Procida oder Capri? Von der Qual der Inselwahl in Neapel.

Ratgeber

Der Abstecher auf die Insel gehört zu einem Aufenthalt in Neapel irgendwie mit dazu. Der Großteil der Touristen entscheidet sich für einen Tagesausflug nach Capri, ist sie doch die berühmteste und bekannteste der Inseln im Golf von Neapel. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass Procida, die kleine Schwester von Capri, mindestens genauso sehenswert ist.

Für mich war bereits lange vor meiner Abreise nach Neapel klar, dass ich Procida einen Besuch abstatten würde. Im Jahr 1995 hat mich der Film «Il Postino» sehr bewegt. Die Geschichte ist wirklich herzzerreißend und wunderbar erzählt. Gedreht wurde der Film mehrheitlich auf Salina, einer der Äolischen Inseln. Mehrere Szenen im Hafen, in der Bar von Beatrice oder im Postamt spielen auf Procida. Genau da wollte ich hin! Zudem gilt die Fischerinsel fast noch als Geheimtipp, abseits von Touristenmassen, wie sie tagtäglich auf Capri einfallen.

Letztendlich finde ich während meiner Städtereise nach Neapel sogar noch Zeit für einen Trip nach Capri. Selbstverständlich werde ich mit jeweils einem halben Tag Aufenthalt keiner der beiden Inseln gerecht. Auf jeder müsste man mehrere Tage verbringen, aber für einen ersten Eindruck reicht es.

Procida

Bei der Ankunft in der Marina Grande hüpft das Herz höher. Das ist der Inbegriff eines italienischen Hafens und die bunten Häuser sehen aus wie aus dem Bilderbuch. Die verwitterten Fassaden sind so, wie sie eben sind, nicht künstlich aufgehübscht für Touristen.

Da ich mich für die Überfahrt mit der ersten Fähre entschieden habe, erreiche ich Procida noch recht zeitig am Morgen. Im Hafen (hier leben viele tatsächlich noch vom Fischfang) herrscht reges Treiben und einige wenige Touristen genießen die ersten Sonnenstrahlen, einen Kaffee und eine Sfogliatella in den Cafés an der Hafenpromenade.

Für den wohl berühmtesten Panoramablick muss man hoch hinauf zum Castello. Der Weg dorthin führt durch enge Gassen, die stark an Neapel erinnern. Der Aufstieg ist nicht sonderlich beschwerlich und lohnt sich auf alle Fälle. Eigentlich will ich hier warten, bis alle pastellfarbenen Häuser im Sonnenschein erstrahlen. Eine französische Reisegruppe (es ist allerdings die einzige während meiner Zeit auf Procida), die dann den Aussichtspunkt belagert, bringt mich von diesem Vorhaben ab. Ich wandere weiter hinunter zur Santuario S. Maria delle Grazie Incoronata und in die Marina Corricella. Mehrere Tafeln weisen auf die Schauplätze von «Il Postino» hin und bieten zusätzliche Erläuterungen.

Der kleine Fischerhafen auf der Südseite der Insel wirkt beinahe unwirklich. Hier ist die Zeit stehengeblieben. Das Patchwork an pastellfarbenen, kubischen Häusern erinnert ein bisschen an Griechenland. Die Häuser kleben ineinander geschachtelt am Steilhang und über steile Wege und Treppen kommt man vorbei an Dachterrassen hinunter ans Meer. Früher – so sagt man – hatte jedes Haus seine unverwechselbare Farbe, damit die Fischer ihr Haus schon aus weiter Ferne erkennen konnten. Die Marina Corricella lädt zum Verweilen ein und bietet eine Vielzahl wunderbarer Fotomotive.

Für mich geht es noch weiter entlang der halbrunden Bucht bis zur kleinen Halbinsel Punta di Pizzaco. Das ungewöhnlich warme Herbstwetter ist perfekt für ausgedehnte Spaziergänge. Viel mehr Zeit bleibt mir allerdings nicht, bevor es wieder zurück geht nach Neapel.

Procida ist zu dieser Zeit im Jahr völlig frei von jeglichem Massentourismus. Nicht exklusiver Luxus, sondern Natürlichkeit, Tradition und Entspannung stehen hier an erster Stelle.

Capri

Capri besuche ich am Nachmittag. Die Ankunft im Hafen ist wesentlich weniger idyllisch als auf Procida. Menschenmassen, die auf die gerade angekommene Fähre drängen, Händler und Touranbieter, die darum kämpfen die ankommenden Touristen auf eines der Ausflugsboote zur Inselrundfahrt und zur berühmten Blauen Grotte zu verfrachten.

