Lauterbrunnental: tosende Wasserfälle und idyllische Bergdörfer

Ausflüge

Das Lauterbrunnental vereint so ziemlich alles, was ausländische Touristen von der Schweiz erwarten: den Ausblick auf Eiger, Mönch und Jungfrau, steil abfallende Felswände, Wasserfälle, herzige Dörfer mit Holzhäusern und ein bisschen Filmgeschichte. Das Tal im Berner Oberland ist so etwas wie der Inbegriff der Schweizer Alpen. Neben den Bergseen im Berner Oberland zeige dieses einzigartige Naturschauspiel immer wieder gerne meinen Gästen.

Ein paar Fakten zum Lauterbrunnental

Nomen est Omen. «Lauter Brunnen» als Bezeichnung des Hauptortes und des Tals weist schon darauf hin, was Besucher hier erwarten können, nämlich eine ganze Reihe von Wasserfällen, klaren (lauteren) Quellen und Bächen (Brunnen). Und so wird das Lauterbrunnental auch Tal der 72 Wasserfälle genannt. Zudem fließt durch das Tal noch die Weiße Lütschine.

Fans von J.R.R. Tolkien ist das Lauterbrunnental mit Sicherheit bekannt. Der Dichter, der 1911 wandernd in der Schweiz unterwegs war, ließ sich von dieser faszinierenden Landschaft inspirieren. Mit ziemlicher Sicherheit war das Lauterbrunnental Vorlage für Rivendell oder Bruchtal, einem der Schauplätze in Herr der Ringe und der Hobbit.

Neben Naturliebhabern und Filmfreunden zieht es viele Abenteuerlustige in das Lauterbrunnental. Die nahezu senkrecht abfallenden Felswände machen die Talsenke zwischen Stechelberg und Lauterbrunnen zu einem Paradies für Base-Jumper. Das führt leider immer wieder zu tödlichen Unfällen. Überall im Tal sind Plakate zu finden, auf denen Air-Glaciers (Rettungshelikopter in Lauterbrunnen) die Adrenalin-Junkies bittet, die Basis doch vor ihren Absprüngen zu informieren. Immerhin müssen Piloten, Bergretter und Ärzte unter Einsatz des eigenen Lebens regelmäßig Verletzte aus unzugänglichen Felsregionen bergen.

Orte und Ausflugsziele im Lauterbrunnental
Lauterbrunnen

Die Ortschaft Lauterbrunnen liegt am Eingang des Tals und ist Ausgangspunkt zu vielen bekannten Ausflugszielen in der Region. Das Passagieraufkommen am Bahnhof in Lauterbrunnen ist enorm, ein schier nicht versiegen wollender Besucheransturm bahnt sich den Weg zwischen den gelb-blauen Zügen der Berner-Oberland-Bahn, dem Postauto Richtung Stechelberg, der Kabine der Bergbahn Lauterbrunnen–Mürren und den gelb-grünen Zügen der Wengeneralpbahn. Schließlich ist diese Station Drehpunkt für die Fahrt nach Wengen, das auf einer Terrasse auf der Ostseite von Lauterbrunnen liegt, und weiter aufs Jungfraujoch sowie aufs Schilthorn auf der Westseite.

Auch im Ort herrscht reges Treiben und ein ziemliches Gewusel. Alle wollen sie zum Dorfeingang, zu dem Wahrzeichen von Lauterbrunnen, dem Staubbachfall. Dieser Wasserfall gehört zu den höchsten der Schweiz und zu den höchsten frei fallenden Wasserfällen Europas. Fast 300 Meter tief stürzt das Wasser von einer überhängenden Felswand ins Tal. Wenn es windig ist, wird dieser Wasserfall tatsächlich zum Staubbach und versprüht feine Wassertröpfchen.

Schon Goethe ließ sich 1779, zu Zeiten als das Reisen noch wesentlich beschwerlicher war, von den tosenden Wassermassen zu einem Gedicht inspiereren. «Strömt von der hohen, steilen Felswand der reine Strahl. Dann stäubt er lieblich in Wolkenwellen zum glatten Fels. Und leicht empfangen wallt er verschleiernd, leisrauschend zur Tiefe nieder. Ragen Klippen dem Sturz entgegen, schäumt er unmutig stufenweise zum Abgrund.» heißt es im «Gesang der Geister über den Wassern».

Trümmelbachfälle

Auf der linken Talseite Richtung Stechelberg befindet sich mit den Trümmelbachfällen ein weiteres eindrückliches Naturspektakel. Was den Besucher dort erwartet, lässt sich erst einmal nur erahnen. Denn hier hat sich das Wasser so tief in den Fels hineingefressen, dass man die Wasserfälle von aussen gar nicht mehr sieht. Die Trümmelbachfälle sind die einzigen unterirdisch zugänglichen Wasserfälle der Welt. Sie entwässern die Gletscher von Eiger, Mönch und Jungfrau. 20.000 Liter Wasser pro Sekunde bahnen sich unter lautem Gurgeln, Donnern und Zischen den Weg durch den Fels.

