Philippinen Inselhüpfen per Bike

Aktivreisen
Die Inselwelt der Philippinen und der Visayas

Die Philippinen, das sind mehr als 7000 Inseln. Wo soll man da anfangen und aufhören, wenn man nur zwei Wochen im Land zur Verfügung hat? Eigentlich egal, wie man sich entscheidet, man wird immer das Gefühl haben, etwas zu verpassen, die schönsten Inseln nicht besucht zu haben.

Ich bin, wie ihr vielleicht schon wisst, nicht unbedingt ein Strandtyp, deshalb buche ich bei Spice Roads (die Reise beim Schweizer Veranstalter Bike Adventure Tours kommt leider nicht zustande) eine Radreise durch die Visayas. Vier Inseln stehen auf dem Programm: Cebu, Bohol, Siquijor und Negros. Die Tagesetappen bewegen sich zwischen 30 und 75 km (ehrlich gesagt die meisten eher Richtung der zweiten Zahl) und weisen zum Teil grosse Steigungen auf. Bei 35 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit ist das durchaus eine Herausforderung. Im Gegenzug werde ich mit grandiosen Landschaften, Aussichten, Downhills und netten Begegnungen entschädigt. Neben dem Wandern ist Radfahren eine wunderbare Möglichkeit sich in fremden Ländern fortzubewegen. Durch das beschauliche Tempo ist man ganz nahe bei Land und Leuten und nimmt alles viel intensiver und besser wahr. Wir sind eine kleine internationale Gruppe (ein Schweizer Pärchen, eine Engländerin, ein Schotte und in der ersten Woche noch ein Australier) mit einem jungen philippinischen Guide, der immer alles perfekt organisiert und uns den «Philipino Way of Life» näherbringt.

15 Gründe für Rad-Inselhüpfen auf den Visayas

Nr. 1: Überall auf den Philippinen gibt es farbenfrohe und kuriose Jeepneys und Tricycles zu sehen, die einfach gute Laune machen. Und es macht (meistens) Spaß mit ihnen zu fahren. «Ältere» Jeepneys verlieren zwar hin und wieder wichtige Teile, neue kommen allerdings mit einer eingebauten topmodernen Karaokeanlage, mit über 12000 Songs zur Auswahl. Karaoke gehört schließlich zu den wichtigsten Hobbys auf den Philippinen. Wusstet ihr, dass sich  auf einem Tricyle entweder drei Personen und drei Bikes oder sechs Bikes inklusive Fahrer verstauen lassen?

Nr. 2: In den kleinen Läden am Straßenrand werden viele kuriose Dinge verkauft, die nur die Filipinos verstehen: von Kosmetik- und Körperpflegeprodukten in Einzeldosis über Shampoo für Hähne (der Hahn von Welt muss für den sonntäglichen Hahnenkampf herausgeputzt sein) bis zur dubiosen Heilmittelchen.

Nr. 3: Die Tarsier oder Koboldmakis sind eine der niedlichsten Kreaturen, die es gibt und die nur auf den Philippinen zu finden sind. Obwohl sie eigentlich nachtaktiv sind, kann man z.B. im Tarsier Sanctuary auf Bohol tagsüber beobachten, wie sie in den Bäumen hängen. Dabei habe ich gelernt, dass Koboldmakis ganz sensible Tierchen sind. Lärm oder Blitze beim Fotografieren könnten sie erschrecken. Zudem haben die kleinen Äffchen eine Tendenz Selbstmord zu begehen, wenn sie in Gefangenschaft gehalten werden.

Nr. 4: Am Loboc River verkehren bunte Ausflugsbote, der Sonnenuntergang vom Loboc River Resort aus ist wundervoll und nachts gibt es unzählige Glühwürmchen zu sehen. Hoch über den Fluss führt eine Zipline (vielleicht nicht ganz vertrauenswürdig, aber wer den «Flug» wagt, wird sicher dafür mit einem einzigartigen philippinischen Abenteuer belohnt.

Nr. 5: Die Chocolate Hills auf der Insel Bohol, ein riesiges Gebiet mit halbkugelförmigen Hügeln, sind umso schöner, wenn man den Weg bis zum Aussichtspunkt mit dem Bike geschafft hat. Der Name kommt übrigens von der braunen Farbe, die die Hügel während der Trockenzeit annehmen.

Nr. 6: Das Grün der Reisfelder, die teils terrassenartig angelegt sind und mit Ochsenkarren bewirtschaftet werden, ist eine meiner Lieblingsfarben auf den Philippinen.

Nr. 7: Fährüberfahrten zwischen den Inseln können sehr abenteuerlich sein. Da dauert eine Passage anstelle von 40 Minuten wegen starken Seegangs plötzlich doppelt so lange. Losgefahren wird aber erst, nachdem ein lauter Gong eine Lautsprecherdurchsage einläutet, in der es heißt, dass alle ihre Schwimmwesten anlegen sollten. Und dann werden noch die Kotztüten verteilt … Die Filipinos nehmen es gelassen und das sollte man auch tun. In den Hafengebäuden gibt es übrigens überall Gruppen blinder Musiker, die einem für einem die Zeit bis zur Abfahrt etwas verkürzen.

Nr. 8: Die Philippinen bieten eine intakte Unterwasserwelt mit prächtigen Farben, vielen Korallenarten und Fischen – einfach perfekt zum Tauchen und Schnorcheln.

Nr. 9: Selbst touristische Regionen wie Panglao Beach haben auf den Philippinen einen ganz besonderen Charme. Wo sonst schaukeln hunderte von Auslegerbooten im kristallklaren Wasser und wird der Strand abends einfach zur Terrasse der Restaurants umgewandelt?

