Reykjavik im Winterchaos: Eine Stadt versinkt im Schnee

Städtereisen

Suchst du noch oder fährst du schon? Solche oder ähnliche Fragen könnten sich die Einwohner von Reykjavik am Sonntagmorgen, dem 26. Februar 2017, gestellt haben. Viele waren wohl stundenlang damit beschäftigt, ihre Autos auszubuddeln oder sich den Weg aus ihren Häusern und Wohnungen zu bahnen. Als Besucher in Island konnte man das Spektakel wesentlich entspannter genießen und sich wie ein Kind über die riesigen Mengen der weißen Pracht freuen.

Eigentlich gelten Januar und Februar als die niederschlagärmsten Monate in Reykjavik. Umso erstaunter bin ich über die Wetterkapriolen, die Island Ende Februar 2017 zu bieten hat.

Meteorologische Überraschungen

Am Tag meiner Ankunft zieht ein gewaltiges Sturmtief über die Insel. Aufgrund der Wetterwarnungen und angekündigten Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h sind sämtliche Straßen rund um Reykjavik und weiten Teilen des Landes ab dem Nachmittag gesperrt und wohl alle Touren gecancelt. Ich schaffe es noch rechtzeitig ins Hotel, bevor der Regen einsetzt. Neugierig wie ich bin, treibt es mich trotzdem nach draußen. Ich will wissen, ob und wie sich Reykjavik verändert hat. Beim ersten Schritt vor die Tür werde ich dann gleich einmal von der Wucht des Windes überrascht und stehe wortwörtlich einen Meter neben mir. Trotz Regen und Eiseskälte kämpfe ich mich tapfer einmal den Laugavegur auf und ab.

Schneerekord in Reykjavik

Tags darauf klart es erst einmal auf und der Schnee auf den Bergen rund um Reykjavik glitzert wunderschön im Morgenlicht. Am Nachmittag wartet das Wetter aber wieder mit allem auf, was es zu bieten hat: Wind, Regen, Schnee und Sonnenschein. In der zweiten Nachthälfte setzt dann heftiger Schneefall ein und am Sonntagmorgen, den 26.02.2017 präsentieren sich Reykjavik und ganz Island tief verschneit, ein wahres Winterwunderland.

Innerhalb weniger Stunden ist in Reykjavik so viel Schnee gefallen, wie seit 80 Jahren nicht mehr. Ganze 51 cm werden um neun Uhr morgens gemessen! Nur einmal in der Geschichte der Aufzeichnungen, nämlich 1937, gab es mit 55 cm noch mehr Schnee in Reykjavik . Nach dem Sturmtief von Freitag heißt es also erneut «nichts geht mehr». Die Isländer selbst nehmen es erstaunlich gelassen. Sie schaufeln in stoischer Ruhe Autos und Gehwege frei, mitten in der Stadt werden Schneeballschlachten veranstaltet und jeder Hügel zur Schlittenbahn umfunktioniert. Ich möchte mir nicht ausmalen, was in der Schweiz an einem solchen Tag los wäre. Selbst unter den Touristen scheint die Lage trotz steckengebliebener Transferbusse und abgesagten oder verschobenen Flügen relativ ruhig. Wer eine Tour gebucht hat, muss entweder verschieben oder darauf verzichten. Viele sitzen im Hotel fest. Das Wetter kann man zum Glück nicht beeinflussen.

Nun, ich wollte den isländischen Winter und habe in bekommen. Mit ein bisschen weniger davon wäre ich wahrscheinlich auch zufrieden gewesen.

Wie ist das nun mit der berühmt berüchtigten  Straßenheizung in Reykjavik?

Eins vorweg: Es gibt sie. Auf neuralgischen und viel befahrenen Abschnitten im Zentrum sorgt die Geothermie dafür, dass der Schnee schnell schmilzt. Bei diesen Massen führt das zuallererst zu ordentlichem Schneematsch. Wasserfeste, warme Stiefel sind in Island im Winter ein absolutes Muss! Zugleich sorgen die tiefen Temperaturen dafür, das die Gehwege vor allem nachts zu regelrechten Eisbahnen wurden. Iceland macht seinem Namen alle Ehre. So komfortabel wie die Straßenheizung klingt, ist sie in der Realität also nicht immer.

Was unternehmen im winterlichen Reykjavik?

Obwohl etwa ein Drittel der Bevölkerung Islands in der Hauptstadt lebt, hat sich Reykjavik seinen dörflichen Charakter bewahrt. Seit meinem letzten Besuch in Island im Sommer 2009 hat sich dennoch viel verändert. Zurzeit prägen Baukräne das Stadtbild und entlang der Sæbraut, der Hafenstraße, sprießen die Hochhäuser aus dem Boden.

