule oder den Nachbau der Alphütte besuchen.

Vom Heididorf aus führt eine Wanderung hinauf zum Ochsenberg, der als Heidialp bekannt ist. Die Heidialp ist den Sommer über bewirtschaftet.

Eigentlich hätte ich diese Tour für meinen zweiten Tag im Heidiland geplant. Durch die Verspätung wegen des Ausfalls der Sesselbahn am Pizol kann ich am Samstagabend nicht mehr in die Taminaschlucht und muss mein Programm ändern. Der Wetterbericht ist ebenfalls nicht vielversprechend, sodass ich die Wanderung bis auf Weiteres vertage und es bei meinem Besuch im Heididorf belasse.

Das klassische Schlechtwetterprogramm im Heidiland ist neben einem Besuch der Therme übrigens das Fashion Outlet in Landquart.

5-Seen-Wanderung Pizol und Bad RagARTz – ein perfektes Wochenende im Heidiland 1
5-Seen-Wanderung Pizol: Schottensee
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