Mallorca: Fincaurlaub und Roadtrip durch die Serra de Tramuntana

Kurzreisen

Mallorca, das ist zum einen die Lieblingsinsel der Deutschen. Dann ist da der Ballermann, Saufgelage und Teutonengrill, Pauschaltourismus im Billigsektor. Gleichzeitig weiß auch jeder, dass Mallorca viel mehr zu bieten hat als das.

Nach all meinen Reisen in weite und noch weiter entfernte Ziele, in pulsierende Großstädte, an exotische Strände und abgeschiedene Ecken der Welt, war ich bisher noch nie auf Mallorca. Schließlich hat aber die Neugierde gesiegt. Dank der guten Erreichbarkeit und der vielen Flüge habe ich spontan ein verlängertes Wochenende im Westen der Insel, der Serra de Tramuntana gebucht.

Mallorca und seine Fincas

Eigentlich versteht man unter einer Finca ein landwirtschaftliches Grundstück mit einem kleinen (oder auch größeren) Landhaus. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist heute meist von einem Ferienhaus die Rede. Insbesondere Mallorca ist bekannt für seine Fincas. Und wer so wie ich Wert legt auf traditionelle, authentische Unterkünfte und die großen gesichtslosen Hotelketten nach Möglichkeit meidet, wählt für seinen Aufenthalt auf der Insel selbstverständlich eine Finca.

Mein Kurzaufenthalt über Pfingsten führt mich in die Gegend um Sóller an der mallorquinischen Westküste in die Serra de Tramuntana. Dabei bleibe ich jeweils zwei Nächte in zwei ausgewählten Fincas.

Fincahotel Ca’n Poma

Das Ca’n Poma liegt etwas außerhalb von Sóller auf der Straße MA-11 in Richtung Deià. Ohne Anfahrtsbeschreibung ist die Finca unmöglich zu finden. Dafür liegt sie fernab von Hektik und Trubel, eingebettet in die Bergwelt der Tramuntana mit einem Blick auf den Puig Major, den höchsten Berg der Insel. Die 300-jährige Anlage ist liebevoll restauriert und sehr geschmackvoll im mallorquinischen Stil eingerichtet. Umgeben von Oliven- und Zitronenbäumen findet man hier in erster Linie eines: Ruhe und Erholung.

Die Zimmer sind verteilt auf zwei Gebäude, alle individuell möbliert und haben Zugang zum Garten oder zur Terrasse. Das ehemalige Wasserreservoir dient heute als Pool. Insgesamt wirkt alles sehr gepflegt und liebevoll dekoriert.

Das Frühstück nimmt man auf der Terrasse ein, es wird serviert. Auf Wunsch kann man in der Finca auch zu Abend essen.

Finca Cas Sant

Die Finca Cas Sant liegt direkt in Sóller mit einem Blick auf die Berge der Tramuntana. Trotz der Nähe zum Ort (ca. 5–10 Minuten zu Fuß ins Zentrum), hat man des Gefühl in Ruhe und Abgeschiedenheit zu logieren. Das Cas Sant ist seit über 600 Jahren in Besitz der gleichen Familie und eines der ältesten Objekte auf der Insel.

Getreu dem Motto Agrotourismus wohnt man inmitten von Orangenplantagen und kann auch täglich frische Früchte und frischen Saft genießen. Ein absolutes Juwel und Highlight der Anlage sind die beiden Pools, insbesondere der im Garten zwischen dem Herrenhaus und dem neuen Nebengebäude. Das Haupthaus erreicht man durch einen Laubengang, das Innere ist voll von Antiquitäten und sehr traditionell eingerichtet. Diesem Konzept folgt auch die Einrichtung der Zimmer, die auf die unterschiedlichen Gebäude verteilt sind. Auch hier haben alle Zimmer eine Terrasse.

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Das Frühstück ist wahrlich fantastisch. Neben dem üblichen Angebot werden verschiedene mallorquinische Spezialitäten in Tapasgrössen und Süßigkeiten am Tisch serviert.

Die Atmosphäre ist sehr entspannt und die Gastgeber sind ausgesprochen freundlich und hilfsbereit.

Vier Tage Roadtrip durch die Serra de Tramuntana

Der Gebirgszug im Nordwesten der Insel ist seit 2011 Weltkulturerbe. Alles wirkt noch sehr ursprünglich und wildromantisch. Die Region ist verkehrstechnisch zwar gut erschlossen, die Straßenverhältnisse kann man teilweise als ziemlich abenteuerlich beschreiben. Auf den engen und vor allem sehr kurvenreichen Straßen benötigt man meist viel mehr Zeit als geplant oder angenommen.

Tag 1: Sóller und Port de Sóller

Sóller ist so etwas wie das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Region. Sehenswert in dem kleinen Städtchen sind der Hauptplatz mit der Kirche San Bartolomé und die angrenzenden engen Gässchen der Altstadt. Samstags findet in Sóller der Wochenmarkt mit lokalen Produkten statt.

