«Rotterdam or anywhere …»

Städtereisen

Ich mag Holland und ich mag die Holländer. Schon bei meinem ersten Besuch in Amsterdam habe ich mich auf Anhieb richtig wohl gefühlt. Umso mehr freue ich mich der Stadt wieder einmal einen Kurzbesuch abstatten zu können. Die diesjährige ILIAS Conference in Utrecht gibt mir die Gelegenheit, ein bisschen mehr von den Niederlanden zu entdecken. Damit ich nicht ausschließlich für zwei lange Konferenztage mit vollem Programm anreise, kombiniere ich wie üblich den Aufenthalt mit ein bisschen Amsterdam, einen Tag in Rotterdam und einem zusätzlichen Abend in Utrecht. Das spart für Teilzeitnomaden wie mich Zeit und Geld.

Amsterdam und seine Grachten

Wenn Engel reisen … die Niederlande erwarten mich mit Sonnenschein und Temperaturen von bis zu 28 Grad, und das im September! Nach gefühlten fünf Kilometern durch den Flughafen Schipol (da kommen Erinnerungen an diverse Sprints zu Anschlussflügen auf), freue ich mich erneut über den gut funktionierenden öffentlichen Verkehr in Holland. Da könnte sogar die Schweiz noch etwas lernen. Gepäck ins Schließfach und los geht mein Spaziergang durch Amsterdam.

Von Amsterdam Central aus laufe ich vorbei an Damrak (eines der besten Fotomotive überhaupt, nur ist es heute leider etwas bedeckt), dem königlichen Palast durch die Kalverstraat (inklusive ein paar Abstechern in das eine oder andere Geschäft) bis zum Blumenmarkt, der sich eigentlich Holz-, Seidenblumen- oder Blumenzwiebelmarkt nennen müsste. Anstelle von frischen Blumen gibt es noch jede Menge geschmacklose Souvenirs. Von dort aus geht es nun tatsächlich kreuz und quer durch die Stadt entlang Singel, Herrengracht, Kaizersgracht und Prinsengracht. Die Leidsegracht, die die Ringgrachten verbindet, finde ich übrigens besonders schön. Über die Magere Brug und die Amstel mache ich mich langsam durch das Rotlichtviertel wieder auf den Weg Richtung Bahnhof. Zum Abschluss meines Kurzbesuchs in Amsterdam genieße ich einen Kaffee auf der Terrasse der Stadtbibliothek. Diese ist wirklich sehenswert und vom obersten Stockwerk aus hat man zudem eine wunderbare Aussicht über den Hafen.

Kontrastprogramm Rotterdam

Mit dem Zug, dem Sprinter (Direktverbindung ohne Halt, aber mit Zuschlag), ist man in weniger als einer Stunde in Rotterdam. Mein Hotel, das citizenM liegt zwischen der Bahnstation Blaak und dem alten Hafen, besser geht es fast nicht. Das weiße Haus, einer der ersten Wolkenkratzer Europas, und die Willemsbrücke sehe ich direkt von meinem Zimmer oder quasi vom Bett aus, die Kubushäuser und die Markthalle sind keine 200 Meter weit entfernt.

Hotel citizenM Rotterdam

Das Hotel kann ich wie oben beschrieben aufgrund seiner Lage wärmsten empfehlen. Das Konzept ist witzig und die öffentlichen Bereiche des Hotels sind wirklich sehenswert und mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Die Zimmer selbst sind eher einfach gehalten, stylish und sehr funktional. Der Wow-Effekt tritt ein, wenn man vom Bett aus, das sich direkt an der großen Fensterfront befindet, die Aussicht genießt (unbedingt oberstes Stockwerk beim Self-Check-In wählen). Licht, Vorhänge und TV lassen sich mit dem im Zimmer befindlichen iPad mini steuern, was sehr praktisch ist. Die Nasszelle ist für meine Begriffe dann doch etwas spartanisch gehalten und auch beim Frühstück finde ich die Atmosphäre für ein Vier-Stern-Hotel nicht ganz angemessen. Insgesamt kann ich das Hotel aber nur weiterempfehlen, vor allem, weil das Preis-Leistungs-Verhältnis wirklich stimmt.

Futuristische Architektur in Rotterdam

Rotterdam ist das krasse Kontrastprogramm zum übrigen Holland. Im zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört, ist es heute ein Experimentierfeld für Architekten. Mein erster Weg gleich am Abend führt mich über das Maritiem Museum zur Erasmus Brug, dem wohl markantesten Wahrzeichen der Stadt. Von der Rooftop-Terrasse des Hotels nhow hat man die perfekte Aussicht auf die Brücke und die Nieuwe Maas und kann wie in meinem Fall den lauen Spätsommerabend genießen.