Nr. 10: Überall auf den Visayas finden wir immer wieder wunderschöne Strände vor, völlig einsam, mit weißem Sand und Palmen. Von dort aus kann man abends fantastische Sonnenuntergänge beobachten.

Nr. 11: Ich liebe Kokoswasser und Mangos. Beides gibt es auf den Philippinen im Überfluss. A coconut a day und Mangos in allen Variationen (frisch zum Frühstück, zwischendurch als Juice und gebraten als Dessert) gehören einfach dazu.

Nr. 12: Siquijor ist ein kleines Paradies. Die Insel ist klein, selbst mit dem Bike kann man sie bequem in einem Tag umrunden (aber Vorsicht: Die Küstenstraße ist alles andere als flach.), und das bei relativ wenig Verkehr. Beim Balete Tree, dem ältesten Baum auf Siquijor, gibt es ein natürliches Fishspa (Pediküre während dem Biken inklusive) und mit Lugnason und Cambughay zwei wunderschöne Wasserfälle im Inselinneren.

Nr. 13: Bei einem Ausflug nach Apo Island kann man mit Schildkröten schwimmen und schnorcheln. Natürlich ist man dabei nicht alleine und manche Touristen übertreiben es völlig, indem sie die armen Tiere permanent mit ihren GoPro Sticks und Kameras jagen. Aber wenn dann etwas Ruhe einkehrt, hat man die Gelegenheit die Schildkröten intensiv zu beobachten, mit oder über ihnen im Wasser zu schweben und zu staunen, wie sie plötzlich regelrecht «davonfliegen».

Nr. 14: Cebu City ist bestimmt keine Schönheit, wenngleich es noch etwas ruhiger zugeht als in Manila, der Hauptstadt der Philippinen. Aber da ist hoch oben über der Stadt dieser Aussichtspunkt «Top of Cebu». Und plötzlich ist man weit weg vom Lärm und Trubel der Stadt und kann eventuell so wie wir bei Vollmond und überraschend angenehmen Temperaturen einen Blick über die Stadt genießen.

Nr. 15: Und schliesslich die Menschen: Nirgendwo habe ich bisher so unglaublich fröhliche, herzliche und offene Menschen kennen gelernt wie auf den Philippinen. Ausnahmslos alle Filipinos waren freundlich, zuvorkommend und äußerst hilfsbereit. Als Radfahrer wird man ständig begrüsst, die Kinder stehen am Straßenrand und rufen einem ein freundliches Hallo zu. Das alles ist nicht aufgesetzt. Selbst in den Hotels kannte man schon nach kurzer Zeit unsere Namen und die Angestellten haben viele Geschichten aus ihrem Leben erzählt. Auffallend war vor allem auch die große Loyalität der Angestellten gegenüber  ihren Vorgesetzten. Es klingt klischeehaft und fast kitschig: Aber die meisten dieser Menschen leben in ärmlichen Verhältnissen und haben nur das Nötigste zum Leben. Dennoch lachen und singen sie fast die ganze Zeit über.

Es gibt allerdings auch Dinge, die ich nicht wiederholen würde, wie z.B. den Besuch eines Hahnenkampfes. Ja, ich weiß, die Tierschützer, werden hier aufschreien, aber wir waren tatsächlich am Sonntagnachmittag auf Siquijor beim Hahnenkampf. Die Atmosphäre ist sehr speziell und irgendwie gehört es auch dazu, wenn man die Philipinos und ihre Sitten und Gebräuche verstehen will. Für Ausländer völlig unverständlich ist, wie das System des Wettens funktioniert. Auf alle Fälle gibt es vor und nach jedem Kampf einen ungeheuren Lärm und zahlreiche undefinierbare Handgesten in der Halle. Bei den Kämpfen selbst musste ich wegsehen, das ist schon eine blutige Angelegenheit, da den Hähnen Klingen an die Krallen gebunden werden … Es ist unglaublich, welchen Aufwand die Einheimischen mit ihren Hähnen betreiben. Sie werden extra auf Farmen gezüchtet, in jeder freien Minute trainiert und gepflegt. Ich weiß nicht, ob man viel Geld damit verdienen kann, jedenfalls kann so ein Hahn binnen einer Minute tot sein.

Verglichen mit anderen asiatischen Ländern hat mich das Essen auf den Philippinen nicht ganz so überzeugt. Eigentlich ist es recht vielfältig und geprägt von den verschiedensten Einflüssen. Wer aber so wie ich kaum Fleisch isst, hat es auf den Philippinen nicht immer ganz einfach. Auch, dass vieles süß-sauer oder mit Essig serviert wird, ist nicht ganz so mein Ding. Verzichten musste ich dennoch auf nichts und ich habe auch vieles ausprobiert. Mein absoluter Favorit war Kinilaw, ein roher Fischsalat, vergleichbar mit dem peruanischen Ceviche, das ich dort schon geliebt habe.

Wie vermutet, waren zwei Wochen definitiv zu kurz. Nach den zwei Wochen bleibt mir aber noch eine Nacht im Marina Bay Sands in Singapur, bevor es zurück geht in dis Schweiz. Die Philippinen sind ein Land, in das ich gerne nochmals zurückkommen möchte, stehen doch die Reisterrassen von Banaue, die Insel Palawan, die ich gerne wieder mit dem Bike von Nord nach Süd oder umgekehrt durchqueren möchte mit all ihren Naturwundern und Schönheiten (El Nido oder der Puerto-Princesa-Subterranean-River), die Walhaie und vieles mehr auf meiner Bucketlist. Aber bis dahin gibt es noch weitere Pläne, schließlich gilt immer noch mein Motto «life is short and world is wide».

Philippinen, Inselhüpfen auf den Visayas per Bike

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