Mit der Zahnradbahn geht es in den Ort Capri selbst. Die Piazzetta und die umliegenden Gassen sind hoffnungslos überfüllt. Unzählige Reisegruppen verstopfen die Straßen. Zum Weiterkommen braucht man ziemlich viel Geduld und wirklich viel von Capri sieht man dadurch leider auch nicht. Der erste Eindruck ist, dass der Ort penibel sauber ist und es durchaus schöne Ecken und Geschäfte gibt.

Ein paar hundert Meter weg vom Zentrum wird es ruhiger und ich gelange zur pittoresken Via Tragara, die zum Aussichtspunkt Punta di Tragara führt, von dem aus man die Faraglioni-Felsen sieht. Ein weiterer lohnenswerter Weg führt über die Via Matermania zum Arco Naturale. Wiederum sehr überlaufen, aber dennoch lohnenswert ist der Abstecher zu den Gärten des Augusto und mit dem Blick auf die Via Krupp. Capri ist eine blühende Insel mit faszinierenden Naturschauspielen.

Leider bleibt mir zu wenig Zeit für den Aufstieg nach Anacapri und die Fahrt mit dem berühmten Sessellift zum höchsten Punkt der Insel oder die Besichtigung der Blauen Grotte.

Für mich ist Capri über weite Strecken ähnlich wie Mykonos etwas zu gekünstelt. Capri bedeutet Jetset, glamouröse Kulisse und überteuerte Preise. Der Aperol-Spritz auf der Piazza zum Abschied kostet mit € 14 mehr als in der Schweiz. Dabei lässt sich allerdings erahnen, dass Capri am Abend, nachdem die Tagesbesucher die Insel verlassen haben, einen ganz besonderen Charme hat.

Anreise

Beide Inseln sind problemlos erreichbar. Man hat die Wahl zwischen normalen Fähren und Schnellbooten.

Abfahrt, Dauer und Kosten

Sämtliche High-Speed-Fähren legen an der Molo Beverello ab, die großen Autofähren etwas weiter nordöstlich (Calata Porta die Massa). Die Überfahrt von Neapel nach Procida dauert mit dem Schnellboot ca. 45 Minuten, mit dem Traghetti ca. 70 Minuten. Capri ist ähnlich schnell erreichbar. 50 Minuten dauert es mit Tragflügelboot, Catamaran oder Jet, die Fähre braucht etwa 30 Mintuen länger.

Der Ausflug auf die Inseln ist nicht ganz günstig, Zwischen € 40,- und 45,- muss man für das Retourticket einkalkulieren. Es liegt auf der Hand, dass die Fähren etwas billiger sind, im Schnitt kostet die einfache Fahrt € 5,- weniger. Wenn man genügend Zeit mitbringt und sich für die Fähre entscheidet, kann man die Überfahrt auch an der frischen Luft genießen und beim Ein- und Auflaufen fotografieren.

Schifffahrtsgesellschaften und Tickets

Es gibt mehrere Gesellschaften, die Capri, Ischia oder Procida anlaufen. Caremar und SNAV bedienen alle drei Inseln, NLG fährt nur nach Capri. Unterschiede gibt es kaum. Und da von der Molo Beverello aus fast stündlich Schnellfähren nach Procida, Ischia oder Capri übersetzen, entscheidet man nach der Abfahrtszeit. Den gesamten Abfahrtsplan gibt es auf www.naplesbayferry.com.

Alle Schifffahrtsgesellschaften haben Ticketschalter direkt am Hafen. In der Regel bekommt man auch Plätze auf der gewünschten Fähre. Es gäbe auch die Möglichkeit, Tickets online zu kaufen. Das lohnt sich nicht, da man einerseits eine höhere Gebühr entrichten muss und andererseits den Voucher auch noch am Schalter umtauschen muss und somit keine Zeit spart.

Procida oder Capri? Von der Qual der Inselwahl.

Ausflug an die Amalfiküste

Wenn es nicht auf die Insel gehen sollte, bietet sich ein Ausflug an die wunderschöne Amalfiküste an. Ich entscheide mich auf Anraten meines B&B-Vermieters für eine organisierte Tour. Er erklärt mir, dass die Linienbusse oftmals so überfüllt sind, dass nicht alle mitkommen und man deshalb längere Wartezeiten in Kauf nehmen muss. Der Ganztagesausflug mit Fahrer (ohne Reiseleitung) führt über Sorrent, nach Positano, Amalfi und Ravello. An jedem Halt haben wir ungefähr eine Stunde Zeit für Erkundungen. Insbesondere in Positano wäre ich gerne länger geblieben. Das Problem sind allerdings die horrenden Parkgebühren von bis zu € 30,- pro Stunde. Auch sonst ist die Amalfiküste so wie Capri völlig überlaufen und überteuert. Die Ausblicke auf die Steilküste und die am Berg klebenden Ortschaften machen aber alles wett.

 

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