Mit einem etwas abenteuerlich anmutenden Lift beziehungsweise einer Standseilbahn kann man bequem die ersten Katarakte überwinden. Danach geht es weiter über mit Geländern gesicherte Treppen, Galerien, Tunnel und Wege. Dazwischen gibt es immer wieder Aussichtsplattformen. Die Trümmelbachfälle sind heute gut erschlossen. Das tut dem Erlebnis aber keinen Abbruch. Das Wasser stürzt über die glattgeschliffenen Felswände in die Tiefe, bildet Strudel und man wird nass von der Gischt. Man ist regelrecht mittendrin – ein großartiges Erlebnis. Manchen asiatischen oder arabischen Touristen ist der Auf- und  Abstieg etwas zu spektakulär, sie klammern sich ängstlich ans Geländer.

Leider ist das Fotografieren aufgrund der Lichtverhältnisse und der Nässe nicht ganz so einfach. Aber man kann das Schauspiel auch einfach so genießen. Der Eintritt zu den Trümmelbachfällen kostet für Erwachsene 11 CHF (2018).

Mürren

Das 400-Seelen-Dorf Mürren liegt 1650 Metern über dem Meer auf einer Terrasse über dem Lauterbrunnental. Zu erreichen ist Mürren, das Bergdorf am Fuße des Schilthorns nur per Seilbahn. Wir nehmen diesmal die Kabinenbahn ab Lauterbrunnen (das Überwinden jeder Stütze wird von den Asiaten mit einem lauten Ahh und Ohh begleitet) und dann die Schmalspurbahn von Grütschalp nach Mürren. Gegenüber liegen wunderschön Wengen und Grindelwald. Der andere Weg führt über zwei Seilbahnsektionen von Stechelberg nach Mürren.

Von Mürren aus hat man eine fantastische Aussicht auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Die Gipfel sind zum Greifen nah. Die ehemalige Walsersiedlung ist auch heute noch autofrei. Besonders schön finde ich die liebevoll dekorierten Häuser und bestellten Gärten. Ein bisschen ist es wie in einem Heimatmuseum.

Neben einem gemütlichen Dorfspaziergang kann man an einem Tagesausflug auch gut mit der Standseilbahn zum Allmendhubel oder andere größere und kleinere Wanderungen in Angriff nehmen. Danach gönnt man sich eine kleine Stärkung oder einen Kaffee auf einer der vielen Terrassen und beobachtet die Gleitschirm-Tandemflieger, die im Minutentakt, an einem vorbeisegeln.

Schilthorn

Wem das alles nicht genug ist und wer noch höher hinaus will, der nimmt die Seilbahn zum Gipfel des 2970 Meter hohen Schilthorns. Mit etwa 100 CHF ist das ein sehr kostspieliges Unterfangen. Die Schweiz ist und bleibt ein Hochpreisland und spricht damit in erster Linie betuchte Touristen aus dem Ausland an. Wenn ich Besuch von Famile oder Bekannten aus Österreich und Deutschland habe, suche ich jeweils nach einigermaßen erschwinglichen Zielen. Denn wenn eine zehnminütige Seilbahnfahrt mehr kostet als ein Europaflug, fehlen meist das Verständnis und auch die finanziellen Mittel. Zwar gibt es den SWISS Travel Pass, mit dem man als ausländischer Gast freie Fahrt mit Bahn, Schiff, Bus und vielen Seilbahnen hat, aber leider erst ab drei Reisetagen. Wer nur für einen Kurzbesuch am Wochenende kommt, kann diesen Travel Pass für 225 CHF (2. Klasse) kaum ausnutzen.

Am Gipfel des Schilthorns besucht man das Drehrestaurant Piz Gloria, den Skyline View Plattform oder die Bond World. 1968 war das Schilthorn Drehort der  James-Bond-Filmreihe. George Lazenby stand hier als James Bonnd 007 – Im Geheimdienst Ihrer Majestät vor der Kamera. Bei schönem Wetter sieht man von hier oben sogar bis zum Mont Blanc.

Lauterbrunnental für Ruhesuchende abseits des Tourismus

Neben einem Besuch der typischen Touristen-Hotspots lässt sich im Lauterbrunnental auch genüsslich wandern. Der Weg von Lauterbrunnen nach Stechelberg führt vorbei an den mehreren hundert Meter hohen Felswänden mit eindrücklichen Wasserfällen und ist mehrheitlich flach. Im hinteren Lauterbrunnental finden ambitionierte Wanderer abseits des Touristentrubels ein wunderbares Wandergebiet. Auf der Rundwanderung von Stechelberg nach Obersteinberg kann man sich weit ab der Zivilisation fühlen. Diese Wanderung möchte ich demnächst einmal in Angriff nehmen.

Lauterbrunnental Wasserfälle und Bergdörfer

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