Verona in 24 Stunden und Aida für Opernneulinge

Kurzreisen

Wenn ich an Verona denke, kommen mir vor allem zwei Dinge in den Sinn: Romeo und Julia und Oper. Bereits letztes Jahr auf meinem Weg zum Carnevale nach Venedig habe ich mir vorgenommen, auch in dieser Stadt einmal Halt zu machen. Zwar bin ich kein Opernfan, aber wenn man schon nach Verona kommt, dann ist ein Besuch beim Festival in der Arena einfach Pflicht.

Tickets für eine Aufführung in der Arena di Verona

Die Opernfestspiele in der Arena di Verona dauern jeweils von Ende Juni bis Ende August. Es gibt verschiedene Möglichkeiten zu Karten zu kommen. Mein Ticket für das Festival besorge ich mir online über die offizielle Verkaufsstelle www.arena.it zum selber Ausdrucken. Da Juli und August in meinem Reisekalender schon ziemlich ausgebucht sind, steht mein einziger möglicher Reisetermin schnell fest. Bei der Wahl der Oper bleibt mir entsprechend wenig Spielraum und es wird die Premiere von Aida Ende Juni. Somit beschränkt sich meine Qual der Wahl auf die passende Sitzkategorie.

Die Preise der Karten reichen von 24 €, das sind die billigen unnummerierten Ränge ganz oben auf den Steinstufen bis über 200 € für einen Sitzplatz im Poltronissime. Die passende Abendrobe kommt hier noch dazu. Bei meinen Recherchen finde ich heraus, dass oben die Akustik sogar am besten sein sollte und ein bisschen so etwas wie Picknick-Atmosphäre herrscht. Das klingt sympathisch und da für mich das Gesamterlebnis zählt und die Oper eher Nebensache ist, entscheide ich mich für einen der Plätze im Sektor E.

Die Hotels sind zu diesem Zeitraum natürlich gut gebucht und nehmen es von den Lebendigen. In Fußdistanz zur Arena die Verona sind kaum Unterkünfte zu vernünftigen Preisen zu finden. Die Nachfrage bestimmt das Angebot und selbst einfache Hotels verlangen unrealistische Preise. Dennoch wähle ich ein Hotel im Zentrum von Verona, damit ich nach der Vorstellung schnell zu Hause bin.

24 Stunden Verona
Besichtigungstour in Verona Teil 1

Nach etwa sechs Stunden Anreise per Zug komme ich am frühen Nachmittag am Bahnhof Porta Nuova in Verona an und habe ziemlich genau 24 Stunden in der Stadt vor mir. Den Weg vom Bahnhof zum Hotel in der Nähe der Arena di Verona lege ich zu Fuß zurück. So kann man immer schon einmal einen ersten Eindruck bekommen. In einer kleinen Besichtigungstour erkunde ich das Castelvecchio und schlendere über die Piazza Bra zur Arena. Das Amphietheater aus dem 1. Jahrhundert ist nach dem Kolosseum in Rom das zweitgrößte. 22.000 Personen soll es Platz bieten. In einem der C Cafés am Platz gönne ich mir den dem obligatorischen Aperol Spritz und dann heißt es aber auch schon zurück ins Hotel und sich für den Abend herausputzen.

Aida in der Arena di Verona

Wer bei den Plätzen spart, sollte etwa zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn vor dem richtigen Tor stehen, damit sich noch ein guter Sitzplatz ergattern lässt. Und so ziehe ich bewaffnet mit Sitzkissen bald wieder los. Die Schlange vorm Eingang ist schon ziemlich angewachsen und dann passiert, was passieren musste. Ein Gewitter mit einem heftigen Regenschauer sorgt dafür, dass alle versuchen sich irgendwo unter das Dach der Arena zu drängen.

