Lissabon – Próspero Ano Novo!

Städtereisen

Lissabon, die Hauptstadt Portugals, gehört seit Jahren völlig zu Recht zu den Trenddestinationen in Europa und verzeichnet jeweils Übernachtungszuwächse im zweistelligen Bereich. Mein letzter Besuch in der Stadt an der Mündung des Tejo liegt schon ein Weilchen zurück (genau genommen war das noch vor der Expo 98). Und nachdem die letzten Silvesterabende in Edinburgh und Wien entweder sehr windig oder sehr kalt waren, ist die Aussicht auf einen Jahreswechsel in der portugiesischen Stadt ziemlich verlockend.

Hin bringt uns zwar nicht ganz pünktlich, aber immerhin sicher TAP Portugal. Dummerweise nur uns, nicht unser Gepäck. Das wird um etwa acht Uhr abends erwartet. Da wir in einen Airbnb wohnen und bei der Auslieferungsrunde am Abend nur noch Hotels angefahren werden, haben wir die Wahl zwischen Selbstabholung oder gepäcklos sein bis zum nächsten Morgen. In solchen Momenten bereut man, für einmal nicht nur mit Handgepäck gereist zu sein. Aber schließlich will man gerüstet sein, falls man dem Shoppingwahn verfällt (die Schuhgeschäfte …). Naja, es gibt Schlimmeres. Und so kann man hoffen, dass das neue Jahr besser beginnt als das alte aufhört.

Und zumindest lernen wir so die Strecke zum und vom Flughafen mit ÖV und Taxi sowie Lissabons Straßen schon einmal sehr gut kennen (wenn auch nicht lieben). Für eine erste kulinarische Entdeckungstour inklusive Ginjinha und einen Abstecher ins Mekka des Nachtlebens, ins Bairro Alto, reicht es aber dann trotzdem noch. Und da wir insgesamt vier Tage Zeit haben, die Stadt in aller Ruhe zu erkunden, ist das Ganze auch nicht weiter schlimm.

Vier Tage Lissabon: meine fünf Highlights
Highlight 1: Miradouros

Lissabon ist auf sieben Hügeln erbaut, entsprechend gibt es auch ganz viele Möglichkeiten, die Aussicht über die Stadt, ihre Stadtviertel und Plätze bis hin zum Tejo zu genießen. Unser Airbnb liegt in der Nähe des Castelo de São Jorge, was uns gleich einmal ein paar herrliche Ausblicke direkt vor der Haustüre beschert.

Für einen ersten Überblick und zur Orientierung in der Unterstadt bietet sich die Terrasse des Elevadors Santa Justa an. Vor hier aus sieht man die geraden Straßen der Baixa bis hin zum Tejo, den Rossio Platz und die umliegenden Hügel.

Besonders schön finde ich den Miradouro de Santa Luzia.Jetzt im Winter kann man nur erahnen, wie idyllisch es hier an lauen Sommerabenden unter der Pergola sein könnte. Unvergesslich ist die Aussicht vom Miradouro Largo das Portas do Sol hoch über dem Gewirr der Treppen und Gassen der Alfama.

Möchte man noch einen anderen Blickwinkel auf die Stadt, erklimmt man den Miradouro Sao Pedro de Alcántara im Bairro Alto, gleich neben der oberen Haltestelle des Elevador da Glória oder den Miradouro da Senhora do Monte.

Highlight 2: Tram 28 und die Elevadores und Ascensores

Was wäre ein Besuch in Lissabon ohne eine Fahrt mit der historischen Lissabonner Straßenbahn Nr. 28. Die Linie 28 ist die längste und bietet eigentlich die perfekte Stadtrundfahrt für Touristen. Beginnend am Largo Martim Moniz (es lohnt sich früh aufzustehen, da die Tram immer sehr voll ist und die Schlangen an der Wartestelle lang sind) rattert der alte Wagen hinauf durch den Stadtteil Graça bis zum Kloster São Vicente de Fora und dann wieder bergab durch die engen Gassen der Alfama.