Delfshaven, ein kleiner Hafen und das einzige Überbleibsel Rotterdams aus früheren Zeiten, ist mein Ausgangspunkt am nächsten Morgen. Das Straßenbahn- und Busnetz in der Stadt ist ebenfalls bestens ausgebaut. Jetzt am Morgen kann man in aller Ruhe durch die Gassen schlendern und fotografieren.

Von dort aus fahre ich weiter zum Euromast. Die Aussicht auf die Stadt und die Fahrt mit dem Euroscoop, einem rotierenden Aufzug mit Rundumverglasung an die Spitze des Euromasts (185 m) lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Von hier oben bekommt man einen guten Eindruck der Skyline und des Rotterdamer Hafens. Kleines Ärgernis an dieser Stelle: Meine Kreditkarte wird gesperrt, weil das Lesegerät nur vierstellige PINs akzeptiert und meiner selbstverständlich sechsstellig ist. Aber für solche Fälle hat frau zum Glück ja noch mindestens eine andere Karte mit dabei.

Spontan entscheide ich mich deshalb noch für eine Hafenrundfahrt. Die dauert 75 Minuten und ist ist bei dem heißen Wetter auch lohnenswert, wenngleich Informationsgehalt und die Eindrücke bei einer Fahrt durch den Hamburger Hafen wesentlich besser und imposanter sind.

Für die Rotterdamer Markthalle habe ich ebenfalls noch ausreichend Zeit eingeplant. Das futuristische Gebäude mit der Glasfront und dem fruchtigen Deckengemälde avanciert schnell zu meinen Favoriten. An den verschiedenen Ständen koste ich mich durch diverse Köstlichkeiten aus aller Welt, von Pinxtos (San Sebastian lässt grüßen) über Börek bis zu griechischen Mezedes. In den Niederlanden isst man gerne fremd!

Nach einem Abstecher in die gelben Kubushäuser des Architekten Piet Blom heißt es dann auch schon wieder Abschied nehmen von Rotterdam. In etwa 45 Minuten werde ich mit Utrecht wiederum eine neue Stadt kennenlernen und mich in einer völlig anderen Welt wiederfinden.

Universitätsstadt Utrecht

Bereits vor meinem Besuch hat mir eine Freundin von der Stadt vorgeschwärmt. Und sie hat nicht zu viel versprochen. Die Universitätsstadt hat eine wunderbare Atmosphäre. Jetzt am späten Nachmittag taucht die Abendsonne alles in ein goldenes Licht, insbesondere den Turm des Doms. Die Oudegracht mit ihren Werftgewölben und den Terrassen und Restaurants ist einzigartig. Natürlich tragen die sommerlichen Temperaturen – und die vielen Studenten – dazu bei, dass in der Stadt eine fast mediterrane Stimmung herrscht und bis weit nach Mitternacht noch etwas los ist. Ich nutze den Abend für einen kleinen (was das in meinem Fall auch immer heißen mag) Spaziergang und treffe später nach einem Apéro im Winkel van Sinkel meine Arbeitskollegen zu einem Dinner an der Oudegracht.

Das Faszinierendste in Utrecht sind wohl die Hunderttausenden Fahrräder. Während die Straßen in der Innenstadt fast leer sind und die Autos sofort anhalten, wenn man als Fußgänger die Fahrbahn überqueren will, ist auf den Radwegen kein Durchkommen. Nahezu ohne Unterbrechung, jeweils im Windschatten von Vorderfrau oder Vordermann rollen die Hollandfahrräder an einem vorbei. Ich frage mich, wie man sein Rad je wiederfindet, wenn man es einmal irgendwo abgestellt hat.

Eye Hotel Utrecht

Unsere Unterkunft in Utrecht ist das Eye Hotel, in einem historischen Gebäude im Zentrum Utrechts. Auch dieses Boutiquehotel ist von den Zimmern bis zum Frühstücksraum durchdacht und durchgestylt, im wahrsten Sinne des Wortes eine Augenweide. Das Frühstück, das zwar serviert wird, könnte allerdings abwechslungsreicher sein. Dafür ist der Frühstücksraum wunderschön eingerichtet und dekoriert.

Neben einer Stadtführung am Folgetag und dem Weg zur Kromhout-Kaserne sehe ich dann leider nicht mehr allzu viel von Utrecht. Aber einmal mehr muss ich feststellen, wie vielseitig die Niederlande und wie freundlich die Einwohner sind. Bei meinem nächsten Besuch möchte ich unbedingt nach Giethorn und nach Möglichkeit auch eine Nacht dort verbringen.

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