Reykjavik ist sehr überschaubar und die Distanzen sind kurz. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind nahezu alle fußläufig zu erreichen. Auf Hop-On Hop-Off Touren kann man getrost verzichten. Im Grunde genommen hat man alles Wichtige in wenigen Stunden gesehen. Aber auch bei einem mehrtägigem Aufenthalt in der Stadt muss es nicht zwangsläufig langweilig werden.

In Reykjavik gibt es viele originelle Cafés und Bars, in denen man sich bei Schlechtwetter zwischendurch aufwärmen kann. Eine der liebsten Freizeitbeschäftigungen der Isländer ist Baden. In der Hauptstadt gibt es wie überall öffentliche Schwimmbäder, in denen man ganz gemütlich im Hot Pot sitzend mit den Isländern ins Gespräch kommen kann.

Fünf Sehenswürdigkeiten, die man in Islands Hauptstadt auch im Winter nicht verpassen sollte
  1. Der Laugavegur ist die Einkaufsmeile Reykjaviks. Neben den typischen Souvenirshops gibt es vor allem Funktionskleidung, Wollpullover und Decken, aber auch einige schöne Boutiquen mit isländischer Mode, Schuhgeschäfte, Kunstgalerien und Juweliere. Das Preisniveau in Island ist generell sehr hoch. Das wäre ein möglicher Grund, der das Shopping-Erlebnis ein wenig trüben könnte.
  2. Die Hallgri mskirkja ist wohl das markanteste Bauwerk der Stadt und nicht zu übersehen. Die schlicht gehaltene evangelisch-lutherische Kirche befindet sich auf einer Anhöhe und überschaut ganz Reykjavik. Der Turm der Hallgrims Kirche bietet dann auch die beste Aussicht über die Stadt. Die Wartezeit in der Schlange vor dem Aufzug lohnt sich auf alle Fälle.
  3. 2011 wurde die Harpa Music Hall eröffnet. Das Gebäude zählt zu den architektonischen Attraktionen. Insbesondere die vom Künstler Olafur Eliasson gestaltete Glasfassade des Opernhauses Harpa ist sehenswert. Die verschiedenen farbigen Fensterflächen eröffnen ganz neue Perspektiven auf den Hafen die Sæbraut und das Meer.
  4. Mein persönlich liebstes Wahrzeichen von Reykjavik ist Sólfar oder Sun Voyager beziehungsweise Sonnenfahrt. Der Künstler Jón Gunnar Árnason hat mit dem Wikingerschiff aus Edelstahl ein wunderbares Kunstwerk geschaffen. Die Lage am Meer und der schwarze Marmor sind wirklich einzigartig, insbesondere wenn der Stahl das Sonnenlicht reflektiert. Nicht umsonst zählt Sólfar zu den meist fotografierten Sehenswürdigkeiten in der Stadt.
  5. Reykjaviks Museen: Wie viele andere nordische Länder auch hat Island in Sachen Museen einiges zu bieten. Dazu zählen z.B. das National Museum of Iceland mit seinen dauerhaften und temporären Ausstellungen. Ausgesprochen informativ und interessant ist auch die Siedlungsausstellung im Zentrum Reykjaviks. Die interaktive und multimediale Ausstellung thematisiert die Anfänge der menschlichen Besiedlung durch die Wikinger. Mir gefällt gut, wie im Schifffahrtsmuseum im renovierten Bereich des Hafens von Reykjavik die Geschichte der isländischen Schiffahrt im Wandel der Zeit erzählt wird. Schließlich gibt es noch das isländische Phallusmuseum, ein Museum der besonderen Art, das nach mehreren Jahren in Husavik wieder zurück in Reykjavik ist und konservierte Penisse der Säugetiere Islands ausstellt.
Meine drei Lieblingsorte im tief verschneiten Reykjavik

Die tief verschneite Stadt ist eigentlich überall schön. Dennoch gibt es ein paar besonders idyllische Ecken.

  1. Der Stadtsee Tjörnin ist eine davon. Im Winter ist er ganz oder teilweise zugefroren. Entlang seines Ufers stehen viele traditionelle Holzhäuser. Und in der Nähe des Rathauses tummeln sich viele Schwäne und Enten, die darauf warten, gefüttert zu werden.
  2. Einige der schönsten Häuser und Villen befinden sich entlang der Skalholtsstigur, die vom Tjörnin zur Hallgrimskirkja führt.
  3. Die kleinen Gässchen zwischen Hverfisgata und Lindargarta beeindrucken durch ihre farbigen Häuschen und die hübschen Vorgärten mit dem alten Baumbestand.
Bei einem Kurzaufenthalt auf der Insel ist Reykjavik der perfekte Ausgangspunkt für Sternfahrten und Entdeckungen im Südwesten der Insel. Mit dem Golden Circle hat man einige der bekanntesten Naturschönheiten Islands direkt vor der Haustüre. Auch die blaue Lagune und andere Thermalbäder sind gut zu erreichen. Selbst eine Tour in den Süden des Landes bis zum Strand von Vik ist in einem Tag möglich.
Reykjavik im Winterchaois
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