Vorbei an der Kathedrale geht es in die Baixa und weiter durch Chiado ins Bairro Alto. Endstation ist beim Cemitério dos Prazeres. Ein Besuch dort lohnt sich auch für jemanden, der nicht wie so ich ein Faible für Friedhöfe hat. Die Grabmäler gleichen kleinen Palästen in einer parkähnlichen Landschaft. Bequem ist die Fahrt nicht und meist ist das Tram heillos überfüllt, dennoch handelt es sich um ein einzigartiges Erlebnis.

Eine andere Art die Hügel Lissabons zu erklimmen oder die Miradouros zu erreichen, sind die verschiedenen Elevadores und Ascensores. Am berühmten Elevador de Santa Justa, der die Unter- mit der Oberstadt verbindet, kommt wohl niemand vorbei. Fast noch stimmungsvoller sind die Standseilbahnen, der Ascensor da Glória, der Ascensor do Lavra und mein Favorit, der Ascensor da Bica. Alle Aufzüge kann man mit der Tageskarte für Metro/Carris nutzen.

Highlight 3: Belém

In Belém befinden sich mit dem Hieronymuskloster, dem Torre de Belém und dem Padrão dos Descobrimentos, dem Dankmal der portugiesischen Seefahrer, einige bedeutende Sehenswürdigkeiten. Entlang des Tejo-Ufers kommt tatsächlich so etwas wie Seefahrer- und Entdeckerstimmung auf. Und weil es schon Tradition für unseren Start ins neue Jahr ist, zeigt sich Lissabon (nach Nebel und Kälte in Wien, Schneefall in Edinburgh) am 1. Januar 2016 auch kalt, nass und windig. Wie könnte es anders sein? Und dennoch passt das Wetter zu dieser Umgebung. Es ist durchaus interessant, die Vororte Lissabons zu entdecken und sich mit der Geschichte der Seefahrer auseinanderzusetzen..

Naschkatzen kommen sowieso wegen der Pastéis de Belém, einem kleinen Blätterteigtörtchen mit Puddingfüllung. Da spielt das Wetter keine Rolle. Das Original gibt es in der Pastelaria „Fábrica dos Pastéis de Belém“. Wir haben Glück und müssen für die kleinen Köstlichkeiten überhaupt nicht anstehen und genießen sie in einem Park vor den schönen Fassaden der Häuser in Belém.

Highlight 4: Brunch im Palacete do Chafariz D’El Rei

In ganz Portugal kann man exzellent essen und auch in Lissabon gibt es kulinarisch einiges zu entdecken. Wer sich etwas Besonderes gönnen möchte, sollte am Wochenende zum Brunch in den Salão de Chá des Palacete do Chafariz D’El Rei (unbedingt rechtzeitig reservieren), einem der besten Lissabonner Hotels. Das Angebot ist reichhaltig und gut, für 19 Euro kann man sich hier den Bauch richtig vollschlagen. Noch viel eindrücklicher sind aber die Räumlichkeiten des Hotels selbst, Stuckdecken, Buntglasfenster, barocke Möbel und edles Geschirr. Sie zeugen von seiner langen Geschichte.

Highlight 5: Park der Nationen

Die Gelände ehemaliger Weltausstellungen haben oftmals etwas Trostloses an sich. Im Gegensatz zu Sevilla zum Beispiel, ist das moderne Viertel am Ufer des Tejo hier in Lissabon aber nicht dem Verfall preisgegeben, sondern wächst weiter. Bereits der Bahnhof Oriente mit seiner filigranen Dachkonstruktion ist sehenswert. Entlang des Geländes über dem Tejo fährt eine Seilbahn bis hin zum Vasco da Gama Turm, von wo aus man einen tollen Blick auf die über 17 Kilomenter lange Ponte Vasco da Gama hat. Außerdem befindet sich hier das berühmte Ozeanium.

Schließlich bleibt noch die Frage aller Fragen: Lissabon oder Porto? Lissabon, ist toll, aber mein Herz schlägt eindeutig für Porto, die kleinere Schwester im Norden Portugals. In diese Stadt habe ich mich bei meinem Besuch im Juni 2014 auf Anhieb verliebt. Irgendwann werde ich dazu noch einen Blogbeitrag verfassen. Bis dahin gibt es aber noch viel zu tun und zu sehen, denn … life is short and world is wide.

2016 setze ich die Tradition der Silvesterreisen fort und verbringe den Jahreswechsel in Hongkong. Einige Tipps dazu habe ich in einem Beitrag zusammengefasst.

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