Die eigentliche Hauptattraktion in Sóller sind der Tren de Sóller, der die Stadt mit Palma verbindet und die alte Straßenbahn nach Port de Sóller, der sogenannte Orangen-Express. Seit 1913 ruckeln die alten Waggons zuerst über die Plaça de sa Constitució, ganz nah vorbei an Schaulustigen, den Platanen und Cafétischen. Weiter geht es durch Zitronen- und Orangenhaine, bis die Tram schließlich über die Uferpromenade in Port de Sóller an der Endstation ankommt. Am frühen Nachmittag ist die Straßenbahn fast leer, am Abend, wenn alle zurück vom Meer nach Sóller wollen, dafür hoffnungslos überfüllt.

Port de Sóller selbst ist architektonisch alles andere als ein Schmuckstück. Die Bucht selbst und die Sonnenuntergänge sind aber sehr schön. Auch gute Restaurants findet man im Ort.

Tag 2: Valldemossa und Deià

Eines der bekanntesten Bergdörfer auf Mallorca ist Valldemossa. Verglichen mit andern Dörfern in der Tramuntana ist die Bezeichnung Bergdorf fast etwas irreführend, liegt es doch schon fast im Flachland. Valldemossa verdankt seinen Ruhm vor allem dadurch, dass der polnische Komponist Frédéric Chopin und die französische Schriftstellerin George Sand dort einen Winter verlebten. Das ehemaliger Kartäuserkloster, wo sie wohnten, ist heute ein Museum und natürlich Touristenmagnet.

Aufgrund dieser Berühmtheit und der Nähe zu Palma ist das Dorf hoffnungslos überlaufen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es im Sommer hier zugeht, wenn Hunderte von Touristenbussen anrollen und sich alle durch die engen Gassen drängen. Es sind vor allem, diese Gässchen, die dem Dorf seinen Charme geben und warum sich ein Besuch lohnt.

Auf dem Weg von Sóller nach Valdemossa kommt man an Deià vorbei. Die Lage des Dorfes ist wirklich einzigartig. Egal, von welcher Seite man die Häuser, die da am Hang kleben, und die ganz oben thronende Kathedrale betrachtet, es ist einfach nur fantastisch. Im Dorf selber geht es verglichen mit Valldemossa wesentlich beschaulicher zu und her. Jetzt im Juni sind es vor allem Wanderer, die hier vorbeikommen.

Tag 3: Fornalutx, Sa Calobra und Torrent de Pareis

Es gilt als schönstes Dorf Spaniens, das kleine Fornalutx. Von Sóller aus ist es mit dem Auto in wenigen Minuten zu erreichen. Eigentlich wollte ich von Sóller nach Fornalutx wandern, letztendlich war die Zeit dafür aber zu knapp. Schließlich wollte ich unbedingt noch nach Sa Calobra und zur Schlucht Torre de Pareis.

Ob Fornalutx tatsächlich das schönste Dorf Spaniens ist, wage ich nicht zu beurteilen. Und wenn man genauer nachliest, wurde mit dieser Auszeichnung auch ein wenig geschummelt. Auf alle Fälle ist es sehr idyllisch: Steingebäude mit rotgedeckten Dächern, enge Gässchen mit vielen Blumen, Orangenhaine rund um das Dorf, ein Dorfplatz und einige Restaurants und Cafés.

Das kleine Dörfchen Sa Claobra mit nicht einmal 100 Einwohnern erreicht man auf dem Landweg über die Serpentinenstraße MA-2141. Auf 12,5 Kilometern Länge überwindet die Straße einen Höhenunterschied von fast 700 Metern. Die Straße ist ein architektonisches Meisterwerk, besonders imposant ist der Nus de sa Corbata, der sogenannte Krawattenknoten.

Die Straße ist nicht gefährlich, aber an manchen Stellen sehr eng. Das ständige Fahren in Kurven und Serpentinen ermüdet irgendwann. Besonders langweilig wird es, wenn man einen Reisebus vor sich hat.

Belohnt wird man mit der Bucht und einigen schönen Ausblicken. Von Sa Calobra aus führt ein etwa 600 Meter langer Fußweg mit Tunnel zur Schlucht Torrent de Pareis. Ein Sturzbach hat sich hier auf seinem Weg zum Meer tief in den Felsen gegraben. Ein Wanderung durch die Schlucht muss sehr eindrücklich sein. Von unten wirkt der Strand auf mich ziemlich enttäuschend. Am Nachmittag ist er völlig überfüllt und leider auch ziemlich zugemüllt. Es ist ein klassisches Beispiel für jene Touristendestinationen, an die man zu große Erwartungen hat.

Tag 4: Palma

Auf dem Weg zum Flughafen mache ich dann am letzten Tag noch einen Halt in Palma. In der Stadt sonntags nicht besonders viel los. Immerhin besichtige ich die Kathedrale und das Castel de Bellver. Die Basilica de San Francesco ist leider geschlossen.

Wie erwähnt, war ich zum ersten Mal überhaupt auf Mallorca. Ich habe die Tage sehr genossen, aber mein Herz berührt, hat die Insel nicht. Selbst Anfang Juni war sehr viel los und häufig traf ich auf ungehobelte oder versnobte Touristen, was irgendwie ein ungutes Gefühl zurückließ. Das Preisniveau in der Serra de Tramuntana ist eher hoch und nicht immer stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Schon bald geht es für mich auf eine andere beliebte Urlaubsinsel, nämlich nach Sylt. Ich bin gespannt, ob diese Insel halten kann, was sie verspricht.

Mallorca: Fincaurlaub und Roadtrip durch die Serra de Tramuntana

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