Nicht immer bin ich vorausschauend oder vernünftig, aber diesmal habe ich neben meinem Sitzkissen in weiser Voraussicht sogar eine von diesen irgendwann einmal gratis abgegebenen Regenpelerinen mit dabei und überstehe den Platzregen einigermassen trocken. Nur meine schönen Schuhe sind etwas beleidigt. Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass ich kurz nach sieben in die Arena könnte, die Wartezeit dauert aber letztendlich bis Viertel nach acht. Der Einlass ist ein ziemliches Gedränge, schlimmer als bei jedem Pop- oder Rockkonzert. Dabei habe ich Opernbesucher bisher immer für sehr bedacht gehalten. Aber wenn Tausende von Personen, die einen möglichst guten Platz ergattern möchten, durch einen schmalen Durchgang müssen, wo die Karten kontrolliert werden, ist das Chaos wohl unausweichlich.

Wie wir später informiert werden, hat eine Windhose Teile der Bühnendekoration weggeweht und auch mit der Technik gibt es Probleme. Somit beginnt die Premiere von Aida erst nach halb zehn. Traditionell werden zu Beginn des ersten Aktes kleine Kerzen angezündet. Früher benötigte man diese zum Lesen der Libretti. Dieser Moment ist wirklich magisch. Ansonsten ist mit Ausnahme des dritten Aktes, wo ich mit dem Schlaf kämpfe, auf der Bühne immer viel los. Die zwanzigminütigen Pausen zwischen den vier Akten ziehen die gesamte Vorstellung dann doch sehr in die Länge, Ende ist erst um Viertel vor zwei. Den Weg nach draußen muss man dann noch dazurechnen.

Auch wenn es jetzt bereits spät ist, denkt kaum jemand ans Nachhausegehen. Die Restaurants an der Piazza Bra sind bis auf den letzten Platz besetzt und in ganz Verona herrscht noch ein reges Treiben.

Besichtigngstour in Verona Teil 2

Am Sonntagvormittag schaue ich mir dann noch den Rest des historischen Zentrums von Verona an. Dabei dränge ich mich mit ein «paar» anderen Touristen in den Innenhof der Casa die Giulietta um einen Blick auf den berühmten (erst später angebauten) Balkon zu erhaschen. Ein Foto ohne Touristen, die wiederum selbst gerade am Balkon posieren, zu schießen, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Zumindest erfordert es sehr viel Geduld. Die Bronzestatue der Julia ohne Hand auf der Brust abzulichten, was ja bekanntlich Glück bringt, schaffe ich dann nicht mehr.

Ich nutze die Zeit und flaniere gemütlich über die Piazza delle Erbe. Das ist für mich einer der schönsten Plätze in der Stadt. Besonders angetan haben es mir auch noch die Gassen. Sie erinnern zum Teil ein bisschen an Venedig, einfach ohne Wasser. Und wie üblich lasse ich mich dann einfach treiben und wandere ein wenig ziel- und planlos umher. Dabei entdeckt man meist die spannendsten Sachen. In der Altstadt gibt viele versteckte kleine Plätze oder Innenhöfe. Da ich mir immer gerne auch ein Bild von oben mache, muss ich unbedingt auf den Torre dei Lamberti und Verona von oben betrachten.

Zum Abschluss gibt es noch eine Pizza (was wäre Italien ohne!) auf der Piazza delle Erbe. Und dann muss ich mich auch bereits schon wieder auf den Weg zum Bahnhof machen. Es heißt Abschied nehmen von Verona.

24 Stunden sind nicht lange, aber ich habe in Verona viel erlebt und gesehen, wofür andere mehrere Tage brauchen. Mit dem Entschluss künftig auch noch die einer oder andere norditalienische Stadt sowie auch den Gardasee wieder einmal zu besuchen, mache ich mich wieder auf den Heimweg, denn «life is short and world is wide».

Jetzt, wo ich ein bisschen Opernluft geschnuppert habe, kann ich mir sogar vorstellen im Sommer 2017 eine Aufführung der Oper Carmen an den Bregenzer Festspielen zu besuchen. Die Atmosphäre auf der Seebühne ist sicherlich einzigartig.

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